Gelbe Briefe (türkisch: „Sarı Zarflar“, internationaler englischsprachiger Titel Yellow Letters) ist ein Spielfilm von İlker Çatak aus dem Jahr 2026. Das Drama erzählt von einem Künstlerpaar aus der türkischen Theaterszene, das aufgrund staatlicher Willkür und anscheinend regierungskritischer Äußerungen seine Arbeit verliert. Daraufhin muss es seine Werte hinterfragen und moralische Grenzen neu definieren. In der Folge werden die Ehe sowie die Beziehung zur jugendlichen Tochter auf eine harte Probe gestellt.

Die Hauptrollen in der internationalen Koproduktion zwischen Deutschland, Frankreich und der Türkei übernahmen Özgü Namal und Tansu Biçer. Das Werk in türkischer Sprache wurde in Deutschland gedreht. Berlin und Hamburg dienten als Ersatz-Drehorte für Ankara und Istanbul, was durch bildfüllende Schrifteinblendungen offengelegt wurde. Bewusst wurde auf Orientalismus verzichtet und es wurden Verweise auf die deutsche Geschichte eingestreut.

Gelbe Briefe wurde im Februar 2026 im Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) uraufgeführt. Der Film gewann dort mit dem Goldenen Bären den Hauptpreis des Festivals. Im selben Jahr folgten neun Nominierungen für den Deutschen Filmpreis. Der reguläre Kinostart in Deutschland erfolgte einen Monat später, Anfang März 2026. Der Film wurde beim Deutschen Filmpreis am 29. Mai 2026 für die Filmmusik von Marvin Miller ausgezeichnet und erhielt den Filmpreis in Silber.

Handlung Derya ist in der Türkei eine bekannte Theaterschauspielerin. Sie ist mit dem angesehenen Dramatiker und Universitätsprofessor Aziz verheiratet, in dessen Bühnenstücken sie auftritt. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter, die 13-jährige Ezgi, die sich für die Arbeit ihrer Eltern kaum interessiert. Als Derya am Staatstheater von Ankara in Aziz‘ neuem Stück auftritt, wird ihre Darbietung vom klingelnden Handy des Gouverneurs gestört, aber dennoch vom Publikum gefeiert. Nach der Vorstellung flüchtet sie in ihre Garderobe. Auf dem Nachhauseweg im Taxi erfahren Derya und Aziz von fortschreitenden Kämpfen, Terroranschlägen und Protesten im Land.Presseheft zum Film. In: berlinale.de (PDF-Datei, S. 3–5; abgerufen am 26. Januar 2026).

Am nächsten Morgen animiert Aziz einige Studenten seines Theaterkurses dazu, an einer großen Friedensdemonstration teilzunehmen. Später erfährt er von dem befreundeten Universitätskollegen Fikret, dass sämtliche Dozenten seines Fachbereichs unter einem Vorwand suspendiert wurden. Aziz‘ Kollegen hätten nicht die verlangten Wochenstunden erbracht. Einigen wird vorgeworfen, mit herablassenden Kommentaren Persönlichkeitsrechte verletzt zu haben. In der Folge werden viele Kurse gestrichen und Arbeitsverträge aufgelöst. Auch Aziz und Derya sind betroffen – Aziz‘ Stück wird mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Einige Ensemblekollegen geben Derya die Schuld, da sie nach der Vorstellung nicht den Fotowunsch des respektlosen Gouverneurs erfüllt hatte. Am Abend erhalten Derya und Aziz Besuch von ihrem Vermieter Herrn Zülifikar. Er hat die Beobachtung gemacht, dass die Polizei sein Mietshaus ins Visier genommen hat. Herr Zülifikar ist besorgt, da die Polizisten behauptet haben, dass seine Mieter mit Verrätern und Terroristen verkehren würden. Das Paar macht sich zunehmend Sorgen darüber, wie sie die Situation ihrer Tochter Ezgi erklären können.

