mini|Johann Heinrich von Thünen. 1817 Initiator des Vereins mini|Moritz Christian von Paepcke. Mitgründer. Der Mecklenburgische Ritterschaftliche Kreditverein, auch zuweilen Mecklenburgische ritterschaftliche Kreditverein, oder kurz Ritterschaftlicher Kreditverein, war ein von 1818 bis 1945 bestehendes Kreditinstitut mit Sitz in Rostock. Die letzte Bezeichnung war seit 1943 Die Mecklenburgische Landschaft.Staatsministerium, Abt. Inneres (Hrsg.): Regierungsblatt für Mecklenburg. Jahrgang 1943. Nr. 1–42. (Zweites Halbjahr), Bärensprung, Schwerin 1943, S. XII, S. XIII.

Geschichte Schon 1804 gab es seitens des Diplomaten Leopold von Plessen erste schriftliche Gedanken zur Thematik des Creditwesens der Ritterschaftlichen Güther in Mecklenburg.Leopold von Plessen: Grundzüge zur Verbesserung des Creditwesens, insbesondere auf Ritterschaftlichen Güthern in Mecklenburg. s. n., s. l. 1804. Ihm folgte G. Ludwig E. von Blücher-Wasdow (1767–1828) im Jahr 1816 mit Über die landwirthschaftlichen Kreditvereine in besonderer Beziehung auf MecklenburgC. G. Korb Neubrandenburg 1816, In: Friedrich Bachmann: Die landeskundliche Literatur über die Grossherzogtümer Mecklenburg. Bibliographische Zusammenstellung. Opitz & Co., Güstrow 1889, S. 274. (Nr. 3360e.) sowie später dessen Sohn Helmuth von Blücher, der Wasdow erbte.Vgl. Lit. Helmuth von Blücher, Rostock 1838. Eine konkrete Initiative zur Errichtung eines Kreditvereins ergriff dann 1817 Johann Heinrich von Thünen, damals noch ein relativ unbekannter Landwirt.Werner W. Engelhardt: J. H. von Thünens Eintreten für die Gründung eines „Mecklenburgischen Ritterschaftlichen Credit-Vereins“ – eine gemeinwirtschaftliche Unternehmensinitiative. In: Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen. (ZögU). Journal for Public and Nonprofit Services. Band 29, Heft 4, Nomos, Baden-Baden 2006, , S. 418–424. (PDF), Hrsg. JSTOR.Vgl. auch: Herbert Pruns: Werner Wilhelm Engelhardt und Johann Heinrich von Thünen. Eine Würdigung anlässlich des 90. Geburtstages von Werner Wilhelm Engelhardt. LIT, Berlin/Münster/London/Wien/Zürich 2017, ISBN 978-3-643-13858-3. Dann folgte auf Betreiben weiterer Grundbesitzer wie u. a. den später nobilitierten Moritz Christian von Paepcke, dem Eigentümer des Rittergutes Lütgenhof, 1818 die GründungMoritz von Paepcke: Aktenmäßige Nachricht von den letzten Verhandlungen in Betreff des beabsichtigten Creditvereins Ritterschaftlicher Güter in Mecklenburg. Römhild, Lübeck 1818. (Regionalbibliothek Neubrandenburg, Signatur Meck 13987). des Mecklenburgischen Ritterschaftlichen Kreditvereins. Die landesherrliche Bestätigung kam am 28. Juli 1818, die Eröffnung folgte am 11. Juli 1819. Zweck des Vereins war die Vergabe hypothekarischer Darlehen an Gutsbesitzer in Mecklenburg-Strelitz und in Mecklenburg-Schwerin, also beider mecklenburgischer Teilstaaten, die Mitglieder des Vereins waren, zur Entschuldung landwirtschaftlichen Grundbesitzes, also seinen Mitgliedern langfristige Darlehen zu günstigen Konditionen zu gewähren. Die Refinanzierung erfolgte durch die Ausgabe von Pfandbriefen, die durch Hypotheken und Grundschulden abgesichert waren. Später wurde die Beleihungsfähigkeit über die Rittergüter hinaus ansatzweise auf den gesamten großbäuerlichen Besitz ausgedehnt; namhafte bäuerlich-bürgerliche Vertreter in der ehrenamtlich agierenden Spitze des Vereins sind erst viel später zu konstatieren. Schon ein Jahr nach der Gründung gab es seitens anderer Gutsherren, wegen Mängel in den Statuten, öffentlich offerierte Kritik in der liberalen Presse. Es ging hierbei um eine höhere Absicherung der Landgüter und dem Aufruf zur Einladung zu einem ritterschaftlichen Schulden-Tilgungs-Verein in Mecklenburg.Freimüthiges Abendblatt. №. 58. Zweiter Jahrgang 1819, Schwerin, den 12. Februar 1891, S. 98 f. 1840 erfolgte eine erneute Bestätigung des Ritterschaftlichen Vereins, eine erneuerte Satzung kam dann 1890. Von 1828 bis 1837 war Carl von Oertzen im Direktorium.Neuer Nekrolog der Deutschen. Fünfzehnter Jahrgang. 1837, Erster Theil, Bernh. Friedr. Voigt, Weimar 1839, S. 570 ff. 1829 waren nach Gustav Hempel und nicht amtlich bestätigt 99 Mitglieder organisiert und als Hauptgüter bezeichnet worden.Gustav Hempel: Geographische Beschreibung der Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz. Ludwig Dümmler, Neustrelitz/Neubrandenburg 1829. "Der ritterschaftliche Kreditverein, seit 1819 bestehend, begreift jetzt 99 Hauptgüter, zu einem Kapitalwerte von 6.802.137 Rthlrn. geschätzt, worunter 14 aus dem Stargardischen Kreise. Die Haupt Direktion ist zu Rostock." Aus: Lexikus Steffen Herbst, Bad Kleinen 2024.

