Der singende Teufel ist eine Oper in vier Akten von Franz Schreker, der auch das Libretto verfasste. Sie wurde am 10. Dezember 1928 in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin uraufgeführt.

Handlung

Die Oper spielt in Deutschland im frühen Mittelalter.

Kurzfassung

Erster Akt. Der junge Orgelbauer Amandus erhält von Pater Kaleidos den Auftrag, die gewaltige Orgel fertigzustellen, die sein Vater unvollendet hinterließ, nachdem er als Ketzer verbrannt wurde. Amandus ist mit der Heidin Lilian verlobt. Die Heidenpriesterin Alardis erwählt diese, sich auf einem Frühlingsfest demjenigen Helden zu weihen, der als Anführer gegen die Mönche in den Kampf ziehen wird. Dazu bietet sich der grobschlächtige Ritter Sinbrand an. Lilian weist ihn ab, weil sie Amandus liebt. Es gelingt ihr jedoch nicht, diesen auf die Seite der Heiden zu ziehen.

Zweiter Akt. Amandus fühlt sich überfordert von seiner Arbeit an der Orgel. Kaleidos drängt ihn, in den Orden einzutreten, um sich von weltlichen Gedanken zu befreien. In der folgenden Nacht beobachtet Amandus das Frühlingsfest der Heiden, das von kämpferischer Propaganda gegen die Mönche geprägt ist. Als der betrunkene Sinbrand versucht, Lilian für sich zu gewinnen, schreitet Amandus ein. Er kann jedoch nichts ausrichten und wird von den Heiden überwältigt. Sinbrand entführt Lilian auf sein Schloss. Die Heiden folgen ihm und lassen den gefesselten Amandus zurück, der nach einer Weile von Kaleidos befreit wird. Er ist nun bereit für den Eintritt ins Kloster.

Dritter Akt. Amandus hat die Orgel vollendet und ihr sanfte „Register der Liebe“ verliehen. Kaleidos beharrt jedoch auf mächtigen Klängen, die Angst und Schrecken unter den Heiden verbreiten sollen. Lilian konnte Sinbrand entkommen. Sie warnt Amandus vor einem bevorstehenden Angriff der Heiden. Nur er könne sie mit seiner Orgel, dem „singenden Teufel“, aufhalten. Als die mordlustigen Heiden in die Kirche eindringen, gelingt ihm dies tatsächlich. Die Heiden fallen beim Brausen der Orgel ehrfürchtig auf die Knie und werden von Pater Kaleidos und den Mönchen niedergemetzelt. Amandus fühlt sich betrogen. Die sanften „silbernen Orgelstimmen“, mit denen er Frieden bewirken wollte, haben versagt.

Vierter Akt. Amandus ist nach dem Vorfall verzweifelt zusammengebrochen. Lilian pflegt ihn auf einer Waldlichtung vor Alardis’ Höhle. Ein maurischer Pilger bittet ihn, seine defekte tragbare Orgel zu reparieren. Dadurch werden Amandus’ qualvollen Erinnerungen wieder geweckt. Er gerät in Rage und will zum Kloster eilen, um die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. Lilian kann ihn besänftigen. Sie hat eine andere Lösung im Sinn und bittet ihn, auf ihre Rückkehr zu warten. Während sie zum Kloster eilt, diskutiert Amandus mit dem Pilger über die Frage, ob es einen Gott gebe. Im Gegensatz zum Pilger hat er seinen Glauben noch nicht vollständig verloren. Kurz darauf berichtet Lenzmar, dass das Kloster in Flammen aufgegangen und Kaleidos ums Leben gekommen sei. Die Orgel jedoch sei wie durch ein Wunder unversehrt geblieben und habe „wie Himmelsstimmen“ getönt. Lilian gesteht, dass sie selbst den Brand gelegt habe. Amandus’ Leiden sind beendet, doch Lilian stirbt entkräftet vor seinen Augen.

Die folgende Inhaltsangabe enthält in kursiver Schrift die originalen Szenenbeschreibungen der Partitur.

Erster Akt

Erstes Bild: Amandus’ Raum

Die Bühne stellt einen kleinen Raum dar. Links vom Zuschauer eine kleine Orgel, einfach und schlicht, im Stil der damaligen Zeit. (Es kann in der Zeit etwas vorgegriffen werden, etwa bis ins 15. Jahrhundert; siehe Belvoir Castle, Psalterium.) Rechts seitwärts ist der Eingang gedacht. Im Hintergrunde ein kleines Fenster, durch das das Licht eines Vorfrühlingsabends fällt. Die Wände sind mit primitiven Darstellungen von Orgelmodellen bedeckt, die jedoch nur undeutlich, verschwommen zur Geltung kommen dürfen. Irgendwo ein religiöses Bild.

