In dieser Liste sind ehemalige Brauereien in Kaiserslautern aufgeführt, also ehemalige Brauereien in der kreisfreien Großstadt Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz. Die Liste enthält auch die ehemaligen Mälzereien in Kaiserslautern.
Bierstadt Kaiserslautern Die Stadt Kaiserslautern hat eine lange und stolze Biertradition, wodurch es nicht ungewöhnlich ist, dass das Kaiserslauterer Bier lange Zeit das beliebteste der Pfalz war. Bereits um 1600 unterhielt die Stadt eine Braustätte mit Sudkessel und Malzdörre. Im Jahr 1880 gab es in der Stadt 18 Brauereien bei einer Einwohnerzahl von rund 26.000. Obwohl es heute bei einer Einwohnerzahl von 100.000 keine Bierbrauerei mehr gibt, bis auf das „Brauhaus am Markt“, können sich dennoch viele ältere Bürger der Stadt an die Brauereien und deren Namen erinnern. Einige der Brauereien hatten zwecks Eigenbedarfs bereits eigene Mälzereien, für die Deckung des Fremdbedarfs gab es bis 1993 im Wechsel bis zu vier Mälzereien.
Das Wachstum der Brauereien und der wirtschaftliche Aufschwung wurden durch Kriege, Brandschatzungen, Reparationsforderungen, Besetzungen und Zerstörungen gelähmt, viele Bürger flüchteten aus der Stadt. Mit der Einführung der französischen Gesetze und Gewerbefreiheit ging es wieder aufwärts. Im Jahr 1816 war die französische Herrschaft zu Ende und die Pfalz kam zu Bayern; steigende Einwohnerzahlen und die Industrialisierung brachten den Brauereien wieder steigenden Absatz. Die finanziell starken Brauereien investierten in Eis- und Kältemaschinen und unterstützen die Brauung generell durch Maschinen. Dadurch entstanden Großbrauereien, welche mit der Zeit die kleineren Brauereien, welche dem Wettbewerb nicht mehr standhalten konnten, verdrängten.
Im Jahr 1914 betrug der jährliche Bierausstoß der drei größten Brauereien Jänisch 80.000 Hektoliter, der Bayerischen Brauereigesellschaft 70.000 Hektoliter und der Brauerei C.Schuck 35.000 Hektoliter. Neben den eigenen Brauereien und Bierdepots gab es in Kaiserslautern ebenso Bierdepots auswärtiger Brauereien, beispielsweise von der Brauerei Weber aus Homburg, der Schwabinger Brauerei, der Kulmbacher Expertbier-Brauerei, der Fürstenberg-Brauerei aus Donaueschingen, der Pfalz-Brauerei aus Neustadt und der Thal- und Brüstle-Brauerei aus Annweiler. Grund hierfür war wahrscheinlich die gute verkehrstechnische Anbindung an die Eisenbahn und die Kaiserstraße, welche einmal in Ost-West quer durch die Stadt führt.
Liste der ehemaligen Brauereien in Kaiserslautern BildNameLageBetriebBeschreibungrahmenlosAktienbrauereiFabrikstraße 331873 – 1883Befand sich in der Fabrikstraße 33 am Abhang des Erbsenberges. Der erhoffte Erfolg der Brauerei blieb leider aus, sodass man bereits im Jahr 187 über eine Stilllegung nachdachte. Auch die Halbierung des Aktienkapitals sowie ein Wechsel der Geschäftsleitung halfen nichts, sodass die Brauerei am 01. September 1882 in Konkurs gegangen ist, wodurch der Betrieb letztlich eingestellt werden musste. Die Anlage der Aktienbrauerei wurde kurze Zeit später, am 03. April 1883 durch die neu gegründete Bayerische Brauereigesellschaft übernommen.S.63rahmenlos Weitere BilderBayerische BrauereigesellschaftFabrikstraße 331883 – 1990Eine sehr erfolgreiche Brauerei, welche zunächst die Aktienbrauerei übernahm und später noch die Brauerei Gienanth aus Winnweiler (1890), Sickingerbräu Landstuhl (1913), die Brauerei Carl Schuck (1920) und die Brauerei Jänisch AG (1920). 1920 benannte sich die Brauerei in „Bayerische Brauerei Schuck und Jänisch (BBK)“ um.S.63f.rahmenlos Weitere BilderBayerische Brauerei Schuck und Janisch (BBK)Fabrikstraße 331920 – 1990Die Werksanlage der BBK wurde erweitert, im Jahre 1936 wurde zudem die Brauerei Marhoffer übernommen. 60 % der Anlage wurde durch einen Bombenangriff der Alliierten zerstört. 