Rilo Chmielorz (* 6. Juli 1954 in Lünen) ist eine deutsche, intermediär arbeitende Künstlerin. Seit 2009 lebt sie in Berlin.
Leben Rilo Chmielorz kam mit fünf Jahren nach Köln, da ihr Vater als Polizeibeamter aus der Münsteraner Provinz nach Köln versetzt worden war. Mit acht Jahren fuhr sie zum ersten Mal nach Spanien, das sich im Laufe ihres Lebens zur zweiten Heimat entwickelte. Chmielorz lebte insgesamt zehn Jahre in Spanien (Alicante und Madrid).
In Köln ging sie zur Schule und machte an der Königin-Luise-Schule 1973 ihr Abitur. Während ihrer Zeit als Oberstufenschülerin kam sie im Kölner Kunstverein und Kölner Kunstmarkt in Berührung mit Performance, Happening und Fluxus, was sie bis heute geprägt hat. Nach dem Abitur studierte sie an der Universität Köln auf Lehramt, brach dann ab und fing an, an der Kölner Werkschule Kunst zu studieren. Sie studierte bei Elisabeth Vary, Peter Skubic und Daniel Spoerri. Während des Studiums schloss sie sich der Studiobühne der Universität Köln an und absolvierte auch ein Praktikum an der Oper Köln. Ihr Kunststudium verdiente sie sich in der Fernsprechauskunft. 1984 hatte sie ihre erste Einzelausstellung. Ab 1985 widmete sie sich der Erforschung von gekratzten SpurenPalimpsesto de agua (PDF; 26 MB), auf rilo-chmielorz.de als Zeichen im Bild und als Sound, erste Klang-Installationen folgten.
1986 lernte sie den New Yorker Künstler David Wojnarowicz kennen. Eine Künstlerfreundschaft entwickelte sich und Wojnarowicz lud Chmielorz im gleichen Jahr nach New York ein. Wojnarowicz widmete ihr das Gemälde History keeps me awake at Night - (for Rilo Chmielorz).„History keeps me awake at Night - (for Rilo Chmielorz)“, auf wojfound.org 1989 hatte sie ihre erste Einzelausstellung in Spanien.
Ende der 1980er Jahre absolvierte sie ein Zusatzstudium der Kunsttherapie an der Heilpädagogischen Fakultät Köln. Insgesamt 20 Jahre arbeitete sie als Kunsttherapeutin im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie.
2002 erhielt sie den Deutschen Klangkunstpreis/ProduktionspreisDeutscher Klangkunst-Preis 2002, auf klangkunstpreis.de, abgerufen am 24. Januar 2025 WDR3 Studio Akustische Kunst. Sie stieg dann ins Radio ein mit Radiokunst- und Feature-Produktionen im Bereich künstlerisches Wort.
2019 absolvierte sie eine Fortbildung zur Audiobiografin. 2023 zog sie sich vom Radio zurück und produziert nur noch Audiobiografien.
Werk Von der Malerei kommend, entdeckte sie in den 1980er Jahren das Kratzen zunächst als bildnerischen Ausdruck und fast parallel seine akustische Qualität. Daraus entwickelte sie ein zentrales gestalterisches Element einer künstlerischen Spurensuche auf visueller Ebene als gekratztes Zeichen im Bild und auf akustischer Ebene als Srcatching-Performances unter Einsatz von Kratzsticheln, metallenen Fingerhüten, Topfkratzern etc. auf unterschiedlichsten Materialien wie z. B. Schiefer, Glas, Eisplatten, Metallplatten unter Einsatz von Kontaktmikrophonen und elektroakustischer Infrastruktur. Kratzspuren waren und sind für Chmielorz „Spuren der Erinnerung“: Es entstanden Klanginstallationen, in denen sie stets selbst in einer Performance auftrat wie z. B. Palimpsest aus Wasser oder Himmelsleiter,Himmelsleiter (Jacob’s ladder), auf rilo-chmielorz.de beides Aufträge für Festivals zeitgenössischer Musik (Alicante und Donaueschinger Musiktage). Ihren Klangarbeiten liegen graphische Partituren zugrunde. Diese befinden sich heute als Schenkung im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Kunstsparten wie Musik und Literatur führte 1993 zur Gründung des Übergangsraum e.V. zusammen mit u. a. Johannes S. Sistermanns und Jochen Schimmang. Chmielorz kuratierte hier zusammen mit den Kollegen Happenings und Performances. Bereits in den 1980er Jahren war sie Co-Kuratorin der 12- stündigen Kunstspektakel „Hommage an Köln“ (1985) und „Fermate“ (1988) im Alten Wartesaal in Köln.
Ihre zunächst abstrakte Spurensuche in der künstlerischen Praxis wurde im Zuge ihrer Radioarbeit immer konkreter, besonders in ihren Feature-Porträts, in denen sie den Lebensspuren anderer Menschen folgte wie z. B. Ramón Gómez de la Serna, Mercedes Vostell oder Jan Kummer.
