mini|Die Wewelsburg, Wahrzeichen der Ortschaft
Die Ortschaft Wewelsburg, die sich in nördlicher, östlicher und südlicher Richtung um die gleichnamige Burg oberhalb der Alme erstreckt, ist seit der kommunalen Gebietsreform des Jahres 1975 Teil der Stadt Büren (Westfalen) im Kreis Paderborn im Land Nordrhein-Westfalen. Die Wewelsburg beherbergt eine Jugendherberge und ist Sitz des Heimatmuseums des Kreises Paderborn. Im Ort befindet sich auch das ehemalige KZ Niederhagen.
Geowissenschaftliche Grundlagen Geografische Lage mini|Luftaufnahme vom 30. September 2011 aus Richtung Norden
Das Dorf Wewelsburg liegt am Westrand der Paderborner Hochfläche, auf der Brenkener Bergplatte, oberhalb des tief eingeschnittenen Almetales, das die Grenze zum Hellwegraum darstellt. Die Gemarkung Wewelsburg umfasst Höhenbereiche von 163 m ü. NN im Almetal bis 340 m ü. NN an der L 754.Römhild, Georg: Die Naturlandschaft von Wewelsburg - Mit Wirkungen auf die Kulturlandschaft, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.): Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes. Büren-Wewelsburg 2012, S. 17–86 (22, Abb. 2).
Geologie Die Brenkener Bergplatte, auf der sich Wewelsburg befindet, ist geologisch kein Teil der eigentlichen Paderborner Hochfläche. Diese Bergplatte besteht aus kreidezeitlichem Kalkfelsen.Römhild, Georg, Die Naturlandschaft von Wewelsburg - Mit Wirkungen auf die Kulturlandschaft, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 17–86 (22 f.). Bei Bohrungen im Almetal in den 1930er Jahren wurde erst in 63 m Tiefe Grundwasser gefunden.Czeschick, Björn, 100 Jahre Savigny-Brunnen in Wewelsburg - Zur Geschichte des Almetal-Zentral-Wasserwerks, in: Die Warte, Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter, Nr. 136, Weihnachten 2007, S. 37–40. Bis auf eine Höhe von 190 m ü. NN findet sich im Mutterboden eiszeitliches Material. Der Boden ist hier sandig-lehmig.Römhild, Georg, Die Naturlandschaft von Wewelsburg - Mit Wirkungen auf die Kulturlandschaft, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 17–86 (24–25). Der nur etwa 30 cm bis 1 m tiefe Mutterboden ist häufig mit Kalksteinen durchsetzt.
Vegetation Insbesondere die höheren Lagen im südlichen Bereich der Gemarkung Wewelsburg sind bewaldet. Natürliche Wuchsform ist hier ein Buchenmischwald, dem auch die heutigen bewirtschafteten Wälder weitgehend zu entsprechen versuchen. Weite Teile der Gemarkung werden landwirtschaftlich genutzt, wobei die Feldfrüchte in den höheren Lagen über 250 m bis zu zwei Wochen später reifen als in den niedrigeren Lagen z. B. im Almetal.Römhild, Georg, Die Naturlandschaft von Wewelsburg - Mit Wirkungen auf die Kulturlandschaft, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 17–86 (31).
Wetter und Klima In Wewelsburg herrscht ein als veränderlich bezeichnetes Klima, welches von West- und Südwestwinden dominiert wird. Im langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 ist für Wewelsburg eine jährliche Niederschlagsmenge von 864,8 mm/a angegeben. Wewelsburg liegt dabei in einem Übergangsraum zwischen dem Tieflandklima der Westfälischen Bucht und dem Mittelgebirgsklima des Sauerlands.Römhild, Georg, Die Naturlandschaft von Wewelsburg - Mit Wirkungen auf die Kulturlandschaft, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 17–86 (18–21).
Nachbarorte An Wewelsburg grenzen, beginnend im Norden im Uhrzeigersinn: die Stadtteile Oberntudorf und Niederntudorf von Salzkotten, der Stadtteil Haaren von Bad Wünnenberg, sowie die Bürener Stadtteile Büren, Brenken und Ahden, die alle zum Kreis Paderborn gehören.Geographische Kommission für Westfalen (Hg.): Geographisch-Landeskundlicher Atlas von Westfalen, Themenbereich X Administration und Verwaltung, Doppelblatt staatliche und kommunale Verwaltungsgliederung, Münster 1990.
