Miʿilya (, , auch Plene: ) ist ein Ort in Westgaliläa knapp 16 Kilometer östlich der Küstenstadt Naharija. Das einst befestigte, seit dem Mittelalter belegte Städtchen im israelischen Nordbezirk erhielt 1957 den Status einer Gemeindeverwaltung.
Lage Miʿilya liegt geographisch in Obergaliläa, zählt aber politisch und raumplanerisch eher zu Westgaliläa. Die historische Landstraße von Damaskus nach Akkon, die in ost-westlicher Richtung Galiläa via Rosch Pinnah, Safed und Maʿalot-Tarschiha quert, passiert auch Miʿilya. Im Abschnitt zwischen Elifelet und Naharija am Mittelmeer ist diese Landstraße heute als Kvisch klassifiziert. Mit dem 2,8 km östlich gelegenen Unterzentrum Maʿalot-Tarschiha bildet Miʿilya zunehmend einen geschlossenen, in einander übergehenden Siedlungsraum.
Miʿilya liegt inmitten eines fruchtbaren Landstrichs, dem 800 mm Niederschlag auf den Quadratmeter per annum bei mildem Klima gute Agrarerträge sichern, das den Anbau von Feldfrüchten der maritimen und der bergigen Klimazonen der Levante erlaubt. Diesen Landstrich umgrenzen die Bergkette im Norden, die Obergaliläa vom ebenfalls galiläischen Dschabal ʿĀmil jenseits der libanesischen Grenze trennt, ein Höhenzug sieben Kilometer weiter im Osten mit den Bergen Har Hillel und Har Meron, die Teil der Wasserscheide sind, die das Einzugsgebiet des levantinischen Mittelmeers von jenem des Jordangrabens trennt,Mansur Abu Qarn (), “” (15. März 2013), auf: ذئب الصحراء; aufgerufen am 23. Mai 2025. der Bergrücken al-Schaghur () neun Kilometer südlich, der Obergaliläa von Untergaliläa trennt, und der Abhang Obergaliläas zur westgaliläischen Küstenebene.
Zum nächsten Mittelzentrum Naharija beträgt die Entfernung 16 Kilometer gen Westen, während die Ruine der Deutschordensburg Montfort 3,5 km in nordwestlicher Richtung liegt. Miʿilya liegt etwa fünf Kilometer Luftlinie südlich der durch die UN bis auf weiteres festgelegten Südgrenze des Libanons und damit in Reichweite des terroristischen Beschusses durch die Hizbullah (mit drei Verletzten durch Einschlag neben einem Wohnhaus in Miʿilya am 21. Februar 2009“On February 21 two rockets were fired into Israel from south Lebanon” (22. Februar 2009), auf: Meʾir Amit Intelligence and Terrorism Information Center; abgerufen am 5. Februar 2025. wie auch stets wiederkehrendem Alarm im Zeitraum 8. Oktober 2023 bis 27. November 2024), und zwar in der so genannten «Nullzone» bis neun Kilometer von der Grenze, wo den Menschen ab Ertönen der Sirene bis zum Einschlag keine volle Sekunde bleibt.
Ortsname Der Ortsname lautet eigentlich in literarischem Hoch,Denys Pringle, Secular Buildings in the Crusader Kingdom of Jerusalem: An Archaeological Gazetteer, Cambridge, England: Cambridge University Press, 1997, Eintrag ‹152 Miʿiliya›, hier S. 71seq. ISBN 0-521-46010-7. doch im levantinischen Dialekt einfach Miʿilya, ohne Taschkīl schreibt sich beides gleich. Dass der Ortsname auf den Namen derer de Milly zurückgeht, eine aus dem picardischen Mailly-Maillet stammende Frankenfamilie (Franken, , waren katholische Levantiner lateinischen Ritus, größtenteils mit europäischen, v. a. französischen Vorfahren), die ihr Landgut an der Landstraße Akkon-Damaskus im 12. Jahrhundert hielten, gilt heute als überholt. Der Orientalist Edward Henry Palmer leitet den Ortsnamen vom Wortstamm «ʿAl» ab, der oben, obendrauf, gehoben/erhaben bedeuten kann,The Survey of Western Palestine: Arabic and English Name Lists Collected During the Survey by Lieutenants Conder and Kitchener, Edward Henry Palmer (Übs. und erläutert), Committee of the Palestine Exploration Fund (Hrsg.), London: Harrison & Sons, 1881, S. 52. und sieht im heutigen Ortsnamen eine Wortform, die mit dem hebräischen Begriff verwandt ist, was ein Verkehrsweg mit Steigung ist, oder auch ein höhenmäßig herausgehobener Ort.Amnon Gofer (), “” (10. Dezember 2012), auf: Ynet יְדִיעוֹת אַחֲרוֹנוֹת; abgerufen am 23. Januar 2025.