Werkverzeichnis (Auswahl)
Sound-Visual-Installationen, Performances, Radio-Art, Einzel-Ausstellungen Die blue boys kommen, University of Cologne (1984); Intercolumnium, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl (1989); Memory II, Instituto de Neurosciencias Ramon y Cajal, Madrid (1989); Klavieristische Kratznanz, Opera Cologne (1990) und Max Ernst Museum Brühl zusammen mit Johannes S. Sistermanns; Palimpsesto de Agua, International Festival for Contemporary Music, Alicante (1993); Palimpsest aus Wasser, Landesmuseum Mainz (1994); Hora Legal, Het Apollohuis, Eindhoven (1994); Palimpsest III, Landesgartenschau NRW, Grevenbroich (1995); Meckies Kratzer, Bauhaus Dessau (1996); Palimpsesto Paralelo, Circulo de Bellas Artes, Madrid (1996); Hora Legal, NASA, Santiago de Compostela (1996); Un pequeno Palimpsesto, L’Angelot, Barcelona (1997); Palimpsest aus Wasser, Oderberger Bad, Freunde Guter Musik e. V. (1997); Ejercicios de Pensar, Ruido/International Soundart Festival, Mexiko-Stadt (1999); Himmelsleiter, F.F.Kammergebäude, Donaueschinger Musiktage 1999Werke des Jahres 1999: "Himmelsleiter", auf swr.de A la Escucha de un Archivo, International Festival for contemporary Music, Alicante (2000); One Table two Chairs, Haus der Kulturen der Welt, Berlin, und Tamar Festival Site, Hongkong (2000); Denkübungen, Primavera en La Habana, International Festival for elektroacoustic Music, Havanna, Kuba (2002) Tocador a Cuatra Manos, International Festival for Music und Dance, Granada (2002); A cage of mad Mariachis, Radio-Art-composition, Studio Acoustic Art, WDR3 – Radio, Cologne (2003); Kohle ? – Interactive soundinstallation – Industriemuseum Zeche/Zollern, Dortmund (2003)Rilo Chmielorz, auf lwl.org Traunzeitraum, radio-Art-composition, Studio Acoustic Art, WDR3 – Radio, Cologne (2004); Sprache, die schreitet so tönend, Hölderlin – eine Klangpoesie, radio-art-composition, DeutschlandRadio Kultur, Berlin (2005); Still (intermediaconcert with Pedro Lopez), La Casa Encendida, Madrid (2006); Al Pie de la Letra (interactive Soundinstallation), Biblioteca Francesca Bonnemaison, Barcelona (2007) Maze, radio-art-composition, DeutschlandRadio Kultur, Berlin, 2009Maze, auf hoerspielundfeature.de Textures – sound-installation with acoustic shapes, Laden Uli Fischer, Berlin, 2012
Group-Shows/Festivals (Auswahl) 1984: „Nullausstellung“, Klapperhof Köln 1985: Kratzfestival I + II; Seyengasse 5, Köln 1986: Postnukleare Aktionstage, Wuppertal 1988: „Salon de jeune peinture“, Grand Palais, Paris 1988: Verano en Prim, Galeria Jorge Kreisler, Madrid 1989: Klangzeit – Zeitklang, Wuppertal 1995: Ex/Ped/Hib/Ition, Artpool Research Center, Budapest 1997: Happy Birthday Marcel, Artpool Research Center, Budapest 1999: Ruido, Internationales Sound Art Festival, Museo Ex Teresa Arte Actual, Mexiko-Stadt 2002: German Soundart Award 2002, Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl 2003: V:NM-Festival, Graz 2003: Punto de Encuentro, Madrid und Albacete 2004: Rock’s Role (after Ryoanji), Art in General, New York 2012: earth, fire and books – Jakob Ullman; Konzert-Performance, 7Hours, Humboldt-Universität, Berlin 2012: SchlussPunkt., Galerie Schüppenhauer, Köln 2014: Hauskonzert und Ausstellung, Berlin 2016: rose is a rose, DFC Berlin 2016: Kunst für Bildung, KLS Berlin, 2016