Ortschaftsgliederung mini|Ehem. Kloster und heutiges Gut Böddeken
Der historische Dorfkern, vornehmlich Bauernhöfe, lagert sich im Halbkreis südöstlich um die Burg. An diesen schließen sich diverse im 20. Jahrhundert entstandene Siedlungen an: Südöstlich um das Gebiet des ehemaligen KZs Niederhagen eine aus den 1940er und 1950er Jahren stammende Siedlung; Nördlich eine vornehmlich in den 50er Jahren entstandene Siedlung für Heimatvertriebene der deutschen Ostgebiete; Nordöstlich eine in den 1980er und 90er Jahren entstandene Siedlung; Östlich eine aus dem Ende der 1990er sowie Anfang der 2000er Jahre stammende Siedlung; Südsüdöstlich ebenso. Am Nordrand des Dorfes liegt Haus Graffeln, ein heute der ehemaligen Adelsfamilie von und zu Brenken gehörendes Schlösschen. An dieser Stelle war ursprünglich ein, allerdings schon im Mittelalter ausgestorbenes, Adelsgeschlecht beheimatet. Die Gemarkung Wewelsburg ist vor allem von der Land- und Forstwirtschaft geprägt. Im Osten der Gemarkung liegt, im „Tal des Friedens“, das Gut Böddeken mit den zum Teil verfallenen Überresten des alten vom heiligen Meinolf gegründeten Klosters gleichen Namens. Im Süden befindet sich der ebenfalls zur Gemarkung gehörende kleine Weiler Altenböddeken.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Die ältesten archäologischen Fundstücke auf Wewelsburger Gebiet stammen aus der Zeit des Mesolithikums, reichen aber nicht aus, um eine menschliche Siedlung zu belegen. In der Nähe des Gutes Böddeken befand sich eine Höhensiedlung der Rössener Kultur aus dem Mittelneolithikum. Aus dem Jungneolithikum fanden sich 1985 zwei Galeriegräber, von denen eines (Galeriegrab Wewelsburg I) der Zeit Wartberg-Kultur zugeordnet werden kann, wenngleich es möglich ist, dass es von Menschen der Trichterbecherkultur errichtet wurde. Die Grabkammer dieses Grabes war 16,2 × 2,1 × 1,2 m groß und aus heimischem Kalkstein errichtet worden. Das Grab enthielt 85 menschliche Schädel, außerdem Waffen, Schmuck, Knochen- und Steingeräte. Im Umfeld der beiden Gräber fanden sich weitere Fundstücke aus der gleichen Zeit, eine Siedlung konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.Gündchen, Robert, Vor- und Frühgeschichtliche Besiedlung im Raum Wewelsburg, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 89–94.
Südöstlich von Böddeken wurde bei archäologischen Untersuchungen der Grundriss eines Hauses aus der Eisenzeit freigelegt, bei dem sich sowohl vorrömische als auch römische Artefakte fanden.Feige, Wolfgang: Das Bürener Land, Schriftenreihe des Heimatvereins Büren e. V.
Mittelalter Wewelsburg gehörte im Mittelalter zum „Almegau“ (pago Almunga), welcher zum einen den gesamten Flussverlauf der Alme, zum anderen diverse Orte bis hin zu Wünnenberg, Fürstenberg, Blankenrode und Dalheim umfasste, aber kein geschlossener Herrschaftsraum war. Auf dem Bergsporn über dem Almetal, dem heutigen Standort der Wewelsburg, ist wahrscheinlich zuerst zum Schutz vor den Einfällen der Ungarn im 10. Jahrhundert eine Wehranlage errichtet worden. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1123: Annalista Saxo berichtet von einer Anlage namens „Wifilesburg“, welche vom Grafen Friedrich von Arnsberg wiederaufgebaut worden sei. Friedrich hatte die Burg zu einer Zwingburg umgebaut. Nachdem Friedrich 1124 gestorben war, wurde die Burganlage von Bauern aus den umliegenden Dörfern wieder zerstört.Sprenger, Reinhard, Herr und Bauer: Mittelalterliches Bauernleben im Umfeld der Wewelsburg, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 99–124.
