mini|alt=Carl Kabat 2008. Ein schmächtiger älterer Mann mit Glatze bei einer Kundgebung am Mikrophon.|Carl Kabat. 2008 bei einer Kundgebung des Catholic Worker Movement. Carl K. Kabat OMI (* 10. Oktober 1933 in Scheller, Jefferson County, Illinois; † 4. August 2022 in der Madonna Oblate Residence, San Antonio, Texas) war ein US-amerikanischer Priester des katholischen Ordens der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria. Er wurde bekannt durch exzentrischen, gewaltlosen Protest gegen Atomwaffen. Er verbrachte insgesamt mehr als 17 Jahre im Gefängnis.
Leben Kabat wurde am 10. Oktober 1933 auf einer Farm in Scheller, Jefferson County, Illinois geborn. Er war das dritte von fünf Kindern. Er brach sein Medizinstudium an der University of Illinois ab. 1959 wurde er, ein Jahr nach seinem älteren Bruder Paul, der ebenfalls Priester war, zum Priester geweiht. Er wirkte als Missionar zunächst auf den Philippinen und später in Brasilien.
Aktivismus Am 9. September 1980 drangen Kabat und sieben weitere Personen (bekannt als die „Plowshares Eight“) in das Gebäude der General Electric Re-entry Systems in King of Prussia, Pennsylvania, ein, wo die Multiple independently targetable reentry vehicle (Sprangköpfe) des Typs Mark 12A hergestellt wurden. Sie beschädigten zwei Raketen, beschmierten Dokumente mit Blut und beteten für den Frieden. Sie wurden festgenommen und zunächst wegen Einbruchs und anderer Delikte angeklagt. Die Geschichte wird teilweise in dem 2024 erschienenen Buch „ARISE AND WITNESS: Poems by Anne Montgomery, RSCJ, About Faith, Prison, War Zones and Nonviolent Resistance“ erzählt.Arthur Laffin, Carole Sargent: ARISE AND WITNESS: Poems by Anne Montgomery, RSCJ, About Faith, Prison, War Zones and Nonviolent Resistance. New Academia/SCARITH, Washington, DC 15. September 2024. ISBN 979-8-9900542-4-0
Im Februar 1981 fand in Norristown (Pennsylvania) ein Geschworenengerichtsverfahren gegen sie statt. Während des Prozesses wurde ihnen die Verteidigung verweigert, und es wurden keine Sachverständigengutachten vorgelegt. Da das Gericht die Aussagen einzelner Angeklagter zur Mark 12A und zur US-amerikanischen Atomkriegspolitik unterdrückte, verließen vier von ihnen den Prozess und kehrten zu General Electric zurück, um dort zu demonstrieren. Sie wurden erneut verhaftet und vor Gericht gestellt. Eine Jury verurteilte sie wegen Einbruchs, Verschwörung und Sachbeschädigung zu Haftstrafen von fünf bis zehn Jahren. Sie legten Berufung ein, und das Pennsylvania Superior Court (Oberste Gericht von Pennsylvania) hob ihre Urteile im Februar 1984 auf. Im November 1984 war Kabat einer von vier Demonstranten, die einen Kettenzaun durchschnitten und in ein Minuteman-II-Silo 48 Kilometer östlich von Kansas City, Missouri, einbrachen. Sie wurden verhaftet, als sie singend und die Hände haltend im Kreis saßen. Für diese Protestaktion erhielt Kabat eine Haftstrafe von 18 Jahren, von denen er 10 Jahre verbüßte.
Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs von Pennsylvania im Herbst 1985 zugunsten des Commonwealth of Pennsylvania in bestimmten Punkten (darunter dem Ausschluss des Rechtfertigungsgrund) wurde der Fall der „Plowshares Eight“ an das Berufungsgericht des Superior Court zurückverwiesen. Im Dezember 1987 wies der Superior Court von Pennsylvania die Berufung der Angeklagten zurück, ordnete jedoch eine Neuverhandlung des Strafmaßes an. Gegen diese Entscheidung wurde wiederum Berufung beim Obersten Gerichtshof von Pennsylvania eingelegt. Im Februar 1989 lehnte der Oberste Gerichtshof von Pennsylvania die Anhörung weiterer Streitpunkte in dem Fall ab, und am 2. Oktober 1989 gab der Oberste Gerichtshof der USA bekannt, dass er die Berufung der „Plowshares Eight“ nicht annehmen werde. Am 10. April 1990 wurden die „Plowshares Eight“ vom Gericht erster Instanz von Pennsylvania in Norristown neu verurteilt und, da weder die Staatsanwaltschaft noch General Electric Empfehlungen aussprachen oder Entschädigungsforderungen stellten, unter Anrechnung der bereits verbüßten Haftzeit für bis zu 23½ Monate auf Bewährung freigelassen. Richter James Buckingham berücksichtigte die Aussagen der Angeklagten, des Anwalts Ramsey Clark, von Dr. Robert Jay Lifton sowie der Professoren Richard Falk und Howard Zinn und stellte das Verbrechen in den Kontext der „gemeinsamen Notlage der Menschheit, des Völkerrechts, der langen amerikanischen Tradition des Dissens und des Vorrangs des individuellen Gewissens vor einem festgefahrenen politischen System“ („common plight of humanity, international law, America's long tradition of dissent, and the primacy of individual conscience over entrenched political system“).
2009 demonstrierte Kabat Kabat an einer Minuteman-Raketenstellung außerhalb von Greeley, Colorado.
Am 4. Juli 2011 und erneut am 4. Juli 2012 betrat Kabat das Kansas City Plant, eine damals im Bau befindliche Produktionsstätte für Atomwaffenkomponenten in Kansas City, Missouri. Er bezeichnete das Betreten des Geländes als „85 %-Aktion mit Gartenscheren“ („85% Pruning Hooks action“), in Anspielung darauf, dass das Werk etwa 85 % der nicht-nuklearen Komponenten für US-Atomwaffen herstellte.
Am 13. Dezember 2013 wurden Kabat und fünf weitere Demonstranten wegen erneuten Hausfriedensbruchs im Kansas City Plant für schuldig befunden, erhielten jedoch die ungewöhnliche Strafe, schriftliche Antworten auf Fragen des Richters zu verfassen.
Tod Kabat starb am 4. August 2022 im Alter von 88 Jahren in der Madonna Oblate Residence in San Antonio, Texas.
Siehe auch Dorothy Day
Einzelnachweise
Weblinks
William Strabala, Michael Palecek: Prophets Without Honor: A Requiem for Moral Patriotism. Algora Publishing 2002: S. 295ff. google books ISBN 9781892941985
Kategorie:Aktivist Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2022 Kategorie:Mann