mini|Klosterkirche und Konventsgebäude des ehemaligen Franziskanerklosters mini|Stadtpanorama von Leobschütz um 1735 (aus Werner: Scenographia Urbium Silesiae. II. Tab.) mini|Klosterkirche, Ausschnitt Das Franziskanerkloster Leobschütz war bzw. ist ein Kloster des Franziskanerordens (, deutsch: Orden der Minderen Brüder, Ordenskürzel OFM, auch Franziskaner-Observanten) in Głubczyce (bis 1945: Leobschütz) in der Woiwodschaft Opole in Polen. Es wurde 1448 vom letzten Leobschützer Herzog Johann II. gegründet. Es bildete zunächst zusammen mit zwei anderen Observantenklöstern das kleine Oberschlesische Observantenvikariat. 1453 wurde das Kloster in das Österreichisch-Böhmische Observantenvikariat aufgenommen. 1541 wurden die Ordensbrüder gewaltsam aus der Stadt vertrieben. 1667 wurde das Kloster von böhmischen Franziskaner-Observanten neu besiedelt. Dieses Kloster wurde 1810 säkularisiert. 1921 wurden die Klostergebäude von schlesischen Franziskanern erworben, die in den Gebäuden erneut ein Kloster eingerichtet haben. Nach der Vertreibung mussten die deutschen Ordensbrüder 1945 das Kloster verlassen. Später wurde es von polnischen Franziskanern übernommen.
Lage Die ehemaligen Klostergebäude lagen ursprünglich östlich (außerhalb) des Mauerrings vor dem Gröbniger Tor. Sie wurden später in den Mauerring mit einbezogen. Die Klosterkirche war dem hl. Ägidius und dem hl. Bernhardin gewidmet. 1753/70 waren die spätmittelalterlichen Klostergebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt worden. Die barocken Gebäude stehen in der Zakonna 6. Die Klosterkirche ist eine spätbarocke Emporen-Hallenkirche mit einem vierjochigen Langhaus und kurzem einjochigem Chor mit Apsis. Auf dem Satteldach befindet sich ein Dachreiter. Die Klostergebäude bilden ein Rechteck, das einen rechteckigen Klostergarten umschließt. Nach Südwesten schließt sich der ehemalige Gymnasiumstrakt an. Die Gesamtanlage wurde 2002 restauriert.
Geschichte 1428 nahmen die Hussiten das Städtchen Ober-Glogau (seit 1945 Głogówek im Herzogtum Klein Glogau) ein und brannten es nieder, darunter auch das dortige Franziskaner- oder Minoritenkloster. Die Bewohner des Klosters waren schon vorher in das Kloster Beuthen geflohen. Der Provinzial der böhmischen Ordensprovinz, Johann Kmita, und der Oberglogauer Guardian Petrus baten die drei gemeinsam regierenden Brüder des Herzogtums Beuthen-Cosel, ihnen eine neue Unterkunft in ihrem Herrschaftsbereich zu schenken. Am 24. März 1431 stellten die drei herzoglichen Brüder Konrad der alte Weiße, Konrad der Kanthner und Konrad der Junge die Gründungsurkunde für das Franziskanerkloster in Cosel aus. Cosel und Beuthen schlossen sich bald darauf der Observanzbewegung innerhalb des Franziskanerordens an. Das Kloster in Cosel hatte sehr regen Zulauf, und so gestattete Papst Eugen IV. 1443 den Observanten der böhmischen Ordensprovinz die Annahme von drei weiteren Klöstern, durch Reform eines bestehenden Klosters oder auch durch eine Neugründung.
Auch Herzog Johann II., („der Fromme“) von Leobschütz wollte in seinem Herrschaftsbereich ein Franziskaner-Observantenkloster gründen. Er kaufte den Ordensbrüdern mehrere kleine Häuser, eine Ölschlägerei, eine Büttelei und einen Pferdestall vor dem Gröbniger Tor von Leobschütz und ließ alles niederreißen. Laut Stiftungsbrief vom 26. September 1448 schenkte er dieses Areal den Observanten. Sie errichteten mit Hilfe der Bürgerschaft ein erstes, aus Holz gebautes Kloster mit Kirche. Nach Lucius Teichmann dürften die Ordensbrüder der Gründergeneration aus Cosel gekommen sein. Um 1450 bildeten die drei Klöster Beuthen, Cosel und Leobschütz ein eigenes Observantenvikariat innerhalb der böhmischen Ordensprovinz mit dem von ihnen gewählten Leiter Nikolaus aus dem Franziskanerkloster in Glatz.
