Die elektrischen Tagebaulokomotive Bo Bo 60 t wurden bei LHW und BBC in der Zeit von 1929 bis 1931 in 15 Exemplaren gefertigt.

Der Großteil der Fahrzeuge wurde an die Grube Marie III der Anhaltischen Kohlenwerke geliefert, weitere Lokomotiven gelangten an die Grube Brigitta bei Spremberg und die Braunkohlengrube F. C. Heye bei Annahütte. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren im Raum Senftenberg einige Lokomotiven vorhanden. 1957 galten drei Lokomotiven als erhalten, die bis Ende der 1970er Jahre vorhanden waren.

Geschichte mini|links|Werkfoto einer Lokomotive LHW/BBC 60t bei den Anhaltischen Kohlewerken Grube Marie III In der Grube Marie III der Anhaltischen Kohlenwerke (AKW) befanden sich bis 1938 Verladeanlagen für die schmalspurigen Bahnen. Insgesamt neun Fahrzeuge mit den Fabriknummern LHW 3131–3137, 3141 und 3143 (mechanisch) und BBC 5098–5104, 5108 und 5110 (elektrisch) wurden zwischen 1929 und 1931 angeliefert. Die elektrischen Anlagen der Abraumbahn wurden von BBC als Einfachfahrleitung ohne Halteseil, der Straßenbahnleitung, ausgeführt. Die eingleisigen Strecken wurden mit gestreckten stählernen Auslegemasten,Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010, Seite 18 die zweigleisigen Strecken für die Überführungsbahnen zur besseren Übersichtlichkeit für das Lokpersonal mit seitlichen Masten und Fahrdraht mit einfacher Aufhängung ausgeführt. So wurde von der Firma BBC auch die Lieferung der elektrischen Lokomotiven vorgenommen.Auflistung der von BBC gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) Bei den Lokomotiven sind nur die Fabriknummern bekannt.

Grube Brigitta Nachdem ab 1921 die Grube Brigitta bei Spremberg 20 Henschel/SSW Bo Bo 46 t erhalten hatte,Auflistung der von SSW gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) lieferte 1930 BBC die beiden Lokomotiven mit den Fabriknummern LHW 3138 und 3140 (mechanisch) und BBC 5105 und 5107 nach. Diese waren dort für die Versorgung des Kraftwerkes Trattendorfs zuständig.Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010, Seite 16

F. C. Heye Glashütte und Braunkohlewerke Ein weiterer Kunde waren die Glashütten und Braunkohlenwerke F. C. Heye in Annahütte. Die Lokomotiven LHW 3139 und 3142, BBC 5106 und 5109 waren für den Betrieb mit 550 V Gleichspannung ausgelegt, die Lokomotive LHW 3145 BBC 5112 für den Betrieb mit 1200 V Gleichspannung. Auch bei diesen Lokomotiven sind nur die Fabriknummern bekannt.

Nachkriegsgeschichte

Eine Lokomotive, die an die Grube Brigitta geliefert wurde (LHW 3140, BBC 5107), wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Tagebau Neukirchen mit der Bezeichnung 2-6/60-A2 geführt,Museum Borna, Datenliste Braunkohlengeräte, versch. Geräteskizzen, Geräteskizze 0066 bis sie durch Neubaulokomotiven abgelöst werden konnte.

Eine weitere Lokomotive war bis 1972 auf der Bahnstrecke Koselbruch–Heide im Einsatz und trug die Bezeichnung 2-68.Andreas Walter, Die Geschichte des Zugbetriebes im Tagebau Olbersdorf, Seite 34 Von dieser Lokomotive sind keine Herstellerangaben vorhanden. Diese Lokomotive fuhr von da an die letzten Einsatzjahre im Tagebau Olbersdorf.Andreas Walter, 1908-Beginn einer neuen Epoche des Braunkohlenbergbaus in der Region Zittau, Seite 34 In Olbersdorf war nur Betrieb mit 600 V möglich, deshalb konnte die Lokomotive nur mit halber Kraft verkehren. Sie war noch bis Mitte der 1970er Jahre im Einsatz und musste dann mit einem Motorschaden abgestellt werden, da keine Ersatzteile mehr vorhanden waren. Bis 1978 wurde die Lok dann verschrottet.

