Air Greenland A/S ist die nationale Fluggesellschaft Grönlands mit Sitz in Nuuk und Basis auf dem Flughafen Nuuk.

Geschichte mini|Douglas DC-6B der Greenlandair im Jahr 1976 Air Greenland wurde am 7. November 1960 unter dem Namen Greenlandair bzw. Grønlandsfly durch SAS Scandinavian Airlines und das Minenunternehmen Kryolitselskabet Øresund gegründet. Die Gründung war eine Empfehlung des Grønlandsudvalgs von 1960. Anfangs diente die Fluggesellschaft nur zur Versorgung von US-amerikanischen Radarstationen in Grönland. 1962 übernahm Grønlandsfly die Organisation des zivilen Luftverkehrs in Grönland, der bisher Den Kongelige Grønlandske Handel und SAS Scandinavian Airlines oblegen hatte. Anfangs charterte das Unternehmen Flugzeuge anderer Fluggesellschaften wie die Consolidated PBY Catalina. Erst 1963 wurde mit einer Douglas DC-4 das erste eigene Flugzeug gekauft. Anfangs gab es noch keine Flugplätze in den Städten, sodass die Flugzeuge auf dem Wasser landen mussten. 1964/65 wurden Heliports in den Städten gebaut und der innergrönländische Luftverkehr auf Hubschrauber umgestellt. Dafür wurden drei Sikorsky S-61N eingekauft. 1967 wurden zwei der drei Hubschrauber innerhalb eines Monats bei Abstürzen ohne Todesopfer zerstört. Anfangs gab es rund 15.000 jährliche Passagiere und in den 1970er Jahren war die Zahl bereits auf 50.000 gestiegen.

Mitte der 1980er Jahre wurde damit begonnen, die grönländischen Dörfer anzufliegen. 1979 war der erste Stadtflughafen Grönlands eingeweiht worden, der Flughafen Nuuk, und 1984 folgte der Flughafen Ilulissat. In den Jahren wurden zahlreiche weitere Stadtflughäfen gebaut, vor allem Ende der 1990er Jahre. Die neuen Flughäfen wurden mit mehreren De Havilland Canada DHC-7 angeflogen.Lars Illum Jørgensen: Air Greenland. Danmarks Nationalleksikon.

2002 erhielt Greenlandair ihren heutigen Namen Air Greenland. Am 28. Juli 2006 erwarb Air Greenland von der dänischen Fluggesellschaft Air Alpha ihre grönländische Tochtergesellschaft Air Alpha Greenland.Lars Roger Sørensen: Air Alpha sælger ud i Grønland. Berlingske (2. August 2006).

Im April 2010 wurde die seit 1998 genutzte Boeing 757-200 außer Dienst gestellt. Das erste von Strahltriebwerken angetriebene Flugzeug von Air Greenland trug den Namen „Kunuunnguaq“, dem grönländischen Spitznamen für Knud Rasmussen.Farvel til Kunuunnguaq. Sermitsiaq.AG (26. April 2010). Seit ihrer Ausmusterung war der 2002 erworbene Airbus A330-200 „Norsaq“ das einzige strahlgetriebene Flugzeug der Gesellschaft. Das Flugzeug wurde als Reaktion darauf eingekauft, dass SAS die Verbindung Kangerlussuaq–Kopenhagen aufgegeben hatte. Die Route Narsarsuaq–Kopenhagen der 757 wurde von gecharterten Flugzeugen übernommen.Historie. Air Greenland.Air Greenland beholder 757-fly. Standby Danmark (11. November 2003).

Am 29. Mai 2019 kaufte die grönländische Regierung die Unternehmensanteile in Höhe von 37,5 % von SAS und 25 % vom Staat Dänemark für 461 Millionen DKK (rund 62 Mio. Euro) auf. Seitdem ist Air Greenland zu 100 % ein grönländisches Staatsunternehmen.Grønland køber Air Greenland. Sermitsiaq.AG (29. Mai 2019).

Im Februar 2023 wurde der Airbus A330-200 „Norsaq“ durch den 2022 erworbenen Airbus A330-800 „Tuukkaq“ abgelöst.Merete Lindstrøm: Norsaq siger farvel og tak. Sermitsiaq.AG (16. Februar 2023).

Flugziele Aktuelle Verbindungen Air Greenland vernetzt die nicht über Straßen miteinander verbundenen Orte Grönlands über den Luftweg und bindet Grönland zudem an das Ausland an. 2020 wurden zwei ganzjährige Auslandsverbindungen, eine saisonale Auslandsverbindung, 17 nationale Flugzeugverbindungen und rund 50 Hubschrauberverbindungen angeboten.