Auch die finanzielle Situation von Derya und Aziz verschlechtert sich zunehmend. Sie bitten ihre Bank um Aufschub der Kreditrückzahlungen. Gleichzeitig kommt es zu einer polizeilichen Razzia an Aziz‘ Universität. Dennoch nimmt er mit Kollegen an einer Demonstration gegen die Einschränkung von Bürgerrechten teil. Derya erhält währenddessen vom Pförtner des Theaters einen gelben Brief, der sie über ihre Kündigung informiert. Daraufhin zieht die Familie in die kleine Wohnung von Aziz‘ Mutter Güngör nach Istanbul. Aziz ist mit einer Anklage seiner Universität konfrontiert – die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe wegen Beleidigung des Präsidenten in den sozialen Medien. Er muss sieben Monate bis zur gerichtlichen Anhörung abwarten. Um ihre Geldprobleme zu lösen, besucht das Paar Deryas Bruder Salih, um ihn vom Verkauf eines geerbten Grundstücks zu überzeugen. Salih leitet ein Import-Export-Geschäft, lehnt aber Deryas Vorschlag ab. Stattdessen nimmt er Aziz mit zum Freitagsgebet in die Moschee, wo er ihn mit dem befreundeten Recai bekannt macht. Dieser ist Taxiunternehmer und stellt Aziz als Fahrer an. Derya ringt sich dazu durch, die Schauspielagentin Kübra zu kontaktieren, die sie bei ihrer letzten Theatervorstellung kennenlernte. Diese hatte sie zu überreden versucht, ein Engagement für eine Fernsehserie anzunehmen. Als Kübra ihr empfiehlt, einige politische Posts von ihrem Social-Media-Account zu löschen, beendet Derya das Gespräch.

Eines Tages beginnt Aziz die Arbeit an dem neuen Bühnenstück Sarı Zarflar (dt.: „Gelbe Briefe“), nachdem er Taxigäste vor dem Off-Theater eines alten Freundes abgesetzt hatte. Ein als Versöhnung geplantes Essen zum Fastenbrechen mit Salihs Familie endet im Streit, als sich Derya provozieren lässt. Sie wirft ihrem Ehemann daraufhin mangelnde Unterstützung vor. Einige Tage später besucht das Paar eine Aufführung einer kleinen, unabhängigen Bühne. Der befreundete Theaterbesitzer Baran schlägt beiden eine Zusammenarbeit vor. Daraufhin soll Aziz’ neues Stück mit Derya in der Hauptrolle aufgeführt werden. Barans Lebensgefährtin Rojda ist gegen das Projekt und wirft dem Paar ihre Bequemlichkeit am Staatstheater und mangelnden politischen Widerstand vor. Tochter Ezgi trifft sich währenddessen heimlich mit dem älteren İsmail und rebelliert gegen die Fürsorge ihrer Großmutter. Derya hält wiederum ein interessantes Projekt geheim, das ihr Kübra vorgeschlagen hat – eine Hauptrolle in der staatlichen Fernsehserie Paradiesgarten als erfolgreiche Werbeagentur-Chefin. Dafür löscht sie heimlich früher gemachte politische Postings aus ihrem Instagram-Account.

Am Tag der Gerichtsverhandlung begleitet Derya ihren Ehemann nach Ankara. Der Staatsanwalt präsentiert ein heimlich gefilmtes Video, das Aziz dabei zeigen soll, wie er seine Studenten zu staatlichem Ungehorsam anstiftet. Es folgen eine weitere Strafanzeige wegen Terrorpropaganda und das Warten auf den nächsten Anhörungstermin beginnt von vorne. Derya und Aziz kehren abrupt nach Istanbul zurück, nachdem Ezgi und ihre Großmutter einen Streit hatten. Dadurch können sie nicht, wie ursprünglich geplant, angeklagte Kollegen vor Gericht unterstützen. Als Derya nach einem erfolgreichen Casting die Hauptrolle in Paradiesgarten erhält, lehnt sie eine weitere Mitwirkung an Aziz‘ Theaterstück ab. Zwischen den beiden entbrennt daraufhin ein heftiger Streit. Dabei bemerken sie nicht, dass Ezgi die Wohnung verlässt und verschwindet. Gemeinsam begeben sich die Eltern auf die Suche nach ihrer Tochter.

Bei der Polizei werden sie abgewiesen, weil die Tochter noch nicht 24 Stunden vermisst wird und die Adresse von Deryas Freund wird auch nicht herausgegeben. Aziz erinnert sich, dass Deryas Bruder Kontakt zum Polizeipräsidenten hat. Über ihn bekommen sie die Adresse von drei Personen mit dem gleichen Namen, wobei vom Alter her nur der 23-jährige in Betracht kommt. Dabei bemerken sie den großen Altersunterschied zur 13-jährigen Tochter. Bei der Adresse stürmen sie in die Wohnung und finden ihre Tochter im Kleiderschrank. Aziz schleppt seine Tochter raus und Derya wirft ihm vor, wie ihr Bruder zu werden. Es vergeht einige Zeit. Aziz selbst übernimmt die Hauptrolle in seinem Theaterstück und spielt vor ausverkauftem Publikum. Deryas TV-Show wird bereits ausgestrahlt und ist erfolgreich. Beim TV-Set interessiert sich Ezgi für die Arbeit der Regisseurin, woraufhin Derya sie ihr vorstellt.

