mini|Porträt von Anton Bajtai Josef Anton Bajtai, auch Antal Bajtay, seit 1760 Freiherr Anton von Bajtai (* 14. Dezember 1717 oder 1727 in Zsidó (seit 1943 Vácegres) im Kreis Aszód, im Komitat Pest; † 15. Januar 1773 oder 1775 in Arad) war ein ungarischer Piaristen-Ordensgeistlicher und Bischof von Siebenbürgen.
Leben Leben und Werdegang Er war der Sohn von István Bajtay († 1722) und Elisabeth (geb. Lang, † 1729), die aus einer deutschsprachigen Familie aus Buda stammte. Sein Vater war, als er starb, Vizegespan (heute: Vizepräsident der Komitatsversammlung) des Komitats Pest. Die Mutter heiratete daraufhin Graf Antal Grassalkovich, der Antons erster Lehrer wurde; aus Verehrung nahm er den Vornamen seines Stiefvaters an. Als „Wunderkind“ besuchte er bereits mit sieben Jahren das Piaristengymnasium Pest, wo er im Schuljahr 1725/26 zwei Klassen gleichzeitig absolvierte; danach war er am Gymnasium in Neutra.
Er trat im September 1733 in Privigye in den Piaristen-Orden ein, wo er am 9. November 1734 die Profess ablegte. Er studierte 1735 in Sankt Georgen bei Bratislava, 1736 in Nagykároly und von 1737 bis 1744 in Rom, wo er am 13. April 1741 zum Priester geweiht und Vorsteher der Barberini-Bibliothek (siehe Palazzo Barberini) sowie Erzieher des Prinzen Barberini wurde; dort trat er auch in das Collegio Nazareno ein.
Nach Abschluss der Erziehung des Prinzen begab er sich nach Paris, hauptsächlich um seine literarischen Kenntnisse zu vertiefen, doch musste er die französische Hauptstadt wegen des Erbfolgekriegs schon nach wenigen Monaten verlassen und ging nach Amsterdam. Hier wie in Berlin, wo er sich ebenfalls längere Zeit unter dem Pseudonym Barclay gróf (Graf Barclay) aufhielt, fiel er durch seine umfassenden Kenntnisse auf. In Amsterdam wurde ihm die Würde eines Staatssekretärs angeboten, in Berlin wollte Friedrich der Große ihn um jeden Preis an seinem Hof halten und äußerte sich mit größter Anerkennung über ihn, als dieser Berlin verließ.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat unterrichtete er 1747 am Pester Gymnasium Philosophie.
Sein wissenschaftliches Ansehen erhielt einen entscheidenden Aufschwung durch eine im Jahr 1749 gehaltene Rede auf dem ungarischen Landtag, die großes Aufsehen erregte. Diese Leistung führte zu seiner Berufung zum Professor für Geschichte und Archäologie am Öffentlichen Gymnasium der Stiftung Theresianische Akademie in Wien. 1752 wurde er Lehrer der Theologie in Pécs.
Von besonderem Prestige war Bajtais Wirken 1754 als Geschichtslehrer des späteren Kaisers Joseph II., dessen historische Bildung er mitgestaltete.
1754 wurde er Ordensprovinzial und am 5. Oktober 1760 zum Bischof des Bistums Transsilvanien beziehungsweise Siebenbürgen ernannt, am 27. Oktober in den Freiherrnstand erhoben, am 21. November Propst von Pressburg und am 28. November Wirklicher Geheimer Rat. Papst Clemens XIII. bestätigte ihn am 6. April 1761; er wurde am 1. Mai in Wien von Kardinal Christoph Anton von Migazzi zum Bischof geweiht und am 30. Mai in Karlsburg in sein Amt eingeführt.
Die Gründung einer nicht-katholischen Universität (akatholisch) in Siebenbürgen scheiterte unter anderem am massiven Widerstand von Anton Bajtai. In einem Gutachten an Kaiserin Maria Theresia aus dem Jahr 1766 lehnte er das Vorhaben entschieden ab; er sah bereits in der bloßen Bezeichnung ein erhebliches Risiko für den katholischen Glauben.
