mini|Literarishe bleter. Die Literarishe Bleter () war eine Jiddische literarische und kulturelle Wochenzeitschrift, die von 1924 bis 1939 in Warschau veröffentlicht wurde.

Geschichte Hintergrund und Gründung Nach der Russischen Revolution von 1905 wurden die Beschränkungen des Russischen Reiches für den Gebrauch der jiddischen Sprache aufgehoben, was zu einer Blüte der jiddischen Kunst, Literatur und Kultur im Ansiedlungsrayon führte. Die Czernowitz-Konferenz von 1908 erklärte Jiddisch zur jüdischen Nationalsprache, was zur Entstehung der jiddischen Bewegung führte, die sich gegen den sprachlichen Assimilationismus und die hebräistische Bewegung stellte.Aleksandra Geller: 'Di Ufgabn Fun Yidishizm': Debates on Modern Yiddish Culture in Interwar Poland. In: Colloquia Humanistica. is. 2. Polish Academy of Sciences 2013: S. 59–61. In Warschau, der Hauptstadt des damaligen russischen Kongresspolens, entstand eine informelle Gemeinschaft jiddischer Schriftsteller, die sich zunächst um das Haus des Dramatikers Jizchok Leib Perez konzentrierte. 1924 inspirierte die Veröffentlichung der polnischen Literaturzeitschrift Wiadomości Literackie jiddische Schriftsteller dazu, ihre eigene Literaturzeitschrift zu gründen.Avraham Novershtern: Literarisze Bleter. National Library of Israel nli.org.il Die Zeitung entstand als Zusammenarbeit zwischen vier Schriftstellern – dem Romanautor Israel Joschua Singer, den Avantgarde-Dichtern Perez Markisch und Melech Ravitch sowie dem Verleger Nakhmen Mayzel.

Veröffentlichung Alle Gründer der Zeitung außer Mayzel verließen den Vorstand kurz nach ihrer Gründung. Alter Kacyzne und dann Moyshe Zilburg fungierten beide kurzzeitig als stellvertretende Herausgeber, doch bald wurde Mayzel wieder alleiniger Herausgeber. Im März 1925 (bei der 44. Ausgabe der Zeitung) kaufte Verleger Boris Kletskin die Zeitschrift, nachdem er von Vilnius nach Warschau gezogen war. Mayzel behielt seine Position als Chefredakteur der Zeitung. Um die Auflage zu erhöhen, arbeitete die Zeitung mit YIVO und dem Warschauer Jiddischen PEN-Club zusammen und veröffentlichte deren Bulletins parallel zur Zeitung.

Der Kletskin-Verlag ging 1935 in Konkurs, woraufhin der Bleter erneut im Eigenverlag erschien. Die Redaktion gründete bald darauf einen eigenen kleinen Verlag. Mayzel verließ Polen 1937; der Journalist Moyshe Kitay folgte ihm als Herausgeber, obwohl Mayzel offiziell weiterhin Chefredakteur blieb. Nach ihrer Unabhängigkeit und zunehmenden wirtschaftlichen Sorgen in den 1930er Jahren begann die Zeitung mit Spendenkampagnen. Diese waren jedoch nur bedingt erfolgreich; am 30. Juni 1939 erschien die letzte Ausgabe. Das Ende der Zeitung kam scheinbar überraschend, da keine Informationen über die Einstellung der Zeitung veröffentlicht wurden. Obwohl es nur zwei Monate vor dem Überfall auf Polen geschah, hatte die Einstellung damit nichts zu tun.

Inhalt alt=Gebundene Ausgabe eines Jahrgangs der Zeitschrift|mini|Gebundene Ausgabe 1936 der Bleter. Die wöchentlichen Ausgaben der Literarishen Bleter hatten wechselnden Umfang; in den ersten anderthalb Jahren war es ein 6–8-seitiges Broadsheet. Nach Ausgabe 66 wurde es auf ein kleineres Format von 16 bis 24 Seiten umgestellt. Jedes Jahr wurde ein gebundener, indexierter Band herausgegeben, der üblicherweise in jiddischen Bibliotheken aufbewahrt wurde. Die Zeitung enthielt kreative Beiträge, Rezensionen und Berichte über aktuelle literarische Ereignisse. Der Inhalt konzentrierte sich auf jiddische Literatur und Kultur, umfasste aber auch Berichte über allgemeinere literarische Entwicklungen in Europa, einschließlich Interviews mit Autoren. Leitartikel zu jiddischen Kulturthemen waren in der gesamten Zeitung üblich.

Die Zeitung war ein starker Förderer jiddischer Bücher und Literatur; verschiedene Verlage warben in Anzeigen für ihre Kataloge. Diskussionen über die Vermarktung und Veröffentlichung jiddischer Literatur wurden häufig in der Zeitung veröffentlicht. Gelegentlich enthielt die Zeitung Sonderausgaben mit Übersetzungen ausländischer Literatur. Zwischen 1932 und 1933 veröffentlichte die Zeitung eine Reihe von Sonderausgaben zur jiddischen Kultur und Literatur außerhalb der Hauptansiedlungsgebiete, darunter auch Ausgaben zu Deutschland, Galizien, Wilna (Vilnius) und Argentinien.

Politik Obwohl die Redaktion des Bleter von der jüdischen Gemeinde in Polen weitgehend als prokommunistisch angesehen wurde, kritisierte sie den Bund (Algemayner Yidisher Arbeter-bund in Poyln,אַלגעמײַנער ײדישער אַרבעטער בּונד אין פוילן‎, Ogólno-Żydowski Związek Robotniczy "Bund" w Polsce) und verwandte sozialistische Bewegungen. Dies isolierte die Zeitung politisch und verhinderte wahrscheinlich eine Zusammenarbeit mit bundistischen Organisationen.

Einzelnachweise

Literatur Übers.: Rami Hann. Ph.D. Aleksandra Geller: 'Di Ufgabn Fun Yidishizm': Debates on Modern Yiddish Culture in Interwar Poland. In: Colloquia Humanistica. is. 2. Polish Academy of Sciences 2013: S. 59–78. Avraham Novershtern: Literarisze Bleter. National Library of Israel nli.org.il Compact Memory sammlungen.ub.uni-frankfurt.de

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