Der Hohe Lauch (Allium macleanii , Syn.: Allium elatum ) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lauch (Allium) in der Unterfamilie der Lauchgewächse (Allioideae) innerhalb der Pflanzenfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Zentralasien bis nach Nepal. Der Hohe Lauch wird als Zierpflanze verwendet.
Beschreibung mini|Die Sorte Allium ‘Globemaster’, eine Hybride mit Allium cristophii
Vegetative Merkmale Der Hohe Lauch ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 60 bis 100, selten bis zu 200 Zentimetern erreicht. Die bei einem Durchmesser von 2 bis 5 Zentimetern eiförmigen bis rundlichen Zwiebeln besitzen eine häutige, grau-schwarze Hülle. Der Stängel ist stielrund.
Die zwei bis vier grundständigen, flachen, frischgrünen, kahlen, glänzenden Laubblätter mit bodennahen Blattscheiden sind bei einer Breite von 2 bis 8 Zentimetern breit-linealisch und viel kürzer als der Stängel.
Generative Merkmale Die Blütezeit liegt in Mitteleuropa im Mai und Juni. Der aufrechte, deutlich gerippte Blütenstandsschaft ist 40 bis 100, selten bis zu 200 Zentimeter lang. Der mit einem Durchmesser von 6 bis 7 Zentimetern kugelige, doldige Blütenstand besitzt ein kurzlebiges, längliches bis lanzettliches, in zwei Klappen geteiltes Doldenhüllblatt, das nur ein Drittel so lang ist wie der Blütenstand ist und in ihm sind viele Blüten locker angeordnet. Die etwa 3 Zentimeter langen Blütenstiele sind unterschiedlich lang.
Die zwittrige Blüte ist dreizählig und sternförmig. Die leuchtend violetten Blütenhüllblätter sind bei einer Länge von 6 bis 8 Millimetern lanzettlich mit lang zugespitztem oberen Ende und sie biegen sich nicht zurück. Die an der Basis zusammengewachsenen Staubblätter sind etwa so lang wie die Blütenkronblätter oder überragen die Blütenkrone etwas. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, ungestielten, rundlichen, stark gelappten, nicht warzigen Fruchtknoten verwachsen.
Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 8; es tritt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16 auf.
mini|Habitus im Habitat
Vorkommen Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den zentralasiatischen Ländern Turkmenistan, Kirgistan und Tadschikistan über Afghanistan, Pakistan und den westlichen Himalaya bis nach Nepal. Der Hohe Lauch besiedelt steinige Hänge in den Gebirgsregionen.
Systematik Die Erstveröffentlichung von Allium macleanii erfolgte 1883 durch John Gilbert Baker in Curtis’s Botanical Magazine, Band 109, Tafel 6707. Das Artepitheton macleanii ehrt den Colonel MacLean, der Typusexemplare der Pflanze aus Kabul mitgebracht hatte. Der 1884 von Eduard August von Regel vergebene Name Allium elatum (elatum = „hoch“, „erhaben“), von dem sich auch der deutsche Trivialname ableitet, war jahrzehntelang für den Hohen Lauch gebräuchlich, bis bekannt wurde, dass die ein Jahr zuvor erschienene Veröffentlichung von Allium macleanii dieselbe Lauchart beschreibt und nach der Prioritätsregel Vorrang haben musste. Ein weiteres Synonym von Allium macleanii ist Allium isfairamicum ex
Allium macleanii gehört zur Sektion Compactoprason innerhalb der Untergattung Melanocrommyum der Gattung Allium und ist eng verwandt mit Allium giganteum .
