Souleymans Geschichte (Originaltitel L’histoire de Souleymane, internationaler Filmtitel: Souleymane’s Story) ist ein französischer Spielfilm von Boris Lojkine aus dem Jahr 2024. Das Drama begleitet zwei Tage einen guineischen Fahrradlieferanten in Paris, der kurz vor der Anhörung zu seinem Asylantrag steht. Die Hauptrolle übernahm der Laiendarsteller Abou Sangaré. Das Werk wurde im Mai 2024 beim Filmfestival von Cannes uraufgeführt und mehrfach preisgekrönt. Ein regulärer Kinostart in Frankreich fand Anfang Oktober desselben Jahres und in Deutschland am 19. Februar 2026 statt.

Handlung Der aus Guinea stammende Souleymane ist für ein besseres Leben nach Europa gegangen und hat in Frankreich Asyl beantragt. In Paris versucht er tagsüber, als Essenslieferant etwas Geld zu verdienen. Allerdings hat er keine Erlaubnis zu arbeiten, was die Liefer-App auch kontrolliert. Der Account läuft auf Emmanuel, der für die Nutzung seines Accounts 120 Euro verlangt. Außerdem ist Souleymane darauf angewiesen, dass Emmanuel das ausgezahlte Geld an ihn weiterleitet. Regelmäßig verlangt die App ein Selfie, um sicherzustellen, dass nur die berechtigte Person den Account nutzt. So muss Souleymane zu Emmanuel fahren, damit er das Selfie machen kann. Dabei fragt Souleymane, ob die Geldauszahlung nun erfolgen kann, weil er dringend Geld braucht. Emmanuel vertröstet ihn auf morgen. Bei einer weiteren Essensauslieferung passt Souleymane an einer Kreuzung nicht auf und es kommt zu einem Unfall mit einem Auto. Das Fahrrad wird dabei leicht beschädigt. Er fährt weiter, allerdings will die Kundin die Lieferung nicht akzeptieren, weil die Verpackung beschädigt ist. Er fürchtet jetzt Konsequenzen für seinen Job. Zudem kommt es bei einem Restaurant zu einem Streit, weil die Bereitstellung des Essens für Souleymane zu lange dauert und er währenddessen kein Geld verdienen kann. Er will den Auftrag aber auch nicht stornieren, um nicht weiter aufzufallen.

Das Geld von den Essensauslieferungen benötigt Souleymane, um Barry zu bezahlen, der ihm dabei hilft, eine falsche Biografie vorzutäuschen, um einen Asylgrund angeben zu können. Um zu beweisen, Mitglied bei der oppositionellen liberalen politischen Partei UFDG in Guinea gewesen zu sein, verkauft Barry gefälschte Mitgliedsdokumente. Außerdem stellt er eine umfassende Geschichte der politischen Verfolgung in Guinea zur Verfügung, um für den Asylantrag eine falsche Biografie erzählen zu können. Da der Termin beim Amt übermorgen ist, ist Souleymane dringend auf Geld angewiesen, um Barry bezahlen zu können. Sobald es abends wird, muss Souleymane den Bus um 22 Uhr erreichen, der zurück zur Asylunterkunft fährt. Dort erhält er einen Schlafplatz, ein Abendessen und kann die sanitären Räume nutzen. Beim Abendessen telefoniert er mit seiner Freundin in Guinea, die ihm erzählt, einen Heiratsantrag von einem anderen Mann bekommen zu haben.

Am nächsten Tag geht er wieder seinem Job als Essenslieferant nach. Allerdings erhält er sehr früh schon die Meldung, dass der Account, den er nutzt, gesperrt wurde. Beim Kundenservice geben sie ihm keine Auskunft wieso, versichern aber, dass das bis dahin verdiente Geld bereits ausbezahlt wurde. Obwohl er nachmittags mit Emmanuel verabredet ist, erscheint dieser nicht. Damit Souleymane Barry bezahlen kann, sucht er nun Emmanuel. Ihm bleibt nur übrig vor der Haustüre von Emmanuel zu warten. Als Emmanuel heim kommt, konfrontiert ihn Souleymane. Emmanuel ist aber selbst sauer, weil sein Account bei der Liefer-App gesperrt ist. Er will Souleymane deshalb gar nicht ausbezahlen. Schlussendlich gibt er Souleymane 40 Euro in bar und schubst ihn anschließend die Treppe herunter, wobei sich Souleymane am Kopf verletzt.

