BasisdatenLandeskirche:Evangelische Landeskirche in WürttembergPrälatur:ReutlingenGliederung:35 KirchengemeindenGemeindeglieder:ca. 69.000Adresse des Dekanatamtes:Ruhe-Christi-Straße 21, 78628 RottweilDekan:Ulrich DewitzWebsite:www.kirchenbezirk-rottweil.de/ Der Evangelische Kirchenbezirk Rottweil ist einer von derzeit (2026) 35 Kirchenbezirken der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er entstand zum 1. Januar 2025 durch Fusion des Kirchenbezirks Tuttlingen und großer Teile des Kirchenbezirks Sulz am Neckar.
Geografie Der Kirchenbezirk Rottweil liegt im Südwesten der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasst die Landkreise Tuttlingen und Rottweil sowie die Stadtteile Schwenningen am Neckar und Weigheim der Stadt Villingen-Schwenningen im Schwarzwald-Baar-Kreis und die Gemeinde Beuron (ohne den Ortsteil Hausen im Tal) des Landkreises Sigmaringen.
Der Kirchenbezirk Rottweil gliedert sich in vier Teilgebiete, Rottweil Süd (Kirchengemeinden Neuhausen ob Eck, Geisingen, Hausen ob Verena, Immendingen, Mühlheim/Donau, Rietheim, Spaichingen, Tuttlingen), Rottweil West (Kirchengemeinden Aldingen, Schwenningen, Talheim, Trossingen, Tuningen), Rottweil Mitte (Kirchengemeinden Deißlingen, Fluorn, Locherhof, Rötenberg, Rottweil, Flözlingen-Zimmern, Schramberg und Lauterbach, Sulgen, Wehingen) und Rottweil Nord (Kirchengemeinden Aistaig, Bergfelden, Boll, Dornhan, Hopfau-Dürrenmettstetten, Marschalkenzimmern-Weiden, Mühlheim-Empfingen-Renfrizhausen, Oberndorf, Sigmarswangen, Sulz-Holzhausen, Trichtingen, Vöhringen, Wittershausen).
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Rottweil grenzt an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Westen): Freudenstadt, Calw-Nagold, Herrenberg, Tübingen und Balingen. Im Südwesten hat er eine Grenze zur Evangelischen Landeskirche in Baden.
Geschichte Der Kirchenbezirk Rottweil entstand durch Fusion der vormals separaten Kirchenbezirke Tuttlingen und Sulz am Neckar, jedoch ohne die Gemeinden, die in den Landkreisen Zollern-Alb und Freudenstadt liegen (also z. B. Rosenfeld und Horb) und deshalb Teil der Kirchenbezirke Balingen und Freudenstadt wurden.
Das Gebiet des ehemaligen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Tuttlingen ist infolge der früheren Zugehörigkeit zu Vorderösterreich, zur Reichsstadt Rottweil und zum Fürstentum Fürstenberg sowie zu kleineren Herrschaften überwiegend katholisch geprägt. Nur Tuttlingen selbst, Schwenningen a. N., Trossingen mit Schura, Aldingen, Tuningen, Talheim, Rietheim, Hausen ob Verena und Neuhausen ob Eck gehörten zum alten Kernland Württembergs, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. In die meisten anderen Orte zogen überwiegend erst seit dem 19. Jahrhundert evangelische Bewohner zu und es wurden evangelische Kirchengemeinden gegründet.
Tuttlingen wurde nach Einführung der Reformation 1535 Sitz einer Spezialsuperintendentur, die zunächst zum Generalat Bebenhausen gehörte. 1810 kam das Dekanat Tuttlingen zum Generalat Tübingen, 1823 zum Generalat Reutlingen und 1913 zum Generalat Ulm, aus dem 1924 die heutige Prälatur Ulm hervorging. Seit 1956 gehört es zur Prälatur Reutlingen.
Am 1. Januar 1977 wurden die Kirchengemeinden Geisingen, Immendingen und Möhringen sowie die Bewohner aus Eßlingen von der Evangelischen Landeskirche in Baden in die württembergische Landeskirche umgegliedert.
Das Gebiet des ehemaligen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Sulz am Neckar gehörte vor 1800 zu einer Vielzahl von Herrschaften. Davon führten nur wenige, darunter Württemberg, die Reformation ein. Daher ist das Gebiet mehrheitlich katholisch geprägt. Evangelisch ist vor allem der Raum Sulz am Neckar, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Die Stadt wurde alsbald auch Sitz einer Spezialsuperintendantur, die jedoch von 1583 bis 1616 den Äbten von St. Georgen bzw. Alpirsbach unterstand. Seit 1617 ist Sulz Sitz der Spezialsuperintendantur, heute Dekanat. Sie gehörte zunächst zum Generalat Bebenhausen, ab 1810 zu Tübingen, ab 1823 zu Reutlingen, ab 1913 zu Ulm und schließlich wieder zum Generalat Reutlingen, aus dem die heutige Prälatur Reutlingen hervorging.
