miniatur|A1GP-Rennszene: Portugal vor Indien, Monaco und Irland (Kyalami 2009) Die A1GP-Serie (in der ersten Saison noch A1 Grand Prix) war eine von Scheich Maktum Hascher Maktum Al Maktum in Zusammenarbeit mit Tony Teixeira gegründete Einheitsrennserie, die sich mit dem Slogan „Weltmeisterschaft des Motorsports“ schmückte und im Jahre 2005 ihre ersten Rennen austrug. Sie fand im Winterhalbjahr statt, in welchem viele andere Meisterschaften wie Formel 1, IndyCar Series, Motorrad-Weltmeisterschaft, DTM, Rallye-Weltmeisterschaft und Tourenwagen-Weltmeisterschaft keine Rennen veranstalten. Optisch orientierten sich die Fahrzeuge zunächst an Formel-3000-, dann an Formel-1-Wagen der Generation vor 2009, technisch waren sie aber einfacher gehalten. In ihrer vierten und letzten Saison trug die Serie den Zusatz Powered by Ferrari als Verweis auf einen Motorenausrüster-Vertrag, den die Serie im Herbst 2007 mit Ferrari geschlossen hatte. Am 10. Februar 2010 wurde das Aus der A1GP-Serie wegen Insolvenz bekanntgegeben.

Teams und Fahrer Statt Rennställen traten in der A1GP Nationalmannschaften gegeneinander an, daher auch der Slogan „Weltmeisterschaft“. Jedes Nationalteam setzte Fahrer aus dem jeweiligen Land ein und auch das Fahrzeug war in Landesfarben (oder für das Land bei Sportveranstaltungen typischen Farben) lackiert.

In der A1GP-Serie traten einige junge Talente an, die später in höheren Serien auf sich aufmerksam machen konnten, wie etwa Nico Hülkenberg (GER), Adrian Sutil (GER), Sébastien Buemi (SUI), Nelson Piquet jr. (BRA), Scott Speed (USA, alle Formel-1-Stammfahrer), Álvaro Parente (POR), Fairuz Fauzy (MAS, beide Formel-1-Testfahrer), Alexandre Prémat (FRA), Oliver Jarvis (GBR, beide DTM) oder Ryan Briscoe (AUS, IndyCar Series). Parallel dazu gingen erfahrene Piloten an den Start, einige davon im „Herbst ihrer Karriere“, so etwa die ehemaligen Formel-1-Rennfahrer Christian Fittipaldi (BRA), Narain Karthikeyan (IND), Alex Yoong (MAS), Ralph Firman (IRL), Tomáš Enge (CZE), Hideki Noda (JPN), Jos Verstappen (NED), Robert Doornbos (NED), Franck Montagny (FRA) oder Vitantonio Liuzzi (ITA). Das selbst gesteckte Ziel, Fahrern einen direkten Einstieg in die Formel 1 zu ermöglichen, ging nie in Erfüllung; kein einziger wechselte ohne Zwischenstation in die Formel 1. Lediglich Vitantonio Liuzzi wechselte 2009 während der Saison von der A1-Serie zu Force India in die Formel 1, er war jedoch bereits vor seinem A1-Engagement jahrelang in der Formel 1 aktiv.

A1 Teams: Australien Brasilien China Deutschland Frankreich Griechenland Großbritannien Indien Indonesien Irland Italien Japan Kanada Korea Libanon Malaysia Mexiko Monaco Neuseeland Niederlande Österreich Pakistan Portugal Russland Schweiz Singapur Südafrika Tschechien USA

Verantwortliche Vorsitzender der A1GP-Serie war nach dem Ausstieg von Scheich Maktum Hascher Maktum Al Maktum, nach der ersten Saison der südafrikanische Geschäftsmann und Mitgründer der Serie Tony Teixeira. Als Geschäftsführer der A1 Holding ltd. fungierte bis Herbst 2009 der gebürtige Brasilianer Pete da Silva.

Saisons Die Serie bestritt bis zu ihrer Insolvenz vier Saisons:

Jahr Fahrzeug Weltmeister Fahrer Punkte 2005/06 Lola-Zytek Nicolas Lapierre, Alexandre Prémat 172 2006/07 Nico Hülkenberg, Christian Vietoris 128 2007/08 Neel Jani 168 2008/09 A1-Ferrari Adam Carroll 112

