mini|Jacek Bartosiak (2022) Jacek Bartosz Bartosiak (* 10. Dezember 1976 in Warschau) ist ein polnischer Publizist und Jurist. Er tritt als Popularisator geopolitischer Ansätze in den internationalen Beziehungen in Erscheinung.

Leben und Werk Bartosiak studierte Jura an der Universität Warschau und promovierte 2016 an der Polnischen Akademie der Wissenschaften im Bereich Sozialwissenschaften bei Bogdan Góralczyk. Dieser war langjähriger Botschafter Polens in Asien. Bartosiaks Doktorarbeit betraf die geostrategische Situation der USA und Chinas im Westpazifik und in Eurasien.

Seine Forschungen betreffen Themen der Geopolitik und der Strategie. Er bekleidete mehrere leitende bzw. beratende Stellen im Business- und Forschungsbereich. 2017–2018 wirkte er als Regierungsberater zum Zentralen Flughafen CPK. Bartosiak gründete den Thinktank „Strategy&Future“, der sich mit geopolitischen Fragen beschäftigt. Gegenwärtig leitet er ein Programm in der Kazimierz-Pułaski-Stiftung.

Standpunkte Bartosiak vertritt seit seiner geopolitischen Promotion drei Hauptthesen. Er schließt hierbei begrifflich wie inhaltlich an die Heartland-Theorie von Halford Mackinder an. Ostmitteleuropa stellt er als einen Pivot der Großmacht-Konfrontation in Eurasien dar.

Polen dürfe sich erstens nicht länger mit einer eher passiven Rolle im westlichen Bündnis begnügen, sondern müsse angesichts einer unabwendbaren Rivalität der Großmächte und dem angenommenen Bedeutungsverlust von NATO-Strukturen eine regionale Führungsposition übernehmen. Dies verlange zweitens tiefgreifende militärische Reformen mit Zielrichtung zu einer netzwerkartig organisierten und informationstechnisch erstklassigen Armee, um den militärischen Gegner zu stoppen, noch bevor Hilfe von außen mobilisiert wird. Die in der Ukraine sichtbare "Revolution auf dem Schlachtfeld" habe Mittelmächten Wege aufgezeigt, sich gegen potentiell weit stärkere Staaten zu verteidigen. Unabdingbar sei die Rückkehr zur Wehrpflicht, die Bartosiak nach schwedischem Vorbild ausgestalten will. Drittens steht er der Dritten Polnischen Republik, die er als schwachen Staat beurteilt, skeptisch gegenüber und vermisst eine öffentliche und ergebnisoffene Strategiedebatte. Das bisherige Wachstumsmodell Polens sei aus konjunkturellen wie demographischen Gründen erschöpft. Bartosiak behauptete 2026, der öffentliche Sektor sei im Zuge der Systemtransformation weitgehend unreformiert ins neue System übergegangen, ganz im Gegensatz zur privatisierten Wirtschaft. Er spricht sich für eine Intensivierung der Beziehungen zur Volksrepublik China und Teilhabe an der sog. Neuen Seidenstraße aus, um polnische Interessen breiter abzusichern. Damit gilt er als Gegenspieler des als russlandfreundlich geltenden Politologen Leszek Sykulski. Eine Debatte der beiden im populären Onlinemedium Kanał Zero kam 2024 wegen negativer Resonanz im Vorfeld nicht zustande.

Bartosiak unterstützt eine europäische Nuklearstrategie und eine Führungsrolle Deutschlands in Europa. 2026 behauptete er, ein Bündnis Polens mit der Ukraine und Schweden sei prinzipiell in der Lage, sich gegen Russland zu verteidigen.

