mini|L’Homme libre vom 8. Mai 1913 L’Homme libre (Der freie Mensch) war eine französische Tageszeitung. Sie wurde 1913 von Georges Clemenceau gegründet. Wegen ihrer Kritik wurde die Zeitung zu Beginn des Ersten Weltkriegs zensiert und änderte ihren Titel zeitweilig in L’Homme enchaîné (Der gefesselte Mensch). Sie bestand bis 1953.
Geschichte Die erste Ausgabe der Pariser Zeitung L’Homme libre erschien am 5. Mai 1913. Clemenceau – der zu diesem Zeitpunkt schon ein gestandener Politiker war (er war bereits 1909 Ministerpräsident gewesen) – veröffentlichte dort täglich seinen Leitartikel und warnte Frankreich immer wieder vor der Gefahr, die von der deutschen Bedrohung ausging („Pour la défense nationale“, 21. Mai 1913; „Vouloir ou mourir“, 24. Mai usw.). So wurde er zu einem glühenden Verfechter des Dreijahresgesetzes, das die Dauer des Militärdienstes verlängerte und das mit Unterstützung der Rechten gegen zwei Drittel der radikal-sozialistischen Abgeordneten am 19. Juli 1913 verabschiedet wurde.
Als der Erste Weltkrieg im Juli 1914 ausbrach, verteidigte Clemenceau in seiner Zeitung die Union sacrée und die Vorrangstellung der Zivilisten gegenüber dem Generalstab. Er war entschlossen zu kämpfen und weit entfernt von dem Bild der „Blume im Gewehr“:
Am 26. August 1914 lehnte er Aristide Briands Vorschlag, dem Kabinett Viviani beizutreten, ab. Außer der Ratspräsidentschaft akzeptierte er nichts.
Nachdem er die Unzulänglichkeiten des Sanitätsdienstes in den Armeen angeprangert hatte, die dazu führten, dass Verwundete in denselben Waggons wie an Tetanus erkrankte Pferde befördert wurden, wurde seine Zeitung von Innenminister Malvy vom 29. September bis zum 7. Oktober 1914 gemäß dem Gesetz vom 5. August, das die „Indiskretionen der Presse in Kriegszeiten“ unterdrückte, eingestellt. Die Zeitung erschien am 30. September unter dem Titel L’Homme enchaîné erneut; sie wurde sofort beschlagnahmt und erschien unter diesem neuen Namen am 8. Oktober erneut in Paris. Im August 1915 wurde die Tageszeitung erneut ausgesetzt. Clemenceau schickte die Artikel dann direkt an die Parlamentarier.
L’Homme libre erschien bis 1939 ziemlich regelmäßig, danach noch mit einer Ausgabe 1943 und erneut von 1951 bis 1953 (mit dem Untertitel L’Homme enchaîné).
Journalisten Die Redaktion war klein und bestand zunächst aus Clemenceau-Getreuen wie Gustave Geffroy und Georges Mandel. Charles Müller war als Literaturkritiker tätig. Von 1913 bis 1917 wurde Georges Clemenceau als Chefredakteur geführt; ab 1918 als Gründer (Fondateur). Als Generalsekrätat wurde zunächst Auguste Bernier genannt. Von 1917 bis 1920 fungierte Nicolas PietriSiehe zu Pietri den Artikel Nicolas Pietri in der frankophonen Wikipédia. als Direktor. Im Jahr 1920 wurde Eugène Lautier, der spätere Abgeordnete von Guyana, zum Direktor und Chefredakteur ernannt. 1936 übernahm Ludovic-Oscar Frossard die Chefredaktion. Die kurze Phase des Enchainé 1939 wurde von Henri Dié geleitet. Die Nachkriegsausgaben nennen André Albert als Generalsekretär.Die Ausgabe vom 25. Mai 1951 nennt auf ihrer Titelseite Clemenceau als Chefredakteur von 1913 bis 1929, Bernier als Directeur-Administrateur 1913 bis 1937 und Eungène Lautier als Chefredakteur 1920 bis 1935.
Sonstiges Die 1915 gegründete Satirezeitschrift Le Canard enchaîné übernahm den Namen von Clemenceaus Zeitung; Clemenceau zensierte den Canard nach Kriegsende allerdings selbst.Die französische Sprachversion dieses Artikels zitiert hier (allerdings unbelegt): „Als Clemenceau 1917 das Amt des Ratspräsidenten übernahm und sich an seine Auseinandersetzungen mit der Zensur erinnerte, fragten ihn Journalisten, ob er die Zensur abschaffen oder zumindest einschränken würde. Daraufhin soll er ihnen geantwortet haben: Halten Sie mich für einen Idioten?.“
Literatur
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Französischsprachige Tageszeitung Kategorie:Zeitung (Frankreich, Erscheinen eingestellt) Kategorie:Zeitung (Paris) Kategorie:Ersterscheinen 1913 Kategorie:Erscheinen eingestellt 1953