mini|Karte des Schluckenauer Zipfels Der Schluckenauer Zipfel (, sinngemäß auch „Ausbuchtung“, „Vorsprung“), im historischen Volksmund auch Böhmisches Niederland (tschechisch České Nizozemí)Geologisch-botanische Exkursion in das Schluckenauer Hügelland und Lausitzer Gebirge, Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz, Juni 2016, pdf. oder mundartlich „Schluckscher Zippl“ genannt, ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Landschaft im äußersten Norden Tschechiens an der Grenze zu Deutschland. Zwischen den sächsischen Städten Sebnitz und Seifhennersdorf ragt das Gebiet in Richtung Deutschland, das den tschechischen „Zipfel“ fast komplett umschließt. Geomorphologisch trennt das im Süden befindliche Lausitzer Gebirge den nördlichen Teil ab, der vom Lausitzer Bergland (tschechisch Šluknovská pahorkatina, „Schluckenauer Hügelland“) gebildet wird. Administrativ gehört es zur Region Ústecký kraj und darin zum Okres Děčín. Das Gebiet war einst dicht besiedelt. Die größten Orte sind Varnsdorf (Warnsdorf), Rumburk (Rumburg) und Šluknov (Schluckenau).

Name Der Name Niederland als Gebietsbezeichnung, auch Böhmisches oder Nordböhmisches Niederland, entstand vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Entmachtung der Herrschaften und der beginnenden Ausbildung von Nationalstaaten. Die erste Erwähnung des Gebietsnamens findet sich 1833 bei dem böhmischen Autor Johann Gottfried Sommer (1782/83–1848) im Band 1: Der Leitmeritzer Kreis seines Werkes Das Königreich Böhmen. Im Jahr 1908 wurde die Wochenzeitung Niederland in Georgswalde (Jiříkov) gegründet.Walther Heide (Hrsg.): Handbuch der deutschsprachigen Zeitungen im Ausland. De Gruyter, Berlin und Leipzig 1935, S. 266 (Google-Books).Museum Jirikov: Fotos der Zeitung Niederland, Ausgabe von 23. September 1933. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Name zum Identifikationsmerkmal der „Niederländer“ innerhalb der Vertriebenengemeinschaft der Sudetendeutschen. Die monatliche Zeitschrift Unser Niederland erschien im Niederland-Verlag.Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa: Titelregister: Unser Niederland, mit ausführlichen bibliografischen Informationen zur Monatsschrift.Homepage des Niederland-Verlags. Mit dem Ableben des letzten verantwortlichen Redakteurs Johannes Liessel (1960–2025) stellte die thematisch grenzübergreifende Zeitschrift Unser Niederland ihr Erscheinen ein. Als zweiseitige Heimatausgabe gleichen Namens, die Bärbel Henß ehrenamtlich redaktionell bearbeitet, ist sie nun Bestandteil der Sudetendeutschen Zeitung.

Geografie mini|Schema der Sudeten mit (3) Lausitzer Bergland/Schluckenauer Hügelland (Šluknovská pahorkatina) und (5) Lausitzer Gebirge. Lage Das Niederland ist Teil der europäischen Mittelgebirgsschwelle, liegt im Nordrand der Böhmischen Masse und gehört zu den Westsudeten. Hier bildet es den südlichen Teil des Lausitzer Berglands.

Begrenzt wird es im Südwesten vom Elbsandsteingebirge, im Süden vom Lausitzer Gebirge und im Südosten vom Zittauer Gebirge. Im Nordwesten, im Norden und Nordosten wird es von Höhenzügen innerhalb des Lausitzer Berglands eingerahmt.

Das Böhmische Niederland ist ein Hügelland bzw. eine Hochebene mit eingestreuten Kegelbergen vulkanischen Ursprungs. Es wird von Tälern durchzogen, die zumeist in west-östlicher Richtung verlaufen. Naturräumlich (physisch-geographisch) handelt es sich überwiegend um das Schluckenauer Hügelland (tschechisch Šluknovská pahorkatina). Südöstlich erstreckt es sich ins Lausitzer Gebirge und südwestlich in den Nationalpark Böhmische Schweiz.

Relief und Klima mini|Relief der Sudeten. Links oben das Niederland. Das Relief des Niederlands entspricht einem kollinen bis submontanen Bergland. Es liegt auf 300 bis 400 Meter Höhe, aus der sich die Berge bis zu etwa 600 Metern erheben. Der größte Teil des Niederlands ist engräumig dicht zertalt, wodurch eine Vielzahl an Bächen entsteht. Vereinzelt gibt es einige breitere Sohlentäler und kleine Becken (beispielsweise beim zentral gelegenen Šluknov (Schluckenau)).