Rennstrecken Die A1GP-Rennen wurden weltweit ausgetragen, wobei es einen Schwerpunkt auf Rennstrecken in Asien gab. Die konkreten Strecken wechselten oft und teilweise sehr kurzfristig. Nur die Strecken von Brands Hatch und Sepang wurden in jeder der vier Saisons genutzt. miniatur|Übersicht aller Länder, in denen eine A1GP-Rennveranstaltung stattgefunden hat Europa: Brands Hatch (2005–2008), EuroSpeedway Lausitz (2005), Circuito do Estoril (2005), Circuit Park Zandvoort (2006–2008), Automotodrom Brno (2006, 2007), Autódromo Internacional do Algarve (2008) Asien: Sepang International Circuit (2005–2008), Dubai Autodrome (2005), Sentul International Circuit (2005, 2006), Shanghai International Circuit (2005–2007), Peking (Stadtkurs) (2006), Zhuhai International Circuit (2007), Chengdu Goldenport Circuit (2008) Amerika: Parque Fundidora Monterrey (2005), Laguna Seca Raceway (2005), Autódromo Hermanos Rodríguez (2006–2007) Afrika: Durban (Stadtkurs) (2005–2007), Kyalami Grand Prix Circuit (2008) Ozeanien: Eastern Creek Raceway (2005–2007), Taupo Motorsport Park (2006–2008)

Das Rennwochenende auf dem Dubai Autodrome war das einzige, das ohne ein einheimisches Team stattfand. In der ersten Saison wurden die jeweiligen Rennwochenenden noch als A1 Grand Prix of Nations™ bezeichnet.

Die Testfahrten der Serie fanden überwiegend in Silverstone statt, daneben gab es aber auch Testfahrten auf den Rennstrecken Circuit Paul Ricard (2005), Donington Park (2008) und Snetterton Circuit (2008).

Rennstrecken mussten mindestens über FIA-Streckengrad 2 verfügen, um ein Rennen der A1GP-Serie ausrichten zu können.

Reglement Dieser Abschnitt beschreibt weitgehend das Regelwerk in der letzten Saison. Für die früheren Reglements siehe die jeweiligen Saisonartikel.

Teams und Fahrer In der A1GP-Serie traten maximal 25 Nationenteams gegeneinander an. Die Fahrer entstammen, zumindest in dritter Generation, dem Land, für das sie starteten (einzige Ausnahme: Enrico Toccacelo in Durban 2006). Die Fahrzeuge trugen vorwiegend einheimische Sponsorenaufschriften. Die Teamverantwortlichen mussten allerdings nicht der Nationalität entsprechen, für die sie antraten – so wurde z. B. A1 Team China von der Crew des belgischen Rennstalls Team Astromega betreut. Die Boxencrews waren auf maximal zehn Personen beschränkt. Es durften pro Rennwochenende maximal drei verschiedene Fahrer für ein Team antreten, welche wiederum erst dann für das Qualifying bzw. die Rennen einsatzberechtigt waren, wenn sie an mindestens einem der drei Trainings teilgenommen hatten. Alle Fahrer, die bei A1GP antraten, benötigten eine Internationale FIA-Rennlizenz der Klasse B.

Einheitsautos mini|A1GP-Rennszene: Mexiko vor Neuseeland und Malaysia (Brands Hatch 2005) Bei A1GP wurden Einheitsautos eingesetzt. Dies sollte garantieren, dass jedes Team das gleiche Material zur Verfügung hatte und somit nur die Leistung des Fahrers und die Arbeit der Crew über Sieg und Niederlage entschied. Dennoch gab es verschiedene Möglichkeiten für die Teams, ihre Autos optimal den jeweiligen Streckenverhältnissen anzupassen. So konnte u. a. durch geschicktes Einstellen des Heckflügels durchaus ein zeitlicher Vorteil erzielt werden. Größere Modifikationen wie Zusatzflügel waren aber nicht erlaubt.

In der Zeit vor und nach einem Rennwochenende war es den Teams nicht erlaubt, Veränderungen an den Fahrzeugen durchzuführen, um so einen Erfahrungsvorsprung der jeweiligen Crews zu vermeiden. Auch private Testfahrten der einzelnen Teams waren in den ersten beiden Saisons strikt verboten, seither bestand jedoch für jedes Team die Möglichkeit, einmal vor Saisonbeginn einen Rookie-Test (also einen Test für Fahrer, die bisher noch nicht in der A1GP-Serie an den Start gegangen waren) durchzuführen. Dieser musste allerdings auf einer Strecke abgehalten werden, auf der im Saisonverlauf nicht gefahren wurde.

Während des Rennwochenendes hatten die Teams insgesamt sieben Reifensätze (fünf Sätze Slicks, zwei Sätze Regenreifen) zur Verfügung. Hielt es die Rennleitung aufgrund der Wetterbedingungen für notwendig, konnten auch mehr Regenreifen-Sätze an die einzelnen Teams zugewiesen werden. Das „Ausborgen“ von Teilen während eines Rennwochenendes (z. B. eines neuen Frontflügels) war nicht untersagt (vgl. Jos Verstappen in Durban 2006).