Entstehungsgeschichte Idee und Drehbuch mini|hochkant|Regisseur und Drehbuchautor İlker Çatak während der Berlinale 2026

Gelbe Briefe ist der fünfte Kinospielfilm des deutschen Regisseurs İlker Çatak. Die Idee kam ihm im Jahr 2019, als er für einen früheren Film Istanbul besuchte. Künstler berichteten ihm von Kündigungsschreiben und Disziplinarverfahren mit zum Teil absurden Begründungen, wie zum Beispiel vom Vorwurf, in der Umkleide eines Theaters geraucht zu haben. Laut Çatak wurden zwischen 2016 und 2019 ungefähr zweitausend Künstler und Akademiker in der Türkei suspendiert und vor Gericht gestellt. Gründe dafür seien die Unterzeichnung einer Friedenspetition gewesen. Es habe sich um „umfassende Säuberungen in den Bereichen Wissenschaft und Kultur“ durch die Regierung gehandelt, so der Filmemacher. Nach dem Putschversuch Mitte Juli 2016 habe sich die Situation noch verschärft und die Unterzeichner der Petition wurden mit Berufsverboten und langen Wartezeiten auf Gerichtsverfahren bestraft.Presseheft zum Film. In: berlinale.de (PDF-Datei, S. 7–9; abgerufen am 26. Januar 2026).

mini|hochkant|Koproduzent und Co-Autor Enis Köstepen (2026) Çatak war fasziniert von der Idee, eine solche Situation „aus der Perspektive einer zunächst intakten Ehe zu betrachten“ und „im Kontext einer Familiendynamik zu erzählen“. Ab 2021 recherchierte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Ayda Literatur über die Säuberungen, darunter das Buch The Turkishness Contract von Barış Ünlü über gesellschaftlichen Aufstieg in der Türkei. Die erste Drehbuchfassung schrieb der Filmemacher allein, er hatte aber das Gefühl, dass ein türkischer Regisseur wie Emin Alper die Produktion inszenieren müsste („ich [fühlte] mich wie ein Tourist in meiner eigenen Geschichte“Presseheft zum Film. In: berlinale.de (PDF-Datei, S. 8; abgerufen am 26. Januar 2026).). Alper gehörte zu den Unterzeichnern der Petition und wurde vor Gericht gestellt. Im Gespräch mit dem türkischen Filmproduzenten und Menschenrechtsaktivisten Enis Köstepen, kam Çatak die Idee, Gelbe Briefe in Deutschland zu realisieren, wo es eine große türkische Diaspora gibt. Er bezeichnete es als eine Art von „Rollenspiel“. Später wurde er durch die Nachrichten Zeuge vom Feldzug des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump gegen die Universitäten sowie von der Israel-Palästina-Debatte. Çatak bemerkte, dass auch in Deutschland Akademiker und Künstler gefährdet waren, sobald sie sich öffentlich positionierten.

mini|hochkant|Filmproduzent Ingo Fliess (2023) Çatak und Produzent Ingo Fliess hatten für Gelbe Briefe zunächst ein kleines Budget eingeplant. Beide stellten das Projekt erstmals während des Berlinale Co-Production Market im Jahr 2022 vor.Presseheft zum Film. In: berlinale.de (PDF-Datei, S. 6; abgerufen am 26. Januar 2026). Nach dem Erfolg ihres Oscar-nominierten Films Das Lehrerzimmer (2023) wurde Gelbe Briefe größere Aufmerksamkeit zuteil. Bereits bei der Vorstellung des Drehbuchs im Jahr 2024 beim Filmmarkt (französisch: Marché du film) des Festivals von Cannes wurde das Projekt in mehrere Länder verkauft.

Produzent des Films ist Ingo Fliess. Als Koproduzenten wirkten Carole Scotta, Caroline Benjo, Eliott Khayat, Nadir Öperli und Enis Köstepen mit. Als Producer waren Seren Sahin, Mustafa Sönmez und İrem Akbal an der Produktion beteiligt.IMDb In: IMDb. Die Filmherstellungsleitung übernahm Ingrid Holzapfel.IMDb In: Crew United.

Die finale Drehbuchfassung nennt neben Çatak auch seine Ehefrau Ayda und Enis Köstepen als Mitautoren.Neuer Stoff von Ilker Çatak und Ildikó Enyedi. In: moin-filmfoerderung.de, 16. Oktober 2023.

Besetzung