Radio (Auswahl) 2002: A Cage of Mad Mariachis, Studio Akustische Kunst WDR3 (graph. Partitur) 2005: Traumzeitraum, Studio Akustische Kunst WDR3 2006: Sprache, die schreitet so tönend, DeutschlandRadio Kultur, Berlin/KlangkunstSprache, die schreitet so tönend, auf hoerspielundfeature.de 2008: Radio Ramonismo auf den Spuren von Ramón Gómez de la Serna, künstlerisches Feature, SWR2 und DLFRadio Ramonismo, auf hoerspielundfeature.de 2009: maze, DeutschlandRadio Kultur, Berlin/Klangkunst 2010: Oxford mitten in Madrid, Co-Produktion SWR und DLFOxford mitten in Madrid, auf hoerspielundfeature.de 2012: Gold! eine Wertschätzung, Co-Produktion SWR und DLFGold!, auf hoerspielundfeature.de 2013: Im Reich der Optophoneten, Dradio, KlangkunstIm Reich der Optophoneten, auf dokublog.de 2019: Die Spezies der Optophoneten 2014: Jakarta Jam, eintauchen ins Verkehrschaos, SWR und DLFJakarta Jam, auf hoerspielundfeature.de 2014: Nuria und Daniel, zwei Madrileños in Berlin, RBB und DLFNuria und Daniel, auf hoerspielundfeature.de 2015: Viva fluxus ! Mein Leben mit Vostell, DLF und DLFViva Fluxus Mein Leben mit Vostell, auf hoerspielundfeature.de 2016: Scheitern ist. SWRScheitern ist. Eine Bestandsaufnahme, auf swrScheitere an einem anderen Tag, auf kunstverein-tiergarten.de 2016: Operation Bolero – das spanische Kollektiv in Ost-Berlin, DLFOperation Bolero, auf hoerspielundfeature.de 2017: „Die Welt braucht dich!“ – eine Geschichte im Freestyle, SWR und DLF„Die Welt braucht dich!“, auf hoerspielundfeature.de 2018: Anarchistinnen, SWR und DLFAnarchistinnen, auf hoerspielundfeature.de 2018: Mikrokosmos, alternativ, libertär, scharfzüngig, Ajoblanco, DLFMikrokosmos Alternativ, libertär, scharfzüngig, auf hoerspielundfeature.de 2020: Weidwerk, Porträt einer Jägerin, Produktion SWR/DLFPorträt einer Jägerin Weidwerk, auf hoerspielundfeature.de 2020: Verkörperte Poetik – Die Stimmakrobatin Anna Clementi, Produktion DLRDie Stimmakrobatin Anna Clementi Verkörperte Poetik, auf deutschlandfunkkultur.de 2021: Das widerständige Schaf, Produktion SWR/DLF, 2021Zwischen Wolf und Agrarpolitik Das widerständige Schaf, auf hoerspielundfeature.de Das Ende des NormativenNeo Hülckers subversive Musik-Performances Das Ende des Normativen, auf deutschlandfunkkultur.de 2022: Ein Cocktail ist kein Hahnenschwanz – eine Offenbarung SWREin Cocktail ist kein Hahnenschwanz – Eine Offenbarung, auf swr.de 2022: Canis Lupus – vorläufige Zwischenbilanz, Produktion SWRCanis Lupus – Vorläufige Bilanz zwischen den Fronten, auf swr.de 2023: Toreras – mit dem Kampfstier auf Augenhöhe, Produktion SWR/DLFAuf Augenhöhe mit dem Kampfstier Toreras, auf hoerspielundfeature.de 2023/2024: Auf Löffeln tanzen, ein dokumentarisches Klanghörstück, Produktion Rilo Chmielorz
Kataloge 1985: Kratzer (Scratches) 1985: Hommage an Köln (Hommage to Cologne), 1985: Yellow 1986: Odysseus und die Sirenen (Odysseus and the Sirens) 1988: Salon de jeune Peinture (Salon for Contemporary Art), 1988: Fermate 1989: Zwischenräume/Intercolumnium (Intervals/Intercolumnium) 1990: Licht-Traum (Light-Dream) 1991: Material und Raum (Material and Space) 1991: Espacio Natural (Natural Space) 1991: Cuarta Bienal de Pintura (Fourth Biennale for Contemporary Painting) 1992: De CO-RAZON 1993: Palimpsest dE Agua (Palimpsest from Water) 1994/95: Casa de Los Arcos (House of the Arches) 1996: Meckies Kratzer (Meckies Scratches) 1998: meck MECKIE + die Himmelsleiter (meck MECKIE + the Stairway to Heaven) 1999: Ruido (noises) 2000: Festival of Vision/ONE TABLE TWO CHAIRS 2002: Deutscher Klangkunstpreis (german sound-art award)
Videos 1995: Palimpsest III, 5 min. 1996: Meckies Kratzer (Meckies Scratches), 60 min. 2001: rilo’ trailer (Himmelsleiter, Rost, Exercises to think, The Archive listens to itself) 2002: Die Schnecke, 8’11 min. 2004: Hörsturz, 22 min 2005: STILL, 48 min 2012: textures, 5´28 min
CDs RAS 3, Revista de Arte Sonoro Universidad de Cuenca/Centro de Creacion Experimental/Taller de Sonido Exercises to think Himmelsleiter The archive listens to itself Übergangsraum/edtion nº 2 90 sec Wirklichkeit, DEGEM, Kurator: Stefan Fricke
Auszeichnungen/Preise und Stipendien
1991: PREMIO DE BIENAL DE PINTURA, Murcia/Spain (Award from the Biennale for Contemporary Painting) 1993: FORSCHUNGSSTIPENDIUM DER FUNDACION GIL ALBERT, Alicante/Spain (Research-Scholarship from the Gil Albert Foundation)