mini|hochkant=1.3|Goldenes Tor von Kiew (1024, 1982)

Das Goldene Tor von Kiew (, ) ist ein historisches,„In die Jaroslavstadt führten drei Tore: Das jüdische Tor (Židovskie), das Polnische Tor (Ljadskie) und das Goldene Tor (Zolotye). Besonders das Goldene Tor war für die Bewohner der Stadt wohl mehr als ein bloßer Zugang zur Stadt.“ In: Jan Patrick Faatz: Kiew im Mittelalter: Hauptstadt der Kiewer Rus, 2009, ISBN 978-3-640-42557-0 (E-Book), ISBN 978-3-640-42340-8 (Buch). befestigtes Stadttor in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine. Ursprünglich einfach südliches Tor genannt, entstand es zur Zeit des Kiewer Großfürsten Jaroslaws des Weisen und war der Eingang zur oberen Stadt aus Richtung Süden. Das heutige Bild des Tores ist im Wesentlichen das Ergebnis der Rekonstruktion von 1982, bei der erhaltene mittelalterliche Substanz einbezogen wurde.

Geschichte Entstehungszeit In der Regierungszeit Jaroslaws wuchs die Stadt Kiew schnell. Der neu entstandene Stadtteil – die Stadt Jaroslaws – wurde mit Wällen mit einer Gesamtlänge von 3,5 Kilometern umgeben. Die Befestigungsanlagen verliefen vom Lemberger Tor am heutigen Lemberger Platz entlang des Jaroslawer Walls – die Straße erhielt ihren Namen von der Befestigung – zum Goldenen Tor und von dort weiter bis zum heutigen Unabhängigkeitsplatz, wo sich das Ljadski-Tor befand, und von dort zum heutigen Michaelplatz. Der Wall bestand aus einer mit Holz verstärkten Erdaufschüttung.

Den Namen erhielt das Goldener Tor nach dem Goldenen Tor in Konstantinopel, welches eine ähnliche Funktion als wichtigster und repräsentativer Eingang zur Stadt erfüllte. In der Geschichte der vergangenen Jahre wird der Bau des Tores zusammen mit dem Bau der Sophienkathedrale für das Jahr 1037 erwähnt:

Nach Auffassung von Historikern können die in der Chronik genannten Gebäude nicht innerhalb eines Jahres – 1037 – errichtet worden sein. Es wird daher davon ausgegangen, dass der Eintrag in der Chronik die Bautätigkeit für einen Zeitraum von fünfzehn bis zwanzig Jahren zusammenfasst. Auf das genaue Baujahr einzelner Gebäude kann daraus nicht geschlossen werden. Im Слово о законе и благодати (Predigt über Recht und Gnade) Hilarions von Kiew wird das Tor ebenfalls erwähnt. Aus dieser Chronik, die vor 1052, also zu Lebzeiten Jaroslaws des Weisen und damit mehr als sechzig Jahre vor der Nestorchronik entstand, kann geschlossen werden, dass das Tor im Rahmen des Baus der Stadtbefestigung der Stadt Jaroslaws zeitgleich zum Bau der Sophienkathedrale errichtet wurde. Das Tor ist damit auf das Jahr 1037 oder einen Zeitraum kurze Zeit davor zu datieren. Bei Hilarion von Kiew wird das Tor noch als Großes Tor bezeichnet. Erst nach der Vollendung der Sophienkathedrale wurde die Torkirche Mariä Verkündigung errichtet.

Nach einer polnischen Legende steht das Goldene Tor in Verbindung mit dem Schwert Szczerbiec, einem der polnischen Kronjuwelen. Demnach soll Bolesław I. mit dem Szczerbiec das Goldene Tor zerstört haben, als er 1018 Kiew angriff. Die Legende steht im Widerspruch zur ersten gesicherten Erwähnung des Tores und zum Alter des Schwertes selbst. Nadeschda Nikitenko vertritt jedoch die Auffassung, dass das Tor zusammen mit der Sophienkathedrale und den sie umgebenden Befestigungsanlagen zwischen 1011 und 1022 von Jaroslaw dem Weisen erbaut wurde. Demnach wäre das Goldene Tor 1018 erstmals in einer historischen Quelle erwähnt worden.

Russische Zeit mini|hochkant=1.3|Ansicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts Während der Belagerung von Kiew (1240) im Jahre 1240 unter Batu Khan wurde das Tor teilweise zerstört, behielt jedoch auch danach seine Rolle als wichtigster Zugang zur Stadt. 1649 marschierte Bogdan Chmelnizki mit seinem Kosakenheer in die Stadt ein. Janusz Radziwiłł erreichte die Stadt ebenfalls durch das Tor; in Folge seines Angriffs wurde Kiew vollkommen zerstört. Der Einmarsch Radziwiłłs ist auf einer Zeichnung des niederländischen Malers Abraham van Westerfeldt festgehalten, der sich den polnischen Okkupanten angeschlossen hatte.

