Wildcards dienen im Tennis dazu, Spielern, die es aufgrund ihrer Weltranglistenposition nicht direkt ins Hauptfeld beziehungsweise in die Qualifikation schaffen, die Teilnahme zu ermöglichen. Im Profitennis verfügt jedes Turnier – egal auf welchem Level – über eine bestimmte Anzahl von Wildcards. Wildcards fördern den Nachwuchs, indem sie vielversprechenden Talenten die Teilnahme ermöglichen. Ferner dienen sie der Attraktivitätssteigerung des Teilnehmerfelds, indem bekannte Profis eingeladen werden.
Vergabe Häufig bestimmen die Ausrichter der Turniere darüber, wer die Wildcards bekommt. Jedoch sind auch Vermarktungsagenturen, Verbände oder die Lizenzinhaber der Turniere bei der Vergabe involviert. Teilweise erhalten nationale oder regionale Tennisspieler Wildcards. Im Bereich des Deutschen Tennis Bunds (DTB) sind Turniere der ATP Challenger Tour an eine Förderung gekoppelt. Gibt der Veranstalter zwei Wildcards an den DTB, der über die Teilnehmer entscheidet, dann fließt auch die Förderung für das Turnier in Höhe von 20.000 Euro an den Veranstalter. Auf der Ebene von World Tennis (vormals ITF) beträgt die Förderung bis zu 4.000 Euro, wenn der DTB zwei Wildcards für seine Kaderspieler vergeben kann. Daneben gibt es Kooperationsverträge mit dem jeweiligen Landesverband, der die kleineren Turniere ebenfalls unterstützt, wenn er im Gegenzug eine Wildcard zur Vergabe bekommt. Bei großen Turnieren, denen eine Qualifikation vorgeschaltet ist, können Wildcards auch an Spieler und Spielerinnen für das Qualifikationsturnier vergeben werden.
Begrenzungen ATP-Tour Im Einzelwettbewerb dürfen Spieler pro ATP-Tour-Jahr bis zu fünf Wildcards für das Hauptfeld bei ATP-Tour-Turnieren annehmen. Wildcards werden nur dann auf die Jahresbegrenzung angerechnet, wenn der Spieler auf der ursprünglichen Meldeliste direkt für das Turnier qualifiziert gewesen wäre.
Es gelten folgende Ausnahmen: a) Spieler, die aufgrund einer körperlichen Verletzung sechs Monate lang nicht an ATP-Tour- und ATP-Challenger-Tour-Turnieren teilnehmen können, können bei der ATP eine zusätzliche Wildcard beantragen.
b) Reicht die Platzierung eines Spielers in der FedEx-ATP-Weltrangliste nicht aus, um auf der 42-Tage-Meldeliste direkt für das Turnier qualifiziert zu sein, so ist er von seiner Verpflichtung gegenüber diesem Turnier entbunden, es sei denn, ihm wird innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach Meldeschluss eine Wildcard für das betreffende Turnier angeboten. Eine vom Spieler angenommene Wildcard dieser Art wird nicht auf die Jahresbegrenzung von fünf Wildcards im Einzel angerechnet.
c) Spieler, die bis zum 31. Dezember eines ATP-Tour-Jahres das 35. Lebensjahr vollenden, sind von der Wildcard-Begrenzung ausgenommen, wenn sie: ehemaliger Grand-Slam-Sieger im Einzel sind; oder ehemaliger Sieger der ATP World Championships, des Tennis Masters Cup oder der Nitto ATP Finals im Einzel sind; oder vor Januar 2000 die Nummer 1 der ATP-Weltrangliste im Einzel waren; oder am Jahresende die Nummer 1 der ATP-Weltrangliste waren.
d) Spieler können bei der ATP Ausnahmen von diesen Begrenzungen beantragen.ATP Rulebook, Regel 7.12, S. 172–173 (englisch).