1849 vertreten das Hauptdirektorium drei Gutsbesitzer, Johann Jacob von Leers-Schönfeld (1783–1855), Georg Alexander von Rieben-Galenbeck und Ernst von Blücher-Teschow-Kuppentin, sämtlich Landräte. Die eigentliche Arbeitsebene waren der Syndikus Geheimer Rat (Justizrat)Dr. Ludwig Peter Friedrich Dittmar, In: GH-Mecklenburg-Strelitzischer Staats-Kalender 1850. G. F. Spalding, Neustrelitz 1850, S. 120. Ludwig Peter Friedrich Ditmar (1784–1872), Rendant August Heinrich Francke sowie Registrator Johann Friedrich Koch. Die Kreisdirektoren, ähnlich etwa den Ritterschaftsräten in Brandenburg, vertraten die drei Kreise. Vertreter des Mecklenburgischen Kreises waren damals als Kreisdirektor Johann Heinrich Carl von Behr-Hindenberg (1802–1864), als Kreisdeputierter Major a. D. Emil von Bülow-Rogeez (1789–1860)Emil (Georg) von Bülow-Rogeez (1789–1860), seit 1822 auf Rogeez, In: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser 1911. 12. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1910, S. 212.. und Kammerherr Franz von Stralendorff (1805–1883) auf Gut Gamehl. Wendischer Kreis: Kreisdirektor Landrat Friedrich Freiherr von Maltzan-Rothenmoor (1783–1864), als Deputierte der Erblandmarschall Friedrich Freiherr von Maltzan-Penzlin (1804–1869) und der (spätere) Landrat Hans von Blücher-Sukow (1789–1861).§ 125. Landrath Hans von Blücher auf Sukow. 27. Dezember 1819 Kreisdepurtierter. Direktor: 10. Januar 1854. In: Friedrich Wigger: Geschichte der Familie von Blücher. 2.2, Stillersche Hofbuchhandlung, Schwerin 1879, S. 127–134.Ulrich von Blücher: Geschichte der Familie von Blücher von 1870 bis 1914. Hrsg. Lebrecht von Blücher-Deutsch-Rosenow, Blücher-Verlag, Kaiser-Druck Freiburg, Merzhausen 2005, ISBN 3-934249-08-6, S. 97 ff.. Den Stargardischen Kreis vertrat als Kreisdirektor Kammerherr und Vizelandmarschall Adolph von Oertzen-Rattey (1797–1867)Vgl. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Walter von Hueck u. a.: GHdA, Adel. Häuser, A (Uradel) 1960, Band V, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg/Lahn 1960, S. 376.; Helmut Sieber: Schlösser und Herrensitze in Mecklenburg. Nach alten Stichen und Vorlagen. In: Burgen, Schlösser, Herrensitze. Band 14; Weidlich, Frankfurt am Main 1960, S. 120. und als Kreisdeputierte Wilhelm von Oertzen-Lübberstorf (1803–1889) und Oberhauptmann Otto von Dewitz-Krumbeck (1788–1858).In: Großherzoglich Mecklenburg-Strelitzischer Staats-Kalender. 1849. III. Ritterschaftlicher Credit-Verein aller drei Kreise der Herzogthümer Mecklenburg, G. F. Spalding, Neustrelitz 1849, S. 121 f.Oberhauptmann Otto von Dewitz-Krumbeck (1788–1858), In: Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Band 2, Hrsg. Königliches Herolds-Amt Berlin, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1893, S. 171. 1851 waren im Ganzen 112 Güterkomplexe in Mecklenburg mit 3.830.545,00 Thlr. verpfändet.H. A. Mascher: Der landwirthschaftliche Real- und Gewerbekredit oder: Wie kann den Klagen der preussischen Landwirthe über Geld- und Kreditmangel abgeholfen werden ? Eduard Döring, Potsdam 1863, S. 65.