In den ersten drei Saisons benutzte die Serie ein von Lola International entworfenes und gefertigtes Auto, dessen Motor von Zytek Engineering und die Reifen vom britischen Hersteller Cooper Tires kamen. Es war maximal 527 PS stark, wobei mit dem PowerBoost-Button zusätzliche 30 PS freigeschaltet werden konnten. Das Leergewicht des Fahrzeugs lag bei etwa 600 kg, bis zu 290 km/h waren möglich. miniatur|links|Cooper Tires (2007)

Das neue Chassis für die Saison 2008/2009 wurde unter Führung von John Travis, dem Technischen Direktor der Serie, und mit Unterstützung des Ex-Ferrari-Designers Rory Byrne in Bognor Regis (Großbritannien) entwickelt und gebaut, wobei als Vorbild der Ferrari F2004 diente, mit welchem die Scuderia Ferrari in der Formel-1-Saison 2004 die Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft gewinnen konnte. Der V8-Motor stammte von Ferrari und als Reifenlieferant diente der französische Hersteller Michelin. Das Auto bestand vorwiegend aus Kohlenstofffaser und Aluminium und entsprach damit den üblichen Sicherheitsstandards. Die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge betrug knapp 300 km/h, die maximale Leistung 600 PS bei aktiviertem PowerBoost-Button (540 PS ohne). Das Auto wog inklusive Fahrer, aber exklusive Treibstoff, 695 kg.

Technische Fahrhilfen wie ABS oder Traktionskontrolle waren in den ersten drei Saisons verboten. Das neue Auto verfügte jedoch über eine Launch Control, womit diese Vorgabe als hinfällig erachtet werden konnte. Heizdecken waren erlaubt und wurden standardmäßig eingesetzt.

Siehe: A1GP-Autos

Sicherheit Neben den modernen Werkstoffen sollten vor allem ein Sechs-Punkt-Gurt und das in der Motorsportszene inzwischen obligatorische HANS-System die Sicherheit der Fahrer garantieren.

Ökologische Ansätze miniatur|Richtlinien der THINK – Greener Racing-Kampagne Im Selbstverständnis der Serie spielte ab 2007 die Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen eine wichtige Rolle. So fuhren die Lola-Zytek-Boliden in der dritten Saison vom Taupo- bis zum Brands Hatch-Rennwochenende mit dem umweltfreundlicheren Kraftstoff Hiperflo™ E30. Dieser besteht zu 30 Prozent aus Ethanol, welches aus in Europa angebauten Zuckerrüben gewonnen wird. Hiermit sollten die CO2-Emissionen um 21 Prozent reduziert und der Ausstoß von Stickstoffoxiden minimiert werden. Außerdem sollten zum Transport im und um das Fahrerlager nur noch Elektroscooter verwendet werden.

Ursprünglich sollte der Treibstoff bereits beim Saisonauftakt in Zandvoort eingesetzt werden, aufgrund von Verträglichkeitsproblemen mit dem Motor wurde dieses Vorhaben jedoch zunächst verschoben.

Vor der Saison war sogar ein Treibstoff mit 85-prozentigem Ethanolanteil getestet worden, dieser hatte sich aber als gänzlich ungeeignet erwiesen.

In der letzten Saison wurde ein Treibstoff mit 10-prozentigem Ethanolanteil eingesetzt.

PowerBoost Jedes A1GP-Auto verfügte über einen sogenannten PowerBoost-Button, mit dem der Fahrer zusätzliche Leistung freischalten konnte (in der letzten Saison waren dies ca. 60 PS). Diese Vorrichtung sollte das Überholen eines Konkurrenten bei engeren Zweikämpfen erleichtern und somit den Rennverlauf spannender gestalten. Im Sprintrennen konnte der PowerBoost viermal eingesetzt werden, im Hauptrennen höchstens achtmal.

Flaggenzeichen In der A1GP-Serie galten die üblichen Flaggenzeichen. Allerdings gab es hier kleine Abweichungen im Vergleich zur Formel 1: So wurde beim Schwenken der Roten Flagge (= Rennunterbrechung) während einer Qualifying-Session nicht die Zeit angehalten. Dies hätte im schlimmsten Fall dazu führen können, dass kein einziges Team eine gezeitete Runde hätte fahren können.

Boxenstopps Im Sprintrennen war ein Pflichtboxenstopp vorgeschrieben, im Hauptrennen zwei.