Bis 1919 gehörte auch die Kirchengemeinde Alpirsbach zum Kirchenbezirk Sulz am Neckar. Durch Bekanntmachung des Konsistoriums vom 4. Juli 1919 wurde sie in den Kirchenbezirk Freudenstadt umgegliedert.
Zum 1. Januar 2025 erfolgte die Fusion zum neu gegründeten Kirchenbezirk Rottweil.
Leitung Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan.
Dekane des Kirchenbezirks Rottweil ab 2025
zunächst Ulrich Dewitz und Christoph Hofius als Administratoren seit Oktober 2025: Ulrich Dewitz
Dekane des ehemaligen Kirchenbezirks Tuttlingen 1781–2024 mini|Die Stadtkirche Tuttlingen war Sitz der Dekane des Kirchenbezirkes Tuttlingen
1781–1803 Johann Samuel Heller 1804–1819 Johann Immanuel Schmid 1819–1838 Karl Friedrich Kapff 1839–1842 Christian Gottlob von Moser 1842–1850 Friedrich Jakob Philipp Heim 1851–1879 Julius Hartmann 1880–1897 Karl Friedrich Jäger (1825–1903) 1898–1908 Friedrich Fischer (1853–1933) 1909–1920 Joseph Haller 1921–1933 Paul Hinderer (1870–1937) 1933–1934 ? Fircher (?) 1934–1935 ?? kommissarisch 1935–1948 Manfred Ebbinghaus 1948–1953 Ernst Lachenmann 1953–1965 Friedrich Stichler (1900–1996) 1965–1975 Erhard John (1920–2007) 1975–1987 Walter Schlenker (1928–2018) 1988–1997 Martin Mayer (1935–2013) 1998–2012 Frank Morlock (* 1952) 2012–2022 Sebastian Berghaus (* 1963) 2022–2024 Ulrich Dewitz (Administrator) (* 1972)
Dekane des ehemaligen Kirchenbezirks Sulz am Neckar 1793–2024
1793–1814 Johann Georg Bauder 1815–1824 Johann Friedrich Christian Hartmann 1824–1843 Gottlieb Friedrich Binder 1844–1857 Karl Gottlieb Hegelmaier 1857–1864 Paul Friedrich Lang 1864–1870 Christian Friedrich Kalchreuter (1819–1904) 1871–1877 Ulrich Finckh (1825–1897) 1877–1887 Robert Kern 1887–1892 Alfred Friedrich Klemm 1892–1903 Hermann Friedrich Öffinger 1903–1917 Gottlob Meidele 1918–1925 Wilhelm Keller 1926–1936 Hermann Findeisen 1937–1944 Albrecht Schmidt 1944–1953 Ernst Rapp (1898–1988) 1953–1968 Alfons Schosser (1905–1974) 1968–1988 Karl Hartmann (1925–1998) 1988–1996 Wilhelm Scheytt (* 1931) 1997–2012 Claus-Dieter Stoll (* 1948) 2012–2022 Ulrich Vallon (* 1959) 2022–2024 Christoph Hofius (Administrator) (1966–2026)
Einrichtungen
Bezirksjugendwerk Die bis dahin noch selbständigen Bezirksjugendwerke Tuttlingen und Sulz am Neckar fusionierten 2026 zu einem gemeinsamen Bezirksjugendwerk Donau-Neckar.
Kirchengemeinden
Aistaig mini|hochkant|Galluskirche in Aistaig Die Kirchengemeinde Aistaig umfasst den Stadtteil Aistaig der Stadt Oberndorf am Neckar, wobei der Weiler Lautenbach erst durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 10. Mai 1928 von der Kirchengemeinde Oberndorf in die Kirchengemeinde Aistaig umgegliedert wurde. Eine Pfarrei wird in Aistaig bereits 1275 erwähnt. Die Kirche, ursprünglich Filiale von Oberndorf am Neckar, war dem Heiligen Gallus geweiht. Die heutige Kirche wurde 1404 erbaut, das Schiff 1764. Die Kirche beherbergt vier Glocken, von denen eine aus dem 13. Jahrhundert stammt. 2008 wurde ein neues Gemeindehaus errichtet.
Aldingen alternativtext=Mauritiuskirche in Aldingen|links|mini|Mauritiuskirche in Aldingen Die Kirchengemeinde Aldingen umfasst die Gemeinden Aldingen (mit Aixheim), Denkingen und Frittlingen. 1258 wurde in Aldingen bereits ein Pleban an der Pfarrkirche St. Mauritius erwähnt. Über die Herren von Blumberg gelangte der Kirchensatz an die Johanniterkommende Rottweil. Nach der Reformation wurde Aldingen evangelisch und 1549 wurde die Kirche erneuert. Weitere Veränderungen gab es 1593 und 1720. 1887 wurde sie renoviert.