Technik mini|links|60t-schwere BBC-Lokomotive mit 640 kW Leistung auf einer Maßskizze aus dem Handbuch für den Braunkohlenbergbau Die Lokomotiven entsprachen in der Bauart den Tagebaulokomotiven mit Mittelführerhaus und zwei Vorbauten. Sie waren in der Höhe sehr gedrungen. Der mechanische Teil war eine Nietkonstruktion mit Mittelpufferkupplungen, die an den Drehgestellen befestigt waren. Das Führerhaus war für den Betrieb bei den Baggern sehr tief heruntergezogen, die Vorbauten waren sehr flach und trugen die zwei Haupt- und die vier Seiten-Stromabnehmer in gerader Form. Der Oberkasten der Lokomotive ruht mit Hilfe von zwei Drehzapfen in tief herabgezogenen Kugelkästen auf den Querversteifungen der beiden Drehgestelle, dabei wurde er zusätzlich durch seitliche Gleitstücke gegen Kippen gesichert. Die mechanische Bremse war eine achtklötzige Bremse, in deren Gestänge außerdem eine Handspindelbremse eingriff.Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933, Seite 689

Die Antriebsmotoren in Tatzlagerbauart waren fremdbelüftet. Je Vorbau besaßen die Lokomotiven zwei Lüfter mit je zwei Luftschächten für die Kühlung der Fahrmotoren und der elektrischen Anlage.

Die elektrische Ausrüstung stammte von BBC und bestand aus Gleichstromtechnik, wo die elektrische Spannung von der Fahrleitung mit zwei mittleren Hauptstromabnehmern und vier kleineren seitlichen Hilfstromabnehmern, die auch noch von der Fahrzeugmitte 1,85 m liegende Fahrdrähte erreichen konnten und als Walzenstromabnehmer ausgeführt waren, abgenommen wurden. Über den zentral gelegenen Nockenfahrschalter mit der Widerstandssteuerung wurden die elektrischen Fahrmotoren angetrieben, diese waren als Reihenschlussmaschinen ausgeführt. Die Anfahr- und Bremswiderstände bestanden aus Gusseisenelementen und waren in den Vorbauten untergebracht.Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933, Seite 690 Die Druckluft für die Druckluftbremse wurde von zwei Kompressoren erzeugt, außerdem wurden damit die Besandungsanlage für acht an den Drehgestellen angebauten Sandkästen erzeugt. Es wurden unmittelbar die vorderen Räder eines Drehgestelles gesandet. Elektromechanische Schütze schalteten die Hilfsbetriebmotoren. An Signaleinrichtungen besaßen die Lokomotiven eine Druckluftpfeife, eine Glocke und ein pneumatisches Läutewerk. Die Steuer- und Beleuchtungsspannung betrug 24 V. Die Elektrik wurde zu einem nicht bekannten Zeitpunkt auf die Spannungssysteme 600 V oder 1200 V Gleichspannung umgebaut.

Literatur Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz, Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010 Elektrische Industriebahnen, Lieferliste, Brown, Boveri und CIE. AG., Mannheim, L 5016/L (959.1.GD) Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933

Weblinks

Videoaufnahme vom Fahrbetrieb bei der Lausitzer Grubenbahn mit Erwähnung der 2-68/60-A2 bei der Brikettfabrik Haidemühl

Einzelnachweise

Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 550 V Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 1200 V Kategorie:Triebfahrzeug (Deutschland) Kategorie:Schienenfahrzeug (Brown, Boveri & Cie.) Kategorie:Schienenfahrzeug (LHB) Kategorie:Tagebaulokomotive