Unter dem Namen Volksschwimmhalle wurden in der DDR ab 1968 über hundert Hallenbäder für den schulischen Schwimmunterricht, den Schwimmsport und die Öffentlichkeit errichtet. Fast alle davon waren Typenbauten. Die letzten Bauprojekte wurden Anfang der 1990er Jahre noch nach der Wiedervereinigung abgeschlossen. Nach umfangreichen Modernisierungen, teils auch Erweiterungen, sind etwas mehr als die Hälfte aller Volksschwimmhallen noch in Betrieb (Stand: 2026).

Typenbauten Ende der 1960er Jahre wurden fast zeitgleich die drei Typen A, B und C entwickelt und 1968 bzw. 1969 in verschiedenen Städten der DDR erstmals gebaut. Der Typ A wurde mit neun Hallen am häufigsten in Leipzig realisiert, aber nie in der Hauptstadt Ost-Berlin – dort wurden die Typen B und C sowie der erst Mitte der 1980er entwickelte Typ D jeweils mehrfach gebaut. Während West-Berlin zwischen 1974 und 1984 im Rahmen des Goldenen Plans mehrere Kombibäder baute, wurden im Ostteil der Stadt von 1972 bis 1993 Volksschwimmhallen gebaut.

Nach Errichtung des ersten Baus jedes Typs wurden Nachfolgeprojekte an anderen Standorten fast immer modifiziert, um sie an die lokalen Gegebenheiten anzupassen, oder wegen Mangels an Baumaterialien.

Die Typen der Hallenbäder sind im Originalzustand leicht an der Dachkonstruktion und ihrer charakteristischen Außenkante zu unterscheiden:

Typ A „Anklam“ Typ B „Bitterfeld“ Typ C Typ D „Schwimmhalle ’83 Berlin“ Architekten Eitel Jackowski Karl-Ernst Swora, Gunther Derdau und für Typ D auch Alexander Stephan Erster Bau 1968 in Anklam 1968–1969 in Bitterfeld 1969 in Dresden 1984–1986 im Ernst-Thälmann-Park in Berlin-Prenzlauer Berg Anzahl Bauten 41 oder mehr 31 oder mehr zusammen 31 oder mehr Stockwerke 1 ? 2 1 Stockwerk (Eingang, Sauna), 2 Stockwerke (Personal und Technik) Schwimmer­becken 25 × 12,5 m; 1,80 m tief Nicht­schwimmer­becken — 12 × 12 m 12 × 8,5 m Sauna — Sauna Sauna im Untergeschoss Sauna

Typ A „Anklam“ mini|Erste Schwimmhalle Typ A in Anklam (2018) Der erste Typ wurde im Auftrag des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport vom VEB Leipzig Projekt unter architektonischer Leitung des Bauingenieurs Eitel Jackowski entwickelt und als Musterbau ab Anfang 1968 in neun Monaten Bauzeit im Bluthsluster Park in Anklam errichtet – dies verlieh dem Typ A den Beinamen „Anklam“. Bei der Einweihung am 30. September 1968 war auch die spätere DDR-Meisterin und Olympia-Teilnehmerin Christine Strübing anwesend, die dort trainierte und sich bis zuletzt für den Erhalt der Schwimmhalle und für den Schwimmsport in Anklam einsetzte.

Die Halle sollte mit nur drei anwesenden Arbeitskräften betrieben werden können. Daher gab es Verkaufsautomaten sowohl für die Eintrittskarten, als auch für Lebensmittel. Die Baukosten betrugen 1,15 Mio. DDR-Mark. Der Entwurf sah keine eigene Heizungsanlage vor, sondern alle Volksschwimmhallen mussten auf möglichst kurzem Wege an eine Fernheizquelle angeschlossen sein. Daher waren viele Volksschwimmhallen an einen industriellen „Patenbetrieb“ angeschlossen, dessen Abwärme sie nutzten. In Anklam war das die angrenzend gelegene Zuckerfabrik Anklam. Die dortige Volksschwimmhalle steht seit den 1990ern als Baudenkmal unter Schutz (siehe auch Liste der Baudenkmale in Anklam). Nachdem am 26. November 2021 in Anklam das neu gebaute Hansebad an anderer Stelle als Ersatz eröffnet wurde, schloss die Stadt Anklam jedoch die alte Schwimmhalle. Die Zuckerfabrik kaufte danach den Bluthsluster Park inklusive der Schwimmhalle für rund 121.000 Euro, um sich das Nachbargrundstück zu sichern.

Das vergleichsweise kleine Gebäude von Typ A bietet nur eine minimale Ausstattung: Gebäudegrundfläche 30 × 37 m (= 1.110 m²) oder 1.079 m² Kubatur von 7.010 m³ ein Schwimmbecken von 25 m Länge, 12,5 m Breite für fünf Bahnen und 1,80 m Tiefe ohne Nichtschwimmerbecken oder Sauna Das Dach ist flach und steigt von den niedrigen Umkleideräumen über den Hallenraum bis zur hohen Front mit den großen Fenstern mit doppeltem Mehrscheiben-Isolierglas an.