1452 erhielt Johannes Capistranus vom Papst die Erlaubnis zur Gründung des Österreichisch-Böhmischen Observantenvikariats (vicaria Austriae et Bohemiae), d. h. er durfte so viele Klöster in sein Vikariat aufnehmen, wie er für die Observanzbewegung gewinnen konnte. Das erste Kapitel (Jahrestagung) des Österreichisch-Böhmischen Observantenvikariats fand am 8. September 1452 in Wien statt. Zum Provinzvikar wurde Gabriel von Verona gewählt. Im zweiten Kapitel von Breslau 1453 wurden auf Antrag des Vikars der drei schlesischen Observantenklöster, Nikolaus von Glatz, die Klöster in Beuthen, Cosel und Leobschütz in das Österreichisch-Böhmische Observantenvikariat aufgenommen. Zum Provinzvikar des Österreichisch-Böhmischen Observantenvikariats wurde nun Christoph von Varese gewählt. Er sollte auch die Reform nach italienischem Vorbild in den drei neu aufgenommenen Klöstern organisieren. So verbot er z. B. Pferde und Wagen zum Transport der gesammelten Almosen; nur ein Esel war erlaubt.
Johannes Capistranus kam auf seiner Reise von Breslau nach Wien im Sommer 1454 auch persönlich nach Leobschütz. Hier soll er einem Brunnen im Hof des Klosters seinen besonderen Segen gespendet haben. Dieser Brunnen lieferte auch in den trockensten Sommermonaten gutes Wasser. Nach älteren Autoren soll er die Bürger von Leobschütz dazu angehalten haben, das Kloster zu erbauen. Vermutlich ist diese Nachricht so zu verstehen, dass das Kloster damals noch nicht fertiggestellt war. Nach Pietsch soll er auch einige Ordensbrüder, die er aus Italien mitgebracht hatte, zur Sicherung seiner Reformen, im Kloster Leobschütz zurückgelassen haben.
Das neue Österreichisch-Böhmische Observantenvikariat wuchs sehr rasch an, und 1467/69 wurde das Vikariat in eine Polnische, Böhmische und Österreichische Observantenprovinz geteilt. Leobschütz kam dabei zur Böhmischen Observantenprovinz.
1476 gingen die hölzernen Gebäude des Klosters im Stadtbrand in Flammen auf. Die abgebrannten Gebäude wurden in den folgenden Jahren durch Gebäude aus Stein ersetzt. Am 16. September 1480 konnte der Chor der neuen Klosterkirche mit dem Hochaltar durch Bischof Wilhelm von Nikopolis und Weihbischof in OlmützErzbistum erst seit 1477. geweiht werden. Außerdem erhielten Gläubige, die an den Festtagen der Kirchenpatrone in der Kirche die Beichte ablegten, einen Ablass von 14 Tagen. Anfang 1483 (1482? 1485?) starb Herzog Johann II. ohne Nachkommen und wurde vor dem Hochaltar in der Klosterkirche Leobschütz bestattet.
Das Herzogtum Leobschütz wurde als erledigtes Lehen von König Matthias Corvinus eingezogen und seinem Sohn Johann Corvinus übertragen. 1490 starb König Matthias Corvinus, und Johann Corvinus verlor die meisten Besitzungen, die ihm sein Vater übertragen hatte wieder, darunter auch Leobschütz. Das Herzogtum Leobschütz wurde in dieser Zeit mit dem Herzogtum Jägerndorf verbunden. Von 1490 bis 1503/06 wurde Leobschütz von Peter von Haugwitz verwaltet. 1503/06 kam es durch Tausch an Johann von Schellenberg, der es bald darauf an Johann Plankner von Kynsberg verpfändete. Dieser Besitzer verbot angeblich den Ordensbrüdern, die Klosterkirche einzuwölben, aus welchen Gründen geht aus der kurzen Mitteilung nicht hervor. Wir dürfen aber aufgrund dieser Nachricht davon ausgehen, dass zumindest die Klosterkirche immer noch im Bau war. Die Kirche blieb ungewölbt bis zu ihrem Abbruch 1756.
Am 19. Mai 1517 bildete Papst Leo X. mit der Bulle „Ite et vos in vineam meam“ aus dem Observanten-Zweig (Franziskaner) und dem Konventualen-Zweig (Minoriten) zwei unabhängige Orden. Aus dem Böhmischen Observantenvikariat wurde nun die Böhmische Franziskanerprovinz. Aus der ursprünglichen Böhmisch-polnischen Franziskanerprovinz bildeten sich durch Spaltung die Böhmische Minoritenprovinz und die Polnische Minoritenprovinz. Das Leobschützer Kloster gehörte nun zur Böhmischen Franziskanerprovinz.