Seit 2024 ist der Flughafen Nuuk das Drehkreuz Grönlands und löste damit den Flughafen Kangerlussuaq ab. Die Route zwischen Nuuk und Kopenhagen ist die bedeutendste Auslandsverbindung und neben der zwischen Nuuk und Keflavík eine von zwei ganzjährigen Auslandsverbindungen. Dazu kommen saisonale Verbindungen zwischen Nuuk und Aalborg und Billund, zwischen Kopenhagen und Kangerlussuaq und Narsarsuaq, zwischen Billund und Keflavík (als Teilroute nach Nuuk) und zwischen Nuuk und Iqaluit. Neben Nuuk dienen auch die Flughäfen in Kangerlussuaq und Ilulissat als nationale Drehkreuze, von wo aus die meisten Flughäfen angeflogen werden. Von den regionalen Flughäfen aus werden lokale Hubschrauberverbindungen zu den umliegenden Dörfern und Städten ohne Flughafen angeboten. Die meisten Orte können somit mit ein bis zwei Umstiegen erreicht werden, während das Erreichen vom Heliport Savissivik von Kopenhagen aus mindestens fünf Umstiege benötigt.

Die Verbindung Kopenhagen–Kangerlussuaq ist für den größten Teil des grönländischen internationalen Luftverkehrs verantwortlich. Dazu kommen die Auslandsverbindung Reykjavík–Nuuk und saisonal Kopenhagen–Narsarsuaq. Innerlands werden von Kangerlussuaq, Nuuk und Ilulissat aus die meisten Flughäfen beflogen. Von jedem Stadtflughafen aus werden die umliegenden Dörfer per Hubschrauber angeflogen. Einige Orte sind nur durch rund viermaliges Umsteigen von Dänemark aus erreichbar, die meisten aber mit ein bis zwei Umstiegen.

Ehemalige Auslandsverbindungen Die Route nach Iqaluit wird seit 2024 betrieben, existierte aber bereits von 1981 bis 2001 und von 2012 bis 2014, wurde dann jedoch mangels Passagieren eingestellt.Peter Varga: Air Greenland holds off on scheduled Iqaluit-Nuuk route for 2015. Nunatsiaq News (10. März 2015).

Im Frühjahr 2003 eröffnete Air Greenland eine Strecke zwischen Kopenhagen und Akureyri in Island, welche jedoch nach nur einer Saison wieder gestrichen wurde. Dasselbe geschah mit einer 2007 eröffneten Linie zwischen Grönland und Baltimore in den USA.Air Greenland 2000–09. 50.airgreenland.dk (archiviert).

Flotte mini|Beechcraft Super King Air B200 der Air Greenland mini|Bell 212 der Air Greenland

Aktuelle Flotte Mit Stand 2024 besteht die Flotte von Air Greenland aus 10 Flugzeugen und 22 Hubschraubern:Flåden. Air Greenland.

Typ Anzahl Indienststellung Anmerkungen Sitzplätze(Business/Economy)Flugzeuge:Airbus A330-800 1 2022 „Tuukkaq“ 305De Havilland DHC-8-200Dash 8 200. 50.airgreenland.dk (archiviert). 8 (9) 2010 (2×)2011 (1×)2012 (2×)2014 (1×)2015 (2×)2023 (1×) eine verunglückt 37 (–/37)Beechcraft Super King Air B200Kingair BE200B. 50.airgreenland.dk (archiviert). 1 (3) ab 1996 Ambulanzflugzeugzwei außerdienstgestellt 8 (–/8)HubschrauberAirbus Helicopters H125 (AS350)AS350. 50.airgreenland.dk (archiviert). (4) 17 ab 1991 zwei verunglückt, zahlreiche verkauft, werden derzeit ausgemustert 5 (–/5)Airbus Helicopters H125 (neu) 9 ab 2024 5 (–/5)Airbus Helicopters H155 7 ab 2021 13 (–/13)Airbus Helicopters H225 2 2020 Rettungshelikopter 19 (–/19) Gesamt 32

Zuvor eingesetzte Luftfahrzeuge

In der Vergangenheit setzte Greenlandair/Air Greenland folgende Flugzeug- und Hubschraubertypen ein:

Typ Anzahl Indienststellung Außerdienststellung AnmerkungenFlugzeugeBoeing 757-200Boeing B757. 50.airgreenland.dk (archiviert). 1 1998 2010 „Kunuunnguaq“Airbus A330-200Airbus 330. 50.airgreenland.dk (archiviert). 1 2002 2023 „Norsaq“Cessna 172Cessna 172. 50.airgreenland.dk (archiviert). 1 1986 ? noch flugfähig, aber nicht mehr im EinsatzCessna 550Cessna 550. 50.airgreenland.dk (archiviert). 1 1990 1992 Consolidated PBY CatalinaCanso Catalina. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? 1962 1965 seit 1958 in Grönland im EinsatzDe Havilland Canada DHC-3 OtterDHC-3 Otter. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? 1962 1960er seit 1958 in Grönland im Einsatzeine verunglücktDe Havilland Canada DHC-6 Twin OtterDHC6 Twin Otter. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? ab 1976 2009 De Havilland Canada DHC-7Dash 7. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? ab 1979 bis 2015 Douglas DC-4DC4. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? 1960 1970er bis 1963 geliehenDouglas DC-6BDouglas DC6B. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? ab 1971 bis 1979 Piper PA-18 Super CubPiper Super Cub. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? 1982 ? Piper PA-42 CheyennePiper Cheyenne. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? 1983 1987 HubschrauberAérospatiale Alouette IIIAllouette. 50.airgreenland.dk (archiviert). 1 1969 1982 verunglücktBell 204Bell 204. 50.airgreenland.dk (archiviert). 5 ab 1976 1982 Bell 206 Jet RangerBell 206B Jet Ranger. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? 1973 2000 Bell 212Bell 212. 50.airgreenland.dk (archiviert). 8 1980 2022 Bell 222Bell 222. 50.airgreenland.dk (archiviert). 4 2007 2022 Bell 407Bell 407. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? 1996 1999 Eurocopter AS 355AS355. 50.airgreenland.dk (archiviert). 1 1985 1986 MD Helicopters MD 500MD500. 50.airgreenland.dk (archiviert). 1 1995 2002 Sikorsky S-55Sikorsky S55. 50.airgreenland.dk (archiviert). ? 1960 1965 Sikorsky S-58ETSikorsky S58ET. 50.airgreenland.dk (archiviert). 4 ab 1973 1976 Sikorsky S-61NSikorsky S61N. 50.airgreenland.dk (archiviert). 12 ab 1965 bis 2012 zwei verunglückt

