Richard Dyck, auch Richard van Dyck, Richard Ernst van Dyck und anglisiert zu Richard Ernest Van Dyck (* 26. Juni 1889 in Bremen; † 3. Oktober 1966 in Mamaroneck, Westchester County, New York, USA), war ein deutsch-amerikanischer Zeitungsjournalist, Schriftsteller und Übersetzer.

Familie und frühe Jahre Richard Ernst Dyck wurde in Bremen in eine Familie jüdischen Glaubens geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Louis Dyck und seine Ehefrau Mina geborene Pinette.Standesamt Bremen, Geburtsregister Nr. 1797, zit. Standesamt Berlin-Schöneberg II, Heiratsurkunde Nr. 491, 11. November 1916, mit handschriftlichen Anmerkungen zur Scheidung 30. Januar 1923 / 27. Februar 1923 und Untersagung der Namensführung 27. März 1929, Landesarchiv Berlin, abgerufen von Ancestry.com am 17. Januar 2025 Sein jüngerer Bruder war der international bekannte Pianist, Komponist und Musikpädagoge Felix Dyck (* 14. Januar 1893 in Bremen; † 1969 in Argentinien, Pseudonyme Miguel d'Alcantara, Ramon Cantara). Wohnhaft in Berlin–Charlottenburg, legte er 1908 in Berlin das Abitur ab.„Dyck (urspr. van Dyck), Richard“. In: Werner Röder und Herbert A. Strauss (Hrsg.), Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933–1945, Band 1, Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Berlin, Boston: De Gruyter Saur, 1980, S. 1142 https://doi.org/10.1515/9783110970289.142 1909 wurde er vom Militärdienst für das Studium zurückgestellt.Eintrag Dyck 1909, Gemeinde I, No. 66, Restantenlisten Ersatzkommission, 1874–1914 (Militärstammrollen). Staatsarchiv Bremen, abgerufen von Ancestry.com am 17. Januar 2025 Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Georg-August-Universität Göttingen. Am 9. Juni 1913 wurde er mit der Dissertation „Schadensersatzansprüche aus dem Arbeitskampf“ in Göttingen zum Doktor der Rechte (Dr. jur.) promoviert.Dyck, Richard. Schadensersatzansprüche aus dem Arbeitskampf. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Hohen Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. Hochschulschrift. Göttingen: Druck Louis Hofer 1913 [86 Seiten]. [Google Books] [HathiTrust]

Er nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Er war zunächst Unteroffizier, dann Leutnant. Im dritten Kriegswinter, am 11. November 1916, heiratete er Franziska „Fränze“ Schnitzer (* 16. Mai 1893 in Berlin; † unbekannt).Standesamt Berlin-Schöneberg II, Heiratsurkunde Nr. 491, 11. November 1916, mit handschriftlichen Anmerkungen zur Scheidung 30. Januar 1923 / 27. Februar 1923 und Untersagung der Namensführung 27. März 1929, Landesarchiv Berlin, abgerufen von Ancestry.com am 17. Januar 2025Berliner Tageblatt, Handels-Zeitung Nr. 581, 12. November 1916, Vermählungsanzeige, S. 14. [Zeitungsportal] Zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung war sie ohne Beruf. Sie arbeitete 1916 in einem Lazarett und schrieb darüber das Buch Schnuppe im Lazarett Berliner Kriegstimmungen und Geschichten. Später war sie Filmkritikerin und Feuilleton-Redakteurin der Berliner Volks-Zeitung und schrieb auch unter dem Pseudonym Hanna Hessling. Sie nannte sich zum Teil Fränze Schnitzer (Kürzel „F. S.“), später auch Fränze Dyck–Schnitzer (Kürzel „F. D. S.“). Sie war neben Lucy von Jacobi (Tempo) und Lotte H. Eisner (Berliner Tageblatt) eine der ersten hauptberuflichen Filmjournalistinnen in Deutschland.Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Hrsg.) (2024). Der deutsche Film: Aus den Archiven der Deutschen Kinemathek. Berlin: Hatje Cantz, S. 260.

