Der Panzerzug 2 (kurz: Eisb. Pz. Zug Nr. 2 oder PZ 2) war ein deutscher Panzerzug aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und wurde ab September 1939 von der Wehrmacht eingesetzt.
Geschichte Im Jahr 1937 hatte das Oberkommando des Heeres entschieden, keine neuen Panzerzüge mehr zu bauen. Man bewertete diese Art der Waffe als veraltet und zu teuer. Aus diesem Grund griff man, mit einer Verfügung vom 23. Juli 1938, auf ältere Bahnschutzzüge der Reichsbahn zurück. Somit wurde der Bahnschutzzug Stettin der Reichsbahndirektion Stettin zum neuen Panzerzug 2. Dieser war zur damaligen Zeit dem Wehrkreis IV, Dresden zugeteilt. Zu dieser Zeit waren die Panzerzüge nur infanteristisch ausgerüstet und verfügten neben zwei Abstoßwagen auch über sechs gepanzerte, ehemalige gedeckte Güterwagen.
Technische Daten Lokomotive mini|Ungepanzerte Preußische T 14
Die erste Dampflokomotive des Panzerzuges, damals noch Bahnschutzzug, war eine Preußische T 14. Diese wurde 1915 bei Henschel & Sohn mit der Werksnummer 13401 hergestellt. Von 1915 bis 1925 lief sie bei den Preußischen Staatseisenbahnen mit der Bezeichnung Magdeburg 8501. Mit der Einführung eines neuen Baureihenschemas erhielt die Lokomotive bei der Deutschen Reichsbahn die Nummer 93 058. Sie wurde komplett mit Panzerplatten gepanzert und wurde so bereits verwendet, als der Panzerzug noch ein Bahnschutzzug war. Am 26. Januar 1943 musste sie infolge eines Kesselschadens kaltgestellt werden. Die Reparaturen dauerten bis Anfang Mai. Ansonsten wurde sie bis zum Juli 1944 fast durchgehend eingesetzt. Anfang 1945 wurde sie an den Panzerzug 78 übergeben. Die Lokomotive war nach dem Krieg in Knittelfeld abgestellt, erhielt bei den Österreichischen Staatsbahnen noch die Nummer 693.058 und wurde am 15. Dezember 1953 ausgemustert.
mini|Ungepanzerte Preußische G 10
Während Wartungs- und Reparaturarbeiten wurde beim Panzerzug 2 eine Ersatzpanzerlokomotive eingesetzt. Dies war eine Preußische G 10, diese wurde später komplett gepanzert. Sie wurde 1924 bei Hanomag mit der Werknummer 10246 hergestellt und kam bei der Deutschen Reichsbahn unter der Nummer 57 3344 zum Einsatz. Beim Panzerzug war sie bis zum 11. Mai 1943 im Einsatz und wurde dann durch ein Begleitkommando nach Rembertów in Warschau gebracht.
Artilleriewagen Im Winter 1940/1941 wurden zwei Artilleriewagen des aufgelösten Panzerzug 25 umgebaut und dem Panzerzug 2 zur Verfügung gestellt. Diese waren tschechischer Bauart und verfügten über eine 7,5-cm-Kanone im vorderen Teil des Wagens und über eine 2-cm-Flak 38 im hinteren, erhöhten Teil des Wagens. Die Flak wurden während der Umbauten montiert, wodurch je eine 7,5-cm-Kanone entfernt wurde. Die Kanone war eine 6,6-cm-Torpedoboot-Kanone L/30 mit aufgebohrtem Rohr, was sie zu einer 7,5-cm-Kanone Skoda D28 machte. Die Kanonen befanden sich in einem drehbaren Geschützturm, welcher um mindestens 180° gedreht werden konnte. Ein Feuerleitsystem wurde nicht verbaut. Im Mai 1944 verlor der Panzerzug beide Artilleriewagen und hatte dadurch das Aussehen des alten Bahnschutzzuges.
Maschinengewehrwagen mini|Güterwagen gemäßMusterblatt IId 8
Der Panzerzug 2 verfügte als Bahnschutzzug über sechs ehemalige gedeckte Güterwagen der Bauart G 02, welche gemäß dem Musterblatt IId 8 definiert waren. Diese wurden zwar mit Stahl gepanzert, dennoch konnten S.m.K.-Geschosse sie durchdringen. Der genutzte Stahl war zwar relativ dick, doch von minderer Qualität. Die Wagen verfügten über Gewehr-, Maschinengewehr- und Beobachtungsluken in unterschiedlicher Ausprägung und Anzahl in den Wänden. Für den Aus- und Einstieg verfügten sie über Türen an den Seiten der Wagen und über Bodenluken. Diese Bodenluken verfügten über, zwischen den Achsen befindliche, Ausfallkästen. Dadurch konnte Personal, welches über diese Luken den Wagen verließ, in Deckung gehen. Das Leergewicht der Wagen, ohne Panzerung, war mit 10,07 t bis 10,47 t angegeben. Die Wagen wurden je drei Stück vor und hinter der Panzerzuglokomotive angekoppelt. Je einer dieser drei Wagen einer Zughälfte verfügte über einen Beobachtungsstand. Dies waren Aufbauten, welche auf den Dächern der Güterwagen aufgesetzt wurden.
