mini|Nordportal, bez. 1588

Die römisch-katholische Kirche St. Peter und Paul in Weyher in der Pfalz im Landkreis Südliche Weinstraße steht an der örtlichen Kirchgasse. Sie gehört zur Edenkobener Großpfarrei Hl. Anna und damit zum Dekanat Landau im Bistum Speyer. Die Kirche trägt das Patrozinium des hl. Petrus und hl. Paulus und steht unter Denkmalschutz.

Geschichte In Weyher wird bereits im Jahr 777 eine „Basilika“ im Lorscher Codex erwähnt. Diese war bereits dem heiligen Petrus geweiht. Darüber hinaus ist belegt, dass die Weyherer Pfarrei im Mittelalter eine herausgehobene Stellung besaß und Sitz eines 52 Pfarreien umfassenden Dekanates war.

Das erste greifbare Kirchengebäude an der heutigen Stelle entstammt der Gotik und erstreckte sich in West-Ost-Richtung. Dessen Chor ist heute noch als Sakristei erhalten. Später wurde im frühen 15. Jahrhundert ein zweiter, spätgotischer Bau an selber Stelle errichtet. Auch von diesem Gebäude sind Reste erhalten. Zwischen den Jahren 1588 und 1592 fanden an der Kirche Umbauarbeiten statt. Als Zeugnis dieser Arbeiten ist das Nordportal erhalten.

Im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde die Kirche 1689 massiv beschädigt und das Langhaus weitgehend zerstört. Ab 1706 begann man mit der Beseitigung der zerstörten Überreste und ab 1712 mit dem barocken Wiederaufbau der Kirche unter Beibehaltung der erhaltenen, gotischen Überreste. Im Jahr 1716 konnte die Kirche geweiht werden.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden Ausstattungsmaßnahmen unternommen. So kam 1887 eine neue Orgel in die Kirche und 1891 sowie 1900 wurden neue Buntglasfenster in Chor und Langhaus verbaut. In den 1960er Jahren wurde erneut an der Innenausstattung gearbeitet. Die letzten, umfassenden Renovierungsarbeiten am Gebäude und der Innenausstattung wurden zum Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre vorgenommen.

Beschreibung

Bei dem Kirchengebäude handelt es sich um eine Saalkirche im Stil des Barock, in den Teile des gotischen Vorgängerbaus, also des zweiten gotischen Kirchengebäudes, einbezogen sind. Der eingezogene, dreiseitig geschlossene Chor verfügt über ein spätgotisches Rippengewölbe aus dieser Zeit. Auch der spitzbogige Zugang zwischen der Sakristei und dem Schiff stammt aus dieser Zeit. An der Außenseite des Chors befindet sich ein Grabstein der Elisabeth Traitteur mit vier klagenden Kindern aus dem Todesjahr 1785. Es wurde vom kurpfälzischen Hofbildhauer Conrad Linck als klassizistische Stele mit einer Rundbogenblende geschaffen.

Der 36 m hohe, ebenfalls barocke Zwiebelturm ist dreigeschossig. Unter ihm befindet sich der ehemalige Chor des ersten gotischen Kirchengebäudes, der heute als Sakristei fungiert. Dementsprechend handelte es sich bei diesem ursprünglich um einen Chorturm. Das mit dem Jahr 1588 bezeichnete Nordportal aus Renaissance ist in den Turm eingelassen. Das Westportal ist mit dem Jahr 1712 bezeichnet.

Im Kirchhof befindet sich ein Kriegerdenkmal des Ersten Weltkriegs, ein Kruzifix aus Sandstein sowie zwei Grabkreuze aus Rotsandstein, die mit den Jahren 1663 und 1670 bezeichnet sind. Direkt hinter der Kirche liegt der zugehörige Friedhof.

Ausstattung Die Innenausstattung stammt größtenteils aus dem 18. Jahrhundert. Sie umfasst einen Hochaltar sowie Seitenaltäre, die mit Rokokofiguren verziert sind. Die Kanzel ist ebenfalls im Stil des Rokoko gehalten und stammt aus der Zeit um 1720. Darüber hinaus befindet sich in der Kirche eine Monstranz des Augsburger Schmieds Joseph Ignaz Saler aus den Jahren 1737 bis 1739. Das Bild wird im Inneren ferner durch die Bleiglasfenster aus der Sanierung um das Jahr 1900 geprägt. Der Fußboden besteht aus Marmor.

