Mingajny () ist ein Dorf im Powiat Lidzbarski (Kreis Heilsberg) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es ist der Verwaltungseinheit Gmina Orneta (Wormditt) zugeordnet. mini|Schule in Mingajny
Geographische Lage Das Dorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, in Ermland, an der rechten Seite der in die Passarge fließenden Drewenz (polnisch Drwęca Warmińska), etwa 37 Kilometer südöstlich der unweit des Frischen Haffs gelegenen Stadt Braniewo (Braunsberg) und zehn Kilometer nordöstlich der Stadt Orneta (Wormditt).
Geschichte mini|Migehnen, südsüdwestlich von Königsberg und nordöstlich der Stadt Wormditt, auf einer Landkarte von 1910
Ortsgeschichte Das Dorf Migehnen entstand zur Zeit der Herrschaft des Deutschen Ordens im Rahmen der von Bischof Eberhard von Neisse in seinem Bistum Ermland mit Hilfe seines Bruders Arnold von Neiße durchgeführten Ansiedlungsmaßnahmen. Der Bischof persönlich hatte in Gegenwart vieler Honoratioren den Lokatoren Heinrich und Theoderich, vermutlich Söhne Arnolds, 100 zusammenhängende Hufen in dem altpreußischen Feld Mynyen zu kulmischem Recht für eine Dorfgründung zugewiesen. Nachdem das Projekt in Angriff genommen worden war, erfolgte am 4. März 1311 auf Schloss Braunsberg die feierliche Beurkundung durch das Dokument der Handfeste von Migehnen,Monumenta Historiæ Warmiensis oder Quellensammlung zur Geschichte Ermlands, Band 1, Mainz 1860, Kapitel Diplomata, S. 274–276, No. 158 (Google Books). an das außer dem Bischof und dem Domkapitel auch zahlreiche namentlich benannte Zeugen ihr Siegel anhefteten.Victor Röhrich: Die Kolonisation des Ermlandes, Fünftes Kapitel: Siedelungen im Bischofsanteil unter Eberhard von Neiße, in: Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands, Band 14, Braunsberg 1903, S. 131–355, insbesondere S. 307–315 (Google Books).
Im 18. Jahrhundert gehörte das Kirchdorf zum Amt Wormditt.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen, Gotha 1858, S. 299 (Google Books). 1785 wird es als ein königliches Dorf mit einer Kirche und 65 Feuerstellen (Haushaltungen) beschrieben.
Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Dargels (polnisch Dargiele) Flächengröße von 159 ha, 43 ar und 35 m², und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 31 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 370, 2. Kreis Braunsberg, Ziffer 6 (Google Books). Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirks Dargels in die Landgemeinde Migehnen eingegliedert.Amtsbezirk Migehnen (Territorial.de)
Bis 1945 gehörte das Dorf Migehnen zum Kreis Braunsberg im Regierungsbezirk Königsberg im Gau Ostpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Januar 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach beensigung der Kampfhandlungen wurde Migehnen zusammen mit der gesamten südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Das Dorf erhielt die polnische Ortsbezeichnung Migajny. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – königliches Bauerndorf mit einer Kirche und 65 Feuerstellen (Haushaltungen)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, Anhang Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, S. 118 (Google Books). 1818 252 königliches BauerndorfAlexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 3: Kr–O. Halle 1822, S. 199, Ziffer 1784 (Google Books). 1852 668 Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 392 (Google Books). 1858 790 davon 781 Katholiken und Neun JudnAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 44, Ziffer 114 (Google Books). 1864 767 am 3. DezemberPreußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Berlin 1966, 2. Kreis Braunsberg, S. 10–17, Ziffer 96 (Google Books). 1867 867 am 3. Dezember 1871 875 davon zwei Evangelische, 869 Katholiken und vier Juden Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 108–109, Ziffer 64 (Google Books). 1885 988 am 1. Dezember, davon zwei Evangelische, 981 Katholiken und fünf JudenKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888, S. 122–123, Ziffer 67 (Google Books). 1910 905 am 1. DezemberMigehnen, Dorf, Kreis Braunsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Migehnen (meyersgaz.org). 1933 930 1939 890
Amtsbezirk Migehnen (1874–1945) Am 18. Juni 1874 wurde Migehnen Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im ostpreußischen Kreis Braunsberg, Regierungsbezirk Königsberg.Rolf Jehke: Amtsbezirk Migehnen
Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Buchwald Grabniak 1885 als Teil der Stadtgemeinde Wormditt nach Millenberg eingemeindet Bürgerwalde Miesjka Wola Dargels Dargiele 1928 nach Migehnen eingemeindet Kaschaunen Kaszuny Migehnen Mingajny Millenberg Miłkowo
Kirche mini|Dorfkirche St. Laurentius (2008), schon vor 1945 katholisch Die Dorfkirche wurde am Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut und war eine der ältesten Kirchen im Dekanat Mehlsack (polnisch Pieniężno). In der Verschreibung vom 4. März 1311 von hundert Hufen an die Lokatoren Heinrich und Theoderich werden vier Hufen zur Dotierung der Kirche bestimmt. Die Kirche wurde dem hl. Laurentius geweiht; schon 1338 wird ein Pfarrer Jakobus urkundlich erwähnt.
Der Backsteinbau mit Westturm ist etwa 33 Meter lang und 12,5 Meter breit. 1688–1698 und 1709 erfolgte eine durchgreifende Wiederherstellung, 1717 wurde der Turm repariert.Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 4: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Ermland. Königsberg 1894, S. 186–188 (Google Books). In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stand Jakob Jordan der Kirche in Migehnen vor, von 1686 bis 1717 Karl Albrecht Knobloch; 1772 hieß der Pfarrer Hillmacher. Am Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich die Pfarrgemeinde zusammen aus den Ortschaften Migehnen, Dargels, Kaschaunen und Millenberg. Millenberg hieß im Jahr 1338 Mynnem.W. Pierson: Altpreußischer Namenkodex, in: Zeitschrift für Preußische Geschichte und Landeskunde, Band 10, Berlin 1873, S. 618–642, insbesondere S. 639 (Google Books).
Das Gebäude, das zuvor der katholischen Pfarrgemeinde Migehnen als Gotteshaus gedient hatte, wurde 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche zwangsenteignet.
Evangelische Kirchenangehörige hielten sich bis 1945 zur Kirche Wormditt in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 453 Heute gehören sie zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Literatur Migehnen, Dorf, Kreis Braunsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Migehnen (meyersgaz.org). Dargels, Gut, Kreis Braunsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Dargels (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 4: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Ermland. Königsberg 1894, S. 186–188 (Google Books). Victor Röhrich: Die Kolonisation des Ermlandes, Fünftes Kapitel: Siedelungen im Bischofsanteil unter Eberhard von Neiße, in: Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands, Band 14, Braunsberg 1903, S. 131–355, insbesondere S. 307–315 (Google Books). Franz Dittrich: Beiträge zur Baugeschichte der ermländischen Kirchen, in: Zeitschrift für die Geschichte und Alterthumskunde Ermlands, Band 8, Braunsberg 1884, S. 599–646, insbesondere S. 622–626 (Google Books).
Weblinks
Amtsbezirk Migehnen (Territorial.de)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Orneta