An die Redaktion «MONITOR» ist ein Brief, den Hans Martin Sutermeister 1975 an die Redaktion der Fernsehsendung Monitor der ARD sandte. Er kritisiert darin die Berichterstattung zum Nestlé-Milchpulverskandal in Afrika. Der Brief sowie seine Verwendung durch Nestlé als Beweismittel in einem Gerichtsverfahren wurden als rassistisch kritisiert und als Beispiel für missratene Risikokommunikation rezipiert.

Inhalt und Veröffentlichung

mini|hochkant|Hans Martin Sutermeister, 1961 Der Schweizer Schriftstellerarzt, Privatgelehrte und Politiker Hans Martin Sutermeister verfasste einen Brief An die Redaktion «MONITOR», datiert auf den 17. November 1975. Er äusserte sich darin kritisch zu einem Beitrag über den multinationalen Konzern Nestlé und bezeichnete die Berichterstattung über den Nestlé-Milchpulverskandal in Afrika als eine absichtliche und böswillige Verzerrung der Tatsachen. Er hob die positiven Errungenschaften von Nestlé hervor, insbesondere sei die Säuglingssterblichkeit verringert worden und die Versorgung hungernder Kinder nach den Weltkriegen zu nennen. Gleichzeitig kritisierte er, dass in Ländern der Dritten Welt unsachgemässer Umgang mit Produkten wie Babynahrung herrsche, ohne grundlegende Versorgungsstandards wie sauberes Trinkwasser sicherzustellen: „Wenn nun heute die ‹befreiten› analphabetischen Niggerregierungen mit Nestlémilch Unfug treiben, ohne zunächst einmal sauberes Trinkwasser zu besorgen, ist das nicht die Schuld der »multinationalen Konzerne…«“. Sutermeister wies die Vorwürfe gegen Nestlé zurück und griff den Geistlichen an, der in der Sendung zitiert wurde. Abschliessend forderte er rechtliche Konsequenzen für die Redaktion.

Sutermeister verschickte Kopien des Briefes an die Nestlé AG, an das Berner Obergericht und an die Schweizerische Ärztegesellschaft. Der Brief wurde im selben Jahr in dem Buch Exportinteressen gegen Muttermilch veröffentlicht.

Im Gerichtsverfahren Nestlé verwendete Sutermeisters Brief vor Gericht gegen die Arbeitsgruppe Dritte Welt Bern (AG3W). Der Verteidiger der AG3W Gerhard Lehmann bezeichnete den Brief in seinem Plädoyer 1976 als „das wohl bedenklichste Dokument, das die Privatklägerin vorgelegt hat“. Lehmann kritisierte, Sutermeister habe sich bedingungslos auf die Seite von Nestlé geschlagen. Sutermeister äussere sich in rassistischer Weise über afrikanische Regierungen und mache sie für den Missbrauch von Nestlé-Produkten verantwortlich. Lehmann betonte, dass das Obergericht Bern Sutermeister als Psychopathen eingestuft habe, und fragte, wie eine Firma wie Nestlé ein solches Schreiben als Beweisurkunde nutzen könne. Er stellte infrage, wie Nestlé behaupten könne, mit afrikanischen Regierungen gut zusammenzuarbeiten, während sie gleichzeitig Dokumente vorlege, die diese abwerten.

Rezeption Die indische Zeitschrift Yojana zitierte noch im gleichen Jahr den Begriff „Niggerregierungen“ und kritisiert Sutermeisters Aussage insgesamt; er sei zu weit gegangen.Dadri: A Pyrrhic Victory For Multinationals. In: Yojana, Band XX/16, 15.-13. September 1976, S. 27. Die deutsche Schriftstellerin und Journalistin Traude Bührmann bezeichnete Sutermeister 1978 in ihrem Artikel Sterben Kinder durch Nestlé?Traude Bührmann: Sterben Kinder durch Nestlé? In: Courage: Berliner Frauenzeitung. Nr. 3, 1978, Heft 2, S. 26–27. bezugnehmend auf seine Aussagen im Brief als einen als „Rassisten bekannten Schweizer Arzt“.

Otto-Peter Obermeier kritisierte 1999 die Verwendung des Briefes als Beweisdokument durch Nestlé als Beispiel missratener Risikokommunikation. Der umstrittene Satz im Brief kennzeichne „zugleich die ursprüngliche Legitimationsstrategie von Nestlé. Das haben wir immer so gemacht, wir haben die Sachautorität und die Fachkenntnisse. Wir liefern einwandfreie Produkte. Die Schuld liegt quasi bei den Opfern…“

Einzelnachweise

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