Theresa Georgi(a)na „Trees“ Thornycroft (* 1853 als Georgi[a]na Thornycroft; † 11. Juli 1947) war eine britische Malerin.

Leben mini|hochkant=1.3|The Parable of the Great Supper Thornycroft wurde 1853 als jüngstes Kind der Bildhauer Thomas (1815–1885) und Mary Thornycroft (1814–1895) geboren.Thornycroft, Theresa Georgiana (1853–1947). In: Penny Dunford: A Biographical Dictionary of Women Artists in Europe and America Since 1850. Harvester Wheatshead, Hemel Hempstead 1990, S. 302. ISBN 0-7108-1144-6. Auch mehrere ihrer Geschwister wurden Künstler: die Bildhauerinnen und Malerinnen Alyce Thornycroft (1844–1906) und Helen Thornycroft (1848–1937) waren ihre Schwestern und der Bildhauer Hamo Thornycroft (1850–1925) ihr Bruder. Ihr ältester Bruder John Isaac Thornycroft (1843–1928) war ein bekannter Ingenieur.Penny McCracken: Sculptor Mary Thornycroft and Her Artist Children. In: Woman’s Art Journal, Band 17, Nummer 2 (Herbst 1996/Winter 1997), S. 3–8, hier S. 3 und Fußnote 24. Insbesondere zu Hamo pflegte Theresa ein inniges Verhältnis. Ursprünglich auf den Namen Georgiana oder Georgina – die Literatur nutzt beide Schreibweisen – getauft, begann sie später, den Vornamen Theresa zu verwenden und ist unter diesem Namen auch bekannt geworden. Im Privaten hörte sie auch auf den Spitznamen Trees.Penny McCracken: Sculptor Mary Thornycroft and Her Artist Children. In: Woman’s Art Journal, Band 17, Nummer 2 (Herbst 1996/Winter 1997), S. 3–8, hier S. 7. Von früh an von ihren Eltern künstlerisch ausgebildet,Penny McCracken: Sculptor Mary Thornycroft and Her Artist Children. In: Woman’s Art Journal, Band 17, Nummer 2 (Herbst 1996/Winter 1997), S. 3–8, hier S. 5. besuchte sie als Jugendliche das Queen’s College in der Londoner Harley Street, wo sie Freundschaften mit Ellen Epps und Catherine Madox Brown schloss, die beide später ebenfalls Malerinnen wurden. Weiteren Unterricht in der Malerei erhielt sie bei Browns Vater Ford Madox Brown.Caroline Dakers: The Holland Park Circle: Artists and Victorian Society. Yale University Press, London 1999, S. 179. Mit 18 Jahren und einer Empfehlung des Malers Frederick Goodall wurde sie 1872 als Studentin an der Kunsthochschule der Royal Academy of Arts angenommen.Penny McCracken: Sculptor Mary Thornycroft and Her Artist Children. In: Woman’s Art Journal, Band 17, Nummer 2 (Herbst 1996/Winter 1997), S. 3–8, hier S. 6. Damit besuchte die gleiche Kunsthochschule wie ihre Geschwister, war aber das einzige Thornycroft-Kind, das als Malereistudentin und nicht als Bildhauereistudentin aufgenommen wurde. Im Jahr ihrer Aufnahme an der Royal Academy of Arts wurde sie zusammen mit ihrem Bruder Hamo konfirmiert. Zwei Jahre später publizierte sie den Bericht einer Vision, die sie über den Tod eines Cousins hatte, im Magazin der spiritistischen Society for Psychical Research.Deborah Cherry: Beyond the Frame: Feminism and Visual Culture, Britain 1850–1900. Routledge, London 2000, S. 207.

