mini|Pont Butin der Kantonsstrasse 38 über die Rhone Diese Liste führt die Kantonsstrassen im Schweizer Kanton Genf auf. Dazu gehören die Durchgangsstrassen in den Gemeinden ausserhalb der Kantonshauptstadt Genf. Einige Hauptachsen sind in der vom Bundesrat in Kraft gesetzten Durchgangsstrassenverordnung als Hauptstrassen von nationaler Bedeutung bezeichnet und nummeriert, haben im Kanton Genf aber andere Strassennummern. Viele Kantonsstrassen führen zu Grenzübergängen an der Grenze zu Frankreich, nur vier an die Kantonsgrenze zum benachbarten Kanton Waadt. Die Strassen dienen auch dem gut ausgebauten Liniennetz des öffentlichen Verkehrs in der Agglomeration Genf.
Grundlagen Das übergeordnete Strassennetz des Kantons Genf hat sich seit zwei Jahrtausenden wegen der geographischen Lage der Stadt Genf an einer strategisch wichtigen Brücke über die Rhone am südwestlichen Ende des Genfersees entwickelt. Die Brücke bei der keltischen Siedlung Genava wurde auf Befehl von Julius Caesar 58 vor Christus zerstört; sie ist somit ein besonders früh bezeugter Flussübergang. Die Hauptachsen rund um Genf wurden in der Zeit des Römischen Reiches ausgebaut und sind teilweise im spätantiken Strassenverzeichnis Itinerarium Antonini aufgeführt. Seit der Spätantike war Genf als Bischofssitz, im Frühmittelalter auch als zeitweiliger Hauptort des Königreichs Burgund, seit dem hohen Mittelalter als Marktort und Messestadt und seit der Reformation als selbständige Republik ein verkehrsgeographisches Zentrum im Alpenvorland. mini|Die «Route du Mandement», Kantonsstrasse 31 Das historisch gewachsene Netz der Kantonsstrassen in der Umgebung von Genf führt von der alten Rhonebrücke, die in der Nähe des heutigen Übergangs Pont du Mont-Blanc lag, und von den alten Stadttoren (Porte de Saint-Antoine, Porte de Saint-Léger, Porte de Neuve, Porte du Bourg-de-Four, Porte de Cornavin) ähnlich einem Spinnennetz in fast alle Himmelsrichtungen zu den nächsten Verkehrszentren. Seit dem Mittelalter bestehen die alte Landstrasse (Kantonsstrasse 8) in nördlicher Richtung nach Lausanne und Bern, die Strasse gegen Südwesten (Kantonsstrasse 4) der Rhone entlang nach Lyon und in die alte savoyische Provinz Bresse und in das Burgund, die Strasse im Süden (Kantonsstrasse 3) nach Annecy und Chambéry, dem Sitz der Herzöge von Savoyen, und weiter über Alpenpässe nach Italien, die Strasse gegen Südosten (Kantonsstrasse 2) durch das Tal der Arve nach Annemasse und in die Landschaft Faucigny, sowie nordöstlich von Genf eine Strasse dem Südufer des Genfersees entlang (Kantonsstrasse 1) zu den savoyischen Städten am Seeufer und in das Chablais und das Wallis und schliesslich gegen Nordwesten (Kantonsstrasse 7) die Strasse an den Jurasüdfuss und durch das Juragebirge über den Col de la Faucille ebenfalls in das Burgund.
Heute bildet der Kanton Genf einen Mittelpunkt der Metropolregion Genf-Lausanne. Zur Agglomeration von Genf – Grand Genève – zählen neben mehreren Gemeinden des Kantons Genf auch noch einige französische Gemeinden in den Departementen Ain und Haute-Savoie. Zahlreiche Kantonsstrassen erschliessen das ländliche Gebiet neben den Siedlungszentren und führen zu der Landesgrenze rund um den Kanton, wo sie an 29 Grenzübergängen mit französischen Departementsstrassen verbunden sind. Viele dieser Routen sind durch einen sehr starken grenzüberschreitenden Verkehr belastet.