Er gründete das Knabenwaisenhaus Theresianum in Hermannstadt und erwirkte beim Heiligen Stuhl das Recht für die Großpröpste des Kapitels, bischöfliche Insignien zu tragen. Er erhöhte die Zahl der Präbenden im Kapitel von sieben auf acht, um den Unterhalt für einen weiteren Theologieprofessor zu sichern. 1771 gliederte er die Dekanate Hermannstadt und Kronstadt, die zuvor dem Erzbischof von Gran unterstanden hatten, seiner Diözese ein und ließ sieben Pfarrkirchen bauen. Im Herbst 1772 trat er aus gesundheitlichen Gründen von seinem Bischofsamt zurück.
Sowohl als Provinzial der Piaristen als auch als Bischof von Siebenbürgen vertrat er die kirchen- und bildungspolitischen Bestrebungen des Wiener aufgeklärten Absolutismus. Seine handschriftlichen Lehrbücher für den Thronfolger spiegelten eine spezifisch aufgeklärte Sicht auf die Welt- und die ungarische Geschichte wider und betonten die erzieherische Rolle des modernen Geschichtsunterrichts. Im Auftrag des Piaristenordens erstellte er 1753 einen bedeutenden Entwurf für einen nationalen Lehrplan und eine Schulordnung, in dem er darlegte: Aufgabe der Volksschulbildung sei die Vervollkommnung der Muttersprache; im fünfklassigen Gymnasium müsse der Geografie, Geschichte und Mathematik ein wichtiger Platz eingeräumt werden. Die Vorschläge dieses Entwurfs wurden nur von den Piaristenschulen umgesetzt.
Sein Leichnam wurde nach Siebenbürgen zurückgebracht und in der bischöflichen Kirche von Karlsburg beigesetzt.
Wissenschaftliche Arbeiten Bajtai verfasste zahlreiche Werke in lateinischer Sprache. Seine bedeutendste Arbeit war eine „Geheime Geschichte Ungarns“!(Historia Hungariae Secreta), die eine kritische Aufarbeitung der ungarischen Vergangenheit darstellte, jedoch niemals veröffentlicht wurde. Seine weiteren Schriften wurden vom ungarischen Gelehrten Elek Horányi (1736–1809) in dessen Werk Memoria Hungarorum katalogisiert und dokumentiert.
Schriften (Auswahl) Clerici Regularis Scholarum Piarum Oratio Habita Budae Ad Amplissimos Hungariæ Ordines. Buda, 1749 (Digitalisat). Oratio habita Budae ad amplissimos Hungariae ordines III. Idus Maj. Buda, 1749 (Digitalisat).
Specimen Rationis In Historicis Institutionibus Susceptæ. Wien, 1750 (Digitalisat).
Literatur Anton von Bajtai. In: Elek Horányi: Memoria Hvngarorvm et provincialivm scriptis editis notorvm. Wien, 1775. S. 80–93 (Digitalisat). Anton von Bajtai. In: Johann Christoph Adelung: Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers Allgemeinen Gelehrten-Lexico, 1. Band. Leipzig, 1784. Sp. 1353–1354 (Digitalisat). Anton von Bajtai. In: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, 7. Teil. Leipzig, 1821. S. 197 (Digitalisat).
Anton von Bajtai. In: Miskolczy István: Bajtay I. Antal. In: Szazadok (pdf).
Weblinks Anton von Bajtai. In: Magyar Katolikus Lexikon. Anton von Bajtai. In: Országos Széchényi Könyvtár. Anton von Bajtai. In: Bio-bibliographisches Korrespondentenverzeichnis im Gottsched-Briefwechsel. Anton von Bajtai. In: Catholic-Hierarchy.
Einzelnachweise
Kategorie:Piarist Kategorie:Gymnasiallehrer (Wien) Kategorie:Bibliotheksleiter (Österreich) Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (18. Jahrhundert) Kategorie:Nobilitierter (Österreich) Kategorie:Wirklicher Geheimer Rat Kategorie:Autor Kategorie:Person (Kaisertum Österreich) Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Person (Siebenbürgen) Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren im 18. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 19. Jahrhundert Kategorie:Mann