Vicus und Miliarium von Aiton sind römerzeitliche archäologische Befunde und ein damit in Zusammenhang stehender Fund auf dem Gebiet der Gemeinde Aiton im siebenbürgischen Kreis Cluj in Rumänien. Im Altertum befand sich dort ein Vicus (Dorf), durch den die Fernstraße von Apulum über Potaissa nach Napoca führte. Das Miliarium (Meilenstein) markierte die Entfernung bis Potaissa, dem nächstgelegenen bedeutenderen Ort. Vermutlich befand sich in Aiton auch eine Mansio. Der antike Name des Ortes ist nicht bekannt.

Vorrömische Besiedlung Das Gebiet von Aiton lag in einer alten Siedlungskammer. Dort waren im Laufe der Zeit schon Befunde identifiziert und Fundmaterialien aus den verschiedensten vorgeschichtlichen Epochen geborgen worden: Neolithische Siedlung der Turdaş-Kultur (Vinča-Kultur, 5400–4600 v. u. Z.) Chalkolithische Siedlung der Tiszapolgár-Kultur (4500–4500 v. u. Z.)Drago Diaconescu: Cultura Tiszapolgár în România. Altip, Alba Iulia 2009, ISBN 978-973-117-244-6. Bronzezeitliche Siedlungen der Coţofeni-Kultur (3500–2500 v. u. Z.) Glina-Schneckenberg-Kultur (2600–2000 v. u. Z.) Wietenberg-Kultur (2200–1500 v. u. Z.) Otomani-Kultur (1750–1400 v. u. Z.) eisenzeitliche Siedlungen der Hallstattzeit (800–450 v. u. Z.) Latènezeit (450 v. u. Z. – Zeitenwende)Mihai Blăjan und Tiberiu Cerghi: Cercetări arheologice la Aiton, Cluj-Napoca şi Răchiţele (jud. Cluj). In: Sargetia. Acta Musei Devensis, Band 13, 1977, S. 131–147 (Digitalisat)

Vicus und Mansio Untersuchungen im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts und im 21. Jahrhundert zeigten, dass sich im Gebiet von Aiton in römischer Zeit wohl ein kleinerer ländliche Siedlungsschwerpunkt am südlichen, sowie ein weiterer mit einer vermutlichen Mansio (Herberge) am nördlichen Rand des heutigen Dorfes befunden haben.Florin Fodorean: ‘A Potaissa Napocae MP X’. Trajan’s imperial road and the mansio from Aiton (Cluj County). In: Acta Archaeologica Hungarica, Band 66(1), 2015, S. 217–232 (Digitalisat). Insgesamt konnten folgende römische Fundstellen auf dem Dorfgebiet lokalisiert werden:Nach Florin Fodorean (2015), der seinerseits für die Gebäude Iancu Moţu (1990/1991) und für die Fundstellen in erster Linie Iudita Winkler (1992) ausgewertet hat. Die Buchstaben der Gebäude und die Nummern der Fundstellen folgen den Bezeichnungen Fodoreans.

mini|hochkant|Schematischer Grundriss des Gebäudes B (1913) Nördlicher Dorfbereich: Gebäude B (Mansio):Schon 1913 hatte Márton Roska am Nordrand des Dorfes in einer Podul de piatră (Steinbrücke) genannten Flur ein größeres fünfräumiges Gebäude mit L-förmigem Grundriss ausgegraben.Posibilă aşezarea romană de la Aiton - Podul de Piatră auf ran.cimec.ro (rumänisch), abgerufen am 1. Dezember 2025. Einer der Räume (Raum E) hatte eine Apsis und war hypokaustiert, ein anderer (Raum B) verfügte über ein außen angebautes Praefurnium. Die Mauern waren in der Technik des Opus incertum errichtet worden und durchschnittlich 0,5 m dick.Márton Roska: Rόmaikori villa Ajton (Kolozs vm.) határában. In: Dolgozatok, Band 6, 1915, S. 48–50. Erst später wurde der Gebäudekomplex aufgrund seiner Nähe zur römischen Straße und der idealen Reiseentfernungen zu den Garnisonsorten Potaissa (rund 15 km) und Napoca (rund 21 km) als vermutliche Mansio interpretiert. Wie Adriana Panaite 2004 grundsätzlich erarbeitet hatte,Adriana Panaite: Villa rustica or mansio?. In: Ephemeris Dacoromana, Band 12.1, 2004, S. 185–201. kann jedoch auch nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem Gebäude B um eine oder den Teil einer Villa rustica handelt. Gebäude G:In der Flur Locul lui Poţu, in Rufweite von Gebäude B entfernt, befindet sich dieses zumindest teilhypokaustierte dreiräumige Bauwerk. Ob ein struktureller Zusammenhang zwischen den Gebäuden bestand, ist nicht bekannt. Unter dem Fundmaterial befand sich auch ein Sestertius des Antoninus Pius für Faustina die Jüngere, der in den Jahren 149/150 geprägt worden war.Iancu Moţu, 1990/1991, S. 175, 194 und Abb. 2 Gebäude H:Gebäude H wurde aufgrund der Fundamente einer Steinmauer sowie von Funden verstreuter Ziegel- und Steinbruchstücke, vergesellschaftet mit römischer Keramik, identifiziert. Auch der Rest einer steinernen Säule wurde dort gefunden. Fundstelle 10:Bei Am nördlichen Dorfende, in den Fluren La Izvoare und Butură wurde eine Menge römerzeitlicher Keramik geborgen. Es konnten jedoch keine Befunde identifiziert werden.Winkler, 1992, Nr. 16 Fundstelle 9:Ungefähr bei Zwischen den Gebäuden B und H war reichlich Fundmaterial vorhanden, jedoch ohne weitere Befunde. Darunter befanden sich Fragmente von Inschriften, zwei Waffen und einer Dreifußschale, sowie weitere Artefakte.Winkler, 1992, Nr. 13

