mini|Otto Carius als Leiter eines Zeichenlehrgangs in Markkleeberg (1961) Otto Carius (* 29. Oktober 1914 in Jena; † 31. Juli 1988 ebenda) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben und Werk Carius durchlief nach dem Abschluss der Volksschule ab 1928 mehrere Berufsausbildungen und übte, mit Unterbrechungen durch Arbeitslosigkeit während der Weltwirtschaftskrise, verschiedene Tätigkeiten aus. Nach der Teilnahme am Zweiten Weltkrieg und der Kriegsgefangenschaft studierte er von 1945 bis 1950 bei Fritz Dähn (Wandbild), Otto Herbig, Hans Hoffmann-Lederer (Form- und Gestaltungslehre), Hermann Henselmann und Albert Kapr an der Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst in Weimar. Dort war er von 1947 bis 1949 Hilfsassistent bzw. Assistent in der Form- und Gestaltungslehre. Von 1949 bis 1954 beteiligte er sich an Einsätzen von Studenten und bildenden Künstlern in der Maxhütte Unterwellenborn. Er arbeitete ab 1952 freischaffend in Jena-Lobeda und war ab 1953 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR.
Carius folgte zunächst der staatlichen Realismus-Doktrin und bildete mit Martin Bauß und Rolf Stark (* 1922) eine „Künstlerbrigade“, die zu Beginn der 1950er Jahre einige Genre-Gemälde in diesem Stil schuf. Um 1955/1956 rückte er jedoch davon ab, und er beeinflusste in den 1970er Jahren eine Reihe von Künstlern in Jena und Gera, die sich von der plakativen Realismus-Auffassung distanzierten. Ihm wurde daraufhin „Formalismus“ vorgeworfen.
Er nahm an Ausstellungen in der DDR und u. a. in Karlsruhe, Wiesbaden, Hämeenlinna, Helsinki, Plzen, Prag Sliven, Sofia und Warschau teil. 1977 wurde er mit dem Kunstpreis des Rats des Bezirks Gera geehrt.
Carius schuf vor allem Landschaftsbilder (häufig mit farbstarker Enkaustik), machte aber auch gebrauchsgrafische Auftragsarbeiten u. a. Entwürfe für Plakate. Carius signierte seine Bilder mit OCA. Zu seinem Gesamtwerk gehören außerdem über 25 architekturbezogene Arbeiten wie Mosaike, Sgraffiti und plastische Wandgestaltungen. Er unternahm u. a. eine Studienreise in die Sowjetunion. Zuletzt hatte er einen Lehrauftrag der Pädagogischen Hochschule Erfurt im Bereich Kunsterziehung und unterrichtete Amateure in Gera und Rudolstadt. Im Jahr seines Todes 1988 wurde er mit dem Kunstpreis des Bezirkes Gera ausgezeichnet.
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Carius‘ (unvollständig)
Altenburg/Thür.: Lindenau-Museum Gera: Otto-Dix-Haus Jena: Städtische Museen Jena Unterwellenborn: Kunstsammlung der Maxhütte Unterwellenborn
Werkbeispiele Siehe auch Bildindex der Kunst & Architektur
Zeichnungen und Druckgrafik Schneeschmelze bei Jena (1952, Lithografie, 22 × 43 cm; auf der Dritten Deutsche Kunstausstellung) Maxhütte Unterwellenborn (Kreide)Katalog der Ausstellung 100 Jahre Staatliches Lindenau-Museum
Saaletal (Kreidezeichnung; auf der Gesamtdeutschen Graphikausstellung „Ein Bekenntnis zum Leben“) Boote in Prerow (Lithografie; auf der Gesamtdeutschen Graphikausstellung „Ein Bekenntnis zum Leben“)
Architekturbezogene Werke
Aus Stahl wird Brot (1954/1955; Wandgestaltung in Natursteinmosaik, Länge 7 m; mit Bauß und Stark; Unterwellenborn, Speisesaal der Hochofen-Abteilung der Maxhütte; nach Einwänden der Auftraggeber nicht im ursprünglichen Sinn vollendet; 1996 beim Abriss des Gebäudes zerstört)
Künstlerische Bastelarbeiten (1968; Wandgestaltung in Holz auf Metallschienen und Eisendraht vor mit Latex bemalter Hartfaserplatte, 1,60 × 3,25 m; Gera-Debschwitz, Ferdinand-Hahn-Straße; Flur im Obergeschoß des damaligen Kindergartens, der heutigen Kindertagesstätte am Fuchsturm?)Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 3, Karl-Marx-Stadt, Gera, Erfurt, Suhl. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, S. 90/91
Ausstellungen (unvollständig)
Einzelausstellungen
1954: Jena, Staatliche Museen (mit Bauß und Stark) postum 1988: Gera, Ferbersches Haus (Gedächtnisausstellung)
Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR 1953: Dresden, Dritte Deutsche Kunstausstellung
1954: Altenburg/Thür., Lindenau-Museum („100 Jahre Staatliches Lindenau-Museum“) 1956: München, Städtische Galerie im Lenbachhaus, und Berlin, Deutsche Akademie der Künste (Gesamtdeutsche Graphikausstellung „Ein Bekenntnis zum Leben“) 1969, 1974, 1979 und 1984: Gera, Bezirkskunstausstellungen 1979: Weimar, Kunsthalle am Theaterplatz; Altenburg, Lindenau-Museum; Berlin, Ausstellungszentrum am Fernsehturm („spectrum. Bildende Künstler der DDR an der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste Weimar 1946 – 1951“)
Literatur (chronologisch)
Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 129 Claus-Jürgen Nötzold (Hrsg.): Lobeda und die Lobdeburg in der Kunst. Werke und ihre Künstler. (= Beiträge zur Ortsgeschichte Lobeda-Altstadt. Band 7). Förderverein Bären Lobeda e.V., 2018, .
Kürschners Graphiker-Handbuch. Deutschland, Österreich, Schweiz. De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-11-164267-3, S. 28.
Weblinks
Otto Carius in der Deutschen Fotothek Otto Carius im Bildatlas Kunst in der DDR Otto Carius im Archiv der Akademie der Künste
Einzelnachweise
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