Die Uprava državne bezbednosti (, , , , , kurz UDB, meist grammatisch UDB-a, vereinfacht UDBa oder UDBA) war die 1946 gegründete Geheimpolizei Jugoslawiens. Einen Angehörigen der UDB nannte man serbokroatisch udbaš und slowenisch udbovec.
Im Zuge der Dezentralisierungstendenzen ab 1966 wurde die UDBA in Služba državne bezbednosti (), kurz SDB, umbenannt.Katarina Spehnjak: „Brionski plenum“- odjeci IV. sjednice CK SKJ iz srpnja 1966. godine u hrvatskoj političkoj javnosti, in: ČSP 3/1999, S. 463–489. Umgangssprachlich blieb jedoch die Bezeichnung UDBA gebräuchlich.
Neben der Abrechnung mit den jeweiligen Gegnern war die Organisation der UDB vor allem gegen tatsächliche und eventuelle Gegner des kommunistischen Regimes Jugoslawiens gerichtet, was vor allem Internierung oder physische Beseitigung bedeutete. Die UDB ist mutmaßlich für etwa 200 Morde und Entführungen verantwortlich. 1964 wurde dafür eigens eine Abteilung eingerichtet.Marko Milivojević: Tito’s Sword and Shield. The Story of the Yugoslav Intelligence and Security Community. London: The South Slav Research and Study Centre, 1989, S. 129: „Sometime in 1964 it is now reasonably certain that a very important meeting took place in UDBa Centre in Belgrade, attended by the UDBa Chief, Svetislav Stefanović, the Croatian UDBa Chief, Uroš Slijepčević, and the head of the Zagreb UDBa office, Marijan Odak. […] The purpose of the 1964 meeting in UDBa Centre was to set up a special assassination and kidnapping department in that part of UDBa’s foreign section concerned with hostile émigré organisations.“ Die Befehle zur Ermordung der Dissidenten wurden vom jugoslawischen Staatschef Tito persönlich erteilt. Nach dessen Tod im Jahr 1980 konnten Liquidierungsanordnungen ausschließlich durch die politischen Entscheidungsträger innerhalb der jeweiligen Exekutivkomitees der kommunistischen Partei auf Republikebene getroffen werden.OLG München, Urteil vom 16. Juli 2008, AZ: 6 St 005/05 (2), S. 9 ff.Josef Hufelschulte: Großkreuz für Mörder. In: Focus, Nr. 3/2012 vom 16. Januar 2012, S. 47.
Mit dem Zerfall Jugoslawiens wurde die UDBA, offiziell mittlerweile der SDB, im Jahr 1991 aufgelöst. Ihr Nachfolger war in der Bundesrepublik Jugoslawien der jugoslawische Staatssicherheitsdienst RDB. Nach der Auflösung der UDB in den 1990er Jahren wurden viele ihrer Funktionäre in teilweise hohe Funktionen der Nachfolgestaaten Jugoslawiens übernommen.
Geschichte mini|Josip Broz Tito mit Vertretern des UDB, 1951 Im März 1946 wurde der Odjeljenje za zaštitu naroda (OZN) als jugoslawischer Geheimdienst aufgelöst und daraus die politische Geheimpolizei UDBA sowie der Militärgeheimdienst Kontraobaveštajna služba (KOS; ab 1955 Organ bezbednosti, OB) gebildet.
Bis zum Jahr 1953 stand Aleksandar Ranković als jugoslawischer Innenminister an der Spitze des Staatssicherheitsapparates. Während einer Phase der innenpolitischen Liberalisierung Mitte der 1960er Jahre warf ihm die Parteiführung vor, die Reformen der gesellschaftlichen Selbstverwaltung zu behindern. Nach seinem erzwungenen Rücktritt im Juli 1966 wurde die jugoslawische Staatssicherheit dezentralisiert, das Personal reduziert (besonders auf Bundesebene) und parlamentarische Kontrollkommissionen eingerichtet.Bernd Robionek: State Security out of Control? The Influence of Yugoslavia's Political Leadership on Targeted Killings abroad (1967–1984), in: OEZB Working Paper, März 2020.