Szene 1. Der junge Orgelbauer Amandus zeigt Pater Kaleidos stolz sein neuestes Werk, eine kleine Orgel. Kaleidos erzählt ihm, dass sein Vater ebenfalls Orgelbauer war und sein Lebenswerk, eine gewaltige futuristische Orgel (den „singenden Teufel“), unvollendet ließ, weil er dem Wahnsinn verfiel und als Ketzer auf dem Scheiterhaufen endete. Kaleidos konnte die angefangene Orgel damals retten und im Klostergewölbe aufbewahren. Er glaubt, dass Amandus dazu ausersehen sei, sie zu vollenden, und gibt ihm die Schlüssel zum Gewölbe. Amandus bittet um Bedenkzeit. Er zweifelt an seinen Fähigkeiten und möchte seine Geliebte Lilian um Rat fragen.

Zweites Bild: Die Höhle der Alardis

Große Steine als Sitzgelegenheiten. Rechts vom Zuschauer ein schwelendes Feuer; links der Eingang. An dem Feuer, versunken, Alardis. Mehr in der Dunkelheit Gestalten von Männern‚ darunter Lenzmar. Im Vordergrunde rechts‚ etwas vom Licht getroffen, Lilian.

Szene 2. Alardis, die Anführerin der Heiden, hat ihre Gefolgschaft zusammengerufen, um für die bevorstehende Sonnenwend-Zeremonie die schönste Jungfrau als „Liebesopfer“ zum „Frühlingslehen“ an die Göttin Freya zu bestimmen. Dazu kommt nur Lilian in Frage. Sie soll sich einem Helden weihen, der bereit ist, als Anführer gegen die Mönche in den Kampf zu ziehen. Alardis denkt dabei an Amandus. Weil dieser noch Christ ist und zu den Mönchen hält, soll Lilian ihn auf ihre Seite ziehen.

Ritter Sinbrand stolpert grob, breitspurig, ungeschlacht herein, er trägt ein mächtiges Schwert und ist betrunken.

Szene 3. Sinbrand prahlt mit seiner Kraft, um sich als möglichen Anführer in Szene zu setzen und Lilian für sich zu gewinnen. Sie will von diesem Rüpel jedoch nichts wissen und eilt zu Amandus.

Drittes Bild: Amandus’ Raum; Nacht

Amandus an der Orgel, eine Lampe erhellt den Raum. Lilian tritt eben hastig ein.

Szene 4. Amandus träumt von der Vollendung der komplexen Orgel seines Vaters, als Lilian eintrifft. Sie versucht, ihn mit glühenden Liebeserklärungen zu sich zu locken und für die Heiden als Anführer zu gewinnen. Amandus ist jedoch fest im christlichen Glauben verhaftet. Er hält ihre heidnischen Bräuche für Frevel und will sie den „Fängen des Bösen“ entreißen. Auch ihr Hinweis, dass sein Vater von den Mönchen am Pfahl verbrannt wurde und er sich dafür rächen müsse, bringt ihn nicht davon ab.

Zweiter Akt

Erstes Bild: Gewölbe im Kloster, die einstige Werkstatt des Vaters Amandus’

Links vom Zuschauer verwitterte Steinstufen, die von oben, wo der Eingang anzunehmen ist, nach abwärts führen. Vor dem Eingang, die Stufen nach oben zu abgrenzend, eine kleine Plattform, die die Aussicht durch ein vergittertes Fenster auf die Straße ermöglicht. Im Hintergrunde ein mächtiges, unvollendetes Orgelwerk, sich mysteriös im Dunkel verlierend. Überall verstreut Werkzeug, Pfeifen, Bälge, Glocken. vergoldet Zierat u. s. f. Es ist Spätabend, Licht durch das Fenster oben. Amandus unten, Pater Kaleidos oben auf der Plattform vor dem Fenster.

Szene 1. Kaleidos erkundigt sich bei Amandus nach den Fortschritten der Orgel. Der ist von der gewaltigen Aufgabe jedoch überfordert. Kaleidos rät ihm, sich von den Gedanken an irdische Dinge zu befreien und in den Orden einzutreten. Da zieht draußen eine Prozession von Heiden vorbei, die am heutigen Laetare-Tag, der „Frühsonnenwende“, symbolisch einen „Popanz“ verbrennen wollen, um den Tod „auszutragen“. Amandus folgt ihnen zum Fest.

Zweites Bild: Mondnacht am Waldrand

Gegend am Rande eines Waldes, der rechts und links seitwärts gedacht ist. Im Hintergrund vereinzelte Bäume gespenstischer Formen, dahinter Ebene, Horizont. In der Mitte ein kleiner Hügel. Im Vordergrunde, auf Steinen sitzend, links Alardis, rechts Lilian, die, den Kopf in die Hände gestützt, nach vorne, ins Publikum starrt. Mondnacht‚ die sich allmählich dem Morgen nähert.

Szene 2. Amandus beobachtet aus einem Versteck am Waldrand, wie Alardis auf dem heidnischen Fest ihre Anhänger gegen die Mönche aufhetzt.

