mini|Hedwig Tusar-Taxis, Foto von Becker und Maass um 1925 Hedwig Tusar-Taxis (geb. Hedwig Welzel, auch Hedvika Tusarová oder Baronin Hedda Taxis-Tusar; * 23. April 1891 in Rapotín (Mähren); † 5. April 1978 in Wien)Hedvika, geb. Wenzel Tusarová. Eintrag in Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis von 1917 bis 1929, Biographie Nr. 271. Stand 23. Februar 2017.Leo Pfisterer: Hedda Tusar-Taxis – Die Biographie, Seite 119. Verlag Margarete Tischler, 2025. ISBN 978-3-903370-35-7. war zunächst Ehefrau von Vlastimil Tusar, zweiter Ministerpräsident der Tschechoslowakei.Tusar, Vlastimil. Eintrag auf der offiziellen Website des Österreichischen Parlaments. Abgerufen am 5. Jänner 2025.Vlastimil Tusar. Eintrag auf Encyklopedie dějin města Brna (de: Enzyklopädie zur Geschichte der Stadt Brünn). Tschechisch, Stand 22. April 2024.Hedvika Tusarová. Eintrag auf Encyklopedie dějin města Brna (de: Enzyklopädie zur Geschichte der Stadt Brünn). Tschechisch, Stand 30. August 2020. Später wurde sie durch ihre Ehe mit Maria Emil Freiherr Taxis von Bordogna und Valnigra auch Baronin Hedda Taxis-Tusar genannt.Emil Taxis Valnigra auf Ancestry. Abgerufen am 5. Januar 2025.

Leben Hedwig Tusar-Taxis war die Tochter von Josef Welzel und dessen Frau Adelheid.Taufmatrik Rapotín für das Jahr 1891, 23. April Über Kindheit und Jugend ist wenig bekannt.

1917 heiratete Hedwig Welzel Vlastimil Tusar. Diese Ehe ermöglichte ihr den Zugang zu gehobenen Gesellschaftsschichten, vor allem in Prag, Berlin und Wien. Der tschechische Historiker Petr Zidek beschreibt sie als repräsentative Ehefrau und frivole Partyliebhaberin.Peter Zidek: Po boku - Třiatřicet manželek našich premiérů (1918–2012), Seite 90, ISBN 978-80-242-3694-0 Hedvika Tusarová war gesellschaftlich sehr präsent. Im Botschaftsgebäude in Berlin ließ sie unter anderen den Stargeiger Váša Příhoda auftreten.Ein neuer Geiger. Artikel in Vorwärts (Deutschland), Mittwoch, 30. Mai 1923. Deutsche Digitale Bibliothek. Abgerufen am 6. Januar 2025. Im Hotel Adlon war sie Mitorganisatorin von Wohltätigkeitsveranstaltungen.Ein Fest zugunsten notleidender Berliner Kinder. Artikel in Kölnische Zeitung, Montag, 10. Dezember 1923. Deutsche Digitale Bibliothek. Abgerufen am 6. Januar 2025. Die Ehe zwischen Hedwig und Vlastimil Tusar wurde jedoch vom Vatikan in Frage gestellt.Gasparri, Pietro an Pacelli, Eugenio. Vatikan, 10. Januar 1921. Eintrag in Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis von 1917 bis 1929, Dokument-Nr. 9903. Stand 14.05.2013. So behauptet der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri in einem Schreiben an Eugenio Pacelli in Berufung auf Clemente Micara, Tusar würde Hedda lediglich als seine Ehefrau ausgeben.

Vlastimil Tusar starb im März 1924 in den Armen seiner Frau.Po masivním infarktu zemřel před 100 lety druhý československý premiér Tusar. (de: Tusar, der zweite tschechoslowakische Ministerpräsident, starb vor 100 Jahren nach einem schweren Herzinfarkt.) Artikel von Alan Hejma in Mladá fronta Dnes, 23. März 2024. Abgerufen am 6. Januar 2025. Nach seinem Testament wurde Hedvika Tusarová Gesamterbin, den Töchtern aus Vlastimils erster Ehe mit Štěpánka Tusarová wurde lediglich ein gesetzlicher Pflichtteil zugesprochen, Hedvika erhielt als Stiefmutter sogar das Sorgerecht für die Töchter.Peter Zidek: Po boku - Třiatřicet manželek našich premiérů (1918–2012), Seite 41, ISBN 978-80-242-3694-0.

