mini|Höhenschichten Karte von Sachsa Die Sachsensteinhöhle war eine Schauhöhle im Sachsenstein bei Neuhof, heute ein Ortsteil von Bad Sachsa, im Landkreis Göttingen.

Die einzige Gips-Schauhöhle Niedersachsens wurde in den 1950er Jahren mit behördlicher Genehmigung durch den Steinbruch Sachsenstein zerstört. Höhle und Steinbruch gehörten zum Gipswerk Sachsenstein.

Lage Die Höhle lag im südlichen Ausläufer des Sachsensteines im Gipskarst, unmittelbar über dem braunschweigischen Dorf Neuhof, im Süden von Bad Sachsa. Der gesamte Höhlenraum lag im Bereich des Steinbruch Sachsenstein. Zwischen dem Steinbruch und der Ortsdurchfahrt (K 414) stand das Gipswerk Sachsenstein.

Unweit dem Ort der früheren Höhle, auf dem Felssporn nördlich der Bahnstrecke Northeim–Nordhausen, liegt die Ruine der Burg Sachsenstein.

Beschreibung Der schachtförmige Eingang (270 NN) öffnete sich in der Sohle des Neuhofer Steinbruches unmittelbar am Fuße der abgebauten Wand.

Es folgte dahinter eine kurze niedrige Strecke, die mit - 8,55 m dem Wasser zugänglich gewesen war, wie starke Schalenbildung an der Firste und gut ausgebildete Näpfchenkorrosion zeigten. An diese kleinräumige Vorhöhle schloss unmittelbar ein hallenförmiger SW-NO streichender wuchtiger Raum (Große Halle), 70 Meter lang, bis zu 30 Meter breit, dessen steil gegen SO einfallende Sohle mit grobem chaotischem Trümmerwerk bedeckt war. Die Pfeilhöhe der Firste wuchs, beim Eingang mit knapp 2 Meter beginnend, auf 7 Meter am NO-Ende, wo ein schwerer Verbruch den weiteren Verlauf unterband. Die Fortsetzung jenseits des Versturzkegels durfte mit Sicherheit angenommen werden. An dem klaffende Schichtfugen aufweisenden SO-Stoße trat auch die Eigentümlichkeit des älteren Gipses gut in Erscheinung: Weißliche Anhydritlagen wechselten mit schwärzlich dolomitischen Lamellen, zarte Bänderspiele und wellige Muster erzeugend. In starkem Gegensatz dazu stand das grobschalig darüber aufschießende Gewölbe, das in weitem schönen Schwunge über Berge zerschrottenen Gesteines hinaufschwang zum gegenseitigen Stoß.

Wasserspuren in der Vorhöhle und in der Tiefe der längs des SO-stoßes absinkenden Versturzklüfte wiesen auf das Eindringen steigender und fallender Grundwässer (Schlottenwoge) hin, ohne dass von eigentlicher Aktivität gesprochen werden konnte.

Weitere klassische Zeugen mit Schlottenerscheinung sind unter anderen die Barbarossahöhle, Heimkehle und Himmelreichhöhle.Friedrich Stolberg: Die Sachsensteinhöhle bei Neuhof am Südharz Halberstadt 1929.

Geschichte mini|Lithographie vom Sachsenstein mini|Gipswerk Sachsenstein (Werbeschrift um 1960) In dem zugehörigen Gipsbruch Sachsenstein wurde um 1840 die Höhle angefahren und nach einer benachbarten Karstquelle „Rittersbornhöhle“ benannt. Ihr Eingang wurde bei Steinbrucharbeiten durch Carl Bruchmann aufgeschlossen und einige Zeit später wieder zugeschüttet. 1928 wurde sie durch Bruchmanns Sohn erneut freigegraben und am 5. Mai 1929 als Schauhöhle unter dem Namen „Sachsensteinhöhle“ eröffnet. Friedrich Stolberg, der Nestor der Harzer Höhlenforschung, schrieb hierzu 1930:

Nach der 1952 erfolgten behördlichen Freigabe zum Abbruch ist die Sachsensteinhöhle mittlerweile spurlos verschwunden. In unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Lage der Höhle gab es das 1988 stillgelegte Gipswerk Sachsenstein. Einen bedeutenden Aufschwung erlebte das kleine Gipswerk am Sachsenstein erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Da der Steinbruch alsbald an die natürliche Vorkommensgrenze des hier anstehenden Gipsgesteins stieß, wurde mit der Planung begonnen, das Gestein oberhalb der Höhle abzubauen. Dass die Sachsensteinhöhle dadurch irreparablen Schaden nehmen würde, wurde in Kauf genommen. Und obwohl die Sachsensteinhöhle bereits als Naturdenkmal in das Naturdenkmalbuch des Kreises Blankenburg eingetragen war, wurde die Aufhebung dieses Schutzstatus beantragt. Ein Druckmittel der Gipsindustrie war der drohende Verlust von bis zu 38 Arbeitsplätzen.Braunlager Zeitung vom 27. Mai 1951. → OnlineArbeitsplätze und Gipsabbau (PDF), abgerufen am 17. Januar 2025.