mini|Bereich der Fundstelle 6 Zentraler Dorfbereich: Fundstelle 8:Bei Bei landwirtschaftlichen Arbeiten wurde dort gehäuft römische Keramik gefunden. Die folgenden Ausgrabungen förderten die Ecke der Fundamente eines Gebäudes zu Tage.Winkler, 1992, Nr. 11 Fundstelle 7:Bei Diese umfang- und inhaltsreiche Fundstelle am westlichen, Podul de Piatră (Steinbrücke) genannten Rand der Gemeinde, wurde bereits 1913 von M. Roska ergraben. Er fand Spuren römischer Gebäude (Mauern, Steine, Ziegel), darunter ein Gebäude mit fünf Räumen, dessen Mauern in der Technik des Opus incertum errichtet, und dessen Böden mit Opus caementicium gestaltet waren. Unter den gefundenen Scherben befand sich das Fragment einer Amphore mit der Inschrift VIRGIN.Iancu Moţu, 1990/1991, S. 194 und Abb. 2 Fundstelle 6:Bei Fund einer weiblichen Terrakotta-Statuette römischer Provenienz im Garten der Reformierten Kirche.55605.15

Südlicher Dorfbereich: Gebäude C:Bei Gebäudespuren im Garten eines Hauses.Iancu Moţu, 1990/1991, S. 176. Gebäude D:Bei Dort wurde 7,10 m lange Mauer gefunden, die dieselbe Ausrichtung wie die römische Straße hatte und von der noch drei Steinreihen erhalten waren.Iancu Moţu, 1990/1991, S. 176 und Abb. 2. Gebäude EUngefähr bei Gebäudespuren im Garten eines Hauses.Winkler, 1992, Nr. 12 Fundstelle 5:Ungefähr bei Römische Funde in den Gärten der Häuser.Winkler, 1992, Nr. 12 Fundstelle 4:Ungefähr bei Der Befund besteht aus dem 11,6 m langen Stück eines Abwasserkanals, oberhalb dessen Sandsteinbruchstücke eines dem IOM (Iupiter Optimus Maximus) geweihten Altars geborgen werden konnten.Winkler, 1992, Nr. 15

Bereich der südlichen Ortsausfahrt: Fundstelle 3:Bei Die Spuren mehrerer Steinmauern konnten dort beobachtet werden.Winkler, 1992, Nr. 18 Fundstelle 2:Ungefähr bei Das mit Lehm gebundene Steinfundament eines 14,0 m mal 17,6 m (246 m²) messenden, mehrräumigen Gebäudes, dessen Aufgehendes aus einer Holzkonstruktion bestand und das mit Ziegeln eingedeckt war, wurde hier ergraben. Vergesellschaftet war der Befund mit zahlreichen Steinen, Ziegel- und Keramikfragmenten.Winkler, 1992, Nr. 10 Fundstelle 1:Ungefähr bei Keramikfragmente unweit des Baches Togu.Winkler, 1992, Nr. 17

Ferner wurden im Gebiet zwischen den Dörfern Aiton, Rediu und Mărtineşti Ruinen einiger römischer Gebäude entdeckt,Ungefähr bei wahrscheinlich einer Villa Rustica, in denen sich Keramikfragmente und Ziegel (darunter einer mit dem Stempel der Legio V Macedonica) befanden.Winkler, 1992, S. 329 Und zwischen Aiton und dem Dorf Ceanu MicUngefähr bei wurde von einem Sondengänger eine sehr große Anzahl Metallgegenstände (Münzen, Schmuck, Gürtelschnallen, Knöpfe, Ringe, Fibeln etc.) gefunden.Carmen Ciongradi: Descoperirile izolate de la Ceaunu Mic auf ran.cimec.ro (rumänisch), abgerufen am 13. Januar 2025.