Georg von Schellenberg verkaufte 1523 das Herzogtum Jägerndorf (einschließlich Leobschütz) für 58.900 ungarische Goldgulden an den Mark brandenburgischen Markgrafen Georg den Frommen, Herrscher der fränkischen Fürstentümer Ansbach und Kulmbach.
Reformation und vorläufiges Ende des Klosters Markgraf Georg führte 1524 die Reformation in seinem Herrschaftsbereich ein. Er brachte aus seinen fränkischen Stammlanden Verwaltungsbeamte und Prediger mit, um die Reformation rasch umzusetzen. Allerdings konnte sich die Reformation gegen den Widerstand des Franziskanerklosters und des katholischen Patrons der Stadtkirche, den Kommendator der Johanniterkommende Leobschütz, nur langsam durchsetzen. Erst 1534 konnte der nun evangelisch gesinnte Stadtrat gegen den Willen des Patrons einen evangelischen Prediger in der Stadtkirche einsetzen. In einem Schreiben des Stadtrats an den Hauptmann Hans Jordan von Jägerndorf wurde das Franziskanerkloster beschuldigt, sich den religiösen Neuerungen zu widersetzen. Damals zählte der Konvent noch 18 Ordensbrüder.
Am 29. April 1534 wies Markgraf Georg der Fromme als Herzog von Jägerndorf und Leobschütz seinen Hauptmann Hans Jordan an, dass er seinen Untertanen in Leobschütz und den umliegenden Flecken und Dörfern gebieten solle, den Franziskanern in Leobschütz keine Almosen mehr zu geben. Den Predigern in der Klosterkirche verbot er jeden verbalen Angriff auf die Neugläubigen. Erst 1535 führte Markgraf Georg auch offiziell die Reformation in Jägerndorf und Leobschütz ein und verlangte auch von den Franziskanern die Annahme des neuen Bekenntnisses. Die Franziskaner lehnten dies jedoch ab.
1536 verbot Markgraf Georg den Franziskanern, Gottesdienste zu halten, und ließ Bibliothek, Sakristei und Chor in der Klosterkirche sperren. Die Franziskaner beschwerten sich daraufhin bei König Ferdinand II., der daraufhin einen Mahnbrief an Markgraf Georg erließ, die Franziskaner nicht weiter zu schikanieren. Der Mahnbrief half nicht, denn Markgraf Georg hielt sich nicht daran. Aber auch die Franziskaner harrten trotz aller Widrigkeiten weiter in ihrem Kloster aus. Am 16. Dezember 1541 vertrieb Hauptmann Hans Jordan die Franziskaner schließlich gewaltsam aus dem Kloster. Angeblich mussten sie innerhalb von drei Stunden ihre Sachen packen und das Kloster räumen.
Die Klosterkirche wurde unmittelbar danach für den evangelischen Gottesdienst genutzt. Die Klostergebäude standen danach geraume Zeit leer. 1600 bis 1605 wurde die Klosterkirche von einer kalvinistischen Gruppe in Leobschütz für den Gottesdienst genutzt. 1603 brannten Klostergebäude und Klosterkirche aus. Die Kirche wurde notdürftig wieder instand gesetzt. Die Konventsgebäude wurden erst später wieder hergestellt.
Die Wiederbesiedlung des Klosters Das Herzogtum Jägerndorf einschließlich dem inkorporierten Herzogtum Leobschütz blieb bis 1622 im Besitz der brandenburgischen Markgrafen von Ansbach. Wegen der Unterstützung, die Markgraf Johann Georg dem Winterkönig Friedrich V. von der Pfalz gewährt hatte, verhängte der böhmische Landesherr Kaiser Ferdinand II. die Reichsacht über ihn und entzog ihm das Lehen. Der Kaiser übertrug daraufhin 1623 das Herzogtum Jägerndorf (einschließlich Leobschütz) dem erzkatholischen Fürsten Karl von Liechtenstein. Dieser versuchte nun mit allen Mitteln, die Rekatholisierung in Leobschütz durchzusetzen. Dazu setzte er 1625 eine „Reformationskommission“ ein, die alle evangelischen Bürger diskriminierte. Außerdem wurden die Jesuiten in die Stadt gerufen, die die Rekatholisierung durchführen sollten.
Eine Unterbrechung erfuhr die Rekatholisierung im Dreißigjährigen Krieg durch die Besetzung der Stadt 1645 bis 1650 durch schwedische Truppen. Die Klostergebäude wurden als Kaserne genutzt, die Klosterkirche wurde ein Pferdestall. Nach einer zeitgenössischen Chronik sollen die Pferde, die in der Kirche untergestellt waren, an unbekannten Krankheiten gestorben sein. Nach dem Abzug der Schweden wurde der Rekatholisierungsversuch fortgesetzt.