mini|Giardino di Ninfa

Der Giardino di Ninfa ist ein Park und englischer Garten auf dem Gebiet der Gemeinde Cisterna di Latina in der italienischen Region Latium, an der Grenze zu Norma und Sermoneta. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von 105 Hektar und ist ein italienisches Naturdenkmal. Der Landschaftsgarten innerhalb des Parks umfasst 8 Hektar und enthält mittelalterliche Ruinen, Eichen, Zypressen und Pappeln, grasbewachsene Wiesen, eine große Auswahl exotischer Pflanzen aus verschiedenen Teilen der Welt, zahlreiche Wasserläufe und eine Vielzahl von Kletterrosen, die auf den Steinmauern der Ruinen wachsen. Betrieben wird der Park wird von der italienischen Stiftung Fondazione Roffredo Caetani. Der Garten ist von April bis November für die Öffentlichkeit zugänglich und gilt als einer der romantischsten Gärten der Welt.

mini|Übersichtskarte

Beschreibung

mini|Festung im Giardino di Ninfa

Der Giardino di Ninfa ist bekannt für seine üppige Vegetation, malerischen Seen und mittelalterlichen Ruinen, die sich harmonisch in den Garten einfügen. Er wird oft als einer der romantischsten Gärten der Welt bezeichnet. Dort wachsen über 1300 verschiedene Pflanzenarten, unter anderem Rosen, Magnolien, Iris, japanische Kirschen und weitere exotische Pflanzen. Der Park erstreckt sich über eine Fläche von etwa 105 Hektar, der eigentliche Landschaftsgarten innerhalb des Parks umfasst etwa 8 Hektar. mini|Giardino di Ninfa Der Garten wird von zahlreichen kleinen Quellen und dem Fluss Ninfa durchzogen, der südlich des Gartens verläuft. Bei der Wiederherstellung des Gartens wurden Pflanzenarten aus aller Welt eingeführt.

mini|Bachlauf im Giardino di Ninfa

Die teilweise überwachsenen Ruinen im Giardino di Ninfa sind Überreste der mittelalterlichen Stadt Ninfa, die im 14. Jahrhundert infolge von Plünderungen zerstört und wegen der Malaria verlassen wurde. Ebenfalls erhalten sind die Ruinen von fünf der ursprünglich neun Kirchen: San Giovanni, San Biagio, San Pietro fuori le mura, San Salvatore und Santa Maria Maggiore. Ihre Fresken wurden 1971 abgenommen und zur Aufbewahrung in das Caetani-Schloss von Sermoneta gebracht.

mini|Die Zweige eines japanischen Ahorns – Giardino di Ninfa

Santa Maria Maggiore war die Hauptkirche der Stadt. Sie wurde wahrscheinlich im 10. Jahrhundert erbaut und in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts vergrößert.Facaros, Dana; Pauls, Michael (2003), Central Italy, New Holland Publishers, S. 239, ISBN 978-1-86011-112-9

Im Mittelalter bestand Ninfa aus mehr als 150 Häusern, mehreren Kirchen, Mühlen, Brücken, zwei Hospizen, einer Burg und einem Rathaus. Die Stadt war von einer 1400 m langen Stadtmauer mit Wachtürmen umgeben.

mini|Rathausmarkt Giardino di Ninfa

Schriftsteller wie Virginia Woolf, Truman Capote, Giuseppe Ungaretti, Alberto Moravia, Giorgio Bassani, Gabriele D’Annunzio, Ignazio Silone, Pier Paolo Pasolini, Carlo Levi, Elsa Morante, Pietro Citati, Attilio Bertolucci, Boris Pasternak, T. S. Eliot und Philippe Jaccottet fanden hier Inspiration für ihre Werke.

Geschichte Der Name Ninfa (deutsch: Nymphe) leitet sich von einem antiken Nymphäum ab, einem den Nymphen geweihten Tempel, der auf einer Insel in einem kleinen See lag. Laut Charles Quest-Ritsons Buch Ninfa: The Most Romantic Garden in the World (Der romantischste Garten der Welt) geht der erste schriftliche Beleg auf Plinius den Jüngeren zurück, der auf dem Gelände einen den Wassernymphen gewidmeten Tempel beschrieb.Quest-Ritson, Charles (2009). Ninfa: The Most Romantic Garden in the World. Frances Lincoln. ISBN 978-0-7112-3047-7. S. 12–26. mini|Bambuswald im Giardino di Ninfa

Ninfa war Teil eines größeren Gebiets, das Campagna und Marittima genannt wurde. Ab 741 verwaltete Papst Zacharias die großen landwirtschaftlichen Güter von Norba und Ninfa. Diese hatte er vom byzantinischen Kaiser Konstantin V. Kopronymus geschenkt bekommen, als Dank für seine diplomatischen Bemühungen und seine Unterstützung der byzantinischen Interessen in Italien.

