Die Präsidentschaftswahl in Frankreich 2027 () ist für den 18. April 2027 vorgesehen. Sie wird die dreizehnte Präsidentschaftswahl des Staatspräsidenten der Fünften Französischen Republik sein.

Bislang wurde keine direkte Präsidentschaftswahl (seit 1965) im ersten Wahlgang entschieden. Ein zweiter Wahlgang mit Stichwahl unter den beiden erfolgreichsten Bewerbern folgt zwei Wochen später.

Die Amtszeiten eines französischen Staatspräsidenten sind verfassungsrechtlich auf zwei beschränkt. Daher darf der seit 2017 amtierende Präsident Emmanuel Macron (Renaissance, RE) nicht zur Wahl für eine dritte fünfjährige Amtszeit () antreten. Bis 2002 dauerte eine Amtszeit sieben Jahre (Septennat), sodass François Mitterrand 14 Jahre im Amt war, Jacques Chirac als Initiator der Änderung zwölf.

Verfahren Wahlverfahren Der französische Staatspräsident wird direkt vom stimmberechtigten Volk gewählt. Im ersten Wahlgang ist ein Kandidat gewählt, wenn er die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält. Erreicht dies kein Kandidat – was bisher bei allen Präsidentschaftswahlen seit 1965 der Fall war –, findet ein zweiter Wahlgang, eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben, statt. Derjenige Kandidat, der im zweiten Wahlgang mehr Stimmen erhält, ist gewählt.

Gemäß Artikel 7 der Verfassung der Fünften Französischen Republik ist die Wahl 20 bis 35 Tage vor Übergabe der Amtsgeschäfte durchzuführen. Der erste Wahlgang wird am 18. April stattfinden, der zweite Wahlgang zwei Wochen später. Traditionell findet die Präsidentschaftswahl an einem Sonntag statt.

Wahlberechtigung Wahlberechtigt ist jeder französische Staatsbürger, der am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet hat und in die Wahllisten eingetragen ist.

Voraussetzungen der Wählbarkeit Wählbar ist jeder Wahlberechtigte, der 500 Unterstützerunterschriften gewählter Mandatsträger (überwiegend Parlamentarier auf Europa-, Staats-, Regions- und Départementsebene sowie Bürgermeister und gewählte Vorsitzende höherer Gebietskörperschaften) aus mindestens 30 Départements nachweisen konnte, wobei nicht mehr als zehn Prozent der Unterstützungsunterschriften aus einem Département stammen dürfen. Nach Prüfung und Bestätigung der Unterlagen durch den Verfassungsrat () haben die Kandidaten Rechenschaft über ihre Vermögenssituation abzugeben. Artikel 6 der französischen Verfassung schreibt zudem fest, dass höchstens zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten möglich sind.

Kandidaten

Marine Le Pen Marine Le Pen, die ehemalige Vorsitzende des rechtsextremen Rassemblement National, trat 2012 erstmals an, belegte dabei mit 17,9 % Rang drei. 2017 und 2022 unterlag sie jeweils im zweiten Wahlgang gegen Macron mit 33,9 % sowie 41,5 %. Am 31. März 2025 wurde Marine Le Pen wegen Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt. Das Gericht ordnete eine Freiheits- und Geldstrafe sowie den Entzug des passiven Wahlrechts für die Dauer von fünf Jahren an, weshalb Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2027 nicht hätte teilnehmen können. Als Alternative wäre voraussichtlich der 2022 als Nachfolger Le Pens gewählte Parteivorsitzende Jordan Bardella für das RN angetreten. Ein Berufungsgericht verurteilte Le Pen am 7. Juli 2026 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, von denen zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden und das verbleibende Jahr mit einer elektronischen Fußfessel vollstreckt werden soll. Der Entzug des passiven Wahlrechts wurde auf 45 Monate verkürzt, wobei 30 Monate zur Bewährung ausgesetzt wurden. Eine Präsidentschaftskandidatur wäre bei Rechtskraft des Urteils nur mit Tragen einer Fußfessel möglich. Le Pen hat angekündigt, gegen das Urteil Revision einzulegen, wodurch sie vorerst keine Fußfessel tragen muss. Sie will weiterhin bei der Präsidentschaftswahl antreten.

Édouard Philippe Édouard Philippe, der Bürgermeister von Le Havre und ehemaliger französischer Premierminister, der 2021 die Mitte-rechts-Partei Horizons gegründet und seit dem als Vorsitzender geführt hat, kündigte im September 2024 seine Präsidentschaftskandidatur an.

