mini|Franz Xaver Schwediauer (1748–1824) Franz Xaver Schwediauer, auch Swediaur, Swediar, Schwedi auranscheinend Missverständnis für den Vornamen Aur(elius) beim Schreiber der Universitätsmatrikel: Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 194–195, Fußnote 31. Es gibt auch keine Hinweise dahin, dass mit dem Namen seine Herkunft aus Schottland oder Schweden dokumentiert wäre, auch wenn dies in der Literatur und in Personenlexika immer wieder aufscheint: S. 202 (mag auch vielleicht der Familienname auf die Zeit zurückzuführen sein, in der die Schweden im Dreißigjährigen Krieg bis in den Donauraum vorgedrungen waren). (geboren 24. März 1748 in Steyr, Oberösterreich, Österreich-Ungarn; gestorben 27. August 1824 in Paris), war ein österreichischer Arzt. Er war ab 1775 in London und Paris als Spezialist für Geschlechtskrankheiten (Venerologe) tätig und publizierte umfangreiche Fachliteratur.
Leben Franz Xaver Schwediauer war der Sohn von Johann Georg Schwediauer (1721–1794) und Anna Catharina Höller (1717–1757). Die Familie ist seit dem 17. Jahrhundert in Steyr belegbar, sie betrieb (mit Unterbrechungen) bis 1762 die Mittermühle in der Badgasse 7. Schwediauer wurde zunächst privat unterrichtet (angeblich von seinem VaterJohannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 194. auch in Latein und Altgriechisch) und besuchte ab dem 14. Lebensjahr, wie in der Literatur vermutet wird, das Jesuitengymnasium in Steyr oder Linz. Für 1765 und 1766 ist der Besuch der Ritterakademie im Benediktinerstift Kremsmünster belegt, wo er Philosophie studierte. 1766 zog Schwediauer nach Wien, wo er an der Universität Wien Medizin studierte. 1772 bestand er die Prüfungen (Rigorosen) über Allgemeine Medizin mit der Benotung „cum laude“ und die Defensio über die Aphorismen des Hippokrates mit „bene resolvit“.Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 195. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit der anatomisch-pathologischen Sammlung der Medizinischen Fakultät und erstellte die erste genaue Beschreibung dieser Sammlung. Die Promotion erfolgte am 18. November 1772, Promotor war der Professor für Physiologie und Materia medica, Heinrich Johann Nepomuk von Crantz, ein Schüler von Van Swieten.
Die Dissertation verfasste er unter der Anleitung von Ferdinand Joseph von Leber, der selbst eine private Sammlung anatomisch-pathologischer Präparate besaß, die von Schwediauer besonders genau beschrieben wurde.Eine Zusammenfassung dieses Werkes ist abgedruckt bei: Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 211–215. Weiters beschrieb er Präparate aus dem Besitz des Anatomen Frederik Ruysch und von Bernhard Siegfried Albinus, ebenso Präparate von Johann Nathanael Lieberkühn und Johann Lorenz Gasser. Die Dissertation erregte Aufsehen und wurde auch in Deutschland in einem Journal der Akademie der Wissenschaft in Göttingen rezensiert.Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 197. Einen besonderen Abschnitt der Dissertation bildete der Abortus einer jüdischen Frau, der von Fürst Karl von Liechtenstein erworben und dem Medizinischen Kollegium geschenkt worden war.Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 198.
Tätigkeiten Nach der Promotion war Schwediauer drei Jahre an der Wiener medizinischen Universitätsklinik beschäftigt. Er war Mitarbeiter von Anton de Haen, einem Mitbegründer der Wiener Medizinischen Schule und Studienkollegen Van Swietens in Leiden.Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 198–199. 1775 verließ Schwediauer Wien und ging nach London.Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 199. Dort traf er seinen Studienkollegen Francis Milman, der später königlicher Leibarzt wurde.englische Wikipedia: Francis Milman (1746–1821). Er lernte James Mervin Nooth1743–1814, nicht zu verwechseln mit John Mervin Nooth (1737–1828). kennen, einen Spezialisten für Brustkrebs, sowie Jan Ingenhousz, der Schwediauer bei John Pringle einführte. Weitere Bekanntschaften zu hochrangigen Ärzten trugen dazu bei, dass Schwediauer in London in relativ kurzer Zeit eine gutgehende Arztpraxis führen konnte. Schwediauer wurde mit William Heberden, George Fordyce und Richard Warrenenglische Wikipedia: Richard Warren (1731–1797). bekannt. Es wird über Schwediauer berichtet, er hätte fünf ausländische Gesandte oder Minister als Patienten gehabt.