In den 1870er Jahren arbeitete Thornycroft gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Geschwistern im Londoner Atelier der Familie. Unter anderem stand sie Modell für die Arme und Schultern der Statue Tragedy ihres Bruders Hamo.Penny McCracken: Sculptor Mary Thornycroft and Her Artist Children. In: Woman’s Art Journal, Band 17, Nummer 2 (Herbst 1996/Winter 1997), S. 3–8, hier S. 6. Mit Hamo unternahm sie ab den 1870er Jahren auch mehrere Reisen, die sie unter anderem 1877 zum Salon de Paris führten. Ab 1874 stellte sie ihre Werke regelmäßig in den Londoner Galerien aus. Gerühmt für ihre Bildkompositionen, bestand ihr Œuvre aus Malereien verschiedener Genres, wenngleich sie vor allem für religiöse Thematiken bekannt war. Am 30. Januar 1884 heiratete Thornycroft in Kensington den acht Jahre jüngeren Alfred Ezra Sassoon (1861–1895), als Sohn von Sassoon David Sasoon ein Spross der sephardischen Kaufmannsfamilie Sassoon. Die Heirat zwischen dem Juden und der streng gläubigen Christin wurde von beiden Familien skeptisch beäugt; Sassoons Mutter sagte sich von ihrem Sohn los, während die Thornycrofts die Heirat schließlich akzeptierten. Das frisch verheiratete Paar zog in das Anwesen Weirleigh im kleinen Dorf Matfield bei Tunbridge Wells in Kent, das zuvor dem Künstler Harrison Weir gehört hatte.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 4–5, 7–8. In den nächsten Jahren wurde das Paar Eltern dreier Söhne, darunter der spätere Dichter Siegfried Sassoon (1886–1967). Zunächst setzte Theresa ihre künstlerische Laufbahn fort und malte in einem eigenen Atelier in Matfield. In dieser Zeit entstand mit The Hours eines ihrer bekanntesten Werke, das sie 1889 in der Royal Academy of Arts zeigte. Um 1890 trennte sich das Ehepaar, nachdem Theresas Ehemann eine kurzlebige Affäre mit der US-amerikanischen Schriftstellerin Julia Constance Fletcher eingegangen war. Theresa zog ihre drei Kinder seitdem allein in Matfield groß und blieb distanziert von Alfred.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 8–10.

1893 übernahm Theresa die Pflege ihrer gebrechlichen Mutter, die 1895 verstarb. In dieser Zeit wurde sie von ihrem Bruder Hamo finanziell unterstützt; ihre eigene künstlerische Karriere hatte sie zu diesem Zeitpunkt offenbar beendet. Wenig später starb auch Alfred, von dem sie sich nie formal geschieden hatte. Testamentarisch sicherte er ihr ein lebenslanges Lebensrecht in Matfield zu. Bei der Erziehung ihrer Kinder ließ sich Theresa von Kindermädchen unterstützen.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 13–14. Später finanzierte sie die Ausbildung ihrer Kinder in Internaten.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 22. Verbindungen zu der Verwandtschaft ihres Vaters erloschen völlig, mit Ausnahme ihrer Schwägerin Rachel Beer, die wie Alfred christlich geheiratet hatte und zu einer guten Freundin wurde.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 17. Später in ihrem Leben litt Theresa unter finanziellen Problemen,Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 139. zugleich erkrankte sie an Rheuma.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 134. Daher wurde sie von ihrem Sohn Siegfried finanziell unterstützt.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 302, 330. Politisch und moralisch unterstützte sie die konservativen Tories,Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 325. und die Homosexualität Siegfrieds blieb zwischen Mutter und Sohn unangesprochen.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 261. Anfang der 1930er Jahre entwickelte Theresa gesundheitliche Probleme an den Eierstöcken und musste in Royal Tunbridge Wells operiert werden.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 368. Die Heirat ihres Sohnes Siegfried mit Hester Gatty im Dezember 1933 blieb sie aus gesundheitlichen Gründen fern,Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 392. wenngleich sie die trotz Siegfrieds Homosexualität eingegangene Eheschließung sehr begrüßte.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 388. Als die Ehe ihres Sohnes am Ende des Zweiten Weltkriegs auseinanderbrach, sah sie ihren Sohn als Opfer und bot moralische Unterstützung an.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 434. Von Siegfried wurde sie in dieser Zeit dagegen weitgehend gemieden, aus Angst, seine geliebte Mutter als alte, schwache Frau zu sehen. Bis zuletzt lebte Theresa in Weirleigh, wo sie gesundheitlich schwach und an Ekzemen leidend, aber geistig noch angeregt ihren Lebensabend verbrachte. Sie verstarb am 11. Juli 1947 im Alter von 93 Jahren.Max Egremont: Siegfried Sassoon: A Life. Farrar, Straus and Giroux, New York 2005, S. 448. Ein Gemälde Thornycrofts mit dem Titel The Parable of the Great Supper ist heute in der Sammlung des Museum of Croydon.The Parable of the Great Supper. In: artuk.org, ArtUK. Abgerufen am 11. Januar 2025.

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Einzelnachweise

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