mini|Brennende Häuser im Palisades Fire mini|In Flammen stehender Bergrücken im Hurst Fire Bei den Waldbränden in Südkalifornien im Januar 2025 handelt es sich um eine Reihe von Großbränden in Südkalifornien, vor allem im Los Angeles County, ab dem 7. Januar 2025. Die Brände wurden durch eine Kombination aus starken Santa-Ana-Winden, ungewöhnlich trockenen Bedingungen und dem Beitrag des menschengemachten Klimawandels begünstigt und griffen binnen kurzer Zeit auf zahlreiche Straßenzüge von Altadena und Pacific Palisades über, wo sie schwerste Schäden hinterließen.

Aktuelle vorläufige Einschätzungen gehen von mindestens 30 Toten, mehr als 16.250 zerstörten und rund 2100 beschädigten Gebäuden und über 200 km² verbrannter Fläche aus. Für mehr als 235.000 Menschen galten verpflichtende Evakuierungsbefehle. Die Schäden werden auf Dutzende Milliarden US-Dollar bis etwa 250 Mrd. Dollar geschätzt, womit die Brandkatastrophe die möglicherweise teuerste Naturkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist. Besonders schwerwiegend erwiesen sich das Eaton Fire und das Palisades Fire. Das Eaton Fire alleine war mit mehr als 9400 zerstörten Gebäuden und 17 Toten der zweitzerstörerischste und fünfttödlichste Waldbrand in der Geschichte Kaliforniens, das Palisades Feuer mit mehr als 6800 zerstörten Gebäuden und 12 Toten der drittzerstörerischste und neunttödlichste Waldbrand des Bundesstaates. Mehr Todesopfer und zerstörte Gebäude forderte nur das Camp Fire 2018.

Meteorologische Ausgangssituation mini|Schema der Santa-Ana-Winde: Typisch ist ein Hochdruckgebiet über dem Großen Becken. Die im Uhrzeigersinn aus dem Hochdruckzentrum verlaufenden Luftmassen strömen weiter durch die Pässe und Canyons Südkaliforniens und manifestieren sich als trockener und warmer Nordostwind.

Niederschläge fallen in Kalifornien typischerweise im Winter, während im Sommer oft gar kein (nennenswerter) Regen fällt. Oft erreicht die Waldbrandsaison im Oktober ihren Höhepunkt, wenn die Vegetation nach dem langen Sommer ausgedörrt ist und Santa-Ana-Winde einsetzen, bevor Regen das Land befeuchtet. Im Januar ist die Waldbrandsaison in aller Regel längst beendet. Im Winter 2024/25 war das aber nicht der Fall, da es im Süden Kaliforniens noch keinen Regen gegeben hatte, der die Brandgefahr gesenkt hätte. Starke Santa-Ana-Winde im Januar sind nicht unüblich. In normalen Jahren stellen diese hinsichtlich Brandgefahr aber keine große Bedrohung dar, weil sich nach ergiebigen Regenfällen wieder genügend Feuchtigkeit im Boden befindet und die Vegetation ergrünt ist. Im Januar 2025 trafen die starken Winde jedoch auf noch immer extrem trockene Vegetation, bei der jeder Funke in kurzer Zeit schwere Großbrände auslösen kann. In Südkalifornien hatte es vor den Bränden acht Monate lang kaum geregnet.Klima-Extreme befeuern Kaliforniens Brände. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland, 9. Januar 2025. Abgerufen am 10. Januar 2025. Seit Beginn der Regensaison im Oktober 2024 fielen gerade einmal 2 % der üblichen Menge. Das ist der geringste Niederschlag in diesem Zeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen.The Los Angeles wildfires are climate disasters compounded . In: The Guardian, 9. Januar 2025. Abgerufen am 9. Januar 2025. Der letzte Tag 2024, an dem in Downtown Los Angeles mehr als 2,5 Liter Regen an einem einzelnen Tag niedergegangen waren, war der 8. Mai. Gemäß Meteorologen befindet sich die Region damit so tief in der eigentlichen Regensaison in bisher unbekanntem Terrain.Southern California in ‘uncharted territory’ as fire weather returns all next week. In: Los Angeles Times, 18. Januar 2025. Abgerufen am 18. Januar 2025.

