Hedda Sauer (geborene Hedwig Rzach; * 24. September 1875 in Prag; † 21. März 1953 ebenda) war eine deutsche Dichterin und Übersetzerin in Prag. Sie gehörte mit ihrem Mann August Sauer zur dortigen Kultur- und Künstlerszene und hatte Kontakte zu Rainer Maria Rilke, Ellen Key, Bertha von Suttner und anderen Persönlichkeiten.

Leben Hedwig war eine Tochter des Germanistikprofessors Alois Rzach und dessen tschechischer Frau Hedwig Polak (Hedvika Poláková), deren Vater Prokop Polak ein angesehener Jurist in Prag war.Standesamteintrag 1875 Katalog AHMP, in der dritten Zeile ist ihr Geburtseintrag, mit Angabe zu den Eltern und dem Taufpaten.Hedwig Sauer Geni, mit vielen Angaben und Nachweisen.Sophie Pataky, Lexikon deutscher Frauen der Feder, 2, 1898, S. 218, mit kurzen Angaben zur Mutter Hedwig Rzach. Ihre Geschwister waren Otto Rzach (1876–nach 1945) und Edith Buhre (1878–1941). Hedwig Rzach besuchte die Ordensschule der Englischen Fräulein in Prag.

1892 heiratete Hedda kurz vor ihrem 17. Geburtstag den neu ernannten Germanistik-Professor August Sauer, der zu dieser Zeit 37 Jahre alt war. Die beiden hatten in den folgenden Jahren viele Kontakte zu Wissenschaftlern, Schriftstellern und Künstlern der Stadt und luden öfter zu Gesellschaften in ihren Salon. Zu ihnen gehörten Rainer Maria Rilke, der von August Sauer besonders gefördert wurde, und mit dem Hedda Sauer einen gelegentlichen Briefwechsel zwischen 1897 und 1912 führte, sowie auswärtige Gäste wie die schwedische Schriftstellerin Ellen Key und die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner. Von den Prager Schriftstellern hatte Hedda Sauer einen intensiveren Kontakt zu Hugo Salus. Seit 1906 war sie die erste Vorsitzende des neuen Klubs deutscher Künstlerinnen in Prag.

Nach dem Tod ihres Mannes 1926 zog sie zu ihrem verwitweten Vater. Sie blieb auch nach 1938 und 1945 in ihrer Heimatstadt und lebte weiter in Smichow.

Rezeption Rainer Maria Rilke lobte 1900, die Gedichte in ihrem Band Ins Land der Liebe seien

Und die schwedische Schriftstellerin Ellen Key lobte ihren Band „Wenn es rote Rosen schneit“ (1905)

Der Literaturhistoriker Max Geißler urteilte über ihr Werk 1913

Der Literaturkritiker August Gebhard war da 1900 weniger freundlich

Publizistisches Werk Hedda Sauer veröffentlichte mehrere Gedichtbände und einen Prosaband, außerdem Gedichte und feuilletonistische Geschichten in verschiedenen Zeitungen, wie im Prager Abendblatt und später in Deutsche Arbeit, die ihr Mann zeitweise leitete.Deutsche Arbeit. Monatsschrift für das geistige Leben der Deutschen in Böhmen, 1907/1908, S. 7, 179, 329, 650 (Digitalisat); auch 1908/1909, S. 39, 104, 369, 444, 477 (Digitalisat). Dazu übersetzte sie Gedichte aus dem Italienischen ins Deutsche und Texte aus dem Deutschen ins Tschechische. Vier Gedichte von ihr wurden von Josef Bohuslav Foerster vertont.Sauer, Hedda IMSLP.

Einzelveröffentlichungen

Im Frühling, Gedichte. Prag 1892. Gedichte. Prag, 1895. Ins Land der Liebe, Gedichte. J. G. Calve’sche k. u. k. Hof- u. Universitäts-Buchhandlung (Josef Koch), Prag 1900, auch mit übersetzten italienischen Gedichten von Ada Negri. Wenn es rote Rosen schneit, Gedichte. C. Bellmann, Prag 1904. Gedichte. Deutsch-Österreichischer Verlag, Wien 1912. Bei den gefangenen Tieren, Gedichte. Sudetendeutscher Verlag, Wien, Reichenberg 1920. Biblische Balladen. Franz Kraus, Reichenberg 1923. Goethe und Ulrike. Franz Kraus, Reichenberg 1925, kurze Auszüge; Prosa über die Beziehung von Goethe zu Ulrike von Levetzow (über die auch ihr Mann bereits geschrieben hatte). An Himmlischem Ort, Gedichte. Franz Kraus, Reichenberg 1926.

Literatur

Šárka Moravcová: Themen und Motive in Gedichten von Hedda Sauer. Univerzita Ústí nad Labem, Diplomová práce [Diplomarbeit], 2023 (PDF).

Ilse Korotin (Projektleiterin): Die Frauen des jüdischen Prager Kreises. Endbericht. Wien 2008, S. 71–72 (PDF, mit einigen biographischen Angaben). Christoph Fackelmann (Hrsg.): Literatur – Geschichte – Österreich. Thematische Festschrift zur Feier des 70. Geburtstags von Herbert Zeman. Lit, Wien 2011, S. 129–226 (Google Buch; zu August Sauer, mit vielen Erwähnungen von Hedda Sauer). Paul Remer: Neue Frauendichtung. In: Das literarische Echo, 1907/1908, Sp. 927–932, hier Sp. 929 (Google Buch, Rezension mit einzigem feststellbarem Foto in zeitgenössischen Publikationen). Sophie Pataky: Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 2. Berlin 1898, S. 225–226 (zeno.org). Herbert Cysarz; Erinnerung an Hedda Sauer. In: Sudetendeutscher Kulturalmanach. München 1964. S. 33ff. (kurze Auszüge). Philologica Pragensia. 9/10. 1966. S. 292ff. (kurze Auszüge). Dieter Sudhoff (Hrsg.): Holunderblüten. Erzählungen deutscher Schriftstellerinnen aus Böhmen und Mähren. Arco, Wuppertal 2005.

Weblinks

Hedwig Sauer Geni, mit Nachweisen und Foto

Einzelnachweise

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