mini|Kinder einer amischen Gemeinde auf dem Weg zur Schule (2006) Die Amischen ( []) sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft, die überwiegend in den USA lebt. Die Bezeichnung leitet sich vom Namen ihres Begründers Jakob Ammann (1644–1730) ab. Die Amischen haben ihre Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas, vor allem der Schweiz und Süddeutschlands. Vom Hauptstrom der Täufer, den Mennoniten, trennten sich die Amischen 1693.

Wenn heute von Amischen gesprochen wird, sind fast immer die Amischen alter Ordnung gemeint. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spalteten sich die Amischen in verschiedene Untergruppen auf, von denen die Amischen alter Ordnung nur etwa ein Drittel ausmachten. Die meisten anderen Untergruppen haben im Lauf der Zeit ihre amischen Eigenarten verloren und sich der amerikanischen Gesellschaft angeglichen. Neben den Amischen alter Ordnung haben sich die Kauffman Amish Mennonites, die Beachy-Amischen und die Amischen neuer Ordnung einige Teile der alten amischen Kultur bewahrt. Die konservativen Mennoniten, von denen viele amischen Ursprungs sind, haben Traditionen bewahrt, die sowohl mennonitisch als auch amisch sind. Die Amischen alter Ordnung sind heute in mehr als vierzig Untergruppen aufgeteilt, die sich teilweise erheblich unterscheiden.

Amische alter Ordnung führen ein stark in der Landwirtschaft verwurzeltes Leben und sind bekannt dafür, dass sie bestimmte moderne Techniken ablehnen und Neuerungen nur nach sorgfältiger Prüfung der Auswirkungen übernehmen. Die Amischen legen großen Wert auf eine Familie mit klar vorgegebenen Geschlechterrollen, Gemeinschaft und Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Wie andere täuferische Kirchen praktizieren die Amischen ausschließlich die Bekenntnistaufe und lehnen entsprechend der Bergpredigt Gewalt und das Schwören von Eiden ab.

Die Amischen stammen überwiegend von Südwestdeutschen oder Deutschschweizern ab und sprechen untereinander meist Pennsylvaniadeutsch, kleinere Untergruppen sprechen stattdessen einen elsässischen oder einen berndeutschen Dialekt. Im Jahre 2015 lebten etwa 300.000 Amische in 32 Staaten der USA sowie im kanadischen Ontario in etwa 500 Siedlungen und 2200 Gemeindedistrikten.

In den letzten Jahrzehnten wurden die Amischen ein beliebtes Thema der Populärkultur, wobei vor allem die Massenmedien ein von der Wirklichkeit oft stark abweichendes Bild der Amischen zeichnen. Ein Beispiel einer stark verzerrten Darstellung der Amischen ist die Fernsehserie Amish Mafia.Blog.pennlive.com: There is no Amish mafia' says Amish expert

Namen Der Name „Amische“ entwickelte sich aus dem Nachnamen von Jakob Ammann aus Erlenbach im Simmental, der Ältester (Gemeindeleiter) einer Mennonitengemeinde im Elsass war und sich 1693 mit Gleichgesinnten vom Hauptzweig der Mennoniten abtrennte.

Im Englischen werden die Amischen als Amish bezeichnet, wobei das A meist mit dem englischen A wie in father ausgesprochen wird (welches dunkler als das standarddeutsche A ist).Merriam-Webster: Aussprache „Amish“ (WAV; 6 kB) Im amerikanischen Englisch gibt es auch die selteneren Aussprachen mit A wie in cat /æˑ/ und wie in fate /eɪ/, im britischen Englisch /eɪ/. Die Amischen selbst sprechen auf Deutsch und Pennsylvaniadeutsch Amisch meist mit kurzem A, wie die Aussprache von (Jakob) Ammann, dessen erstes A ebenfalls kurz ist.

Geschichte Entstehung der Täufer

Die Vorgeschichte der Amischen ist in der Reformationszeit verankert. Martin Luthers Aufbegehren gegen das Papsttum gab die Initialzündung für andere Personen, sich ebenfalls aktiv für eine Kirchenreform einzusetzen. So sind sowohl die Reformatoren Thomas Müntzer, Ulrich Zwingli und der etwas spätere Johannes Calvin zu nennen als auch die zeitgleich aufkommende radikal-reformatorische Täuferbewegung (despektierlich auch Wiedertäufer genannt) mit ihren eigenen Reformatoren wie z. B. Felix Manz, Konrad Grebel oder Menno Simons.