Demographie und Bildung Zum Jahresende 2023 zählte die Bevölkerung 3.272 Einwohner,Israels Zentralbüro für Statistik veröffentlicht die Bevölkerungszahlen für Ortschaften in seinen Jahrbüchern als Listen im PDF-Format (“2023 ,”), zuletzt mit Stand für Ende 2023. noch waren es Personen. Der Einwohnerzahl nach nimmt Miʿilya unter den israelischen Kommunen Rang 245 ein.Israels Zentralbüro für Statistik veröffentlicht die Bevölkerungszahlen für Ortschaften mit weniger als 2.000 Einwohnern in seinen Jahrbüchern als Listen im PDF-Format (“2024 ,”), zuletzt mit Stand für Ende 2024. Die Bevölkerungsdichte beträgt 1.554 Einwohner je Quadratkilometer bei einem Gemeindegebiet von 21.244 metrischen Dunam,Israels Zentralbüro für Statistik veröffentlicht Physische Daten und Daten zur Bevölkerung als Listen im PDF-Format (“2022 ,”), zuletzt mit fortgeschriebenem Stand vom 7. Januar 2025; abgerufen am 31. Januar 2025. was Rang 146 aller israelischen Kommunen ausmacht.
Unter den Einwohnern sind 97,5 % katholische Melkiten,Maya Margit, “Celebrating Christmas in Israel’s ancient Greek Catholic villages” (23. Dezember 2018), auf: Ynetnews; abgerufen am 18. Januar 2025. die ethnisch weit überwiegend arabische Israelis sind. Da am Ort keine muslimischen Binnenflüchtlinge des Kriegs um Israels Unabhängigkeit Zuflucht suchten und Aufnahme fanden, bilden Miʿilya und Fassuta die einzigen beiden beinahe homogen christlichen Orte Israels. Im Jahre 2024 verändert sich Miʿilyas Einwohnerzahl um −0,2 % aufs Jahr, was Ausdruck der schwachen christlichen Geburtenentwicklung und / oder der Kriegseinwirkung des Hizbullah (Fortzüge) sein kann. Nur etwa drei Dutzend Einwohner haben eine andere als die israelische Staatsbürgerschaft.Israels Zentralbüro für Statistik veröffentlicht die Bevölkerungszahlen für Ortschaften und Regionalverbände in seinen Jahrbüchern als Listen im PDF-Format (“2024 ,”), zuletzt mit Stand für Ende 2024.
Miʿilya gründete einen kommunalen Träger für die Schulen, wie Meʾir Paʿil 1979 berichtete.Tagesordnungspunkt 2 “” (Ereignisse im Dorf Miʿilya), in: vom 23. Tammuz 5739 (Sitzungsprotokolle vom 18. Juli 1979), Jerusalem: Knesset, 1979, S. 3621–3630, hier S. 3628. Die Eltern unter der wachsenden Einwohnerzahl, nutzten für die Ausbildung ihrer Kinder seit der Mandatszeit christliche und jüdische Bildungseinrichtungen und nach 1949 noch einmal vermehrt das steigende Angebot des israelischen Bildungssektors. In traditionellen Gewerben, vor allem der Landwirtschaft, finden nachrückende Erwerbssuchende der je jungen Generation kein Auskommen, gute Bildung eröffnet ihnen neue Berufschancen.
Die Unternehmerin Salma ʿAssaf,Ihr Name schreibt sich in den Landessprachen . 1953 geboren, gehört wie ihre acht Geschwister zur ersten Generation, deren Angehörige die israelischen Bildungseinrichtungen nutzen konnten und höhere Abschlüsse erlangten, umso mehr in der Generation ihrer drei Kinder, eine Anwältin, ein Steuerberater und ein Neurowissenschaftler.Gilʿad Carmeli (), “” (21. Juli 2019), auf: Ynet יְדִיעוֹת אַחֲרוֹנוֹת; abgerufen am 23. Januar 2025. Sie studierte Geschichte, doch vor dem Hintergrund traditioneller Geschlechterrollen und schwerem Zugang zu akademischen Berufen für Angehörige der arabischen Minderheit zu ihrer Zeit, verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Tankstellenbesitzerin in Miʿilya. Salma ʿAssaf resümiert 2020, damit eine Gesellschaft sich entwickelt, muss man zur Ausbildung die Frauen aus dem Dorf fortziehen lassen, um mit der Welt und dem Fortschritt konfrontiert zu werden, den sie dann zurück mit nach Hause bringen.