Als Witwe pendelte Hedwig zwischen Wien, Berlin, Prag und ihrem 1924 gepachteten Schloss Hellerhof im niederösterreichischen Paudorf bei Krems.Udo Fischer: Hellerhof, Der weite Weg vom versunkenen Dietmannsdorf zum Zentrum der Pfarre Paudorf-Göttweig, Seite 78. (1992) Auf einer ihrer Reisen nach Wien am 11. Mai 1924 berichtete sie dem Biographen Franz Kafkas, Max Brod, wie unglücklich sie über den Tod Vlastimils wäre.Max Brod: Franz Kafka – eine Biographie. S. Fischer Verlag, 1954, Seite 253. Doch im Juli 1924 – nur etwa 4 Monate nach Tusars Tod – heiratete sie Baron Emil Taxis von Bordogna.Emil Taxis von Bordogna. Eintrag auf Wikitree. Abgerufen am 5. Jänner 2025. Wenige Monate nach dieser Eheschließung kursierten erste Scheidungsgerüchte. Baron Emil war ein Lebemann und finanziell bankrott. Bevor es aber 1926 nach nur zwei Jahren Ehe tatsächlich zur Scheidung kam, sorgte ein zu Weihnachten 1925 auf Schloss Hellerhof verübter Mordversuch an Baron Emil Taxis durch Hedwigs Vater und Bruder international für Schlagzeilen, auch Hedwig selbst soll beim Anschlag involviert gewesen sein.Mordversuch vor 99 Jahren. Blutige Weihnacht im Hellerhof Paudorf. Artikel der NÖN, 21. Dezember 2024.Husband Trounced. Lured by wife to scene of attack. Artikel in The Daily Standard (Brisbane), 30. Dezember 1925, Seite 5, Australian cable service. Hedwig geriet auch in das Kreuzfeuer der nationalsozialistischen Presse. Man warf ihr dort vor, sie habe sich von Tusar ein Millionenerbe – 18 Millionen tschechische Kronen – erschlichen und Drahtzieherin des Attentats an ihrem zweiten Gatten zu sein.Aus Tschechoslowakiens Rumpelkammer. Artikel in der Deutschen Arbeiter-Presse, 20. Mai 1926. Online-Archive der ÖNB. Abgerufen am 15. Februar 2025. Es wurde ihr vorgeworfen, sie habe während eines gemeinsamen Ausfluges mit Alice Masaryková aus dem Schloss Konopiště Juwelen gestohlen, und sie sei eine Jüdin.Masaryks politisches Vermächtnis. Artikel über Tomáš Garrigue Masaryk und Hedwig Tusar (Frau Tusar). Deutsche Arbeiter-Presse, 8. Mai 1926. Online-Archiv der ÖNB. Abgerufen am 15. Februar 2025. Hedwigs Vermögen war danach aufgebraucht. Sie lebte mittellos und gesellschaftlich sowie politisch zurückgezogen in Wien, bis September 1973 war sie in Wien-Alsergrund gemeldet.Historisches Meldeamt der Stadt Wien, Stand 2025. Über ihre dritte Ehe mit dem Werbeunternehmer Robert Endlicher ist nichts Näheres bekannt.

Literatur

Max Brod: Franz Kafka. Eine Biographie. S. Fischer Verlag, 1954 Erhard Riedel: Zur Geschichte der Freiherren und Grafen Taxis-Bordogna-Valnigra und ihrer Obrist-Erbpostämter zu Bozen, Trient und an der Etsch. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1955. Udo Fischer: Hellerhof. Der weite Weg vom versunkenen Dietmannsdorf zum Zentrum der Pfarre Paudorf-Göttweig. Pfarrgemeinde der Pfarre Paudorf-Göttweig, Paudorf 1992, 88 Seiten. Christa Rothmeier: Die entzauberte Idylle – 160 Jahre Wien in der tschechischen Literatur. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien (2004) ISBN 3-7001-3261-1. (Informationen über Hedwig Tusar-Taxis auf Seite 375 ff). Online Peter Zidek: Po boku – Třiatřicet manželek našich premiérů (1918–2012). ISBN 978-80-242-3694-0. Leo Pfisterer: Hedda Tusar-Taxis – Die Biographie, Verlag Margarete Tischler, 2025. ISBN 978-3-903370-35-7.Hedda Tusar-Taxis. Artikel über das Buch auf der Webseite vom Verlag Margarete Tischler, Stand 1. November 2025.

Weblinks

Dvě ženy Vlastimila Tusara? Nevěra a láska s gigolem. (de: Zwei Frauen von Vlastimil Tusar? Untreue und Liebe mit einem Gigolo.) Artikel von Petr Zídek, Lidové noviny, 8. September 2011.

Einzelnachweise

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