Aus der Täuferbewegung entstand im Laufe der Zeit die evangelische Religionsgemeinschaft der Mennoniten, zu denen im 17. Jahrhundert auch die Gemeinden zählten, die sich in der Schweiz und Süddeutschland als Reste der verfolgten Täufer als Schweizer Brüder bezeichneten. Diese hatten – soweit sie im Elsass lebten – das Dordrechter Bekenntnis der Mennoniten der Niederlande und Norddeutschlands aus dem Jahre 1632 angenommen, praktizierten aber die dort geforderte Absonderung von der Welt und den Gemeindebann bei Uneinsichtigkeit nach Verstößen gegen die Ordnung nicht so streng, weil vor allem in der Schweiz aufgrund der dortigen Verfolgung eine strikte Unterscheidung zu Spaltungen geführt und damit ihre Existenz bedroht hätte.

Entstehung der Amischen Ende des 17. Jahrhunderts sorgte die strenge Anwendung des Dordrechter Bekenntnisses durch den mennonitischen Ältesten Jakob Ammann für Unruhe in den Schweizer und nahen elsässischen Gemeinden, wobei der stärkere Kontakt der elsässischen Mennoniten mit den Niederlanden und die Ähnlichkeit der Verhältnisse in beiden Gegenden, nämlich eine relativ große Toleranz von staatlicher Seite, eine Rolle spielten. Hauptgegner in dieser Auseinandersetzung war der schweizerische mennonitische Älteste Hans Reist, mit dem sich Ammann auch über die Frage stritt, wer gerettet werden könne, wer also in den Himmel käme.

In der Schweiz halfen damals viele Nichtmennoniten den verfolgten Mennoniten, indem sie sie versteckten oder ihnen andere Hilfe zukommen ließen, und retteten ihnen dadurch das Leben. Hans Reist meinte, dass diese sogenannten Treuherzigen auch gerettet werden könnten, obwohl sie nicht in die Gemeinde Gottes eintraten; die eigene Gemeinde wurde als die einzige richtige Gemeinde verstanden. Viele dieser Treuherzigen standen auch den mennonitischen Glaubenslehren sehr nahe, doch die Umstände hinderten viele daran, sich ihnen anzuschließen, etwa die Angst vor dem Verlust des Lebens.

Ammann sah dies viel rigoroser: Er verlangte einen vollständigen Übertritt zum Mennonitentum mit allen Konsequenzen. Die wahren Gläubigen sollten das Kreuz auf sich nehmen wie das Vorbild und hätten dann eine lebendige Hoffnung auf Rettung, während Zweifler und Unentschlossene, die diese Welt eben doch noch mehr lieb haben als den Herrn, keine Gnade erwarten könnten. Dies war einer der Hauptpunkte des Streites.

mini|Im Pferdewagen (Buggy) Begründet im Dordrechter Bekenntnis von 1632 und der Bibel, wo von einem demütigen Lebenswandel gesprochen wird, forderte Ammann auch eine strenge Handhabung der Gemeindezucht und die Einhaltung bestimmter Regeln über Kleidung und Barttracht der Gläubigen. Dadurch wurden viele strenge Elemente in der sich neu formenden Gruppe auch tatsächlich umgesetzt.

All diese Streitpunkte endeten in einer Spaltung. Es entstanden die ammannschen Leute, die Gemeinde Ammanns. Dabei ging die Spaltung von Ammann aus: Wer mit Ammann nicht übereinstimmte, den bannte er und forderte von der Gemeinde, den Kontakt mit ihm abzubrechen (Meidung). Dies galt auch innerhalb der Familie: Mann und Ehefrau hatten sich fortan ihres ehelichen Geschlechtslebens zu enthalten und durften nicht am selben Tisch essen.

Später sah Jakob Ammann ein, dass seine Verfahrensweise zu rigide war, und bannte zur Strafe sich selbst. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Spaltung schon zu weit verfestigt, als dass sie hätte rückgängig gemacht werden können. So gab es im süddeutschen, elsässischen und schweizerischen Raum ab 1693 zwei getrennte Formationen der Schweizer Brüder oder Mennoniten.

Verbreitung in Europa im 18. und 19. Jahrhundert Neben der Schweiz lebte im frühen 17. Jahrhundert ein beachtlicher Teil der Amischen im Elsass, wo wesentlich größere religiöse Toleranz bestand als in der Schweiz. Dieses Gebiet geriet ab 1648 allmählich unter französische Kontrolle. Ludwig XIV., der König von Frankreich, duldete keine anderen Bekenntnisse neben der römisch-katholischen Kirche, so dass ein Teil der Amischen aus dem französisch gewordenen Elsass in die reichsdeutschen Gebiete Mömpelgard, Lothringen, Saarland, Hessen und Bayern auswanderte sowie in starkem Maße in die Pfalz, wo schon seit 1688 Mennoniten lebten, die nach 1693 Amische wurden.