Als Wissenschaftler beschäftigte er sich mit der Behandlung der Syphilis. Gemeinsam mit Milman und Nooth konnte er nachweisen, dass Quecksilberchlorid zwar einige Symptome der Krankheit mildern oder zum Verschwinden bringen konnte, aber eine vollständige Heilung damit nicht möglich war. Auch der Vorschlag des Leibarztes von Maria Theresia, Anton von Stoerck, Krebs durch die Anwendung von Wasserschierling zu heilen, wurde widerlegt. Schwediauer publizierte die Ergebnisse der Untersuchungen im „Foreign medical Journal“, das später von ihm gemeinsam mit Samuel Foart Simmonsenglische Wikipedia: Samuel Foart Simmons (1750–1813). unter dem Titel „London Medical Journal“ herausgegeben wurde.Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 200.
Seine ausgezeichneten Sprachkenntnisse ermöglichten es ihm, auch Werke außerhalb der Medizin zu übersetzen und herauszugeben, so das agronomische Werk Elements of agriculture and vegetation von George Fordyce. 1777 erschien ein zweibändiges Werk, das sich der Behandlungspraxis in Londoner und Wiener Spitälern widmete.Methodus medendi hodierna in nosocomiis Londinensibus ustitata. Wien 1777. Weitere Publikationen, auch mehrbändiger Werke, folgten, so 1783 ein Werk über die Ambra, einen Stoff für die Parfumherstellung. Diese Arbeit wurde vom Präsidenten der Royal Society Joseph Banks persönlich in einer Sitzung dieser Gesellschaft vorgestellt und ihr Druck veranlasst.
1784 ging Schwediauer nach Edinburgh, wo er auch mit William Cullen zusammentraf. Er ließ östlich von Edinburgh eine Fabrik zur Gewinnung von Meersalz anlegen und beauftragte den aus Bayern stammenden Mediziner und Ingenieur Joseph Baader mit deren Verbesserung.Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 201.
1784 erschien auch Schwediauers Hauptwerk Practical Observations on the More Obstinate and Inveterate Venerealsinnstörender Schreibfehler durch Entfall dieses Wortes bei Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 201 und 204. Complaints, das in mehreren Sprachen und Auflagen erschien (allein in Französisch sieben Auflagen als Traité complet sur les symptômes, les effets, la nature et le traitement des maladies syphilitiques). Aufgrund dieses WerkesEine Zusammenfassung dieses Werkes ist abgedruckt bei: Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 204–210. wird Schwediauer für die damalige Zeit Weltruhm zugeschrieben. Seine Publikation befindet sich auf der Höhe des damaligen Wissensstandes. So waren die Geschlechtskrankheiten Syphilis und Gonorrhoe noch nicht klar unterscheidbar, die Existenz von Bakterien war unbekannt. Schwediauer arbeitete mit SelbstversuchenJohannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 206–207. und bezieht Selbsterfahrungen in seine Publikationen ein. Nach eigenen Äußerungen hatte er als 24-Jähriger 1772 erstmals einen Tripper und in späteren Jahren mehrfach Symptome der Syphilis bekommen.Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 204–205.
Schwediauer reflektierte seine Ausführungen selbstkritisch. Er forderte junge Ärzte zur Nachforschung der Wahrheit auf und wies auf die Unterschiede zwischen Meinung, Hypothese und genauer Beobachtung hin. Vorurteilen seiner Zeitgenossen stand er kritisch gegenüber.z. B. eine Quecksilbertherapie wäre bei weiteren Infektionen nicht mehr wirksam, oder Geschlechtsverkehr mit nicht angesteckten Frauen würde die beste Art sein, einen Tripper wieder loszuwerden etc.: Johannes Seidl, Bruno Schneeweiß, Angelika Ende: Von Steyr nach Wien, London und Paris. Leben und Wirken des Mediziners Franz Xaver Schwediauer (24. März 1748–27. August 1824). In: Verein für Geschichte der Stadt Wien: Wiener Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Heft 3/2024, S. 209–210.
1786 übersetzte Schwediauer ein Werk seines Freundes Milman, die Animadversiones de natura hydropis ejusque curatione ins Englische als Dr. Milman's Animadversions on the Nature and Cure of Dropsy. Weiters erschien sein vierbändiges Werk The Philosophical Dictionary, or the Opinion of modern Philosphers on Metaphysical, Moral and Political Subjects, das 1822 in zweiter Auflage in einem Band herausgegeben wurde.