Das Hügelland ist niederschlagsreich (durchschnittlich über 900 mm) und subozeanisch bis subkontinental mit Durchschnittstemperaturen um 7 °C, mäßig warmen Sommern und kalten schneereichen Wintern.ReGIS Regionales Klimainformationssystem für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Klimadaten der an das Niederland angrenzenden Sächsischen Regionen. Infolge des kleinräumig wechselnden Reliefs entstehen mannigfache geländeklimatische Sonderverhältnisse.

Geologie und Böden Ursprünglich entstanden ist die Hochebene im Rahmen der Variszischen Gebirgsbildung auf dem Lausitzer Granitmassiv, einem Pluton, der im Südwesten in der Lausitzer Verwerfung abrupt endet, und der im Tertiär an verschiedenen Stellen von Vulkanen durchbrochen wurde.Das Astrolehrbuch: Die Kreidezeit in Deutschland (PDF-Datei), Power-Point-Präsentation, Weblink ohne weitere Quellenangabe. Darstellung der Geologie des Böhmischen Niederlands. Die heutige Landschaftsform hat sich im Tertiär und Quartär durch Verwitterung gebildet.Manfred Jeremies und Gerd Ritschel: Die Naturausstattung im Schluckenauer Zipfel (PDF-Datei) in: Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz, Band 19, S. 3–16, Görlitz 2011, ISSN 0-941-0-627.

Ausgangsgesteine für die Bodenbildung sind Granodiorit (Mitte bis Nord und Nordwest), Granit (Mitte bis Südost) und Kreidesandstein (Südwest).Manfred Jeremies und Gerd Ritschel: Die Naturausstattung im Schluckenauer Zipfel (PDF-Datei) in: Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz, Band 19, S. 3–16, Görlitz 2011, ISSN 0-941-0-627, siehe die geologische Karte des Niederlands auf S. 5. Resultierende Böden sind Braunerde, in den Kreidesandsteinbereichen Podsol und in den Tälern Auenböden.Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft: Bodenkarte der an das Niederland angrenzenden Sächsischen Regionen.

Hydrologie Das Böhmische Niederland ist von einer großen Zahl an Bachläufen durchzogen, die verschiedentlich aufgestaut sind und Teiche oder kleinere Seen bilden. Dazu gibt es viele Feuchtgebiete, Sümpfe und einzelne Moore (beispielsweise zwischen Vilémov und Velky Šenov).Geological localities. Interaktive Geologische Karte von Tschechien mit etwa 60 Kartierungpunken im Böhmischen Niederland. Die Bäche entwässern das Hügelland nach Westen zur Elbe, nach Norden zur Spree und nach Osten zur Lausitzer Neiße.

Im östlichen Niederland liegt die Hauptwasserscheide von Nord- und Ostsee. Sie trennt die benachbarten Flusssysteme von Elbe und Oder.Freistaat Sachsen, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie: Ereignisanalyse Hochwasser im August und September 2010 und im Januar 2011 in Sachsen. Dresden 22013. Darin sind die Fluss-Einzugsgebiete und ihre Grenzen dargestellt – Download als PDF-Datei möglich. Darüber hinaus liegt im zentralen und nordöstlichen Gebiet die Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet der oberen Elbe und dem Subsystem der Spree.

Hauptwasserläufe zur Elbe sind der Wölmsdorfer Bach (tschechisch Vilémovský potok), auf deutscher Seite Sebnitz genannt, und die Kirnitzsch (tschechisch Křinice). Der größte Zufluss zur Spree ist der Rosenbach (tschechisch Rožanský potok). Der östliche Teil des Niederlands wird von der Mandau (tschechisch Mandava) und ihren Zuflüssen entwässert.

Grenzen, Herrschaften und Verwaltung Im 12. Jahrhundert dehnten die Böhmischen Herzöge und Könige im Rahmen der Territorialisierung ihre Landesherrschaft auf Nordböhmen, bis ins Elbtal und in die Oberlausitz aus und es bildeten sich Staatsgrenzen. Ab dieser Zeit gehörte das Niederland kontinuierlich zu Böhmen. Die nördliche Staatsgrenze zu Sachsen wurde 1459 im Vertrag von Eger und die bereits seit spätestens 1319 bestehende (Binnen-)Grenze zur Oberlausitz im Prager Frieden (1635) festgeschrieben.