Erste Auswanderungswelle nach Amerika Bereits 1683 hatten deutschsprachige Mennoniten aus Krefeld mit Germantown (Deitscheschteddel) eine Siedlung in Pennsylvania gegründet. Im Jahre 1709 begann dann eine Auswanderungswelle von Pfälzern nach Nordamerika, die erst mit der Französischen Revolution endete.Leroy Beachy: Unser Leit. S. 126. Mit dieser Welle aus der Pfalz kamen etwa 500 Amische, das heißt etwa 100 Familien, nach Pennsylvania, wo eine eigene deutsche Kultur mit einem eigenen, pfälzisch geprägten Dialekt entstand, die Kultur der Pennsylvania-Deutschen, die englisch Pennsylvania Dutch genannt werden. Die ersten dieser amischen Einwanderer, die dokumentiert sind, kamen im Jahre 1737 mit dem Schiff Charming Nancy in Philadelphia an.Karen M. Johnson-Weiner: New York Amish. S. 15. Die Amischen fanden in Pennsylvania, wo der Quäker William Penn Glaubensfreiheit garantierte, günstigere Bedingungen vor als in Europa, wo Religionsfreiheit im Wesentlichen erst im 19. Jahrhundert eingeführt wurde.Steven M. Nolt: A History of the Amish. 2. Auflage. Intercourse, PA 2003, S. 172–195.

Zweite Auswanderungswelle nach Amerika Eine zweite Auswanderungswelle begann 1815, nachdem die Wirren der Napoleonischen Kriege ausgeklungen waren, und dauerte bis zum Ersten Weltkrieg an. Nach 1860 kamen aber nur noch sehr wenige Amische nach Amerika, so dass das Ende dieser Welle oft um 1860 angesetzt wird. Die Einwanderer dieser zweiten Welle kamen nicht mehr nur aus der Pfalz, sondern auch aus der Schweiz und dem Elsass und den oben genannten Gebieten. Weil nicht selten fast vollständige Gemeinden auswanderten, lösten sich die zurückgebliebenen Restgemeinden oft auf, beispielsweise in Hessen und Bayern.Steven M. Nolt: A History of the Amish. 2. Auflage. Intercourse, PA 2003, S. 118–156.

Entstehung der Amischen alter Ordnung Zwischen den Jahren 1862 und 1878 kam es in Nordamerika zu sogenannten Dienerversammlungen, das heißt Versammlungen von amischen Gemeindeleitern, um Fragen der Modernisierung zu erörtern und die Einheit der Amischen zu bewahren. Diese Versammlungen scheiterten aber im Jahre 1865 insofern, als kein Kompromiss mit den Traditionalisten gefunden werden konnte, so dass diese sich aus den Versammlungen zurückzogen und sich in den nächsten Jahrzehnten als Amische alter Ordnung organisierten. Die Modernisierer dagegen, die etwa zwei Drittel der Amischen ausmachten und sich Amish Mennonites nannten, bewegten sich zunehmend in Richtung der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft und vereinigten sich vor allem im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mit den Mennoniten, nachdem sie schrittweise alle amischen Besonderheiten verloren hatten.Steven M. Nolt: A History of the Amish. 2. Auflage. Intercourse, PA 2003, S. 157–178.

Der Prozess der Teilung war ein langsamer Prozess des Sortierens und es dauerte etwa 50 Jahre, bis sich alle Amischen gemäß ihrer Einstellung auf die verschiedenen amischen Gruppen verteilt hatten.Steven M. Nolt: A History of the Amish. 2. Auflage. Intercourse, PA 2003, S. 174.

Im Verlauf dieses Prozesses entstanden weitere amische Untergruppen, beispielsweise die Egli-Amischen und die Stuckey-Amischen, die sich schließlich ebenfalls völlig assimilierten, sowie die Kauffman-Amischen, die dem Schlafprediger Johannes D. Kauffman (1847–1913) folgten und sich als einzige der amischen Modernisierer weitgehend ihre amische Kultur erhalten haben. Eine Mittelgruppe zwischen Modernisierern und Traditionalisten entwickelte sich langsam zu sehr konservativen Mennoniten, die nur teilweise assimiliert sind. Diese gründeten im Jahre 1910 die Conservative Amish Mennonite Conference, die im Jahre 1957 das Wort Amish aus ihrem Namen strich.Steven M. Nolt: A History of the Amish. 2. Auflage. Intercourse, PA 2003, S. 178–189.