Mit dem Beginn des Baus der Altkiewer Festung gab es Versuche, das Tor wiederaufzubauen und in die neuen Befestigungsanlagen einzubeziehen. Das Tor verfiel jedoch immer weiter, in der Mitte des 18. Jahrhunderts galt es als zu gefährlich für den Durchgangsverkehr. Das Gewölbe und die Reste der Torkirche wurden abgetragen, der Durchlass verfüllt und in unmittelbarer Nähe ein neuer Durchgang angelegt.

Die in der Torkirche befindliche Ikone der Kasaner Gottesmutter wurde 1699 in die Dreifaltigkeitskirche der Kiewer Lawra überführt.

In Vorbereitung des Besuchs des russischen Kaisers Nikolaus I. wurden am Tor archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Dabei wurden die zwei parallelen Mauern der Tordurchfahrt freigelegt. Nikolaus I. ordnete den Erhalt des Denkmals an und stellte staatliche Mittel für weitere Ausgrabungen zur Verfügung. Genehmigt wurden die Ausgrabungen vom Generalgouverneur Wassili Wassiljewitsch Lewaschow. Initiator der Ausgrabungen war Kondrat Andrejewitsch Lochwizkij, ein Amateurarchäologe und Beamter mit besonderen Aufgaben unter dem Generalgouverneur.

Während das Tor zugeschüttet war, hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert. Es konnten zwei parallele Mauern ausgegraben werden. Die Mauer auf der östlichen Seite war 25 Meter lang, die auf der westlichen 13 Meter. Im Durchgang wurden an den Wänden sieben Pilasterpaare freigelegt, zwischen den Pilastern fanden sich kleine Nischen. Dabei wurde festgestellt, dass für das Mauerwerk ähnlich wie bei der Hagia Sophia eine Mischtechnik verwendet wurde, bei der sich Schichten von Natursteinen mit Ziegelreihen abwechselten.

Die Mauern wurden mit Metallbindern befestigt, mit Stützen verstärkt, mit Mauerwerk eingefasst und mit Eisenblech abgedeckt. Diese Maßnahmen dienten zur Sicherung der Bausubstanz, konnten jedoch nur schwerlich einen Eindruck vom einstigen Aussehen des Tores vermitteln. Ein Wiederaufbau der Tores unterblieb, nicht zuletzt aufgrund des Fehlens belastbarer historischer Pläne und Abbildungen. Das Tor verblieb, von weiteren Sicherungsmaßnahmen abgesehen, für mehr als einhundert Jahre in diesem Zustand.

Sowjetische Zeit mini|hochkant|Zustand in den 1980er Jahren Im Herbst 1927 führte Wassili Grigorjewitsch Ljaskoronski Ausgrabungen am Tor durch, dabei wurden die Fundamente freigelegt und vermessen. Ein Bericht über diese und andere Ausgrabungen Ljaskoronskis wurde 1937 veröffentlicht.

Ein Pavillon, in dem eine Ausstellung zur Geschichte des Tores zu sehen war, entstand in den 1970er Jahren in unmittelbarer Nähe des Tores. Kurze Zeit später wurde die Ausstellung in das Innere des Tores verlegt.

Zu einer Rekonstruktion des Tores kam es anlässlich der Vorbereitungen zur 1500-Jahr-Feier der Stadt Kiew im Jahre 1982. Die Arbeiten wurden von Wladimir Schtscherbitzki, damals Erster Sekretär der Kommunistischen Partei der Ukraine, initiiert. Verantwortliche für die Rekonstruktion waren die Architektin Jewgenia Iwanowna Lapuschinska, der Architekturforscher Nikolai Wjatscheslawowitsch Cholostenko und der Historiker und Archäologe Sergei Alexandrowitsch Wyssozkij vom Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften der USSR. Ein Grund für die Rekonstruktion war, dass sich der Zustand der Überreste ständig verschlechterte. So war beispielsweise die östliche Durchgangswand, die im 19. Jahrhundert noch nahezu vollständig erhalten gewesen war, zwischenzeitlich stark erodiert. Wesentliche Ursache für die Erosion war des Kiewer Klima mit starken Niederschlägen und großen Temperaturschwankungen, das das Ziegelmauerwerk stark in Mitleidenschaft zog. Es musste daher davon ausgegangen werden, dass die Ruinen des Tores in wenigen Jahren vollständig verschwunden sein würden.