Das Niederland war Teil des unter den PřemyslidenAkademie der Wissenschaften zu Göttingen: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich: PŘEMYSLIDEN (Digitale Bibliothek). gebildeten Staates Böhmen. 1527 wurde es Teil des Erzherzogtums Österreich, ab 1867 gehörte es zum cisleithanischen Teil Österreich-Ungarns. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es Teil der Tschechoslowakei, 1938 vom Deutschen Reich erobert und 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg erneut Teil der Tschechoslowakei. Seit 1992 ist es das nördlichste Gebiet Tschechiens.

Mit der Ausbildung des böhmischen Feudalstaats und dem beginnenden Landesausbau entwickelte sich ein Subsystem an Herrschaften durch Adel, Klerus und Ministerialen, die im Auftrag des Herrschers Gebietsteile des Staats verwalteten und bewirtschafteten. Im Hoch- und Spätmittelalter wurde die Landesverwaltung und -bewirtschaftung von den Burgen aus betrieben, später wurden die Burgen aufgegeben und (Stadt-)Schlösser und Residenzen errichtet oder die Herrschaft wurde auf Hofgütern ausgeübt.

Die zu Beginn umfänglichste Herrschaft war Tollenstein-Schluckenau der Berka von Dubá.Hermann Knothe: Die Berka von der Duba auf Hohnstein, Wildenstein, Tollenstein und ihre Beziehungen zu den meissnischen Fürsten. In: Hubert Ermisch (Hrsg.): Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde, zweiter Band. Dresden 1881, S. 211–254 (Digitalisat). Weitere Herrschaften waren Lipová (Hainspach) und Rumburk (Rumburg). Durch Belehnung, Kauf, Vererbung, Verkauf, Enteignung und Neubelehnung entstand ein reger Handel mit Herrschafts- und Nutzungsrechten an Gebietsteilen, Städten, Dörfern und Dorfteilen im Niederland. Beteiligt waren Familien wie Wartenberg, Lipa, Dubá, Warnsdorf, Slawata, Salm-Reifferscheidt, Schleinitz, Mansfeld und Harrach.

In österreichischer Zeit wurden die politische Macht der Herrschaften und ihre Nutzungsrechte und Pflichten sukzessive eingeschränkt und eine von den Ständen losgelöste Verwaltung etabliert. Dazu wurden Kreise als Verwaltungseinheiten eingeführt – das Niederland gehörte zum Leitmeritzer Kreis. Als Folge der Revolution von 1848/1849 wurden die Patrimonialgerichte abgeschafft, Gerichtsbezirke eingeführt und eine kleinteilige Verwaltungsstruktur mit den Bezirken Schluckenau und Rumburg eingerichtet. 1908 wurde Warnsdorf aus dem Bezirk Rumburg ausgegliedert und kam als dritter Verwaltungsbezirk hinzu. Diese Bezirke bestanden in der Tschechoslowakei fort. Vom Deutschen Reich wurden die Bezirke mit geringen Gebietsabänderungen als die Landkreise Schluckenau, Rumburg und Warnsdorf übernommen. Sie bestanden in der Tschechoslowakei als Bezirke fort. Mit der Gründung des Staats Tschechien trat eine Verwaltungsreform in Kraft, durch die die bisherigen Bezirke aufgelöst und Rumburk und Varnsdorf zu Gemeinden mit erweitertem Wirkungsbereich erhoben wurden. Faktisch wurden dadurch die ehemaligen Bezirke Šluknov und Rumburk zusammengefasst, Varnsdorf besteht fort.

Politische Gliederung

Das Böhmische Niederland liegt in der Region Ústecký kraj und umfasst 18 selbstständige Gemeinden. Sie werden von zwei Gemeinden mit erweiterten Befugnissen verwaltet (Städte in fetter Schrift).

Rumburk Der Bezirk Rumburk umfasst eine Fläche von 266 km² mit einer Einwohnerzahl von (Stand: 1. Januar ). Zu ihm gehören sieben Städte und fünf Gemeinden: mini|Region Ústecký kraj (orange) mit dem Bezirk Rumburk (rot). Kommune dt. Name Einwohner Stand: 1. Januar Dolní Poustevna Nieder-Einsiedel Doubice Daubitz Jiříkov Georgswalde Krásná Lípa Schönlinde Lipová Hainspach Lobendava Lobendau Mikulášovice Nixdorf Rumburk Rumburg Staré Křečany Alt-Ehrenberg Šluknov Schluckenau Velký Šenov Groß-Schönau Vilémov Wölmsdorf Bezirksbüros befinden sich in den Städten Rumburk und Šluknov.

Varnsdorf Der Bezirk Varnsdorf umfasst 89 km² mit einer Einwohnerzahl von (Stand: 1. Januar ). Zu ihm gehören zwei Städte und vier Gemeinden: mini|Region Ústecký kraj (orange) mit dem Bezirk Varnsdorf (rot).