Das Fundmaterial insgesamt zeugt von Vielfalt und einem gewissen Wohlstand, der wohl dem fruchtbaren Land, den nahe gelegenen Salzbergwerken von Cojocna und Potaissa, sowie den kommerziellen Möglichkeiten, die sich durch die Lage an der Fernstraße ergaben, zu verdanken war. Die Reihe der insgesamt nur fünf Fundmünzen setzt sich wie folgt zusammen:

PrägungDatierungNominalHadrian119–138AsAntoninus Pius für Faustina die Ältere141–164AsAntoninus Pius für Faustina die Jüngere149–150SesterzPhilippus Arabs244–249SesterzTheodosius I.379–395Solidus Iudita Winkler: Aiton. In: Ion Horaţiu Crişan, Mihai Bărbulescu, Eugen Chirilă, Valentin Vasiliev, Iudita Winkler: Repertoriul arheologic al judeţului Cluj. (= Biblioteca Musei Napocensis, 5), Muzeul de Istorie al Transilvaniei, Cluj-Napoca 1992, S. 21–26.Iudita Winkler: Drumul Roman Napoca-Potaissa. In: Potaissa, Band 2, 1980, S. 63–73.Iudita Winkler: Drumul Roman Napoca-Potaissa II. In: Acta Musei Napocensis, Band 19, 1982, S. 587–589.Florin Fodorean: ‘A Potaissa Napocae MP X’. Trajan’s imperial road and the mansio from Aiton (Cluj County). In: Acta Archaeologica, Band 66(1), 2015, S. 217–232 (Digitalisat).Iancu Moţu: Aşezarea rurală romană de la Aiton (jud. Cluj). In: Acta-Mvsei-Porolissensis, Band 14–15, 1990–1991, S. 175–219 (Digitalisat).

Miliarium mini|hochkant|Zeichnung des Miliariums (nach Johann Seivert, 1773) Auf dem Gebiet der Gemeinde Aiton war schon 1758 von dem Theologen Mihály Szathmári Pap das Miliarium entdeckt worden. Den Stein und seine Inschrift zeigte Pap erst 1773 dem Historiker Johann Seivert, der seinen Wert für die Wissenschaft erkannte und ihn zeichnerisch dokumentierte. Nur dadurch blieb er überliefert, da das Original im Laufe der Zeit verloren ging. Auch Seivert geriet in Vergessenheit und seine Zeichnung wurde erst zu Beginn der 1980er Jahre durch die Archäologin Iudita Winkler in der Zentralbibliothek von Cluj-Napoca wiederentdeckt und anschließend publiziert.Iudita Winkler: Date noi despre CIL III, 1627, cea dintâi atestare epigrafică a Potaissei (New data about CIL III, 1627, the first epigraphic mention of Potaissa). Potaissa, Band 3, 1982, S. 80–84.

Der exakte Fundort des Meilensteins ist heute nicht mehr bekannt. Die Inschrift lautet:

Diese Lesung ist nicht ganz unstrittig. Üblicherweise wird der Ausdruck „Potaissa Napocae“ in der rumänischen Fachliteratur mit „von Potaissa nach Napoca“ übersetzt, da die Genitivform des Namens Napoca einen Ort ausdrückt (Genitivus locativus) und nicht, wie hier, eine Zugehörigkeit. Andererseits wird im Lateinischen die Richtung normalerweise durch den Akkusativ plus einer Präposition ausgedrückt, müsste in diesem Fall also „(ad) Napocam“ lauten. Daher kann die von Theodor Mommsen formulierte Hypothese nicht ausgeschlossen werden, dass Napoca (auch) der Name einer Region war, zu der die Ortschaft Potaissa gehörte.

Durch die genauen Angaben zu Trajans Regierung lässt sich die Inschrift auf die Jahre 107/108 datieren, als die hier genannte Cohors I Flavia Ulpia Hispanorum im Kontext der Erschließung der neu gewonnenen Provinz vermutlich am Bau der Straßenverbindung von Potaissa nach Napoca beteiligt war. Ein derartig gemischter Verband aus Reitern und Fußsoldaten eignete sich ausgezeichnet für eine solche Aufgabe: während die Kavalleristen das noch unbekannte Gebiet explorierten, konnten sich die Infanteristen dem eigentlichen Straßenbau widmen. Ein kleines Stück der Straße selbst konnte im Schulhof der Grundschule von Aiton nachgewiesen werden, wurde aber aus konservatorischen Gründen wieder mit Erde bedeckt.Felix Marcu und Elena Rusu: Forschungsbericht 2023 auf ran.cimec.ro (rumänisch), abgerufen am 1. Dezember 2025.Vestigiile drumului Napoca - Potaissa de la Aiton - La cruci auf ran.cimec.ro (rumänisch), abgerufen am 1. Dezember 2025.

Denkmalschutz Die archäologischen Stätten von Turda sind nach dem 2001 verabschiedeten Gesetz Nr. 422/2001 als historische Denkmale unter Schutz gestellt und mit verschiedenen LMI-Codes in der nationalen Liste der historischen Monumente (Lista Monumentelor Istorice) eingetragenListe der historischen Monumente auf den Internetseiten des Ministeriums für Kultur und nationales Erbe und es gibt einige RAN-CodesRAN 52268.01.