Kontroversen Gegen Bartosiaks Dissertation wurden Mitte 2024 Plagiatsvorwürfe erhoben; eine vorläufige Aberkennung des Doktortitels wurde durch eine Entscheidung des Rates für wissenschaftliche Exzellenz revidiert. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Bartosiak wurde einer breiten Öffentlichkeit durch seine im Nachhinein als Voraussage gedeuten Szenarien zum russischen Überfall auf die Ukraine bekannt. Er wird wegen seiner unorthodoxen Ansichten weithin als kontroverse Figur angesehen und erfährt teils scharfe Kritik von Links und Rechts sowie aus der akademischen Politologie. Häufig werden ihm Alarmismus und Standpunkte vorgeworfen, die einander inhärent widersprechen. So wurde er wahlweise als amerikanischer Lobbyist oder anti-amerikanisch dargestellt.https://bibliotekanauki.pl/articles/60286697.pdf Kritiker werfen ihm ferner eine hermetische (angloamerikanische) Terminologie vor und bezweifeln die Tiefe seiner Kenntnisse der US-Politik, insbesondere in der Regierungsbürokratie. Bartosiak kokettiert u. a. mit Kontakten zu Elbridge Colby und publizierte mit George Friedman. Er selbst stellt sich als jemand dar, der alte strategische Gewissheiten sowie Geschichtsmythen in Zweifel zieht.

Bartosiaks Haltung zur Ukraine reicht von Anklängen an das Intermarium bis zu relativierenden Stellungnahmen. Er geht davon aus, dass der Russisch-Ukrainische Krieg nicht mit einem dauerhaften Frieden enden wird, sondern den Auftakt zu einem Systemkonflikt bildet, den er als "Dritten Weltkrieg" umschreibt. Laut ihm habe die polnische Diplomatie auf entscheidende Weichenstellungen im Konflikt keinen Einfluss entfalten können; der Einfluss auf das Nachbarland sei nunmehr gering, die Chance zum Aufbau eines Bündnisses vorerst verpasst.

Politisches Engagement Bartosiak engagiert sich für den Ausbau des polnischen Zivilschutzes. Gemeinsam mit Co-Autoren aus seinem Think Tank und einem Militär plädierte er unter anderem 2022 in einer fast 500-seitigen Denkschrift für eine Armee Neuen Typs. Er hob dort angesichts großangelegter polnischer Bestellungen die Bedeutung von Massen günstiger Waffensysteme gegenüber teuren Prestigeprojekten wie der F-35 und schweren Kampfpanzern hervor, die im Kriegsfall östlich der Weichsel rasch vernichtet würden. Aus Sicherheitskreisen wurden seine Überlegungen abgelehnt.

Bücher (Quelle: )

2016: Pacyfik i Eurazja. O wojnie, Asian Century, ISBN 978-83-945749-0-1. 2018: Rzeczpospolita między lądem a morzem. O wojnie i pokoju, Zona Zero, ISBN 978-83-950-1936-4. 2019: Przeszłość jest prologiem, Fronda, ISBN 978-83-66177-43-7. 2020: Koniec końca historii, Nowa Konfederacja, ISBN 978-83-959370-5-7. 2021: Wojna w Kosmosie (Co-Autor George Friedman), Zona Zero, ISBN 978-83-66814-17-2. 2021: Nadchodzi III wojna światowa. Czy Ameryka porzuci Polskę na pastwę Rosji? (Co-Autor Piotr Zychowicz), wydawnictwo Rebis, ISBN 978-83-8188-364-1. 2022: Armia nowego wzoru, Zona Zero, ISBN 978-83-66814-36-3. 2022: Atak na Ukrainę! Czy Putin rozpętał III wojnę światową? (Co-Autor Piotr Zychowicz), wydawnictwo Rebis, ISBN 978-83-818-8935-3. 2023: Najlepsze miejsce na świecie. Gdzie Wschód zderza się z Zachodem, wydawnictwo Literackie, ISBN 978-83-08-08071-9 2023: Wojna o Ukrainę. Wojna o świat (Co-Autor Piotr Zychowicz), wydawnictwo Rebis, ISBN 978-83-83-38104-6. 2025: Oczy szeroko otwarte. Strategia Polski na czas wojny światowej, ISBN 9788308085585.

Privates Bartosiak ist verheiratet und hat drei Töchter.

Einzelnachweise

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