Vorgeschlagen wurde die Überwölbung des Tores mit einem Pavillon. Dieser hätte zwar die Substanz des Bauwerkes geschützt, jedoch die Kubatur des Tores nicht erkennen lassen. Auch die Rolle des Tores als repräsentativer Eingang zur Stadt wäre nicht verdeutlicht worden. Stattdessen entschloss man sich zu einer Rekonstruktion, die unter Einbeziehung der historischen Bausubstanz das Äußere des Tores wiederherstellen sollte. Zum damaligen Zeitpunkt existierten keine historischen Abbildungen oder Pläne des Tores, die sein Aussehen zeigten. Man versuchte sich bei der Rekonstruktion an historische Vorbilder anzunähern und baute das Tor so auf, wie es im Mittelalter ausgesehen haben könnte. Dabei wurden im Wesentlichen die Arbeiten von Nikolai Cholostenko und Jewgenia Lapuschinska umgesetzt. Die Rekonstruktion war nicht unumstritten, insbesondere Assejew sprach sich entschieden gegen die gewählte Lösung aus.

Um die Substanz der erhaltenen Mauern zu schützen, sollten sie keine tragende Funktion im rekonstruierten Bauwerk übernehmen. Die tragenden Strukturen des Gebäudes wurden in den Hohlprofilen auf beiden Seiten des Tores platziert. Das Gewölbe schützt die erhaltenen Mauern vor Witterungseinflüssen. Gleichzeitig sind die Mauern damit von allen Seiten für Besucher zugänglich. Auf beiden Seiten des Tores wurden Teile des Walls mit hölzernen Wehrgängen nachgebildet.

Offiziell wurde das rekonstruierte Tor am 30. Mai 1982 eröffnet. Aufgrund der in Eile mit minderwertigem Material ausgeführten Arbeiten verfiel das Tor jedoch schnell, die von der Rekonstruktion 1982 geschaffene äußere Ansicht blieb jedoch erhalten.

Architektur Die Kenntnisse über die Architektur des Tores wurden in den letzten einhundert Jahren in verschiedenen Rekonstruktionen zusammengefasst. Frühere Darstellungen des Tores sind entweder stark vereinfacht (Plan der Altkiewer Festung), oder bilden das Tor nur als Ruine ab (van Westerfeldt, Saschin). Die Rekonstruktionen des Tores sind eng mit der Forschungsgeschichte dieses Bauwerkes verbunden. Sie beruhten auf den Ergebnissen der Ausgrabungen und den zum jeweiligen Zeitpunkt verfügbaren Erkenntnissen über die russische mittelalterliche Baukunst und waren damit zwangsläufig einem Wandel unterworfen.

Als Grundlage für die Rekonstruktionen dienten neben den zu verschiedenen Zeiten vorgenommenen Ausgrabungen auch zeitgenössische Darstellungen, insbesondere die zwei Zeichnungen van Westerfeldts, die die Ruinen des Tores in einem wesentlich besseren Zustand zeigen, als ihn die Archäologen am Ende des 19. und im 20. Jahrhundert vorfanden. Eine weitere wesentliche Quelle waren Analogien zu erhaltenen Toren, die ungefähr in der gleichen Zeit entstanden: Einerseits die Dreifaltigkeitstorkirche des Kiewer Höhlenklosters und andererseits das Goldenen Tores in Wladimir. Insbesondere das Tor in Wladimir kann aufgrund seiner Bauweise mit einem Durchlass und der Einbeziehung in eine aus Erdwällen bestehende Verteidigungsanlage wohl als Analog zum Goldenen Tor in Kiew gesehen werden. Auffallend ist auch die Namensgleichheit der beiden Tore, die auf ihre Bedeutung als wichtigster und repräsentativer Eingang zur Stadt zurückgeführt wird.

Rekonstruktion Kritschewskis Eine erste Rekonstruktion des Tores wurde 1927 von Wassili Kritschewski vorgenommen. Dabei handelte es sich um den ersten Versuch einer Rekonstruktion des Tores überhaupt. Kritschewski stellte sich das Tor, offensichtlich von den Ausgrabungen Ljaskoronskis beeinflusst, als rechteckigen, mit Strebepfeilern befestigten Torturm vor. An den Turm schlossen sich auf beiden Seiten Wälle mit hölzernen Palisaden an. Auf dem Tor befand sich die Torkirche mit einem hohen Tambour und einer großen Kuppel. Die Darstellung war eher eine künstlerische Improvisation als eine wissenschaftliche Rekonstruktion.

Rekonstruktion Korschs