Johann Anton Breidler (* 12. September 1828 in Leoben; † 24. Juli 1913 in Graz) war ein österreichischer Botaniker und Architekt, der vor allem als Bryologe in Erscheinung getreten ist. Sein Namenskürzel lautet Breidl.Autorenkürzel im International Plant Names Index (englisch), abgerufen am 9. Jänner 2025 Seine Forschungen und Entdeckungen trugen wesentlich zum Verständnis der alpinen und mitteleuropäischen Moosflora bei.

Leben Frühes Leben, Ausbildung und berufliche Entwicklung mini|Johann Breidler in einem Porträt, geschaffen vom Wiener Fotografen Josef Ungar. mini|Johann Breidler in späteren Jahren Johann Breidler wurde am 12. September 1828 als Sohn des Magistratsrats sowie Grund- und Realitätenbesitzers Johann Breidler (* um 1788; † 3. März 1857)Sterbebuch Leoben-St. Xaver, tom. V, fol. 211 (Faksimile), abgerufen am 10. Jänner 2025 und dessen Ehefrau Josefa (geborene Schilcher; * um 1801; † 17. Dezember 1854)Sterbebuch Leoben-St. Xaver, tom. V, fol. 167 (Faksimile), abgerufen am 10. Jänner 2025 in eine bürgerliche Leobener Familie geboren und auf den Namen Johann Anton getauft.Taufbuch Leoben-St. Xaver, tom. V, fol. 73 (Faksimile), abgerufen am 9. Jänner 2025 Er hatte mindestens vier Geschwister. Die Familie lebte zum Zeitpunkt seiner Geburt im Eckhaus Nr. 38 am Leobener Hauptplatz (damals: Ecke Mittergasse/Unterer Platz;Johann Breidler. Ein Nachruf. Von Julius Głowacki., abgerufen am 11. Jänner 2025 heute: Ecke Homanngasse 2/Hauptplatz 13).Ansicht des Gebäudeblocks im Franziszeischen Kataster, abgerufen am 10. Jänner 2025 Zwei Jahre zuvor hatte der Vater durch einen Brand ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude in der damals noch eigenständigen Gemeinde und Vorstadt Mühltal durch einen Brand verloren, jedoch aufgrund eines kurz zuvor abgeschlossenen Versicherungsvertrages bei der Ersten österreichischen Brandversicherungs-Gesellschaft in Wien schnell Schadensersatz erhalten. Der Vater, ein wohlhabender Bürger, besaß neben dem Eckhaus auch das angrenzende Gebäude. Beide Häuser zählten in Leoben zu den sogenannten berechtigten Anwesen und waren damit an der Erzgewinnung am Vordernberger Erzberg, am Hochofen der Stadt Leoben in Vordernberg sowie an den ausgedehnten Wäldern rund um die Mugel und weiteren Waldanteilen bei Trofaiach beteiligt. Kurze Zeit war der Vater auch im Besitz eines Eisenhammers in Murau, den er jedoch aus Ermangelung der Kenntnisse über dieses Gewerb, bald wieder verkaufte. In dieser Zeit verbrachte der junge Breidler einen Teil seiner Kindheit in Murau. 1834 bot der Vater das Geburtshaus im Zentrum von Leoben zusammen mit einem an der Stadtgrenze gelegenen Meierhof mit Forst- und Viehaufstriebsrecht im nahegelegenen Bürgerwald zum Verkauf an. Nachdem er das Stadthaus doch nicht verkauft hatte, starben die Eheleute Breidler dort 1854 bzw. 1857. Das Haus wurde von Breidler schließlich an den damaligen Bürgermeister Wilhelm Failhauer verkauft, der im selben Gebäudeblock am Hauptplatz noch drei weitere Gebäude kaufte und dort das „Hotel Post“ (heutige Adresse: Hauptplatz 15) erbauen ließ.