Die Ehe wurde in Berlin-Schöneberg am 30. Februar 1923 geschieden. Da Fränze zum Teil weiter den Namen Dyck–Schnitzer verwendete, womit ihr geschiedener Gatte aus unbekannten Gründen nicht einverstanden war, ließ er ihr 1929 amtlich untersagen, den Namen Dyck zu tragen und stattdessen nur ihren Geburtsnamen Schnitzer zu führen. Am 23. Oktober 1928 schloss Dyck mit 39 Jahren eine zweite Ehe. Er heiratete Eugenie Xenia Kuttner, geborene Boas (* 7. April 1885 in Konin, damals Russland). Dyck wurde mit der Eheschließung Stiefvater der drei Kinder aus Xenias früherer Ehe, Eva Rose, Gerhard und Fritz Kuttner. Sein Trauzeuge war sein Chefredakteur Hermann Zucker.Standesamt Berlin-Schöneberg II, Heiratsurkunde Nr. 802 vom, 23. Oktober 1928, Landesarchiv Berlin, abgerufen von Ancestry.com am 17. Januar 2025

Nach der Novemberrevolution fand Richard Dyck als Referent 1919–1920 Anstellung in der Presseabteilung des preußischen Staatsministeriums (Landesregierung) und im Nachrichtenbüro der Verfassungsschutzbehörde, beim preußischen Staats- und Reichskommissar für Überwachung der öffentlichen Ordnung Robert Weismann. Dabei arbeitete er quasi gleichzeitig als Mitarbeiter der zeitweise offiziösen Deutschen Nachrichtenagentur (Dena), was von der linken Presse scharf kritisiert wurde.„Lage-Bericht vom 17. Juni 1920 – Sowjetregierung und USPD“. Freiheit Nr. 240 23. Juni 1920, S. 1 [Zeitungsportal] Vermutlich ebenfalls im Auftrag des Dienstherrn wandte er sich 1920 publizistisch mit Aufsätzen in Fachzeitschriften gegen Frankreichs Besatzungsregime und separatistische Propaganda am Rhein.Dyck, Richard. (1920). „Rheinischer Separatismus – französisches Interesse“. Europäische Staats- und Wirtschafts-Zeitung 5. Jg., Nr. 9/10, S. 108.Dyck, Richard. (1920). „Französische Wirtschaftspropaganda und Wirtschaftspolitik in den besetzten Gebieten“. Europäische Staats- und Wirtschafts-Zeitung 5. Jg., Nr. 11/12, S. 134.

Gegen Ende des Hyperinflationsjahres 1923 wurde Dyck kurzzeitig Prokurist bei einer in Berlin-Charlottenburg gegründeten Privatbank, der Allgemeine Industrie- und Handelsbank KGaA.Deutsche Allgemeine Zeitung, 28. Oktober 1923, 62. Jg., Nr. 501, Morgenblatt, S. 4 [Zeitungsportal] Es blieb ein kurzes Zwischenspiel, bevor er in den Journalismus wechselte.

Journalismus und Publizistik in der Weimarer Republik Noch im selben Jahr wurde er Redakteur bei der Berliner Tageszeitung 8 Uhr-Abendblatt, dem Nachfolger der alten liberalen National-Zeitung, die 1927 vom Mosse-Verlag gekauft wurde. Die hohe Auflage (zeitweise 100.000 Stück) erreichte das boulevardesk gemachte Blatt auch mit Sensationen. Der Jurist wurde auch als Polizei- und Gerichtsreporter tätig. Er berichtete beispielsweise über den Jakubowski-Prozess. Als Sonderberichterstatter wurde er zu spektakulären Vorgängen, zum Beispiel bei Luftfahrt-Pionierleistungen, gesandt. Er schrieb ebenfalls für das Feuilleton, etwa Filmkritiken oder über die Bayreuther Wagner-Festspiele. Er nahm jedoch auch regelmäßig als politischer Berichterstatter an den täglichen Regierungs-Pressekonferenzen, dem Vorläufer der Bundespressekonferenz, im Ordenspalais teil.Dyck, Richard (1961, 12. Mai). „Aus der Zeitungswelt : Journalist vom alten Schrot und Korn : Richard May - 75 Jahre.“ Aufbau 27. Jg., Nr. 20, S. 21. [Internet Archive]

Dyck versuchte sich gelegentlich als Hörfunk- und als Filmautor. Gemeinsam mit Guido K. Brand verfasste er 1922 ein Filmmanuskript, das auf Nikolai Gogols Kosaken-Erzählung Taras Bulba aus der Ukraine des 17. Jahrhunderts fußte.Berliner Börsen-Zeitung, 12. Februar 1922, Morgenausgabe, S. 11 [Zeitungsportal] 1929–1931 war er mehrfach mit Beiträgen live im Rundfunk zu hören, etwa zu historischen Stoffen wie den Geheimagenten Napoleons und Bismarcks oder mit Reiseberichten und Vorträgen über eine wohl 1931 unternommene längere Reise nach Marokko.Deutsche Allgemeine Zeitung, 30. September 1929, S. 8 [Zeitungsportal]