Verwendung Der Hohe Lauch ist als Zierpflanze weit verbreitet und gilt als winterhart bis −34 °C (Zone 4). Im Handel sind verschiedene schmal- und breitblättrige Sorten und Hybriden erhältlich. Die Hybriden ‘Lucy Ball’ (100 Zentimeter hoch, Blütenstand 8 bis 10 Zentimeter im Durchmesser, hell violett-rosa) und ‘Gladiator’ (130 bis 150 Zentimeter hoch, Blütenstand 10 bis 12 Zentimeter, violett-rosa) stehen nach genetischen Untersuchungen zwischen dem Holland-Lauch und dem Hohen Lauch, sind aber näher mit dem Holland-Lauch verwandt. ‘Globemaster’ (80 bis 90 Zentimeter hoch, Blütenstand 20 bis 30 Zentimeter, violett-rosa) ist eine sterile Hybride mit dem Sternkugel-Lauch und hat neben dem Schubert-Lauch die größten Blütenstände aller Zierlaucharten.
Zusammen mit anderen Laucharten der Allium-Untergattung Melanocrommyum, die große, kugelförmige Blütenstände haben, wie z. B. der Riesen-Lauch (Allium giganteum), der Holland-Lauch (Allium hollandicum), Allium aflatunense und der Stiel-Lauch (Allium stipitatum), wird der Hohe Lauch wegen der Form seiner Blütenstände zu den „Paukenschläger“-Lauchen gezählt. Der Hohe Lauch eignet sich einzeln oder in Gruppen für sonnige Steppenpflanzungen, Staudenbeete und gemischte Rabatten und benötigt einen nährstoffreichen, möglichst durchlässigen Boden.
Die relativ großen Zwiebeln des Hohen Lauchs werden ebenso wie die des Riesen-Lauchs von der lokalen Bevölkerung in Tadschikistan und Iran roh oder gekocht als Gemüse gegessen. Wenn in der Vergangenheit Wissen über eine medizinische Wirkung vorhanden war, ist es vermutlich verloren gegangen.
Literatur Dilys Davies: Allium (Zierlauch). Aus dem Engl. von Marion Zerbst, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart Hohenheim 1992, ISBN 3-8001-6439-6, S. 107. Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart Hohenheim 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 46.
Weblinks
Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos von Thomas Meyer auf Flora von Deutschland (blumeninschwaben.de). Datenblatt Allium ‘Globemaster’ bei Missouri Botanical Garden (missouribotanicalgarden.org).
Einzelnachweise John Gilbert Baker: Allium macleanii. In: Curtis’s Botanical Magazine. Band 109, herausgegeben von Joseph Dalton Hooker, London 1883, Tafel 6707, (eingescannt). Dilys Davies: Allium (Zierlauch). Aus dem Engl. von Marion Zerbst, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart Hohenheim 1992, ISBN 3-8001-6439-6, S. 107 (Allium macleanii), S. 95 (Allium elatum). Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos von Thomas Meyer auf Flora von Deutschland (blumeninschwaben.de). . N. Friesen, R. Fritsch, K. Bachmann: Hybrid origin of some ornamentals of Allium subgenus Melanocrommyum. In: Theoretical and Applied Genetics. Band 95 (1997), S. 1229–1238, doi:10.1007/s001220050686 (PDF) Reinhard M. Fritsch, Maia Gurushidze, Jarmila Jedelska, Michael Keusgen: More than a pretty face - Ornamental “drumstick onions” of Allium subg. melanocrommyum are also potential medicinal plants. In: Planta Medica. Band 73, 9, 2007, S. 26–59, doi:10.1055/s-2007-986919 (PDF). Reinhard M. Fritsch, Frank R. Blattner, Maia Gurushidze: New Classification of Allium L. subg. Melanocrommyum (WEBB & BERTHEL.) ROUY (Alliaceae) Based on Molecular and Morphological Characters. In: Phyton, Annales Rei Botanicae. Band 49, 2, S. 145–220, Horn (Österreich) 2010. (PDF) Reinhard M. Fritsch: Checklist of ornamental Allium species and cultivars currently offered in the trade. Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben, 2015, (PDF). Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart Hohenheim 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 46.
Datenblatt Allium macleanii bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
Kategorie:Lauch Kategorie:Zwiebelgemüse Kategorie:Zierpflanze