Die Lernbereitschaft und die Bildungsmöglichkeiten führten nicht nur zu hohen Bildungsabschlüssen, sondern auch entsprechend in gut bezahlte Berufe. Selbst im Coronajahr 2021 lag die Arbeitslosenrate bei zwei Prozent. Angesichts des Bedarfs an Fachkräften in Israel zieht dies einen entsprechenden Lebensstandard der Einwohner Miʿilyas nach sich. Etwa ein Drittel der Einwohner verfügt über einen akademischen AbschlussDubbi Sakkai (), “” (20. Dezember 2002), auf: Ynet יְדִיעוֹת אַחֲרוֹנוֹת; abgerufen am 23. Januar 2025. und sind als Fachärzte, Abteilungsleiter, Anwälte, Ingenieure und Unternehmer in verschiedenen Bereichen erwerbstätig. Da es am Ort kaum entsprechende Stellen gibt, arbeiten die meisten als Pendler auswärts. Viele Miʿilawiten () haben ein Studium auf Lehramt absolviert, so viele, dass 2021 über 200 andernorts an Schulen im Lande arbeiten.
Das durchschnittliche Monatsgehalt eines Arbeitnehmers in Miʿilya betrug 10.827 Neue Israelische Schekel (NIS) im Jahr 2021 (Landesdurchschnitt: 11.330 NIS).“2021 ” (Datenblatt zu Miʿilya, 2021), in: 2021 , Zentralbüro für Statistik, S. 810–814, hier S. 813; abgerufen am 31. Januar 2025. Miʿilya liegt auf der sozioökonomischen Leiter des Landes auf dem siebten Rang. Unter allen mehrheitlich arabisch bewohnten Orten Israels lag das durchschnittliche Einkommen der Miʿilawiten schon 2002 an der Spitze.
Die heute günstigen kommunalen Steuereinnahmen erlauben, die örtliche Schule gut auszustatten. Der pensionierte Schulrektor Iskandar ʿArrafSein Name schreibt sich in den Landessprachen . berichtet 2021, dass in Miʿilya im Durchschnitt 24 Schüler in einer Klasse sitzen, während vielerorts im Lande 40 keine Seltenheit sind. Im Schuljahr 2021/2022 zählte das örtliche Schulzentrum, mit Namen , kombiniert 414 Schüler der Grund- und Mittelstufe und 329 an der Oberstufe für Fassuta und Miʿilya, die mit dem neuen Schulzentrum im Jahre 2000 eröffnete, wobei die Oberschüler etwa hälftig beiden Orten entstammen, aber auch aus Abu Sinan, Kafr Jasif und Tarschiha einige dazukommen. In besagtem Schuljahr erwarben 90,7 % der Schüler den höchsten Schulabschluss Bagrut. Der Notenschnitt lag 2021 landesweit am höchsten. Damit schneidet auch Miʿilyas Schülerschaft gut ab, wie christliche Schulen im landesweiten Vergleich im Schnitt vor jenen anderer Bekenntnisgemeinschaften liegen. Zur außerschulischen Bildung gehören fünf Kindergärten, ein Fortbildungszentrum nach Art einer Volkshochschule, Initiativen der katholischen Pfadfinder und eine kirchliche Sonntagsschule.
Zur Wohlfahrt trägt ferner ein Spezifikum des Arabischen Sektors der israelischen Gesellschaft bei. Nach dem Krieg um Israels Unabhängigkeit 1948/1949 waren vier Fünftel der arabischen Israelis Grundeigentümer, ein knappes Fünftel mittellose Binnenflüchtlinge (in Zahlen 31.000 PersonenJalal Al-Husseini, “Jordan and the Palestinians”, in: Atlas of Jordan: History, Territories and Society, Myriam Ababsa (Hrsg.), Paris: Presses de l'Ifpo, 2014, S. 230–245, hier Abs. 1. ISBN 2-35-159438-X.), denen ein israelisches Gesetz die Wiedererlangung zurückgelassener Habe verwehrte.Vgl. (20. März 1950), in: סֵפֶר הָחֻקִּים, Nr. 37/ב März 1950. Die am angestammten Ort verbliebenen 125.000 arabischen Israelis hielten Grundeigentum, weil sie selbst in der Landwirtschaft tätig waren, oder kaum mehr als eine Generation früher von Bauern abstammten.