Die Maschinengewehrwagen waren 1938 noch mit 10 wassergekühlten schweren Maschinengewehren 08 ausgerüstet. Diese waren in den Wagen fest verbaut und wurden bis zur Umrüstung im Winter 1940/1941 verwendet. Für die Luftabwehr wurden in einigen Wagen Zwillingssockel 36 mit je zwei Maschinengewehren 34 eingebaut. Die Sturminfanterie, welche in diesen Wagen mitgeführt wurde, verfügte ihrerseits über Pistolen, Gewehre, leichte und schwere Maschinengewehre und einige wenige Maschinenpistolen. Für jedes Gewehr im Panzerzug wurden 180, für jede Pistole 24 und für jede Maschinenpistole 1536 Schuss ausgeteilt. Die Maschinengewehre der Sturminfanterie verfügten über 13500 Schuss, darunter waren 11350 s.S., 1500 S.m.K. und 650 S.m.K.-Leuchtspur-Geschosse. Zusätzlich standen der Infanterie zwei 8-cm-Granatwerfer 34 mit 246 normalen und 18 Nebelgranaten zur Verfügung. Die Pioniere des Panzerzuges verfügten über einen Flammenwerfer 35 oder auch einen Flammenwerfer 41.
Abstoßwagen An beiden Enden des Zuges befand sich jeweils ein zweiachsiger Flachwagen unterschiedlicher Bauart, welcher als Abstoßwagen diente. Sie dienten dazu, den Panzerzug vor Minen oder Entgleisung zu schützen und Gefahren vor den wichtigen Wagen zu beseitigen. Zusätzlich dienten sie zum Transport von Material wie Schienen, Bahnschwellen, Fahrrädern oder sonstigem Material. Die Wehrmacht nannte die Abstoßwagen auch Schutzwagen. Zur Zeit als Bahnschutzzug konnten diese Wagen noch nicht automatisch entkuppelt, sondern mussten bei Bedarf per Hand geöffnet werden. Später wurde eine durch den Panzerzug verlaufende Scharfenbergkupplung eingebaut und eine pneumatische Abstoßvorrichtung eingebaut. Dadurch konnte der Wagen abgestoßen werden und durch eine selbstwirkende Bremse auf einer bestimmten Entfernung zum Stehen gebracht werden.
Einsatz 1938 Vom 3. bis 5. Oktober 1938 wurde der Panzerzug 2 bei der Besetzung der Randgebiete der Tschechoslowakei eingesetzt. Hierbei fuhr er, zusammen mit der Heeresgruppe 4, in das Gebiet von Eger und Karlsbad. Die Besetzung verlief ohne Zwischenfälle, weshalb der Panzerzug am 14. Oktober 1938 wieder zurück nach Dresden fuhr, seinem damaligen Heimatstandort.
1939 Da der Panzerzug 2 im Jahr 1939 über keinerlei schwere Waffen verfügte, wurde er während des Überfalls auf Polen durch die Wehrmacht erst neu aufgestellt, ab dem 7. September besetzt und später als Sicherungszug eingesetzt. Am 14. September 1939 traf der Panzerzug in Gliwice ein und fuhr umgehend nach Katowice weiter. Hier begann er mit der Erkundung der Eisenbahnstrecke in Richtung Częstochowa. Ab dem 17. September wurde der Panzerzug in Trzebinia stationiert. Zwischen dem 25. und 30. September übernahm er Aufräumarbeiten in der Ortschaft Chrzanów. Am 10. Oktober erfolgte dann die Verlegung nach Karviná an der Weichsel, wo er umgehend mit der Sicherung der Eisenbahnstrecke nach Czechowice-Dziedzice begann.
Ab dem 25. Oktober 1939 stand der Panzerzug bereits in Mińsk Mazowiecki, östlich von Warschau. Hier sicherte und überwachte er die Eisenbahnstrecke zwischen Warschau und dem Fluss Bug.
1940 Nach dem erfolgreichen Feldzug in Polen, verblieb der Panzerzug in Ostpreußen und nahm nicht am Westfeldzug teil. Stationiert blieb der Panzerzug weiterhin in Mińsk Mazowiecki und unternahm Sicherungs- und Ausbildungsfahrten.