Dyck engagierte sich im Deutschen Bühnen-Klub. Er wurde zwischen 1929 und 1933 mehrmals als Schriftführer in den vom Schauspieler und Regisseur Emil Rameau geführten Vorstand gewählt und bestätigt.Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (1929). Eintrag „Deutscher Bühnen-Klub (E. V.)“. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1929, 40. Jg., Berlin, S. 165 [HathiTrust]Anon. (1929, 15. Februar). „Soziales und Wirtschaftliches“. Die deutsche Bühne : Amtliches Blatt des Deutschen Bühnen-Vereins 21. Jg., Heft 3, S. 60. [HathiTrust]Berliner Börsen-Zeitung, 3. Februar 1930, Abendausgabe, S. 3 [Zeitungsportal]Anon. (1933, 7. März) „Der neue Vorstand des Bühnen-Klubs in Berlin“. Der neue Weg. Halbmonatsschrift für das deutsche Theater, 62. Jg., Nr. 4, S. 85 [Internet Archive]

Ende der Zwanziger Jahre begann er aus dem Französischen für Presse und Buchverlage zu übersetzen. Er übersetzte die Lebenserinnerungen der Baronin de Vaughan, Blanche Zélia Joséphine Delacroix, Ehefrau des Königs der Belgier Leopold II., welche 1929–1930 im Vertrieb des Korrespondenzverlegers Rudolf Dammert als Zeitungsserie erschienen.Dyck, Richard [Übersetzer] (1930, 4. Februar). „Belgiens heimliche Königin — Lebenserinnerungen der Baronin de Vaughan, der morganatischen Gemahlin Leopold II. von Belgien“. Morgen-Zeitung, Nr. 34, S. 3 [Zeitungsportal]

Er übersetzte mehrere Erinnerungsbücher des bulgarischen Diplomaten Dimitri Jotzoff (auch: Jocov), die im Peter J. Oestergaard Verlag in Berlin-Schöneberg erschienen, so Zar Ferdinand von Bulgarien : Sein Lebenswerk im Orient (1928)Dyck, Richard (1927) [Übersetzer aus dem Franz.]. Jotzoff, Dimitri. Zar Ferdinand von Bulgarien Sein Lebenswerk im Orient. Berlin-Schöneberg: Peter J. Oestergaard Verlag. und Leuchtendes Asien. Erinnerungen und Erlebnisse eines Diplomaten (1932)Dyck, Richard (1932) [Übersetzer aus dem Franz.]. Jotzoff, Dimitri. Leuchtendes Asien. Erinnerungen und Erlebnisse eines Diplomaten. Berlin-Schöneberg: Peter J. Oestergaard Verlag. sowie Odyssee eines Konsuls ; Erlebnisse eines Diplomaten im Weltkriege (1934).Dyck, Richard (1934) [Übersetzer aus dem Franz.]. Jotzoff, Dimitri. Odyssee eines Konsuls ; Erlebnisse eines Diplomaten im Weltkriege. Berlin-Schöneberg: Peter J. Oestergaard Verlag. Die Verbindung mit Bulgarien führte zur Auszeichnung mit dem bulgarischen zivilen Verdienstorden.„Dyck (urspr. van Dyck), Richard“. In: Werner Röder und Herbert A. Strauss (Hrsg.), Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933–1945, Band 1, Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Berlin, Boston: De Gruyter Saur, 1980, S. 1142 https://doi.org/10.1515/9783110970289.142

Sene Reise nach Marokko 1931 führte 1933 zur Veröffentlichung des Buches Land ohne Zeit : Marokko, das er mit eigenen Fotografien illustrierte. Es erschien ebenfalls bei Oestergaard. Es wurde 2013 neu aufgelegt.Dyck, Richard. (1933). Land ohne Zeit : Marokko. Mit 46 Aufnahmen des Verfassers. Berlin-Schöneberg: Peter J. Oestergaard Verlag. 2013 wiederaufgelegt: Salzwasser Verlag, Paderborn.

Flucht und Exil Nach der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur, die ihn als Jude bedrohte und seinen Arbeitgeber, den jüdischen Mosse-Verlag, massiv unter Druck setzte, entschloss sich Dyck bereits 1933 zur Emigration nach Frankreich. Er wurde Redakteur bei Georg Bernhards Exilzeitung Pariser Tageblatt, später der Pariser Tageszeitung. Bis April 1937 schrieb er für Lokales, Feuilleton und Filmkritiken unter dem Pseudonym „René Dufour“, Kürzel „-four“.Roussel, Hélène, Winckler, Lutz (1989). „Pariser Tageblatt / Pariser Tageszeitung : Gescheitertes Projekt oder Experiment publizistischer Akkulturation?“ In: Thomas Koebner et al. (Hrsg.): Publizistik im Exil. Exilforschung : ein internationales Jahrbuch, Band 7. München : edition text + kritik 1989, S. 120, 122. [Internet Archive] Er war außerdem als Übersetzer beim Pressedienst Cooperation und als Ansager bei Radio Strasbourg tätig.