Gabriel Attal Gabriel Attal war von Januar bis September 2024 Premierminister Frankreichs; nachdem das zentristische Ensemble-Bündnis die französische Parlamentswahl 2024 verlor, reichte er seinen Rücktritt ein. Seit Dezember 2024 ist er der Generalsekretär der Partei Renaissance, der führenden Kraft innerhalb von Ensemble. Im Mai 2026 kündigte er seine Kandidatur zur Präsidentsschaftswahl an. Er gilt als ideologischer Nachfolger des amtierenden Präsidenten Macron.

Jean-Luc Mélenchon Jean-Luc Mélenchon, Gründer und Führungsfigur der linken Partei La France insoumise, trat bereits 2012, 2017 und 2022 als Präsidentsschaftskandidat an und erhielt jeweils 11,1 %, 19,6 % und 22,0 % der Stimmen; er erreichte alle drei Male den dritten Platz und trat somit kein einziges Mal in die Stichwahl ein. Im Mai 2026 kündigte er seine Kandidatur zur Präsidentsschaftswahl 2027 an.

Raphaël Glucksmann Raphaël Glucksmann ist Mitglied des Europäischen Parlaments und Co-Präsident der Mitte-links-Partei Place publique; er gilt als potenzieller Kandidat und hat seine Kandidatur im August 2026 bekanntgegeben. Er kandidiert bei den sozialdemokratischen Vorwahlen.

Bruno Retailleau Bruno Retailleau ist Vorsitzender der Mitte-rechts-Partei Les Républicains und gewann im April 2026 eine innerparteiliche Abstimmung, die ihn zum Präsidentschaftskandidaten der Partei machte.

Sozialdemokratische Vorwahlen Die Parti socialiste, Place Publique und La Gauche républicaine et socialiste führen eine parteiübergreifende, offene Vorwahl zur Bestimmung einer gemeinsamen Kandidatur durch. Die Vorwahl findet in zwei Wahlgängen am 9./10. und 16./17. Oktober 2026 statt. Aus der Parti socialiste haben die Abgeordneten Philippe Brun und Jérôme Guedj sowie die frühere Abgeordnete und Umweltministerin Ségolène Royal eine Kandidatur angekündigt. Der Vorsitzende von Place publique, Raphaël Glucksmann, wird ebenfalls bei den Vorwahlen antreten.

Vorwahlen der Vereinigten Linke Die Vereinigte Linke bestehend aus Les Écologistes, L'Après und Debout! führen ebenfalls eine Vorwahl durch. Diese findet am 11. Oktober 2026 statt. La France insoumise und die Parti communiste français lehnen eine Teilnahme an den Vorwahlen ab.

Sonstige Weitere Kandidaten, die eine Kandidatur angekündigt haben, sind zum Beispiel Fabien Roussel, der Nationalsekretär der Parti communiste français, der bereits 2022 ohne Erfolg antrat, Nathalie Arthaud, die Co-Sprecherin der trotzkistischen Partei Lutte Ouvrière, die bereits 2012, 2017 und 2022 erfolglos antrat, und Nicolas Dupont-Aignan, der Gründer und Vorsitzende der rechtsextremen Partei Debout la France.

Ein weiterer Kandidat ist Éric Zemmour, der Gründer und Vorsitzender der rechtsextremen Partei Reconquête, der bereits 2022 erfolglos antrat.

Umfragen Gemäß aktueller Umfragen käme Marine Le Pen (RN) auf 30–36 % und liegt klar auf dem ersten Platz. An zweiter Stelle läge voraussichtlich entweder Édouard Philippe (HOR) mit 13–21 % oder Jean-Luc Mélenchon (LFI) 15–20 %, wobei letzterer aktueller Favorit ist. Das Ergebnis verschiebt sich, je nachdem, welche Kandidaten tatsächlich antreten, bedeutend. Gabriel Attal (RE) liegt bei etwa 5–15 % und Raphaël Glucksmann (PP) bei 9–14 %. Bruno Retailleau (LR) liegt in den Umfragen zwischen 8 und 12 % der Stimmen.

mini|Umfrageschnitt erklärter und potentieller Kandidaten seit September 2024|links|800px

Siehe auch Liste der französischen Präsidentschaftswahlen (5. Republik) Liste der Staatsoberhäupter Frankreichs

Weblinks Informationen des Élysée-Palastes zu den bisherigen Präsidentschaftswahlen (französisch, englisch) Informationen der französischen Verwaltung zur Präsidentschaftswahl (französisch) Informationen des französischen Innenministeriums zur Präsidentschaftswahl (französisch)

Einzelnachweise

#2027 Frankreich