Hermann Schacht (* 15. Juli 1814 in Ochsenwerder bei Hamburg; † 20. August 1864 in Bonn) war ein deutscher Botaniker.
Leben Schacht war ein Sohn des Pfarrers Heinrich Christian Schacht († 1846) und seiner Frau Anne-Amélie, geborene Oberdörffer, und erhielt von seinem Vater den ersten Unterricht. Er wurde 1829 nach Altona zu einem Pharmazeuten in die Ausbildung gegeben. Anschließend arbeitete er in mehreren Städten als Apotheker, unter anderem in Aachen, Braunschweig und Hamburg. Er studierte in den Jahren 1841 bis 1842 Naturwissenschaft an der Universität Jena. Nach seiner Rückkehr nach Altona lernte er den Hepatologen Karl Moritz Gottsche kennen, begann sich, von diesem inspiriert, mit den Lebermoosen zu beschäftigen und fertigte für die Synopsis Hepaticarum eine größere Anzahl von Zeichnungen als Vorlagen für Bildtafeln an, insbesondere für die Arten der Gattung Mastigobryum. Seine erste wissenschaftliche Veröffentlichung war ein Aufsatz zu seinen Beobachtungen über die Befruchtung von Cucumis sativus, die 1845 in den Annalen des Hamburger Naturhistorischen Vereins erschien. Im Jahr darauf veröffentlichte er gemeinsam mit dem Chemiker Jansen ein Werk über Kartoffelkrankheiten. Im Frühjahr 1847 gab er seinen Beruf als Apotheker auf, beschäftigte sich mit phytotomischen und pflanzenphysiologischen Studien und wurde Assistent Matthias Jacob Schleidens in Jena.
mini|hochkant=0.6|Grabstätte auf dem Alten Friedhof Bonn Nachdem Schacht zum Doktor der Philosophie promoviert worden war, verließ er gegen Ende des Jahres 1850 Jena und ließ sich in Berlin nieder. Im Jahr 1851 veröffentlichte er die erste Auflage seines Buches Das Mikroskop und seine Anwendung, eine Anleitung zum Umgang mit dem Mikroskop mit Studien zur Pflanzenanatomie und -physiologie. Schacht war bei seinen Studien auf hochwertige Mikroskope angewiesen. 1847 war er der Käufer des ersten von Carl Zeiß hergestellten einfachen Mikroskops gewesen. Als Zeiß 1857 erstmals ein zusammengesetztes Mikroskop fertigte, war Schacht erneut der erste Nutzer.Stephan Paetrow, Wolfgang Wimmer: Carl Zeiss: eine Biografie: 1816–1888. Herausgegeben vom Zeiss-Archiv. Carl Zeiss AG, Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2016, ISBN 978-3-412-50387-1. S. 44 und 62.
Schacht gehörte zu den Wissenschaftlern der jüngeren Generation, die von Alexander von Humboldt gefördert wurden. Er wurde 1853 Privatdozent an der Universität Berlin und bereiste 1856 und 1857 aus gesundheitlichen Gründen, aber auch, um dort botanische Studien durchzuführen, die Insel Madeira und die Kanaren. Im Jahr 1854 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. 1860 erhielt er als Nachfolger des Botanikers Ludolf Christian Treviranus die Professur für Botanik an der Universität Bonn.
Seine letzte Ruhestätte fand Hermann Schacht auf dem Alten Friedhof Bonn.
Ehrungen 1852 erhielt Schacht vom König von Preußen die große Goldmedaille für wissenschaftliche Verdienste. Nach Schacht ist die Pflanzengattung Schachtia aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) benannt. Die Schachtstraße in Köln-Riehl ist nach Schacht benannt.
Werke (Auswahl) Schachts vielfältige Forschungen beruhen fast ausschließlich auf mikroskopischen Untersuchungen und beziehen sich hauptsächlich auf die Anatomie und Physiologie der Pflanzen. Er schrieb: Entwickelungsgeschichte des Pflanzenembryos. Amsterdam 1850. Das Mikroskop und seine Anwendung, insbesondere für Pflanzen-Anatomie und Physiologie. Berlin 1851, 3. Auflage 1862. Die Pflanzenzelle. Berlin 1852; in neuer Bearbeitung unter dem Titel Lehrbuch der Anatomie und Physiologie der Gewächse, Berlin 1856–59, 2 Bände. Die Prüfung der im Handel vorkommendenGewebe durch das Mikroskop. Berlin 1853. Der Baum, Studien über Bau und Leben der höhern Gewächse. Berlin 1853, 2. Auflage 1860. Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Gewächse. Berlin 1854. Madeira und Tenerife mit ihrer Vegetation. Berlin 1859. Grundriß der Anatomie und Physiologie der Gewächse. Berlin 1859. Die Spermatozoen im Pflanzenreich. Braunschweig 1864.
Literatur
Weblinks
Schacht im Internet Archive
Einzelnachweise Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen – Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5, doi:10.3372/epolist2018.
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