Organisation Bis zur Reform im Jahr 1966 wurde die UDB zentral von der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad aus geführt. Nach der Reform unterhielten die sechs jugoslawischen Teilrepubliken jeweils eigene Sicherheitsdienste, z. B. in Kroatien den „Služba državne sigurnosti“ (SDS), mit Sitz in Zagreb. Die UDB hatte, unter der Bezeichnung „Služba državne bezbednosti“ (SDB), als Bundessicherheitsdienst lediglich noch die Fachaufsicht über die Dienste der Teilrepubliken und übernahm Koordinationsfunktionen.Bezbednosno-informativna agencija (BIA), Belgrad: Istorijat Grundsätzlich benötigten die Dienste der Teilrepubliken keine vorherige Zustimmung der Bundesbehörde zur Ausführung von Aktionen. Nur wenn Belange des jugoslawischen Bundes, insbesondere außenpolitischer Art, berührt werden konnten, musste für Aktionen eine Genehmigung eingeholt werden.Axboe Nielsen, Christian: The Symbiosis of War Crimes and Organized Crime in the Former Yugoslavia, in: Südosteuropa-Mitteilungen 52 (2012), S. 6–17: “The 1974 Yugoslav Constitution effected a pronounced shift towards decentralization in all areas of state administration. […] The Federal Secretariat for Internal Affairs was gradually reduced to the status of a clearinghouse for information, and was finally taken over by the Serbian Secretariat for Internal Affairs in the autumn of 1992.”
Der SDB auf Bundesebene und auch die Dienste der Teilrepubliken (z. B. der SDS in Kroatien) waren den jeweiligen Innenministerien angegliedert und standen unter deren politischer Führung. Politisch verantwortlicher Leiter des jeweiligen Sicherheitsdienstes war der zuständige Untersekretär (oder stellvertretender Minister) im Innenministerium. Der fachliche Leiter war der jeweilige „Sekretärsassistent“. Es gab acht Abteilungen; die Abteilung II befasste sich mit der „feindlichen Emigration“. Die Dienste der Teilrepubliken unterhielten in größeren Städten Regionalzentren („centar“), z. B. in Kroatien Ende der 1980er Jahre in Zagreb, Split, Rijeka, Osijek, Karlovac, Varaždin, Sisak, Pula, Bjelovar und Gospić.Gordan Akrap / Miroslav Tudjman: From Totalitarian to Democratic Intelligence Community – Case of Croatia (1990–2014), in: National Security and the Future 2/2014, S. 74–132.
Den Diensten waren jeweils analytische Abteilungen angegliedert, die mit dem Agentennetz im In- und Ausland in Verbindung standen und Einzelinformationen filterten, aufbereiteten und der Führung des Dienstes unterbreiteten.
Das Bindeglied zu der obersten politischen Führung des Sicherheitsapparats, den jeweiligen Staatspräsidien, stellten seit Beginn der 1980er Jahre die „Räte zur Verteidigung der verfassungsmäßigen Ordnung“ dar. Der Rat zur Verteidigung der verfassungsmäßigen Ordnung der Sozialistischen Republik Kroatien wurde mit Beschluss des Staatspräsidiums der Republik Kroatien vom 28. Mai 1980 ins Leben gerufen.
Schließlich unterhielt der Bundesstaat Jugoslawien den „Dienst für Information und Dokumentation“ (SID), der dem Fachressort des Außenministeriums unterstand.
Geheimdienst Neben den auf gesetzlicher Grundlage und mit offiziellen Mitarbeitern arbeitenden Sicherheitsdiensten (z. B. SDS und SDB) gab es seit Mitte der 1960er Jahre ein Netzwerk von Personen, das ausschließlich auf politische Weisung von für die öffentliche Sicherheit zuständigen Funktionsträgern der Exekutivkomitees der kommunistischen Partei im Bund oder den Teilrepubliken tätig wurde.
Aufgabe der in diesem Netzwerk tätigen Personen war es soweit sie im Ausland arbeiteten oder für bestimmte Aktionen dorthin gesandt wurden: Operationen im Ausland vorzubereiten oder durchzuführen soweit sie im jugoslawischen Inland arbeiteten: die aus den offiziellen Diensten kommenden Informationen auf ihre Bedeutung für die kommunistische Partei und deren Machterhalt zu filtern, aufzubereiten und so eine Entscheidungs- und/oder Einschätzungsgrundlage zu schaffen.
Nicht selten waren Personen, die eine Funktion in einem offiziellen Dienst (z. B. SDS und SDB) bekleideten gleichzeitig auch Mitglieder dieses Geheimdienstes. Bei den politischen Leitern der offiziellen Dienste (Untersekretären) war dies regelmäßig der Fall.