Zudem war nach dem sehr feuchten Winter 2023/24 außergewöhnlich viel Vegetation herangewachsen, mutmaßlich bedingt durch einen starken El Niño 2023/24, der ab dem Frühjahr 2024 abschwächte. Damit stand viel zusätzliches, leicht entflammbares Brennmaterial zur Verfügung, das im sehr heißen Sommer 2024 dann austrocknete. Als damit Anfang Januar 2025 starke Santa-Ana-Winde aufkamen, war die Landschaft extrem anfällig für Brände.From flooding rain to unmitigated wildfire: Why California is ground zero for disasters. In: CNN, 10. Januar 2025. Abgerufen am 11. Januar 2025. Der Klimaforscher Daniel Swain von der University of California, Los Angeles erklärte, es habe niemals eine so trockene Waldbrandsaison nach einer so nassen Saison wie der vorangegangenen gegeben.‘Life-threatening’ windstorm fans fires in Southern California as blazes burn in Los Angeles. In: NBC News, 7. Januar 2025. Abgerufen am 9. Januar 2025.

Beitrag des Klimawandels Wissenschaftler hoben den Beitrag des menschengemachten Klimawandels zu den Feuern hervor.This is how climate change contributed to the California wildfires. In: ABC News, 9. Januar 2025. Abgerufen am 9. Januar 2025.Die Katastrophe trägt eine eindeutige Handschrift. In: T-Online.de, 9. Januar 2025. Abgerufen am 10. Januar 2025. Unter anderem weist der Klimaforscher Daniel Swain darauf hin, dass sich klimawandelbedingt die Waldbrandsaison bereits erheblich verlängert hat und sich somit Waldbrandsaison und Windsaison immer häufiger überlappen, womit die Tage mit dürre- und windbedingt sehr guten Brandbedingungen (Feuerwetter) sehr stark zugenommen haben.The role of climate change in the catastrophic 2025 Los Angeles fires. In: YaleClimateConnections, 10. Januar 2025. Abgerufen am 11. Januar 2025. Der Klimaforscher Eric Holthaus nannte die Brände ein „besonders akutes Beispiel“ für eine zusammengesetzte Klimakatastrophe, bei der mehrere negative Ereignisse zusammenfallen, die zusammen dann weitaus größere Schäden anrichten, als wenn sie einzeln für sich aufträten. Eine Schnellstudie der University of California, Los Angeles kam zu dem Ergebnis, dass die Brände zwar auch ohne Klimawandel ausgebrochen wären, jedoch „etwas kleiner und weniger intensiv“ ausgefallen wären. Durch den Klimawandel stand ihnen der Studie zufolge etwa 25 % mehr Brennmaterial zur Verfügung. Außerdem lag der Feuchtegrad der vertrockneten Vegetation zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Brände auf dem sechstniedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnung. Die Forscher halten auch fest, dass es ein sehr ungewöhnlicher Santa-Ana-Wind-Ereignis gewesen sei und hierbei der Klimawandel keine Rolle spielte.LA fires were larger and more intense because of planet-warming pollution, study suggests. In: CNN, 15. Januar 2025. Abgerufen am 15. Januar 2025.

Eine ausführliche Attributionsstudie von World Weather Attribution ergab, dass Brandbedingungen in Form des Feuerwetterindexes, wie sie bei den Bränden vor Ort herrschten, bei gegenwärtigen Klima statistisch alle 17 Jahre zu erwarten sind. Dies ist etwa 35 % häufiger als in vorindustrieller Zeit ohne menschengemachten Klimawandel. Zudem war die Intensität ca. 6 % höher als vor Einsetzen des menschengemachten Klimawandels. Bei einem weiteren Fortschreiten des Klimawandels von 1,3 °C auf 2,6 °C würden solche Feuerwetterbedingen noch einmal um 35 % wahrscheinlicher und 3 % intensiver. Dürrebedingungen wie Anfang 2025 kommen bei gegenwärtigen Klima statistisch gesehen alle 20 Jahre vor, etwa 2,4 mal häufiger als vor Beginn des menschengemachten Klimawandels. Zudem kam die Studie zu dem Ergebnis, dass die Trockensaison vor Ort durch den Klimawandel ca. 23 Tage länger dauert als in vorindustrieller Zeit, sodass sich Santa-Ana-Winde und Trockensaison mit viel leicht entzündlichem Brennstoff zunehmend überlappen. Die Studie hält ebenfalls fest, dass die Häufigkeit atmosphärischer Zirkulationsmuster, wie sie am 8. Januar 2025 herrschten, im Winter zugenommen habe. Hier jedoch seien weitere Forschungen nötig, ob dieser Effekt ebenfalls auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen sei oder auf eine andere Ursache. Klimamodellläufe deuten ebenfalls auf eine deutlich Zunahme bei der potentiell verbrannten Landfläche im Dezember und Januar durch den Klimawandel hin. In Summe könne man "aufgrund der diversen Belegketten sehr zuversichtlich festhalten, "dass der vom Menschen verursachte Klimawandel, der in erster Linie auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückzuführen ist, die Wahrscheinlichkeit der verheerenden Brände in LA erhöht hat."Climate change increased the likelihood of wildfire disaster in highly exposed Los Angeles area. World Weather Attribution. Abgerufen am 30. Januar 2025.