WTA-Tour Einer Spielerin darf in einer Kalenderwoche nicht mehr als eine Wild Card für den Einzelwettbewerb erteilt werden. Es liegt in der Verantwortung der Spielerin, die Anzahl der von ihr in Anspruch genommenen Wild Cards zu überwachen. Die maximale Anzahl an Wild Cards, die eine Spielerin im Laufe eines Tour-Jahres für den Einzelwettbewerb bei WTA-1000-Mandatory-, WTA-500- und WTA-250-Turnieren erhalten darf, beträgt sechs, wobei maximal drei für das Hauptfeld zulässig sind. Diese Höchstgrenze gilt nicht für Wild Cards für Grand-Slam-Turniere. Wild Cards für Veranstaltungen der Women’s ITF World Tennis Tour und für WTA-125-Turniere werden separat gezählt.
Die maximale Anzahl an Wild Cards, die eine Spielerin im Laufe eines Kalenderjahres für den Einzelwettbewerb bei WTA-125-Turnieren erhalten darf, beträgt drei, einschließlich sogenannter „WTA 125 Exemption Wild Cards“. Diese Wild Cards gelten zusätzlich zu der für WTA-1000-Mandatory-, WTA-500- und WTA-250-Turniere zulässigen Höchstzahl an Wild Cards. Spielerinnen, die zum Zeitpunkt der Nominierungsfrist für Wild Cards eines WTA-125-Turniers auf den Plätzen 1 bis 10 der Weltrangliste geführt werden, dürfen keine Wild Card für dieses WTA-125-Turnier annehmen.
Es gelten folgende Ausnahmen:
Wenn eine Spielerin zu irgendeinem Zeitpunkt während eines Tour-Jahres zu den Top-10-Spielerinnen gehört, darf sie für den Rest dieses Tour-Jahres eine unbegrenzte Anzahl an Wild Cards für Einzel- und Doppelwettbewerbe annehmen. Spielerinnen verlieren alle Ranglistenpunkte, die sie bei WTA-Turnieren durch die Annahme von Wild Cards erzielt haben, welche die genannten Höchstgrenzen überschreiten. Spielerinnen, die in mindestens sechs WTA-1000-Mandatory-, WTA-500- oder WTA-250-Turnieren oder Grand-Slam-Turnieren pro Tour-Jahr über einen Zeitraum von zehn Tour-Jahren oder mehr (nicht zwingend aufeinanderfolgend) angetreten sind, erhalten drei zusätzliche Wildcards – entweder für das Hauptfeld oder die Qualifikation, sowohl im Einzel als auch im Doppel bei WTA-Turnieren (einschließlich WTA-1000-Mandatory-, WTA-500-, WTA-250- und WTA-125-Turnieren); vorausgesetzt jedoch, dass jedes Jahr vor 2019, in dem eine Spielerin an mindestens einem WTA-1000-Mandatory-, WTA-500- oder WTA-250-Turnier oder Grand-Slam-Turnier teilgenommen hat, auf die in dieser Regel geforderten zehn Tour-Jahre angerechnet wird. Spielerinnen, die ehemalige Siegerinnen im Einzel bei den WTA Finals oder einem Grand-Slam-Turnier sind, dürfen eine unbegrenzte Anzahl von Wildcards für das Einzel-Hauptfeld annehmen (einschließlich „Exemption Wildcards“ für WTA-125-Turniere), sofern sie zum Zeitpunkt des Meldeschlusses für das Hauptfeld des jeweiligen Turniers in der WTA-Einzelweltrangliste auf den Plätzen 21 bis 50 geführt werden. Spielerinnen, die ehemalige Siegerinnen im Doppel bei den WTA Finals oder einem Grand-Slam-Turnier sind, dürfen eine unbegrenzte Anzahl von Wildcards für den Doppelwettbewerb annehmen (einschließlich „Exemption Wildcards“ für den Doppelwettbewerb), sofern sie zu den Top-30-Spielerinnen gehören, ehemalige WTA-Weltranglistenerste im Einzel oder Doppel waren, in den letzten zehn Jahren Grand-Slam-Siegerin im Einzel und/oder Siegerin der WTA Finals im Einzel waren. Gemäß der Regelung zur Altersberechtigung (Age Eligibility Rule) unterliegen Spielerinnen unter 17 Jahren Beschränkungen hinsichtlich Anzahl und Kategorie der Wildcards, die sie erhalten dürfen.WTA Rule Book, Abschnitt X.A.2 – Teilnahme an Veranstaltungen, S. 177–187 (englisch) Gemäß dem Anti-Doping-Programm dürfen Spielerinnen, die ihre Karriere beendet haben, keine Wildcard erhalten, solange sie nicht die geltenden Anforderungen für Anti-Doping-Tests erfüllt haben.WTA Rule Book, S. 42–45 (englisch).