Für eine Mitarbeit in diesem – offiziell nicht existenten – Geheimdienst konnte man sich nicht bewerben. Die für den Geheimdienst tätigen Personen wurden nach Befähigung für die ihnen jeweils zu übertragende Aufgabe sowie persönlicher Zuverlässigkeit und Vertrauen angeworben. Da sie an logistisch wichtigen, für gegnerische Abwehrdienste zunächst unverdächtigen, aber mit viel Außenkontakt versehenen Schaltstellen im Ausland arbeiteten, waren oft Leiter oder Angestellte von Konsulaten, Reiseagenturen, Hotels, Zeitungen sowie Angehörige exiljugoslawischer Organisationen Mitarbeiter dieses verdeckt arbeitenden Geheimdienstes. Laut Roman Leljak stand etwa jeder 15. Bürger Jugoslawiens im Dienste der Udba, in Slowenien waren dies 54.000 Personen, in Kroatien 75.000. Laut Igor Omerza und Roman Leljak sollen auch 242 österreichische Beamte aus Polizei, Bundesheer und Diplomatie Informanten der UDBA gewesen sein.
Inlandsaktivitäten mini|SDB-Bericht über das Zeigen eines, in dieser Zeit, nationalistischen Symbols: eine Kerze mit kroatischem Wappen am Altar einer Kirche in Humac bei Ljubuški (1982)
Im Inneren war die UDB/der SDB für das Aufspüren und die Inhaftierung politischer Gegner und Verdächtiger verantwortlich, von denen viele auf der Insel Goli otok festgehalten wurden. Das Sicherheitsgesetz gab ihr hierfür nahezu unbegrenzten Handlungsspielraum.
Der Artikel 39 Abs. 1 des jugoslawischen „Grundgesetzes über die inneren Angelegenheiten“ aus dem Jahr 1966 wies dem Staatssicherheitsdienst die Aufgabe zu, durch „Sammeln von Unterlagen und anderen Nachrichten die organisierte und geheime Tätigkeit zu entdecken, die die Unterhöhlung oder Beseitigung der durch die Verfassung bestimmten Ordnung zum Ziele hat“.
Auslandsaktivitäten Im Ausland trat die UDB gänzlich geheim auf. Ihr Tätigkeitsfeld umfasste hier hauptsächlich die Ermordung, Erpressung und Entführung antikommunistischer Emigranten. Zu den Opfern gehörten vor allem nationalistische Kroaten, Serben und Albaner. Der Artikel 92 des jugoslawischen Strafgesetzbuches gestattete staatliche Verfolgungsmaßnahmen gegen politische Opponenten unabhängig von deren Staatsbürgerschaft oder dem Ort ihrer antijugoslawischen Tätigkeit, was den Einsatz jugoslawischer Agenten jenseits der Staatsgrenzen legitimierte.
Die jeweilige „Abteilung II“ der Dienste hatte die Aufgabe, im Ausland gegen Emigranten vorzugehen. Die Regionalzentren führten Agenten im Ausland, die den Dienst mit Informationen versorgten. Sofern aus Sicht des Dienstes eine besondere Gefahr von Emigranten ausging, wurde mit „operativen Mitteln“ versucht, diese Personen zu „passivieren“. Die Palette der „Passivierung“ reichte von Desinformations- und Rufmordkampagnen bis hin zur Liquidierung.
Zwischen 1945 und 1989 soll die UDB / der SDB, laut einem Gutachter in einem Prozess am Oberlandesgericht München im Jahr 2008, angeblich 67 Gegner im Ausland ermordet haben.
Dazu gehörten u. a. die folgenden Morde:Krieg im Untergrund: 40 Tote seit 1967. In: Die Zeit, Nr. 19/1982 vom 7. Mai 1982, S. 35.
13. September 1967 – der kroatische Gastwirt Marijan Šimundić wird am Stadtrand von Stuttgart mit acht Schüssen in seinem Auto getötet. Er war wichtiger Entlastungszeuge in einem Gerichtsprozess gegen den Exilkroaten Franjo Goreta. 30. September 1968 – die Leiche des Kroaten Hrvoje Ursa wird im hessischen Hutzdorf aus der Fulda geborgen. Er war drei Tage vorher gefesselt aus seiner Frankfurter Wohnung entführt worden. 26. Oktober 1968 – Mile Rukavina, Krešimir Tolj und Vid Maričić werden bei einem Überfall auf das Büro des Bundes der Vereinigten Kroaten in Deutschland e. V. (Ujedinjeni Hrvati Njemačke, kurz UHNj) in München durch Pistolenschüsse getötet. 9. April 1969 – der kroatische Gastwirt Mirko Čurić wird vor seinem Lokal in München von einer Bombe zerrissen, die in einer Plastiktüte versteckt war. 17. April 1969 – der Serbe Ratko Obradović (* 1919), Redakteur des serbischen Emigrantenblattes Iskra, wird auf offener Straße in München erschossen. Obradović war ein ehemaliger Funktionär der faschistischen Zbor-Partei und Offizier ihres bewaffneten Arms, des Serbischen Freiwilligen-Korps, der sich 1945 ins Exil geflüchtet hatte.