Orgel

Die Orgel der Weyherer Kirche stellt das besterhaltene Instrument der lediglich zwei erhaltenen Orgeln des Speyerer Orgelbauers Johann Jelaćić dar. Ihre historische Substanz ist weitgehend erhalten. Jelaćić baute sie im Jahr 1887 als opus 26 mit mechanischen Trakturen. Im Laufe der Zeit wurden im Nebenwerk die Aeoline sowie die Voix céléste durch eine Waldflöte und ein Larigot ersetzt. Insgesamt verfügt die Orgel über 18 Register auf zwei Manualen und Pedal. Ihre Windladen sind als Kegelladen ausgeführt. Die heutige Disposition lautet:

I Hauptwerk C–f3 Bourdon 16′ Principal 8′ Gedackt 8′ Floete Major 8′ Viola di Gamba 8′ Octave 4′ Rohrfloete 4′ Quinte ′ Octave 2′ Mixtur IV ′ II Nebenwerk C–f3 Lieblich Gedackt 8′ Salicional 8′ Traversflöte 4′ Waldflöte 2′ Später eingebaut; nicht original Larigot II 1′ + ′ Pedal C–d1 Subbaß 16′ Violonbaß 16′ Octavbaß 8′ Anmerkungen

Koppeln: II/I, I/P, II/P

Glocken Im Turm der St. Peter und Paul-Kirche befinden sich vier Glocken. Drei dieser Glocken sind historisch und stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurden im Jahr 1794 demontiert, um im Ersten Koalitionskrieg zu Kanonen gegossen zu werden. Sie konnten jedoch durch Weyherer Einwohner auf einem ehemaligen Weinberg versteckt und so 1804 wieder montiert werden. Die heutige Petrusglocke wurde 1949 gegossen, nachdem ihr Vorgänger im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen wurde.

Technische Daten Das Geläut lautet heute: Nr. Name Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser(mm, ca.) Masse(kg, ca.) Schlagton 1 Marienglocke(12 Uhr-Glocke) 1749 Johann Jacob Speck, Bruchsal 1.240 1.100 es1 2 Petrusglocke(11 Uhr-Glocke) 1949 Meister Hamm, Frankenthal 1.080 600 g1 3 Antoniusglocke(Halbmess- oder Rosenkranzglocke) 1749 Johann Jacob Speck, Bruchsal 860 a1 4 Frühmessglocke in der Turmlaterne 1733 590 120 es2 Anmerkungen

Inschriften Nr. Name Inschriften 1 Marienglocke Zu Ehren der unbefleckten Jungfrau und Mutter Gottes, Maria,liess mich giessen die Gemeinde Weyher unter Rippurg im Jahr 1749Johann Jacob Speck von Bruchsal gos michJ.J. Duras, Hoch. fürstl. Spey. Camrath GuttaetherUnbefleckt Empfangene Jungfrauauf unser Ort vom Himmel schaualle Übel von uns gnädig treibunsere Mutter und Schutzfrau bleibGeorg Koch Schultheis 2 Petrusglocke Eigentum der katholischen Kirchenstiftung WeyherDu bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauenMatth. 16,18Meister Hamm aus Frankenthal goss mich 1949 3 Antoniusglocke Zu Ehren des hl. Antonius von Padualiess mich giessen die Gemeind Weyher unter Rippurg im Jahre 1749Johann Jacob Speck von Bruchsall goss michSanct Antoni du WundermannDein Hilf bei Gott wir rufen anmach durch dieser Glocken ZeichenDonner Hagel Blitz abweichenJ.J. Duras Hoch.fürst. Spey. Camrath Guthtaeter 4 Frühmessglocke Gott zu Ehren last mich giessendie ganze Gemeind Weyher under Ripurgdurch Johann Jacob Speck in BruchsaltAnno 1733

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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