Auf dem heutigen Wewelsburger Gebiet befanden sich im Mittelalter mehrere Siedlungen, die zwischenzeitlich oder dauerhaft wüst gefallen sind. Deren älteste war Altenböddeken, das in einer Urkunde von 1191 erwähnt wird und 1449 vollständig wüst gefallen war. Der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zuerst erwähnte und später verlassene Ort Graffeln ist durch archäologische Funde bereits im 11. oder 12. Jahrhundert nachzuweisen. Bei einer heute noch sichtbaren Kirchenruine auf dem Kerkberg (plattd. „Kirchenberg“) in Böddeken befand sich ebenfalls eine Siedlung, welche 1278 erstmals erwähnt wurde und 1408 wüst gefallen war. Im 14. Jahrhundert wurde ein Ort namens Tedenklo erwähnt, welcher zwischen 1381 und 1449 wüst fiel, bislang aber nicht lokalisiert werden konnte.Gündchen, Robert, Vor- und Frühgeschichtliche Besiedlung im Raum Wewelsburg, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 89–94.
Die im Mittelalter vorherrschenden Siedlungsformen waren zunächst Einzelsiedlungen, insbesondere in neu erschlossenen Gebieten, sodann Hofgruppen-/Verbundsiedlungen als Vorläufer der Dorfsiedlungen. Schließlich bildeten sich Großhofanlagen (Villikationen).Sprenger, Reinhard, Herr und Bauer: Mittelalterliches Bauernleben im Umfeld der Wewelsburg, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 99–124 (104–106).
Im Hochmittelalter unterlag der Wewelsburger Raum verschiedenen Herrschaften: Im März 1021 erhielt Bischof Meinwerk von Paderborn dort eine Grafschaft „unterhalb der Wewelsburg“, deren Einnahmen zur Erneuerung des Paderborner Domes verwendet wurden. Im 13. Jahrhundert hat ein Gotwino de Graffen Grundbesitz in Graffeln. Seit Anfang des 14. Jahrhunderts teilten sich die Edelherren von Büren, welche sich ab 1309 auch „von Wewelsburg“ nennen, und die Herren von Brenken die Herrschaft im Almegau, verpfändeten das Land aber immer wieder in Teilen u. a. an den Bischof von Paderborn, welcher das Land wiederum an verschiedene Ritter verlehnte. Ebenso teilten die Familien von Brenken und von Büren-Wewelsburg das Land immer wieder untereinander auf.Sprenger, Reinhard, Herr und Bauer: Mittelalterliches Bauernleben im Umfeld der Wewelsburg, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 99–124 (100–104).
Die Ersterwähnung eines Dorfes namens Wewelsburg ist für das Jahr 1354 nachgewiesen.Sprenger, Reinhard, Herr und Bauer: Mittelalterliches Bauernleben im Umfeld der Wewelsburg, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Wewelsburg. Geschichte eines Burgdorfes, Büren-Wewelsburg 2012, S. 99–124, (104).
837, kurz nach der Translation der Reliquien des Heiligen Liborius von Le Mans nach Paderborn, gründete der heilige Meinolf, Archidiakon des Hochstifts Paderborn, das Kanonissenstift Böddeken im Osten der heutigen Ortschaft Wewelsburg. Dort verstarb er am 5. Oktober 857. Das Kanonissenstift Böddeken lag Ende des 14. Jahrhunderts völlig danieder. Daraufhin wurde das Kloster 1408/09 erfolgreich reformiert: Im Auftrag und mit Unterstützung Wilhelm von Bergs, Elekt des Hochstifts Paderborn, übertrug Gobelin Person das Stift Augustinerchorherren aus dem niederländischen Zwolle. Danach errang es überregionale Bedeutung.
Frühe Neuzeit 1588/1589 fiel die Wewelsburg durch Pfandeinlösung an das Hochstift Paderborn zurück, und wurde fürstbischöfliche Nebenresidenz. 1603–1609 ließ Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg die Gebäude in ihrem bis heute erhaltenen Grundriss als regelmäßige Dreiflügelanlage mit Ecktürmen ausbauen.
Wewelsburg war Sitz eines landesherrlichen Amtes (Drostei), welchem Mitte des 17. Jahrhunderts die Orte Wewelsburg, Ahden, Oberntudorf, Niederntudorf, Haaren und Helmern angehörten. Faassen, Dina van, Wewelsburg in der Frühen Neuzeit, in: Heimatschutzverein Wewelsburg e. V. (Hrsg.), Büren-Wewelsburg 2012, S. 127–181 (127–129).