Die Nachbarorte Aixheim, Denkingen und Frittlingen blieben nach der Reformation katholisch. Die überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogenen evangelischen Bewohner wurden der Kirchengemeinde Aldingen zugeordnet. 1968 wurde in Denkingen im Wohngebiet Lachen eine eigene evangelische Kirche erbaut.
Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 18. März 1949 wurde die Kirchengemeinde Aldingen um die Orte Egesheim (mit Bärental/Hammer), Königsheim und Reichenbach am Heuberg (ohne Holzwiesen), die bis dahin zur Kirchengemeinde Oberdigisheim (Kirchenbezirk Balingen) gehörten, vergrößert. In diese Orte waren evangelische Bewohner überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen. Durch Bekanntmachung vom 14. April 1953 wurden diese Orte (wieder) von der Kirchengemeinde Aldingen abgetrennt und zusammen mit den bereits zuvor zu Aldingen gehörigen Orten Wehingen, Gosheim und Deilingen zur neuen Kirchengemeinde Wehingen zusammengeschlossen. Dieser neuen Kirchengemeinde wurde darüber hinaus noch Bubsheim (bisher zur Kirchengemeinde Rietheim gehörig) zugeordnet.
Bergfelden mini|hochkant|Remigiuskirche in Bergfelden Die Kirchengemeinde Bergfelden umfasst den Stadtteil Bergfelden der Stadt Sulz am Neckar. Die erste Kirche der fränkischen Siedlung (um das Jahr 600) wurde bereits ihrem Nationalheiligen Remigius, dem Bischof von Reims, geweiht. Die heutige Remigiuskirche, die zu den schönsten und besterhaltenen Kirchenburgen des Landes zählt, wurde in den Jahren 1513–1517 erbaut und ebenfalls dem Heiligen Remigius geweiht. Die drei Glocken in dem 36 m hohen Wehrturm wurden 1427 und 1470 gegossen, die älteste in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. An der Chornordwand wurden bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1940 wertvolle Fresken freigelegt.
In der Kirchengemeinde gibt es einen 1935 gegründeten Kirchenchor mit 25 Mitgliedern und einen Posaunenchor mit 31 Mitgliedern (Stand im Jubiläumsjahr 2008), der 1958 vom damaligen Pfarrer Auer gegründet wurde. Die bis 1957 zur Kirchengemeinde Bergfelden gehörigen Evangelischen aus Bernstein wurden durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 7. Januar 1957 der Kirchengemeinde Renfrizhausen zugeordnet.Internetauftritt der Kirchengemeinde Bergfelden
Boll links|mini|hochkant|Evangelische Kirche Boll Die Kirchengemeinde Boll umfasst die Stadtteile Boll und Bochingen der Stadt Oberndorf am Neckar.
Boll gehörte zunächst dem Kloster Alpirsbach. 1439 wird eine Nikolaus-Kapelle erwähnt, die aber mindestens seit 1360 bestand. Sie war Filialkirche der Remigiuskirche in Oberndorf. Mit dem Kloster Alpirsbach gelangte Boll an Württemberg. Von dort wurde 1535 die Reformation eingeführt und der Ort der Pfarrei Wittershausen zugeordnet. 1836 kam Boll (wieder) zur Pfarrei Oberndorf und bildete eine Filialkirchengemeinde von Oberndorf. 1959 wurde in Boll dann eine eigene Pfarrverweserei errichtet und durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 16. November 1962 wurde die Filialkirchengemeinde Boll von der Muttergemeinde Oberndorf losgelöst und zur selbständigen Kirchengemeinde erhoben. 1981 wurde Boll dann selbständige Pfarrei, der auch Bochingen zugeordnet wurde. Waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch alle Einwohner Bolls evangelisch, so betrug der Anteil der Evangelischen im Jahr 2006 lediglich noch ca. 58 %.
Die Kirche in Boll ist eine einschiffige Hallenkirche mit flacher Decke und gotischem kreuzrippengewölbtem Chor, worin sich Altar und Orgel unter dem Turm befinden. Der Turm trägt ein Satteldach. Er war ursprünglich als Wehrturm genutzt und wurde später erhöht. Die Sakristei wurde östlich angebaut. Das Altarkreuz hat einen wohl spätgotischen Korpus. 1814 wurde die Kirche umfangreich umgebaut. Dabei wurden Dach und Giebel verändert, der Eingang von der Süd- auf die Westseite verlegt sowie eine Empore eingebaut. 1954 erfolgte der Rückbau der Empore im Chor und der Einbau einer neuen Empore im Westteil. Ferner wurden 1954 die Decke, das Gestühl, der Altar und die Kanzel erneuert. 1993 wurden die Fassaden außen und innen saniert.