Szene 3. Alardis versucht, die widerstrebende Lilian dem Ritter Sinbrand zuzuführen.

Szene 4. Eine Prozession vermummter Personen bringt eine Strohpuppe mit einem Totenkopf im Mönchshabit, die von den Heiden symbolisch verhöhnt, verprügelt und verbrannt wird.

Szene 5. Die Heiden beginnen nun ein Trinkgelage und Würfelspiel. Sinbrand spielt mit einem der Landsknechte um ein Pferd. Amandus, dem das Treiben zutiefst zuwider ist, will Lilian heimlich fortführen. Sinbrand entdeckt ihn jedoch, und Lilian erklärt, dass sie demjenigen gehören werde, der sie kaufe oder erringe. Sinbrand schlägt vor, um sie zu würfeln. Unterdessen werden vier Maibäume aufgestellt. Der Heide Lenzmar besteht darauf, dass um Lilian gekämpft wird. Der mittlerweile vollständig betrunkene Sinbrand ist sofort dazu bereit. Amandus erklärt den Heiden seinen festen Glauben an das Christentum und beharrt darauf, dass Lilian bereits seine Braut sei. Die Heiden lachen ihn aus, stürzen sich auf ihn und fesseln ihn. Sinbrand ergreift Lilian, schwingt sich mit ihr auf sein Pferd und ruft den Heiden zu, ihm auf sein Schloss zu folgen. Dort sollen sie Waffen für den Kampf gegen die Mönche erhalten.

Szene 6. Amandus bleibt gefesselt allein zurück, während hinter der Szene noch die „Laetare“-Rufe der Heiden erklingen.

Szene 7. Pater Kaleidos befreit Amandus von seinen Fesseln. Der ist nun bereit, ins Kloster einzutreten.

Dritter Akt

Erstes Bild: Kreuzgang im Kloster. Nachmittag

1. Szene. Zwei Alumnen bewundern die von Amandus fertiggestellte Orgel.

2. Szene. Der erschöpfte Amandus bittet Kaleidos um etwas Ruhezeit. Der ist jedoch noch nicht zufrieden. Amandus hat der Orgel sanfte flehende Register der Liebe verliehen. Kaleidos aber wünscht sich kämpferische Klänge, die als „Kriegsruf Gottes“ in die Ohren der aufrührerischen Heiden donnern, die bereits Kirchen schänden und Priester erschlagen.

3. Szene. (Orchester)

Gestalten huschen über die Bühne gleich Schemen. Man sieht Einzelne Harnische, Schwerter, Speere, Waffen aller Art schleppen. Die Szene hat sich verfinstert, nur ein fahler Lichtschein begleitet den gespenstischen Zug. Während dessen verwandelt sich die Szene. Amandus steht einen Augenblick starr und wendet sich dann zum Gehen.

Zweites Bild: Klostergarten

Klostergarten, auf zwei Seiten von den Klostermauern umfriedet. Die dritte Seite durch eine hohe Mauer abgegrenzt, in der Mauer eine Tür, die ins Freie führt. Links vom Zuschauer der Eingang ins Kloster, mit Glockenzug und Türklopfer. Irgendwo vorne eine Steinbank und ein Kruzifix mit Betpult davor. Abend, an dem Betpult knieend Amandus, später Lilian, durch die Tür, die ins Freie führt, auftretend.

4. Szene. Lilian tritt bleich und verängstigt ein. Sie erzählt Amandus, dass sie von den Heiden vergewaltigt und verraten wurde. Als Mönch kann er ihr keine Liebe mehr geben, nur noch für sie beten. Lilian hat jedoch kein Vertrauen mehr in die Götter oder in Gott. Für sie gibt es nur noch „das Böse“. Sie warnt Amandus vor einem Überfall der Heiden in der folgenden Nacht. Nur er allein habe mit dem „singenden Teufel“ die Macht, sie abzuwehren oder – falls er feige sei – sich zu retten und sie, Lilian, zu vergessen. Sie eilt fort.

5. Szene. Amandus eilt zum Klostereingang und reißt am Glockenzug, um die Klosterbrüder in den Kampf zu führen.

Er bricht in furchtbares, irrsinniges Gelächter aus, man hört ihn während der nun folgenden Verwandlung durch das Haus toben, heulen und schreien.

Drittes Bild: Kreuzgang wie früher

6. Szene. Kaleidos und die Mönche beruhigen den von einer von Satan gespielten „Feuerorgel“ fantasierenden Amandus. Als er endlich die Fassung wiedergewonnen hat, bittet er sie, ihn zur Empore hinauf zu führen. Er will die Orgel spielen. Die Mönche beten um Rettung.

7. Szene. Zwei betrunkene Laienbrüder ziehen sich in den Weinkeller zurück.

Viertes Bild: Das Kirchenschiff