Aus dem Landgut von Ninfa entwickelte sich aufgrund seiner strategischen Lage bald eine Ansammlung von Häusern und im 9. Jahrhundert ein befestigtes Dorf, das Schutz vor den Überfällen der Sarazenen bieten soll. Die Bedeutung Ninfas beruhte neben dem reichlichen Wasservorkommen auch auf seiner günstigen Lage, nachdem die Via Appia wegen der Sümpfe aufgegeben worden war.

Der Verkehr nach Süden verlief daher über Velletri nach Terracina und verband zwei Abschnitte der Via Appia, die nicht von den Sümpfen betroffen waren. Dabei führte die Route genau an der Engstelle durch Ninfa. Diese Eigenschaft machte das Dorf zum Einfallstor des gesamten Verkehrs nach Süditalien. Durch die den Durchreisenden auferlegten Mautgebühren gelangte Ninfa zu Wohlstand. mini|Kirche San Giovanni

Ab dem 11. Jahrhundert nahm Ninfa die Rolle einer Stadt ein und wurde von verschiedenen Adelsfamilien regiert, darunter den Conti di Tuscolo und den Frangipani. Unter ihrer Herrschaft blühte die Architektur auf und Ninfas wirtschaftliche und politische Bedeutung wuchs. 1159 wurde Kardinal Rolando Bandinelli in der Kirche Santa Maria Maggiore, deren Ruinen heute noch zu sehen sind, als Alexander III. zum Papst gekrönt.

mini|Eingang zur Kirche Santa Maria Maggiore

1298 kaufte Benedetto Caetani, Papst Bonifatius VIII., Ninfa und weitere benachbarte Gebiete für seinen Neffen Pietro II. Caetani für 200.000 Goldgulden. 1382 wurde die Stadt von Truppen geplündert und zerstört. Viele Einwohner verließen Ninfa, auch wegen der häufigen Malariaausbrüche in der Pontinischen Ebene. Dadurch wurde Ninfa zu einer Geisterstadt.

mini|Stadtmauer mit Turm

Im 16. Jahrhundert versuchte Kardinal Nicolò III. Caetani, ein Liebhaber der Botanik, in Ninfa einen „Garten der Freuden“ anzulegen. Neben den Ruinen der mittelalterlichen Festung ließ er einen ummauerten Garten mit regelmäßigem Grundriss errichten, in dem er edle Zitrussorten züchtete. Im 17. Jahrhundert kümmerte sich auch Herzog Francesco IV. um den Garten, musste ihn jedoch bald wegen der Malaria wieder aufgeben.

mini|Kirche San Biagio

Im 19. Jahrhundert beschrieb der deutsche Historiker Ferdinand Gregorovius Ninfa als „märchenhafte Ruine einer Stadt“, als „Pompeji des Mittelalters“ bzw. als „Pompeji des Christentums“. Zudem schrieb er: „Dieses entzückende Nympha ist das reizendste Märchen der Geschichte und Natur, das ich irgend in der Welt gesehen habe.“

Ende des 19. Jahrhunderts kehrte die Familie Caetani auf ihr verlassenes Anwesen in Ninfa zurück. Der Landschaftsgarten wurde 1921 an Gelasio Caetani vererbt. Nach seinem Tod im Jahr 1934 pflanzte seine amerikanische Schwägerin Marguerite, Herzogin von Sermoneta, in großem Stil neue Gewächse an, bis ihre Tochter Lelia um 1950 den Garten übernahm. Lelia war Künstlerin und eine leidenschaftliche Pflanzenliebhaberin. Nach ihrem Tod im Jahr 1977 wurde Ninfa von ihrem englischen Ehemann, Hubert Howard, weitergeführt und ging in den Besitz der Roffredo Caetani Foundation über, da die Howards keine eigenen Kinder hatten und die männliche Linie der Familie Caetani ausgestorben war. Nach Huberts Tod im Jahr 1987 ging die Leitung des Gartens an Lauro Marchetti über, den Schützling der Howards und Sohn ihres Gutsverwalters, der damals noch ein junger Mann in den Dreißigern war. Lauro Marchetti pflegte und entwickelte den Garten im Sinne von Lelias und Huberts weiter. Im Jahr 2000 wurde Ninfa von der Region Latium zum Naturdenkmal erklärt.

mini|Der Fluss Ninfa

Weblinks

Projekt der Uni Mainz

Einzelnachweise

Kategorie:Garten im Latium Kategorie:Cisterna di Latina Kategorie:Landschaftsgarten Kategorie:Naturdenkmal in Italien Kategorie:Parkanlage im Latium