Zwischenfälle Am 29. August 1961 startete eine de Havilland Canada DHC-3 Otter der Eastern Provincial Airways (CF-MEX), die für Greenlandair betrieben wurde, von der Sondrestrom Air Base zu einem Charterflug zum Flughafen Aasiaat. Als die Maschine eine Flughöhe von 3.500 Fuß erreichte, entwickelte sich ein schwerer Brand an Bord, ausgelöst durch eine Undichtigkeit im Vergaser. Den Piloten, die sich bei dem Vorfall schwere Brandverletzungen zuzogen, gelang eine Notlandung auf einem See, wobei die Maschine ans Ufer schlitterte und dort ausbrannte. Die vier Passagiere blieben unverletzt. Bei den Geschehnissen wurde der Flugkapitän aus dem Cockpit geschleudert und unter einer Schwimmkufe eingeklemmt. Er erlitt schwere Brandverletzungen, an denen er am 9. September 1961 starb (siehe auch Flugunfall der Greenlandair bei Kangerlussuaq 1961).

Am 12. Mai 1962 verunglückte eine im Namen der Greenlandair betriebene Canadian Vickers PBV-1A Canso (PBY-5A) der Eastern Provincial Airways (CF-IHA), mit der ein Inlandslinienflug vom Kangerlussuaq nach Nuuk durchgeführt werden sollte, bei der Wasserlandung in einem Fjord. Die Maschine lief nach der Landung vom Bug aus mit Wasser voll, nachdem die Bugfahrwerksklappen bei der Landung ausgerissen wurden und der Fahrwerksschacht verformt wurde. Da die Notausgänge durch Gepäckstücke verstellt waren, ertranken von den 21 Personen an Bord 15 Passagiere (siehe auch Flugunfall der Greenlandair bei Nuuk 1962).

Am 25. Oktober 1973 stürzte ein Hubschrauber des Typs Sikorsky S-61N (Luftfahrzeugkennzeichen OY-HAI; Aĸigssiaĸ) zehn Minuten nach Flugbeginn auf dem Weg von Nuuk nach Paamiut bei Utoqqarmiut ins Meer. Alle 15 Insassen starben bei dem Absturz. Das Wrack wurde im Februar 1974 nach mehreren Monaten erfolgloser Versuche aus einer Tiefe von 204 m geborgen, bis dahin die größte Tiefe für die Bergung eines Luft- oder Seefahrzeugs (siehe auch Absturz der Sikorsky S-61N OY-HAI).

Am 29. Januar 2014, verunglückte Air Greenland Dash 8-Q202 (OY-GRI) auf dem Inlandsflug GL-3205 bei böigem Seitenwind. Die Maschine war auf dem Flughafen Kangerlussuaq (BGSF) gestartet. Bei der Landung auf dem Flughafen Ilulissat (BGJN) in Grönland kollabierte das linke Fahrwerk, die Maschine kam linksseitig von der Landebahn ab, stürzte einen ca. 10 Meter hohen Abhang hinunter und kam auf felsigem Untergrund zum Stehen. Vier Passagiere wurden zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht, jedoch kam es zu keinen schweren Verletzungen oder Todesfällen. Das Flugzeug wurde als Totalverlust abgeschrieben.

Beteiligungen Air Greenland ist an folgenden Unternehmen beteiligt: Hotel Arctic A/S (100 %) Greenland Travel A/S (100 %) World of Greenland A/S ist eine Partnerschaft zwischen Greenland Travel A/S und Ilulissat Travel A/S. Norlandair ehf. (25 %)

Leitung Direktoren bis 1986: unbekannt 1986–1991: Jan Knud Rasmussen 1991: Svenn-Jørgen Gravengaard 1991–1997: Ole Bjerregaard 1997–2000: Peter Fich 2000–2003: Finn Øelund 2003–2007: Peter Flemming Knudsen 2007: Carl Ove Nielsen 2007–2013: Michael Binzer 2013: Mogens Errebo Jensen