Im modernen System der internationalen Verkehrskorridore, zu denen ausserdem noch die Bahnverbindungen gehören, sind die Kantonsstrassen durch die übergeordneten Hochleistungsstrassen entlastet. Die Autobahn A1 durchquert den Kanton Genf von Süden nach Norden und ist an mehreren Stellen mit den Kantonsstrassen verbunden. Der Zweig A1a von Le Vengeron bis an den Genfersee bei Genève-Lac und der Zweig im Süden der Agglomeration Genf nach Carouge führen in das Zentrum der Agglomeration. Die Autobahn wird am Grenzübergang Bardonnex von den französischen Verbindungen Autoroute A 41 und Autoroute A 40 fortgesetzt. Die Genfer Autobahnachse der A1 ist ein Abschnitt der Europastraße 25 und der Europastraße 62. Die Kantonsstrasse von Genf nach Thônex gehört zur Europastrasse 712.
Im Kanton Genf gibt es 1816 Kilometer öffentliche Strassen, von denen 260 Kilometer als Kantonsstrassen bezeichnet sind. Viele wichtige Strassen im Kerngebiet des Kantons führen durch die Stadt Genf und sind nicht im Besitz des Kantons, sondern der Stadt. Als Kantonsstrassen gelten sie erst ausserhalb der Stadtgrenzen. 1936 vereinbarten die Kantonsregierung, die vom Bund Beiträge an die Kosten der Hauptstrassen erhält, und die Stadt Genf einen Plan zur Finanzierung des Unterhalts und der Verkehrspolizei dieser Strassenabschnitte; 2023 erneuerten sie den Vertrag, der die Subventionen an die Stadt für den Unterhalt der städtischen Strassen mit kantonaler und nationaler Bedeutung regelt. Die Abschnitte der Hauptstrassen der Schweiz tragen im Kanton Genf andere Strassennummern als im nationalen Streckenverzeichnis. So entspricht zum Beispiel der erste Abschnitt der Hauptstrasse 1 im Süden des Kantons bis nach Genf der Kantonsstrasse 3 und die Strecke nördlich von Genf bis zur Grenze zum Kanton Waadt der Kantonsstrasse 8.
Das Genfer Kantonsstrassennetz weist viele Brücken über die grossen Flüsse und kleinere Gerwässer auf. Neben der historischen Rhonebrücke in Genf waren für den Strassenverkehr seit Jahrhunderten auch die Brücken über die Arve bei Carouge (erstmals erwähnt 1265), über den Allondon und die 1849 gebaute und später erneuerte Rhonebrücke von Chancy an der Strasse nach Lyon besonders wichtig. Mit kleineren Brücken überquerten andere Strassen die übrigen Gewässer wie zum Beispiel die Hermance, die Aire und die Versoix.Anita Frei: Ponts de Genève. Genf 2002. In Genf überqueren heute vier Strassenbrücken und unterhalb der Stadt Genf fünf Kantonsstrassen die Rhone; über die Arve führen auf dem Schweizer Flussabschnitt acht Strassenbrücken, wovon sich nur drei ganz auf dem Gebiet der Stadt Genf befinden.Les Ponts de Genève auf geneva-partners.ch.
Die Kantonsstrassen dienen auch den Linien des öffentlichen Verkehrs. Einige Strecken tragen Gleise der Strassenbahn Genf oder werden vom Trolleybus Genf und von Buslinien der Transports publics genevois bedient.
Strassen Die Liste führt die Genfer Kantonsstrassen (französisch: Routes cantonales, abgekürzt: RC) gemäss dem Beschluss des Staatsrats des Kantons Genf vom 29. August 2012 über die Strassenkategorien im Kanton auf, zeigt an, welche Kantonsstrassen zugleich einen Abschnitt nationaler Hauptstrassen bilden, nennt Namen der Strassen und informiert über ihren Verlauf. Die oft nahe beieinander liegenden Grenzübergänge zu Frankreich sind mit den Nummern der dort aufgestellten Grenzsteine bestimmt.