Die Stadtphysici von Frankfurt am Main waren ab dem späten Mittelalter die Leiter des Gesundheitswesens in Frankfurt am Main.

Frankfurter Stadtphysikat Der Stadtphysicus oder Stadtmedicus, der zugleich Gerichtsmediziner war, wurde in der Regel auf Lebenszeit bestellt und war dem Frankfurter Rat direkt unterstellt. Der erste bekannte Stadtarzt von Frankfurt ist Johann Wolff von Luzern, der am 25. Juli 1381 eingestellt wurde.Thomas Bauer: »hubs an zu sterben«. Pesthauch und Stadthygiene im frühneuzeitlichen Frankfurt. In: Marie-Luise Recker: Tradition und Wandel. Frankfurt am Main. Wallstein, Göttingen 2023. ISBN 978-3-8353-5389-3. S. 226 ff. Frühere Ärzte wurden vom Rat der Stadt lediglich für einzelne Leistungen entlohnt.

Den Stadtphysici unterstanden alle heilkundigen Personen, also Ärzte, Apotheker, Hebammen und Barbiere. So mussten sie bspw. auch die Eignung der Hebammen prüfen.Karl Sudhoff: Ärztliche Hebammenbegutachtung zu Frankfurt a. M. um 1500. In: Archiv für Geschichte der Medizin, Band 6 (1913), S. 464 () Immer wieder kam es zu Pestjahren, etwa 1482, 1584, 1634/35 und zuletzt 1665/67, weshalb seitens der Stadtphysici auch Gutachten für Verordnungen zu mehr Sauberkeit und Hygiene erstellt wurden.

Im 15. Jahrhundert wurde das Amt hierarchisch abgestuft, es gab zunächst zwei Stadtärzte, ab dem 16. Jahrhundert drei und ab 1713 regelmäßig vier.Wilhelm Stricker: Geschichte der Heilkunde und der verwandten Wissenschaften in der Stadt Frankfurt am Main. Keßler, Frankfurt am Main 1847. S. 64 f. (Digitalisat Bayerische Staatsbibliothek) Die Titel waren Physicus primarius und unterhalb Physicus ordinarius primus (Stadtphysicus) sowie Physicus ordinarius secundus (Landphysicus). Vierte Stadtärzte wie Philipp Bozzini hießen Physicus extraordinariusM. Reuter: Philipp Bozzini (1773–1809): Der endoskopische Idealist. In: Die Urologie, Band 45 (2006), S. 1084 ff. (doi:10.1007/s00120-006-1165-9) und waren meist als Pestärzte und in umliegenden Gemeinden tätig. Üblicherweise stieg ein Stadtarzt einen Rang auf, sobald ein übergeordneter Arzt aus dem Amt schied.

1883 wurde mit Alexander Spiess der erste hauptamtliche Stadtarzt Deutschlands berufen.

Mehrere Frankfurter Stadtärzte waren sehr erfolgreich als Autoren tätig. Johann Wonnecke von Kaub verfasste den Gart der Gesundheit, der erstmals 1485 in Mainz gedruckt wurde. Das sehr populäre Kräuterbuch wurde von Wonneckes Nachfolgern Eucharius Rösslin dem Jüngeren (1533), Adam Lonitzer (1557) und Peter Uffenbach (1630) bearbeitet und neu herausgebracht. Johann Schröder schuf mit seinem Artzney-Schatz das wichtigste Arzneibuch des 17. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum.