Souleymane geht zu einem Bahnhof, um sich mit Barry zu treffen. Die 40 Euro sind weniger als vereinbart, trotzdem übergibt Barry die gefälschten Dokumente. Souleymane versucht danach schnell den Bus zur Asylunterkunft zu erreichen, ist aber knapp zu spät. Er findet Unterschlupf im Treppenhaus eines Wohngebäudes. Er telefoniert wieder mit seiner Freundin, die versichert zu ihm nach Europa kommen zu wollen. Souleymane rät davon allerdings ab und billigt die Hochzeit mit dem anderen Mann. Am nächsten Morgen hat Souleymane den Termin beim Asylamt, wo er seine erfundene Geschichte erzählt. Die Geschichte ist dort bereits bekannt, weshalb er aufgefordert wird, seine wahre Biografie zu erzählen. Souleymane zögert lange, erzählt dann aber, dass er aus wirtschaftlicher und finanzieller Not nach Frankreich kam.

Veröffentlichung und Rezeption Die Weltpremiere von Souleymans Geschichte erfolgte am 19. Mai 2024 in der Nebensektion Un Certain Regard des Filmfestivals von Cannes.The Screenings Guide of the 77th Festival de Cannes. In: festival-cannes.com, 8. Mai 2024 (abgerufen am 8. Mai 2024). Bis Januar 2025 gelangte der Film ins Programm von mehr als einem Dutzend internationalen Filmfestivals, darunter Karlovy Vary, Jerusalem, Haugesund, Angoulême, Toronto, Reykjavík, Leiden, Thessaloniki, Stockholm, Hamburg, Taiwan und Palm Springs.Souleymane's Story – Informationen zur Veröffentlichung. In: imdb.com (abgerufen am 29. Januar 2025).

Am 9. Oktober 2024 lief der Film im Verleih von Pyramide Distribution in den französischen Kinos an. Dort erreicht der Film ein Publikum von 538.630 Zuschauern. Eine VOD-Veröffentlichung erfolgte am 12. Februar 2025.L’Histoire de Souleymane. In: allocine.fr (abgerufen am 29. Januar 2025). In Deutschland kam der Film am 19. Februar 2026 in die Kinos.Souleymans Geschichte bei filmstarts.de, abgerufen am 21. Februar 2026.

Im französischen Kritikenspiegel der Website AlloCiné erhielt Souleymans Geschichte eine Bewertung von 4,1 von 5 möglichen Sternen. Marius Nobach gab dem Film bei Filmdienst 4 von 5 Sternen: „Der rund 48 Stunden abdeckende Film heftet sich mit dokumentarischer Genauigkeit an die Hauptfigur und macht den andauernden Druck eindringlich spürbar. Dabei gelingt die Studie eines Getriebenen im ständigen Zwiespalt, da er selbst auf Hilfe angewiesen ist, andere Hilfesuchende aber von sich abhält.“

Im Januar 2026 erhielt Souleymans Geschichte als „Film des Monats“ eine Empfehlung der Jury der Evangelischen Filmarbeit.

Auszeichnungen Souleymans Geschichte wurde in der Filmpreissaison 2024/25 für mehr als 20 internationale Film- und Festivalpreise nominiert, von denen das Werk bisher neun gewinnen konnte. Neben dem Jury- und Darstellerpreis der Sektion Un Certain Regard beim Filmfestival von Cannes 2024 folgte unter anderem im selben Jahr der Gewinn von zwei Europäischen Filmpreisen für Hauptdarsteller Abou Sangare und die Tontechniker Samuel Aïchoun, Rodrigo Diaz, Pierre Bariaud, Marc-Olivier Brullé und Charlotte Butrak.

Im Jahr 2025 wurde bei der Verleihung der Prix Lumières dem Film abermals der Darstellerpreis für Sangare zuerkannt,Souleymane's Story – Informationen zur Veröffentlichung. In: imdb.com (abgerufen am 29. Januar 2025). während beim César im selben Jahr vier gewonnene Preise folgten (Bestes Originaldrehbuch – Delphine Agut & Boris Lojkine, Beste Nebendarstellerin – Nina Meurisse, Bester Nachwuchsdarsteller – Abou Sangere, Bester Schnitt – Xavier Sirven).

Literatur/Kritiken (Auswahl) 2026: Birgit Roschy: Souleymans Geschichte. in: epd film 2/26: S. 69

Weblinks Profil bei festival-cannes.com (englisch, französisch)

Profil bei allocine.fr (französisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2024 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Thriller