1968 stellte man die Lagerung in Holzfässern auf Fässer aus Metall um. 1972 fusionierte BBK mit dem Koch-Bräu aus Kusel.Brauerei Wilhelm BossertSteinstraße 531905 – 1906Wilhelm Bossart, ein Spezereiwarenhändler, braute 1905 und 1906 in seinem Haus in der Steinstraße 53 Bier. Später widmete er sich wieder seinem eigentlichen Beruf, den Spezereiwarenhandel.rahmenlos Weitere BilderGefängnis-BrauereiWilly-Brandt-Platz 1Gerüchten nach zufolge wurde ein inhaftierter Braumeister extra nach Kaiserslautern ins Gefängnis verlegt, um dort Bier für die Angestellten, Inhaftierten und Kranken zu brauen. Gemäß der bayerischen Verpflegungsordnung stand nämlich dem Gefängnispersonal eine tägliche Bierration zu. Das Bier sollte für die Angestellten den Alltag erträglicher machen und die Kranken bei der Genesung unterstützen. Leider war das Bier ungenießbar, sodass das Endprodukt des „Braumeisters hinter Gittern“ weggeschüttet wurde. Auch mehrfache Versuche des Braumeisters konnten kein genießbares Produkt erzeugen, sodass die Verpflegung der Menschen im Gefängnis mit Bier rasch wieder eingestellt werden musste. Das Gefängnis existiert heute nicht mehr, es musste für den Neubau des Rathauses weichen.S.72Brauhaus am MarktStiftsplatz 22000 – heuteAm 10.05.2000 öffnete das 1. Brauhaus als erste Hausbrauerei der Bischoff-Brauerei Winnweiler in Kaiserslautern am Stiftsplatz. Seitdem wird in Kaiserslautern wieder ungefiltertes, naturtrübes, helles und dunkles Weizenbier gebraut. Seit 2003 führt die 1. Hausbrauerei GmbH das 1. Brauhaus am Markt. das Café am Markt sowie die Markthalle.S.70rahmenlosWeitere BilderSternbrauerei Gebrüder OrthAm Altenhof 12–141796 – 1914Befand sich in der Karlstraße 12, heute das Gebäude der Sparkasse am Altenhof, und umfasste das Gelände bis zur Burgstraße. Heute erinnert bloß noch eine denkmalgeschützte Platane an die ehemalige Brauerei, dort befand sich damals ein Biergarten. Peter Orth erwarb im Jahr 1799 die Gastwirtschaft „Zum Stern“ (heute die Handwerkskammer der Pfalz) und betrieb dort die Brauerei, eine Landwirtschaft, eine Branntweinbrennerei, eine Essigsiederei sowie einen Weinhandel. Er braute untergäriges Bier. Neben der Gastwirtschaft unterhielt er noch eine Gastwirtschaft am Blechhammer mit Tanz- und Konzertsaal. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Karl und Valentin die Brauerei. Nach dem Tod von Valentin führte sein Bruder Karl die Brauerei mit seinem Neffen Dr.med Karl Heinrich Theodor Orth weiter. Dieser gab seine Arztpraxis auf und übernahm 1875 die Brauerei ohne aber den landwirtschaftlichen Zweig. Dr. Theodor Orth war in der Zeit von 1895 bis 1905 Bürgermeister der Stadt Kaiserslautern, Adjunkt und Hofrat; nach ihm wurde die heute bekannte „Orthstraße“ benannt.S.18f.rahmenlosBrauerei Franz Meuth „Zur Kaiserburg“ 1827 – 1842Johann Dominik Meuth, ein Einnehmer und Regierungskommissar aus Kaiserslautern, geboren in Mainz, und später Abgeordneter im Bayerischen Landtag, ließ 1827 auf dem Schlossgelände der Kaiserburg die Brauereigebäude errichten. Grund hierfür war der Beruf seines Sohnes Johann Franz, welcher in Bayern und Österreich den Beruf als Bierbrauer erlernt hatte. Johann Dominik Meuth erhielt den Teil des Schlossgeländes aufgrund einer Nationalgüterversteigerung; das Barbarossaschloss wurde damals von der französischen Regierung erworben und im Jahre 1805 unter dem Forstinspektor Karl Eickemeyer, Posthalter Ludwig Didier und Einnehmer Dominik Meuth aufgeteilt. Abschrift der Teilungsurkunde „Das erste Loos (altes Schlos) dem Herrn Dominik Meuth zuständig, fängt am Meuth’schen Garten (Schloßstraße) an, läuft auf den Linken Linie der neuen Straße fort bis auf jede Lini, welche durch die Pfeiler des ersten und zweiten Bogen der alten Schloßkapelle in der Mitte durch bis auf die linke Straßenlinie gezogen wird und begreift allen Plaz und Gebäulichkeiten in sich, welche innerhalb der gedachten Linien und den Gränzen des Schlosses, gegen die Schloßmühle zu, gelegen sind“ (Pfälzische Geschichtsblätter, Nr.8, August 1907). Nach dem Tod von Franz Meuth im Jahr 1842 verkauften die Erben das Anwesen samt der Brauerei und Zubehör an den Ökonomen und Bierbrauer Benno Carl Ritter von Wächter aus Wunsiedel.S.25ff.rahmenlos