Stadtphysici Vor dem 16. Jahrhundert Name und Lebensdaten Amtszeit Studium Besonderheiten und Anmerkungen AbbildungJohann Wolff von Luzern1381–1385 und 1387–1393Georg Ludwig Kriegk: Deutsches Bürgerthum im Mittelalter. Rütten & Löning, Frankfurt 1868. S. 37?erster bekannter Frankfurter Stadtarzt; seine Tochter war ebenfalls als Ärztin in Frankfurt tätigJakob von Armenien1385Georg Ludwig Kriegk: Ärzte, Heilanstalten, Geisteskranke im mittelalterlichen Frankfurt a. M. Osterrieth, Frankfurt 1863. Seite 5Georg Ludwig Kriegk: Deutsches Bürgerthum im Mittelalter. Rütten & Löning, Frankfurt 1868. S. 37?ein GeistlicherJohann von Velstede1386–1387?Isaak Friederich1388?einer von zwei oder drei bekannten jüdischen Stadtärzten; evtl. ident mit Issak untenOswald von Dillingen1392?Salman Pletsch1395–1396Shlomo Ettlinger: Ele Toldot. IV: Medizinisches. Ungedrucktes Manuskript. S. 207 f. (Digitalisat)?einer von zwei oder drei bekannten jüdischen StadtärztenIsaak1398Georg Ludwig Kriegk: Deutsches Bürgerthum im Mittelalter. Rütten & Löning, Frankfurt 1868. S. 2?einer von zwei oder drei bekannten jüdischen Stadtärzten; evtl. ident mit Issak Friederich obenConrad von Sachsenhausen1401?Hans von Regensburg1403?Hans Christian von Lindau1406Hans Christian von Lindau, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).?Hartmann Esel1407–1408?Johann Lange von Wetzlar1420–1423/4Johann Lange, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).Pragauch als Pädagoge tätig; Autor mehrerer WerkeConrad von Bontenbach1423Oswald Feis: Gesuch eines mittelalterlichen Arztes um Wiederanstellung. In: Archiv für Geschichte der Medizin, Band 20 (1928), S. 178 f. ()?versuchte 1436 erfolglos, erneut Stadtarzt zu werdenPeter von Rothenburg1429–1436Peter von Rothenburg, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).?Gottfried Usingen von Bonn1426–1429?Conrad von Sachsenhausen1429–1449Bestallungsurkunde Conrad von Sachsenhausen, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).?Hermann von Zeld1429–1436Hermann von Zeld, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).?Johann Amorbach1432–1435Oswald Feis: Arzt und Astrologe: Lesefrucht. In: Archiv für Geschichte der Medizin, Band 18 (1926), S. 269 f. ()?eigentlich Johann Reyer; zuvor im Dienst des Erzbischofs von MainzHeinrich Loserab 1450Oswald Feis: Aus der Praxis eines spätmittelalterlichen Frankfurter Stadtarztes. In: Archiv für Geschichte der Medizin, Band 15 (1923) S. 98 ff. ()LeipzigHeinrich Loser, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).zuvor Leibarzt des Erzbischofs von Trier, von diesem der Stadt Frankfurt empfohlenSigfried Enemerab 1452Sigfried Enemer, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).?Nikolaus Bälzab 1465Bestallungsurkunde für Nikolaus Bälz, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).Heidelberg, Leipzig, PaduaNeffe von Heinrich MünsingerDietrich Gresemund der Ältereab 1468Dietrich Gresemund, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).Erfurt, PaduaVerfasser eines Pestbüchleins; Vater von Dietrich GresemundJohann Boelab 1469Bestallungsurkunde Johann Boel, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).?Johann Wonnecke von Kaub1484–1499Konzept zu der neuerlichen Bestallung von Dr. med. Johann Wonecke von Cube als Stadtarzt von Frankfurt, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).Köln, Erfurtverfasste den Gart der Gesundheit (1485), eines der ersten gedruckten Kräuterbücher in deutscher Sprache80px|zentriertJodocus von Ettlingen1493, 1496 und 1502Jodocus von Ettlingen, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).?zuvor Stadtarzt in Schwäbisch HallGeorg Radendorfer1494 und 1498Georg Radendorfer, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).Wienab 1500 in Nürnberg nachweisbar, danach bis 1531 in Wien bezeugtHeinrich Geratwol1494, 1496 und 1503Heinrich Geratwol, Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500–1700).Padua, Ferrara, Erfurt, Wien

Ab dem 16. Jahrhundert