Der Weltklimarat IPCC hielt in seinem 2022 erschienenen Sechsten Sachstandsbericht fest, dass der menschengemachte Klimawandel in Nordamerika zu wärmeren und trockeneren Bedingungen geführt hat, die Flächenbrände begünstigen. Sowohl die Zahl großer Waldbrände als auch die verbrannte Fläche im Westen der USA sind in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen. Der IPCC verweist auf Attributionsstudien, wonach der Klimawandel für den Anstieg der verbrannten Fläche in Kalifornien verantwortlich ist. Im ganzen Westen der USA ist der Hauptgrund hierfür der Rückgang der Niederschläge, gefolgt von dem Anstieg der Temperaturen, während für Kalifornien alleine der Anstieg der Temperaturen und damit die Aridisierung als der wichtigste Grund für den Anstieg verbrannter Fläche ausgemacht wurde. Der Klimawandel führt im Westen der USA gemäß IPCC sowohl zu länger andauernden Brandsaisons als auch zu trockenerem Brennstoff. Für die weitere Zukunft prognostiziert der IPCC einen Anstieg der Feueraktivität in vielen Teilen Nordamerikas durch längere Brandsaisons, langfristige Erwärmung und mehr Blitzeinschläge in Teilen der USA.Hicke, J.A., S. Lucatello, L.D., Mortsch, J. Dawson, M. Domínguez Aguilar, C.A.F. Enquist, E.A. Gilmore, D.S. Gutzler, S. Harper, K. Holsman, E.B. Jewett, T.A. Kohler, and KA. Miller, 2022: North America. In: Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability. Contribution of Working Group II to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [H.-O. Pörtner, D.C. Roberts, M. Tignor, E.S. Poloczanska, K. Mintenbeck, A. Alegría, M. Craig, S. Langsdorf, S. Löschke, V. Möller, A. Okem, B. Rama (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, UK and New York, NY, USA, pp. 1929–2042, S. 1948–1950, DOI:10.1017/9781009325844.016.

Die Wachstumsrate von Waldbränden hat im Rahmen der Klimakrise in den Vereinigten Staaten jüngsten Untersuchungen zufolge zwischen 2001 und 2020 erheblich zugenommen, insbesondere im Westen und in Teilen des Ostens, wobei sich im Westen des Landes die durchschnittliche Spitzenwachstumsrate dieser Brände während dieses Zeitraums verdoppelte.

Warnungen und Vorbereitungen Die Feuerwehr von Los Angeles warnte in einem internen Memo einen Monat vor Ausbruch der Brände, dass Budgetkürzungen im Fiskaljahr 2024/25 die Reaktionsfähigkeit auf Notfälle beeinträchtigen könne. Das Budget war real um 2 % reduziert worden. Nachdem die Waldbrände ausgebrochen waren, unterstrich Kristin Crowley, die Leiterin der Feuerwehr Los Angeles, dass sich die Kürzungen nun negativ auswirken. Anstatt einer Budgetkürzung hätte es zusätzliches Personal gebraucht, um die gestiegenen Anforderungen der letzten Jahre zu bewältigen. Die Bürgermeisterin von Los Angeles, Karen Bass, sieht hingegen keine negativen Auswirkungen durch die Kürzung, die durch die schwere Haushaltslage nötig geworden wäre.