1941 Kurz vor dem Beginn des Unternehmen Barbarossa, befand sich der Panzerzug bei Małkinia Górna. Die Pioniere hatten bereits überall an den Grenzen und darüber hinaus die Gleise erweitert, indem neben den Breitspurgleisen auch Normalspurgleise gebaut, oder diese komplett ersetzt wurden. Dies war durch den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt möglich und die Aussage, dass man so schneller deutsche Transportzüge für den Warenaustausch in die Sowjetunion bringen konnte. Als am 22. Juni der Angriffskrieg begann, rückte der Panzerzug von Malkinia aus über den Bug und nahm an den Kämpfen um Bialystok teil.
Nach den Kämpfen wurde der Panzerzug nach Brest-Litowsk verlegt und wartete dort auf die Umspurung der Gleise. Nach und nach rückte er, zusammen mit den Pionieren, über die Ortschaften Baranawitschy, Minsk, Baryssau und Orscha nach Wizebsk vor. Im September erreichte der Panzerzug, zusammen mit dem Panzerzug 1 den Raum Wizebsk und beide lösten den Panzerzug 28 und den Panzerzug 29 ab, welche beide Breitspur-Panzerzüge waren und weiter nach Osten vorrückten. Ab Oktober wurde er in Sirotino stationiert und überwachte die Eisenbahnstrecke zwischen Polazk und Wizebsk.
1942 mini|hochkant|Der Panzerzug 2 verfügte nach 1940 über einen Panzerspähwagen vom Typ Panhard 178
Ab dem 26. Januar wurde der Panzerzug 2 zur Streckensicherung im Raum Rudnja, zwischen Wizebsk und Smolensk eingesetzt. Ab dem 25. Februar wurde der Panzerzug verlegt und begann mit der Streckensicherung zwischen Smolensk und Wjasma. Hier war er besonders im Raum Dorogobusch aktiv im Einsatz. Am 21. März kam es bei Kulewo zu einem schweren Gefecht mit Partisanen. Am 5. April wurde der Panzerzug dann von Jarzewo nach Brjansk verlegt.
1943 Königl. Ung. 102. le. Div. Ab dem 1. Januar 1943 wurde der Panzerzug 2 zum Bahnhof von Nawlja verlegt. Dort wurde der Panzerzug mit der Sicherung der wichtigen Nachschubstrecke zwischen Brjansk und Dimitrijew beauftragt. Bis zum 17. Januar wurde vom Panzerzug nur eine Sprengstelle erkannt und beseitigt. Zusätzlich schützten der Panzerzug und das Jagdkommando des Panzerzuges einen Pionierbauzug, welcher ebenfalls Sprengstellen beseitigte oder die Gleise ausbesserte. Weiterhin wurde in der Gegend von Dimitrijew eine Operation gegen eine größere Gruppe von Partisanen durchgeführt. Hierbei sollte ein Ausweichen der gegnerischen Kräfte über die Eisenbahnstrecke verhindert werden. Diese Patrouillen wurden vom Panzerzug in der Nacht durchgeführt. Dadurch konnte ein Überschreiten gegnerischer Kräfte verhindert werden. Zusätzlich zu den Sicherungsaufgaben beförderte der Panzerzug ein Jagdkommando und mehrere Offiziere nach Kletnja. Aufgrund eines Kesselschadens war der Panzerzug einige Tage nicht im Einsatz. Der Panzerspähwagen P 204 (f), welcher einen Motorschaden erlitten hatte, wurde nach einer längeren Reparatur wieder eingesetzt. Am 18. Januar wurde der Panzerzug von Nawlja nach Komaritschi verlegt und begann mit der Streckensicherung. Bereits am 17. Februar wurde der Panzerzug wieder zurück nach Brjansk verlegt und wurde im Schwerpunkt auf der Eisenbahnstrecke nach Unetscha eingesetzt.
Vom 1. bis zum 12. Februar war der Panzerzug 2 in Nawlja stationiert und wurde der Königlich Ungarischen 102. leichten Division zugeteilt. Aufgrund eines Einbruchs sowjetischer Truppen in der Gegend bei Dimitrijew, nahm die Wichtigkeit der Eisenbahnstrecke zwischen Brjansk und Dimitrijew deutlich zu. In Verbindung mit der Königlich Ungarischen 102. leichten Division, wurde der Panzerzug mit der Sicherung dieser Strecke betraut. Hier sollte ein Überwechseln stärkerer Truppen über die Bahn verhindert werden, um Beschädigungen von Gleisen oder Brückensprengungen zu verhindern. In Verbindung mit einem Pionierbauzug konnten Sprengladungen entfernt oder gesprengte Gleise schnell wiederhergestellt werden. Neben dem Panzerzug sicherte auch das Jagdkommando des Panzerzuges die Arbeiten und Truppen ab.