Ein Gutachter bescheinigte die Aufhebung des Naturschutzes unter der Auflage, dass es einen engen Kontakt mit der Naturschutzbehörde zwecks Sicherung vorgeschichtlicher Zeugnisse gibt. Die Harzer Höhlenforscher, allen voran Friedrich Stolberg, erfuhren von dem der Höhle drohenden Schicksal erst 1951, als es bereits zu spät war. Der Kompromiss wurde in der Presse als Erfolg gefeiert. Man vertrat die Auffassung, dass die Sachsensteinhöhle nur von mäßiger Schönheit sei und man ja die nahegelegene Einhornhöhle besichtigen könnte. Dass es sich hierbei um völlig verschiedene Höhlentypen handelte, fand keine Berücksichtigung.Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz Jg. 42, Heft 1 + 2, 2021 (PDF; 4,5 MB), auf vdhk.de, abgerufen am 17. Januar 2025.Natürlicher Lost Place: Diese Höhle wurde zerstört. In: Harz Kurier vom 7. Januar 2025, S. 13. → Online

1961 erfolgte eine letzte Befahrung des Höhlenrestes, wenig später war nur noch das letzte Drittel der Großen Halle als weit geöffneter Höhlenrachen übrig. Das Lokal Zur Sachsensteinhöhle gab es noch nach 1965, als die Höhle schon zerstört war. Erst war es ein weithin bekanntes Tanzetablissement der Jugend und später eine Fremdarbeiterunterkunft. Das mehrfach umgebaute Gebäude besteht bis heute.Fritz Reinboth: Erinnerungen an die Sachsensteinhöhle bei Neuhof (PDF), auf karstwanderweg.de, abgerufen am 17. Januar 2025.

Im Frühjahr 2001 wurde das alte Gipswerk Sachsenstein abgerissen, erhalten bleibt nur das ehemalige Verwaltungsgebäude. Eine Nachnutzung des weitläufigen Geländes am nördlichen Ortsrand von Neuhof (Lange Straße) ist ungewiss.Das alte Gipswerk "Sachsenstein" zwischen Bad Sachsa und Neuhof wird abgerissen auf karstwanderweg.de, abgerufen am 17. Januar 2025.

Auf Initiative der Internationalen Union für Speläologie hat die UNESCO-Generalkonferenz 2025 in Paris beschlossen, den 13. September zum Internationalen Tag für Höhlen und Karst zu kürren. Allein in Deutschland sind 4,6 Prozent aller bekannten Höhlen vernichtet worden. Die Dunkelziffer liegt aber noch deutlich höher. Für die Sachsensteinhöhle kommt diese internationale Wertschätzung bedrohter Naturerbe leider 73 Jahre zu spät.Höhlenschutz im Fokus: Neuer Welttag macht auf gefährdetes Naturerbe aufmerksam auf harz.news, abgerufen am 15. November 2025.UNESCO International Day of Caves and Karst auf caveskarstday.org, abgerufen am 15. November 2025.

Siehe auch Quellungshöhlen Liste der Schauhöhlen in Deutschland Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher

Literatur C. G. F. Brederlow: Der Harz. Braunschweig 1846. Friedrich Stolberg: Die Sachsensteiner Höhle. Mitteldeutscher Nachrichtendienst, Halberstadt 1929, Bericht 50, S. 2. Friedrich Stolberg: Die Sachsensteinhöhle bei Neuhof am Südharz. Eine Studie zur Schlottenfrage. Mitteilungen über Höhlen- und Karstforschung, Heft 1, Berlin 1930, S. 19–22. Fritz Reinboth: Erinnerungen an die Sachsensteinhöhle bei Neuhof. Arbeitsgemeinschaft Karstkunde Niedersachsen, Heft 4, 1983, S. 10–17; auch in www.karstwanderweg.de Fritz Reinboth, Reinhard Kohrs: Chronik der Gipsindustrie in Walkenried und Neuhof. Verein für Heimatgeschichte Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung e.V., Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld 2013, ISBN 978-3-86948-283-5, Heft Nr. 40, S. 20 ff. Uwe Fricke: Die Zerstörung der Sachsensteinhöhle. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Karstkunde Harz, Jg. 42, Heft 1 + 2, Goslar 2021, S. 3–9.

Weblinks Die neue Sachsensteinhöhle Historischer Bericht von C. Kamphenkel / Bad Sachsa am 27. November 1928, auf karstwanderweg.de Die Sachsensteinhöhle bei Neuhof am Südharz auf karstwanderweg.de Erinnerungen an die Sachsensteinhöhle bei Neuhof auf karstwanderweg.de Lost Places: Lost Caves verschwundene Höhlen in Deutschland auf eseltreiber.de Verschwundene Höhlen auf vdhk.de

Einzelnachweise

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