1880 kam es zur überregionalen Verlosung von Pfandbriefen des Mecklenburgischen Ritterschaftlichen Kreditvereins.Mecklenburgischer ritterschaftlicher Kreditverein. Pfandbriefe. Ziehung 24. Juni 1880. A. Neue Zweidrittel- und Courant-Pfandbriefe; B. Gold-Pfandbriefe, In: G. Böhringer: Beilage des Aktionärs. Allg. Verlosungsanzeiger des Aktionärs. XXI. Jahrgang, Nr. 765, August Osterrieth, Frankfurt am Main, 11. Juli 1880, S. 209, S. 212. 1892 wurde der Verein als Gegenseitige, provinzielle und kommunale Grundkredit-Anstalt bezeichnet.W. Christians (Hrsg.): Die hypothekarischen Beleihungsgrundsätze der preussischen Landschaften und ähnlichen Institute sowie der preussischen, deutschen und fremdländischen Hypothekenbanken. Verlag des Deutschen Oekonomist, Berlin 1892, S. VII. Entscheidend war letztlich die Mitgliedschaft des Gutes beim Verein.Viktor von Meibom: Mecklenburgisches Hypothekenrecht. In: Deutsches Hypothekenrecht. Nach den Landesgesetzen der größeren deutschen Staaten systematisch dargestellt. II, Breitkopf und Härtel, Leipzig 1871, S. 51.

Der Vorstand bestand 1916 aus der Hauptdirektion zu Rostock, jener Zeit der Landrat Wilhelm von Maltzan-Moltzow, aus dem Wendischen Kreis, Cuno Graf von Bassewitz-Perlin aus dem Mecklenburgischen Kreis, und Landrat Ludwig Graf von Schwerin-Mildenitz (1859–1929)Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1930. Gerader Jahrgang Deutscher Uradel, 103. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 16. Oktober 1929, S. 562–563. aus dem Stargardischen Kreis. Amtliche Mitarbeiter waren der Syndikus, ein Justizrat Eduard Dahlmann, der Rendant Hermann Zielstorff und der Kontrolleur Hermann Diederichs.In: Groszherzoglich Mecklenburg-Schwerinscher Staatskalender 1916. 141. Jahrgang, III. Kredit-und Geldinstitute, 1) Der ritterschaftliche Kreditverein, Bärensprung, Schwerin 1916, S. 460. Mitte der 1920er Jahre rückte der Hofbesitzer Adolf Gerds zu Börzow in die Direktion nach.Mecklenburg-Schwerinsches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Mecklenburg-Schwerinsches Staatshandbuch. 145. Auflage. (Ausgabe), Bärensprung, Schwerin 1. Juni 1927, S. 246. Der Groszherzoglich-Mecklenburg-Schwerinscher Staatskalender 1916 weist für Mecklenburg-Schwerin in etwa 140 Güter als Mitglieder auf, inklusive nicht bewohnter Lehngüter wie beispielsweise Peutsch im Ritterschaftlichen Amt Stavenhagen.Groszherzoglich-Mecklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1916. II. Statistisch-Topographisches Jahrbuch. Bärensprung, Schwerin 1916, S. 89–160. RosDok.

mini|Ständehaus Rostock um 1895. Zeitweilig Sitz des Mecklenburgischen Ritterschaftlichen Kreditvereins Die Geschäftsräume des Vereins in Rostock um die vorletzte Jahrhundertwende waren zeitweise im heutigen Oberlandesgericht Rostock untergebracht. Das Gebäude wurde in den Jahren 1889 bis 1893 im Auftrag Großherzogs Friedrich Franz III. nach Plänen von Gotthilf Ludwig Möckel und der mecklenburgischen Ritter- und Landschaft als Verwaltungs- und Gerichtssitz der Vereinten Landstände beider Mecklenburg errichtet. Der Mecklenburgische Ritterschaftliche Kreditverein zog dann mehrfach um. Um 1930 galt der Verein als größtes mecklenburgisches landwirtschaftliches Realkreditinstitut.Karl Deutler: Kreditbanken eines Agralandes vor und nach dem Kriege. In.-Diss., Schwerin 1930, , S. 112 f. Entschuldungen der Mitglieder vom kleineren Hof bis zum alten Lehngut wurden zu dieser Zeit mit einem Entschuldungsverfahren durchgeführt.Verkauf der Pfandbriefe für den Mecklenburgischen Kreditverein, Rostock, Bd. 1, In: Sächsisches Staatsarchiv, 21021 Frege & Co., Handels- und Bankhaus, Leipzig, Nr. 0057, Registratursignatur: Cap. II Nr. 57, Vol.; Hrsg. Deutsche Digitale Bibliothek. Der Kreditverein wirkte als Entschuldungsstelle und nach einem vorgelegten und bestätigten Entschuldungsplan wurde via Beschluss vom Entschuldungsamt beim zuständigen Amtsgericht das Verfahren begleitet, entschieden und aufgehoben.Mecklenburgischer Ritterschaftlicher Kreditverein, Rostock, Bd. 2, In: BArch R 907/3027.