In seiner Geburtsstadt besuchte Breidler die Volksschule, danach eine Theresianische Hauptschule und nach deren Beendigung eine gewerbliche Fortbildungsschule, die damit verbunden war. Aufgrund seiner besonderen Begabung für das Zeichnen entschieden seine Eltern, ihn das Maurerhandwerk bei einem Meister aus ihrem näheren Bekanntenkreis erlernen zu lassen. Nach dem Erhalt des Lehrbriefes besuchte er im Anschluss die technische Schule am ständischen Joanneum in Graz, dem Vorläufer der späteren TU Graz. Dort war er von 1843 bis 1849 tätig, bestand alle Prüfungen mit vorzüglichem Erfolg und ließ sich noch 1848 in die Nationalgarde einteilen, die nach der Märzrevolution 1848 in jeder steirischen Stadt und jedem größeren steirischen Ort eingerichtet worden war.Die Rolle der Nationalgarde während der Revolution von 1848 in der Steiermark – Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Master of Arts (MA) an der Karl-Franzens-Universität Graz vorgelegt von Stefan SAMONIG, BA am Institut für Geschichte – Begutachterin Univ.-Prof. Dr.phil. Gabriele Haug-Moritz, abgerufen am 11. Jänner 2025 Danach studierte er vom 1. Oktober 1849 bis zum August 1852 sechs Semester lang Architektur und Ingenieurwesen an der Bauakademie Berlin und arbeitete anschließend beim in Wien ansässigen Architekten Ludwig von Förster. Als einer von Försters Assistenten war er unter anderem am Bau des Israelitischen Bethauses in der Wiener Vorstadt Leopoldstadt beteiligt. Zudem war er an einer Vielzahl weiterer Bauprojekte in Wien und Budapest beteiligt. Zusammen mit dem Sohn seines Dienstgebers unternahm er architektonische Studienreisen nach Italien, die ihn bis nach Rom führten. Dort musste er seine Reise jedoch bald abbrechen, da ihn als Österreicher die politischen Verhältnisse jener Zeit zwangen, das Land zu verlassen. Als Architekt verweilte er nicht lange, da es ihm nach dem Tod seiner Eltern durch eine Erbschaft ermöglicht wurde, sich vollständig ins Privatleben zurückzuziehen. Nach dem Tod Ludwig von Försters übernahm dessen Sohn die architektonischen Geschäfte, widmete sich jedoch mehr anderen Interessen und vernachlässigte die väterliche Kunst, was Breidler erheblich missfiel und ebenso dazu beitrug, dass er sich kurz darauf ins Privatleben zurückzog.

Vollständige Ausrichtung auf die Botanik ab der 1860er Jahre Bereits seit frühester Kindheit mit Alpenpflanzen vertraut, wandte er sich fortan gänzlich der Botanik zu. Bereits während seiner Kindheit und Jugend in Leoben hatte er auf den umliegenden aber auch weiter entfernten Bergen Alpenpflanzen gesammelt und zu einem reichhaltigen Herbarium zusammengetragen, das er später auch nach Wien mitnahm und durch häufige Ausflüge ins benachbarte Niederösterreich erweiterte. An der Universität Wien besuchte er vor allem Vorlesungen über Morphologie und Systematik der Kryptogamen bei Heinrich Wilhelm Reichardt. Dieser war zu dieser Zeit Privatdozent und Kustosadjunkt beim Botanischen Garten der Universität. Rund um diese Zeit trat er aufgrund seiner Unzufriedenheit mit der Dekadenz des Geschäfts von seiner Stelle beim jungen Förster zurück. Anschließend arbeitete er nur noch sporadisch für ihn, fertigte zu Hause architektonische Skizzen an, stellte aber auch diese Tätigkeit bald darauf ein. Breidler pflegte Kontakte zu den bedeutendsten Bryologen seiner Zeit sowie zum Wiener botanischen Kreis, darunter auch Anton Kerner von Marilaun, mit dem er seine Leidenschaft für Alpenpflanzen teilte. Enge Beziehungen unterhielt er insbesondere zum Straßburger Paläobotaniker Wilhelm Philipp Schimper und dem Breslauer Bryologen Karl Gustav Limpricht. Insbesondere durch Jakob Juratzka, den er Mitte der 1860er Jahre kennengelernt hatte, wuchs Breidlers Interesse an der Bryologie und er etablierte sich innerhalb kurzer Zeit als eine maßgebliche Autorität in der alpinen Bryoflora. Diese Stellung untermauerte er mit Arbeiten, die er in der Oesterreichischen Botanischen Zeitschrift veröffentlichte: Beitrag zur Moosflora des Kaukasus (Band 39, 1889) und Beitrag zur Moosflora der Bukowina und Siebenbürgens (Band 40, 1890). Ab 1891 veröffentlichte er über die Mittheilungen des Naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark, den Verlag des genannten Vereins, seine große Monografie über die steirischen Moose (Die Laubmoose Steiermarks, 1891 oder Die Lebermoose Steiermarks, 1894).