Exemption Wildcards Auf der WTA Tour gibt es die „Exemption Wildcards“, die sich an aktuelle Top 30-Spielerinnen oder an ehemalige Nummer 1-Spielerinnen, Grand Slam Turnier-Gewinnerinnen, WTA-Finals-Champions oder WTA-1000er-Siegerinnen richten.
Auf der ATP Tour werden als Pendant „A+Wildcards“ vergeben. Am Ende einer Saison wird eine nicht-öffentliche Liste mit Spielern angelegt, die „A+Wildcards“ beantragen können. Die Listen unterscheiden sich je nach Region, aber in der Regel umfassen sie die aktuell acht besten Spieler der Weltrangliste.
Reciprocal Wildcard Die Grand Slam Turniere US Open, Australian Open und French Open haben 2001 vereinbart, dass sie jeweils eine Wildcard an einen Tennisspieler oder eine Tennisspielerin an die beiden anderen Grand-Slam-austragenden Länder weiterreichen, die über die Teilnehmer entscheiden dürfen, was „Reciprocal Wildcard“ (siehe Reziprozität) genannt wird. Ansonsten vergeben sie die Wildcards in der Regel an aufstrebende Spieler und Spielerinnen aus dem eigenen Land. Die Australian Open machen eine weitere Ausnahme. Dort erhält der Sieger und die Siegerin der Asia-Pacific Wildcard Play-offs eine Wildcard. Nur die Wimbledon Championships, als viertes Grand-Slam-Turnier, hat sich diesem Abkommen nicht angeschlossen. Bis 2015 vergab Wimbledon normalerweise keine Wildcards an einheimische Spieler, es sei denn, sie erfüllten strenge Kriterien, darunter eine Platzierung unter den Top 250 der ATP-/WTA-Ranglisten. Dies wurde geändert, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass eine kommende Generation britischer Spieler in Zukunft eine Chance verdient.Should the Grand Slam Reciprocal Wildcard Agreement be scrapped?, ubi-tennis, 6. August 2018. Abgerufen am 11. Januar 2025.
Länder-Wildcard Im Davis Cup erhält das Gastgeberland einen Platz in den Final 8, solange es unter den besten 50 NationenDavis Cup Rangliste der Nationen, Davis Cup. rangiert oder einer seiner Spieler eine Einzelplatzierung unter den Top 10 der TennisweltranglisteWeltrangliste live hat. Wenn diese Kriterien nicht erfüllt werden, wird der letzte Platz in den Final 8 durch World Tennis (ITF) als Wildcard an ein anderes Land vergeben.
Korruption Auf den unteren Stufen der Tour kommt es zu Korruptionsfällen, bei denen Wildcards ge- und verkauft werden. Wenn sie auffliegen, dann droht den Protagonisten eine Sperre durch die ITF. So wurde der Tennisspieler Aaron Cortes Alcaraz wegen Spielmanipulation und anderen Vergehen von der International Tennis Integrity Agency (ITIA) für 15 Jahre von allen Tenniswettbewerben gesperrt.ATP: Richtig dreist – Spanischer Tennisspieler für 15 Jahre gesperrt, Tennisnet, 9. April 2024. Abgerufen am 11. Januar 2024. Ebenso erhielt Robert Biletic eine sechsmonatige Sperre und eine Geldstrafe. Bosnian tournament director suspended, IATA, 2. August 2023. Abgerufen am 11. Januar 2025.
Spieler mit den meisten Wildcard-Zulassungen Es zählen nur Hauptfeld-Starts bei ATP-/WTA- und Grand-Slam-Turnieren (Stand: 20. August 2024).Wildcards im Tennis: Joker im großen Spiel, Tennis Magazin, 20. August 2024. Abgerufen am 25. Juli 2025. Herren Anzahl5553524945Damen Anzahl4140373533
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