Gertrud Welcker, auch Gertrude Welcker bzw. Gertrud Carlsund (* 16. Juli 1896 in Dresden; † 1. August 1988 in Danderyd, Schweden) war eine deutsche Schauspielerin bei Theater und Stummfilm.

Leben Die gebürtige Dresdnerin besuchte während des Ersten Weltkriegs Max Reinhardts Schauspielschule in Berlin. 1915/16 spielte sie am Albert-Theater in Dresden. 1916 bis 1919 war sie an den von Reinhardt geleiteten Theatern (Deutsches Theater, Kammerspiele, Volksbühne) engagiert. Man sah sie unter anderem als Dirne in August Strindbergs Meister Olaf in einer Inszenierung von Ferdinand Gregori, als Lesbia in Felix Hollaenders Inszenierung von Friedrich Hebbels Gyges und sein Ring, als Recha in Ephraim Lessings Nathan der Weise und als Schwester Martha in Gerhart Hauptmanns Hanneles Himmelfahrt. Darüber hinaus spielte sie unter Reinhardts Regie die Marion in Georg Büchners Dantons Tod, die Sophie in Friedrich von Schillers Kabale und Liebe sowie die Desdemona in William Shakespeares Othello und die Jessica in Der Kaufmann von Venedig.

1917 begann Gertrud Welcker ihre Arbeit beim Film, zu dem sie ihr Bühnenpartner Paul Wegener holte, als er ihr in seinem Film Hans Trutz im Schlaraffenland die Rolle eines Engels gab. Zu Gertrud Welckers bekanntesten Rollen zählen Dusy Gräfin Told in Fritz Langs Meisterwerk Dr. Mabuse, der Spieler und die Gesine von Orlamünde in Zur Chronik von Grieshuus. Weitere Großproduktionen, an denen Welcker mitwirkte, waren Richard Oswalds Lady Hamilton und Carl Froelichs Luise Millerin (nach Schillers Kabale und Liebe). In weniger bedeutenden Produktionen wie Die Geisha und der Samurai und Eine Frau mit Vergangenheit spielte Gertrud Welcker Hauptrollen. In vier Filmen war sie die Partnerin von Albert Bassermann.

Mitte der 20er Jahre zog sich die Schauspielerin sowohl vom Film als auch (wenig später) von der Bühne zurück und heiratete 1930 den schwedischen Maler Otto Gustaf Carlsund, den sie während eines Paris-Aufenthaltes kennengelernt hatte. Nach der Scheidung (1937) von ihm fand Gertrud Welcker kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kurzzeitig eine Anstellung bei der UFA als Lektorin. Seit 1941 war sie für das Rote Kreuz aktiv. Kurz vor Kriegsende gelang Gertrud Welcker die Flucht nach Schweden, wo sie den Rest ihres Lebens als Gertrud Carlsund verbrachte.

Filmografie (Auswahl) 1917: Hans Trutz im Schlaraffenland 1917: Eine Nacht in der Stahlkammer 1917: Panzerschrank Nr. 13 1918: Das Abenteuer einer Ballnacht 1918: Der Fluch des Nuri 1918: Es werde Licht!, 3. Teil 1918: Der Weltspiegel 1918: Mr. Wu 1918: Sein letzter Seitensprung 1918: Die Diamanten des Zaren 1919: Nocturno der Liebe 1919: Die Verführten 1919: Fluch der Vergangenheit 1919: Die Geisha und der Samurai 1919: Der Teufel und die Madonna 1919: Das Werk seines Lebens 1919: Der Tänzer (2 Teile) 1919: Die Maske 1919: Puppen des Todes 1919: Die Duplizität der Ereignisse 1919: Das Recht der freien Liebe 1920: Die Söhne des Grafen Dossy 1920: Das Frauenhaus von Brescia 1920: Lady Godiva 1920: Algol – Tragödie der Macht 1920: Abend – Nacht – Morgen 1920: Die Dame in Schwarz 1920: Eine Frau mit Vergangenheit 1921: Die goldene Kugel 1921: Sturmflut des Lebens 1921: Lady Hamilton 1921: Die Minderjährige 1922: Dr. Mabuse, der Spieler (2 Teile) 1922: Luise Millerin 1922: Die Perlen der Lady Harrison 1923: Dämon Zirkus 1923: Zwischen Abend und Morgen 1923: Zaida, die Tragödie eines Modells 1923: Die Marionetten der Fürstin 1923: Im Rausche der Leidenschaft 1923: Dieter, der Mensch unter Steinen 1923: Das Geschöpf 1924: Zur Chronik von Grieshuus 1925: Götz von Berlichingen zubenannt mit der eisernen Hand

Literatur Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 655 f.

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