In Leipzig wurde der Bau von zehn Volksschwimmhallen dieses Typs anlässlich des fünften Turn- und Sportfest der DDR im Juli 1969 und des 20. Jubiläums der Gründung der DDR am 7. Oktober 1969 geplant. Davon wurden neun realisiert – lediglich eine zehnte Halle im Neubaubezirk Grünau oder in der Blochmannstraße im Stadtteil Gohlis wurde nicht realisiert. Die erste Grundsteinlegung erfolgte im Januar 1968 für die Schwimmhalle Südost im Stadtteil Stötteritz, die bereits im November desselben Jahres eröffnet wurde. Die Fertigstellung und Eröffnung der übrigen Schwimmhallen verzögerte sich teilweise und erfolgte noch bis 1971. Ursprünglich galt für die Baukosten eine Obergrenze von einer Million DDR-Mark – für eine bessere Beckenauskleidung, Schallschutz und Heizung wurden aber noch zusätzliche Mittel freigegeben. Nach umfangreichen Modernisierungen sind sechs der neun Hallen wieder in Betrieb (Stand: 2025).

Insgesamt wurden 41 Hallen vom Typ A gebaut. 1983 wurde in Stendal die letzte Volksschwimmhalle dieses Typs eröffnet. Der nur zwei Jahre früher eröffnete Typ A in Tangerhütte wurde nach weniger als zehn Jahren Betrieb 1990 als erste aller Volksschwimmhallen geschlossen.

Typ B „Bitterfeld“ mini|Erste Schwimmhalle Typ B in Bitterfeld (1970) Im April 1968 begann in Bitterfeld direkt neben dem Kulturpalast Bitterfeld der Bau eines zweiten Typs, über zwei Etagen verfügt, besser ausgestattet und größer ist. Für die Dachkonstruktion verwendete Jackowski hyperbolische Paraboloidschalen – bekannt als „HP-Schalen“ –, die der Hallenser Architekt Herbert Müller 1951 entwickelt hatte. Die aneinandergereihten, doppelt und gegenläufig gekrümmten HP-Schalen hatten zusätzlich eine Aussteifung und Kassettierung, um noch mehr Material und Gewicht zu sparen. Trotzdem konnten die 2 m breiten Elemente bei einer Dicke von nur 4,5 cm eine Spannweite von 24 m überbrücken. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wurde die Schwimmhalle im Oktober 1969 eröffnet. Eine Nutzerin der Halle war Kornelia Ender, die in Bitterfeld aufwuchs und mit 13 Jahren bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München viermal Zweite sowie bei den Olympischen Sommerspielen 1976 vierfache Olympiasiegerin wurde – sie trainierte aber vorwiegend im Freibad des Chemiekombinats Bitterfeld oder in Halle.

Im wiedervereinigten Deutschland wurde die Schwimmhalle 1996 nach dem früheren Präsidenten des Deutschen Schwimmsport-Verbands Heinz Deininger benannt. Beim Hochwasser 2002 wurde sie erheblich beschädigt, 2007 geschlossen und danach abgerissen.

Der 60 × 27 m große Hallenraum dieses Typs bietet Platz für ein 25-m-Schwimmbecken wie in Typ A und ein zusätzliches Nichtschwimmerbecken von 12 × 12 m. Dazu gab es erstmals eine Sauna. Das Dach ist zu den langen Seiten hin gewölbt und hat in der Mitte der Halle einen Tiefpunkt. Dadurch sind die Decken auch in den Umkleiden so hoch wie in der Halle – vielfach sind hier unverkleidete Rohre zu sehen. Typisch für diese Hallen sind der Beckenrand und die Startblöcke aus Beton sowie die nur halbhoch gekachelten Wände.

Ein bedeutender Bau von Typ B ist die Volksschwimmhalle Lankow in Schwerin, die 1976 eröffnet und wegen Baufälligkeit 2012 geschlossen wurde. Kurz vor dem geplanten Abriss wurde sie 2015 unter Denkmalschutz gestellt und aufwändig in ein Wohngebäude mit acht Wohnungen und einer Arztpraxis umgebaut. Heute ist dieses das letzte verbliebene Gebäude mit HP-Schalendach in Mecklenburg-Vorpommern.

Typ B wurde für wettkampftaugliche Hallen noch bis in die 1980er verwendet, während sich Typ C besser für den Allgemeinsport eignete. Insgesamt wurden 31 Hallen dieses Typs gebaut. mini|Eine der Schwimmhallen Variante „Grimma“ in Eilenburg (2009)

Variante „Grimma“ In Grimma wurde am 7. Oktober 1973 eine Variante von Typ B eröffnet, die 1978/1979 auch in Borna, Eilenburg und Torgau gebaut wurde. Diese Variante verfügte zusätzlich über einen Sprungturm mit Plattformen in 1 m und 3 m Höhe. Die Halle in Grimma wurde 1990 saniert, jedoch von 2007 bis 2008 durch einen Neubau ersetzt und abgerissen.

