Die Synagoge in Cloppenburg bestand vom 19. Jahrhundert bis 1938 in Cloppenburg. Die Synagoge befand sich an der Einmündung der Krankenhausstraße in die Ritterstraße.
Geschichte Die Synagoge wurde unter der Leitung des Gemeindevorstehers Daniel Meyer auf einem vom Großherzog überlassenen Grundstück im Hofkamp gebaut und im September 1866 geweiht. Zuvor existierte ein Bet- und Schulraum mit Lehrerunterkunft in einem gemieteten Haus.Teuber, Jüdisches Schicksal 1350–1945, S. 85 Die Baukosten in Höhe von etwa 1400 Reichstalern wurden durch Spenden der Gemeindemitglieder, Eigenleistungen, das Amt Cloppenburg sowie das Staatsministerium Oldenburg gedeckt. Auch die beiden christlichen Gemeinden des Ortes stellten Mittel zur Verfügung.Teuber, Jüdisches Schicksal 1350–1945, S. 85; 91–92
Mit dem Bau der Synagoge wurde der alte jüdische Friedhof aufgelassen. Um 1870 legte die Gemeinde einen neuen Friedhof bei der Synagoge an, der noch heute existiert. Um die Kultusvorschriften zu wahren, wurde zwischen Synagoge und Friedhof eine hohe Hecke gepflanzt.Teuber, Jüdisches Schicksal 1350–1945, S. 76–77; 85 alternativtext=Grundstück der ehemaligen Synagoge in Cloppenburg|mini|Platz der ehemaligen Synagoge in Cloppenburg, nach links die Ritterstraße/Krankenhausstraße; im hinteren Bereich der jüdische Friedhof
Zerstörung Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am 9. November durch die SA in Brand gesetzt. Die herbeigerufene Feuerwehr schützte unter Protest nur die umliegenden Gebäude. Der jüdische Friedhof wurde geschändet, indem Schüler nach Aufforderung durch Lehrer die Grabsteine umstießen. Außerdem ließen die Lehrer ihre Schüler Schmähzeichnungen anfertigen.Teuber, Jüdisches Schicksal 1350–1945, S. 103.
Nach der Zeit des Nationalsozialismus wurde versucht, die Täter aus den Reihen der Cloppenburger SA zur Rechenschaft zu ziehen. Bereits im November 1945 strengte die Staatsanwaltschaft in Oldenburg Ermittlungen an, um die SA Männer zu belangen. Der Prozess fand schließlich 1950 in Oldenburg statt. Die Rädelsführer waren in der Mehrzahl im Zweiten Weltkrieg gefallen (Selow, Braasch, Beermann und Stegeman). Insgesamt 52 SA Männer konnten nicht der Brandstiftung überführt werden. Auch den beiden überlebenden SA Führern Ortmann und Nortrup, die von Zeitzeugen später wiederholt genannt wurden, konnte nichts nachgewiesen werden. Verurteilt wurden die Angeklagten Ortmann und Bregen wegen Landfriedensbruch, Freiheitsberaubung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das weitere Verfahren gegen die Angeklagten Rüver und Pieper wurde aufgrund eines Amnestiegesetzes eingestellt.Teuber, Juden im Oldenburger Münsterland, S. 120
Baubeschreibung Die Synagoge hatte einen rechteckigen Grundriss, war fast 8 Meter breit und rund 10 Meter lang, so dass sie eine kleine Synagoge war.Denis, Jüdische Gemeinde Cloppenburg, S. 201 Der Bau wirkte jedoch massiv, was auf die schlichten, starken Mauern aus gefugtem roten Klinker zurückzuführen war. Die Firsthöhe betrug 2 Meter und das Dach war ein Walmdach, das mit Hohlziegeln gedeckt war. Der zentral angelegte Eingang der Synagoge befand sich an der Westseite der Fassade und war durch ein Portal aus zwei schweren Türflügeln hergestellt. Über dem Portal thronte ein Davidsstern. Die Fassade im Osten war architektonisch gegliedert, während die Nord- und Südfassaden zwar schmucklos waren, jedoch mit zwei hohen, gerundeten Fenstern versehen waren. Die vier Ecken der Fassade waren mit weiteren Ziegelsteinen verziert.Denis, Jüdische Gemeinde Cloppenburg, S. 201
Über zwei Stufen gelangte man in den Innenraum, zunächst in einen Vorraum. Darüber gab es eine Empore, von der aus die weiblichen Gemeindemitglieder den Gottesdienst verfolgten, und zu der eine Treppe auf der Nordseite führte. Über den Vorraum gelangte man in den eigentlichen Gebetsraum, der nach Osten ausgerichtet war.Denis, Jüdische Gemeinde Cloppenburg, S. 201–202. Der Thoraschrein befand sich an der Ostwand. Der Mittelgang zwischen zwei Reihen von Bänken führte auf das Vorbeterpult (Almemor) zu, dass auf einem Podest (Bima) etwa in der Mitte des Raumes stand.Denis, Jüdische Gemeinde, S. 202 alternativtext=Mahnmal Synagoge Cloppenburg|mini|Mahnmal vor dem Gelände der ehemaligen Cloppenburger Synagoge
Gedenken 1983 wurde am ehemaligen Standort der Synagoge eine Stele mit einer Bronzeplatte errichtet. Die Inschrift lautet:
Darunter der Zusatz auf Hebräisch:„Es soll Frieden sein in der ganzen Welt!“
Siehe auch Liste der im Deutschen Reich von 1933 bis 1945 zerstörten Synagogen
Weblinks Synagoge Cloppenburg mit Rekonstruktionen der Synagoge auf jüdische-gemeinden.de
Einzelnachweise
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