Zusammen mit dem bereits erwähnten Anton Kerner von Marilaun unternahm der gebürtige Leobener zahlreiche Expeditionen in den Tiroler Alpen, besuchte aber auch Salzburg und dehnte seine Forschungen immer mehr in den steirischen Raum aus. Dort bestieg er nahezu alle bedeutenden obersteirischen Gipfel und durchkämmte diese auf der Suche nach Moosen. In den Sommermonaten verbrachte er diese Zeit zumeist abwechselnd an verschiedenen Orten der Steiermark, beschränkte sich jedoch nicht nur darauf, sondern dehnte seine Suchen nach Moos auch auf die Nachbarländer Salzburg und Kärnten aus oder besuchte auch weiter entfernte Regionen wie Vorarlberg, Krain oder das Küstenland, wobei er auch dem Karstland Beachtung schenkte. Dadurch kam er nicht nur in Kontakt zu den angesehensten Bryologen Europas, sondern auch jenen aus Nordamerika. Dazu zählten neben den bereits erwähnten Wilhelm Philipp Schimper oder Karl Gustav Limpricht unter anderem Sextus Otto Lindberg, Nils Bryhn, Antonio Bottini, Adalbert Geheeb, Karl Johann August Müller, Gottlob Ludwig Rabenhorst, Carl Warnstorf oder Alexander William Evans. Nachdem er jahrzehntelang in Wien gelebt hatte, übersiedelte Breidler 1896 nach Graz. Am 4. Oktober 1898 heiratete der mittlerweile 70-Jährige die rund elf Jahre jüngere Private Maria Antonia Mayerl (* 2. Oktober 1837 in Laimgrube bei Wien;Taufbuch Wien-06., St. Josef ob der Laimgrube, tom. XXII, fol. 43 (Faksimile), abgerufen am 9. Jänner 2025 † 4. Dezember 1914 in Graz).Trauungsbuch Graz-Herz Jesu, tom. II, fol. 99 (Faksimile), abgerufen am 9. Jänner 2025 Bereits in Wien hatte Breidler viele Jahre bei der Familie seiner späteren Ehefrau gelebt. Seine wissenschaftlichen Tätigkeiten wurden durch die tatkräftige Unterstützung seiner Ehefrau Maria ergänzt, die die Präparation des gesammelten Materials übernahm. Zusätzlich wirkte Breidler maßgeblich an dem Exsikkatenwerk von Gottlob Ludwig Rabenhorst mit und beteiligte sich an der von Kerner von Marilaun herausgegebenen Schedae ad Floram exsiccatam Austro-Hungaricam. Wie der Ausgabe der Carinthia II aus dem Jahr 1895 zu entnehmen ist, trug Breidler vier Moose zur damals aktuellen Veröffentlichung bei.