Typ C mini|Erste Schwimmhalle Typ C in der Steinstraße in Dresden (2022) 1969 bauten die Architekten Karl-Ernst Swora und Gunther Derdau vom VEB Bau- und Montagekombinat Ingenieurhochbau Berlin in Dresden die erste Schwimmhalle vom Typ C. Sie war eines der ersten Bauwerke mit VT-Falten, einer Spannbetonkonstruktion mit regelmäßigen Faltungen, einer Spannweite von 18 m und einer Dicke von 8 cm. Diese Schwimmhalle wurde 2001 geschlossen, zeitweise als Lager genutzt und 2023 abgerissen.

Der Magistrat von Berlin, Abteilung für Körperkultur und Sport, beauftragte die Entwicklung eines neuen Typs mit der Kapazität von 200 Personen pro Stunde, mit Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken und einer Sauna für 20 Personen.

Die Ausstattung von Typ C: Schwimmerbecken von 25 × 12,5 m mit 5 Bahnen 12 × 8,5 m großes Nichtschwimmerbecken zwei Stockwerke Sauna im Untergeschoss

große Fensterfront auch auf Seite der Umkleiden 1972 errichteten Swora und Derdau mit Typ C in Friedrichshain die erste Volksschwimmhalle Berlins. Sie verfügte zusätzlich über einen circa 7 × 7 m großen Fitnessraum, genannt „Konditionierungsraum“, ausgerüstet „mit Sportgeräten für Anfänger und Fortgeschrittene“. Für die Gestaltung des neuen Schwimmhallen Typs in Berlin erhielten die beiden Architekten den 1. Preis im Architekturwettbewerb 1976 – diese Halle wurde Anfang der 2000er abgerissen. In Ost-Berlin wurde Typ C bis 1981 insgesamt siebenmal gebaut und ist dort der häufigste Typ.

Anfang 1976 waren bereits 55 Volksschwimmhallen errichtet. Um die zahlreichen Bauprojekte effizienter zu realisieren, erschienen zwischen 1973 und 1975 die vierteilige Normenreihe TGL 28123 Schwimmbäder sowie vom Wissenschaftlich-Technischen Zentrum (WTZ) für Sportbauten in Leipzig die Standards Städtebauliche Planungsgrundlagen für Sporteinrichtungen und Richtlinie für die Planung und Projektierung von Schwimmbädern.

Der Architekt Horst Hufnagel vom WTZ in Leipzig kritisierte im Februar 1976 in der Zeitschrift Architektur der DDR die bestehenden Bautypen von Volksschwimmhallen, weil die Beckengröße mit 12,5 m breite für eine Schulklasse unnötig groß und für andere Nutzer das Nichtschwimmerbecken oder Zuschauerplätze wichtiger seien, und behauptete, die Volksschwimmhalle wäre daher „unwirtschaftlich und [würde] deshalb nicht mehr gebaut“. Er stellte stattdessen vier Typen von Hallenbändern vom WTZ Sportbauten mit Schwimmbeckengrößen zwischen 10 × 25 m und 21 × 50 m und bis zu 500 Zuschauerplätzen vor.

Im Mai 1976 beschloss der IX. Parteitag der SED mit der Direktive zur Entwicklung der Volkswirtschaft bis 1980 den Bau von zehn Volksschwimmhallen innerhalb von 4½ Jahren. Ziel war die Schaffung von Hallenbädern mit 10 m² Wasserfläche pro 1.000 Einwohner im Einzugsgebiet. Stärkste Nutzer waren mit je 40 % Schulen und Freizeit-/Erholungssport. Tatsächlich wurden von 1976 bis 1980 über 30 Volksschwimmhallen eröffnet.

Als letzter Bau dieses Typs wurde 1992 in Chemnitz die Schwimmhalle Am Südring fertiggestellt.

Typ D „Schwimmhalle ’83 Berlin“ mini|Erste Schwimmhalle Typ D im Ernst-Thälmann-Park Berlin (2026) Mehr als eineinhalb Jahrzehnte nach der Entwicklung der ursprünglichen drei Typen wurde für den Bau des prestigeträchtigen Ernst-Thälmann-Parks in Berlin-Prenzlauer Berg ein neuer Typ entwickelt. Er stammte von denselben Architekten wie Typ C sowie Alexander Stephan, und nur 16 Monate nach dem Baubeginn im August 1984 konnte Anfang 1986 die neue Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park eröffnet werden. Das „Projektierungskollektiv“ erhielt dafür den Goethe-Preis der Stadt Berlin für Wissenschaft und Technik II. Klasse. Die Halle wurde 1999 und erneut von März 2021 bis Januar 2023 saniert.