mini|François Desprez: Einnahme, Zerstörung und Plünderung Trojas durch die Griechen Die Troerinnen, auch Trojanerinnen, Troades und Troas ist eine Tragödie von Lucius Annaeus Seneca.
Übersicht Personen – Personae Dramatis Trojanische Personen Hekabe, Königin von Troja, Witwe des Priamos, Mutter vieler Kinder, einschließlich Hektors Andromache, Witwe Hektors und Schwiegertochter Hekabes Alter Mann (Senex), Diener Andromaches Astyanax, Andromaches junger Sohn Polyxena (stumm), Hekabes Tochter Chor der Troerinnen
Griechische Personen Talthybios, Bote Pyrrhos, Achilleus’ Sohn, Thronerbe Thessaliens Agamemnon, König von Mykene, Oberbefehlshaber der griechischen Truppen vor Troja Kalchas, Seher und Priester Odysseus, König von Ithaka, Stratege der trojanischen Niederlage Helena, verheiratet mit Menelaos, Agamemnons Bruder; ihre Entführung durch Paris, Hekabes Sohn, löste den Trojanischen Krieg aus. Boten Soldaten (stumm)
Ort der Handlung mini|J. G. Trautmann: Das brennende Troja Die Handlung spielt auf der Fläche zwischen dem noch schwelenden, zerstörten Troja und dem Meer mit wechselnden Schauplätzen. Akt III entwickelt sich an Hektors Grab.
Hintergrund Nach einer zehnjährigen Belagerung ist Troja durch die von Odysseus ersonnene Kriegslist des Trojanischen Pferdes in die Hände der Griechen gefallen. Die Mauern wurden erstürmt, die Stadt brannte ab. König Priamos wurde von Pyrrhos grausam ermordet. Die Troerinnen sind Gefangene und werden bald als Sklavinnen und Konkubinen mittels Losverfahren unter den Siegern verteilt. Die griechische Flotte ist bereit zur Abfahrt.
Handlung Akt I Hekabe, Chor der Troerinnen Hekabe beginnt ihren einführenden, verzweifelten Monolog mit Gedanken zum Untergang Trojas. Wankelmütige Götter und Fortuna erbrachten den Beweis, dass es nicht lohnt, auf die Götter zu vertrauen. Troja brennt und wird geplündert. Sie selbst habe vergebens während ihrer Schwangerschaft schon vor Kassandra das drohende Unheil für die Stadt gesehen. (V. 1–37) Auch der grausame Mord des Pyrrhos an Priamos habe sich ihr im Traum offenbart. Sie klagt die Göttinnen und Götter an, dass Priamos nicht einmal ein Grab habe. Alle trojanischen Frauen würden verlost, versklavt und als Beute griechischen Männern überlassen. Jetzt sei eine Zeit der Klage und der Ehrungen für das untergegangene Troja. (V. 38–66) Der Chor ergänzt, dass die Frauen das schon all die Jahre seit dem schicksalhaften Besuch des Paris in Sparta täten. 10 Jahre sind seitdem vergangen, ohne dass es einen Tag ohne Trauer gegeben hätte. Gelehrig wollten sie ihrer Königin beim Trauern folgen. (V. 67–82) Hekabe setzt den Dialog fort und fordert den Chor auf, sich auch äußerlich in Kleidung und fließendem Haar als Trauernde zu erkennen zu geben und noch einmal das Klagen zu steigern, wenn man den Tod Hektors beweine. (V. 83–97) Der Chor zeigt das Einverständnis mit Hekabe durch sein Umkleiden für die Trauerhandlungen. Der bloße Oberkörper solle so von ihren Händen malträtiert werden, dass überall Trojas Seufzer zu hören seien, wenn der Chor der Troerinnen Hektor betrauere. (V. 98–115) Hekabe singt das Loblied auf Hektor und beschreibt seine besondere Rolle im Krieg gegen die Griechen. Ein Schutzwall, die Mauer Trojas sei er gewesen, und mit ihm sei auch Troja gefallen. Dann betrauert man namentlich Priamos. (V. 116–130) Der Chor stimmt jetzt ein Loblied auf den großen König Priamos an, der schließlich nach dem Tod der Kinder Hekabes als Opfer Jupiters hingeschlachtet wurde. (V. 131–140) Hekabe gibt der Trauer eine andere Richtung. Letztlich sei Priamos nicht zu beklagen, denn er sei glücklich, wenn er frei zu seinen Manen schreite. Er erlebe nicht mehr die jetzt herrschende Unfreiheit. Er sei kein Gefangener der Atriden, des Betrügers Odysseus, kein Schaustück im Triumphzug von Mykene. (V. 141–155) Der Chor tut, wie ihm geheißen: Frei sei Priamos, singt er, als König wandele er glücklich im Elysium auf der Suche nach Hektor. Wer, im Krieg sterbend, alles mit sich nähme, sei glücklich. (V. 156–163)
Akt II Talthybios, Chor der Troerinnen Talthybios berichtet, dass die Griechen wieder, wie in Aulis, an der Abfahrt gehindert würden. Warum, fragt der Chor. Der Bote erzählt von einer Vision, dass an der gesamten Küste der erzürnte tote Achilleus zu hören gewesen sei, Unheil verkündend. Polyxena solle mit Pyrrhos verheiratet werden, der sie danach an Achilleus’ Grab töten solle. Darauf habe sich die Erde über ihm wieder geschlossen. (V. 164–202)
Pyrrhos, Agamemnon, Kalchas Pyrrhos singt vor Agamemnon ein Heldenlied auf seinen Vater, der Troja besiegt habe. Agamemnon dagegen habe es nur zerstört. Deshalb sei es nur gerecht, Achilleus in Form von Polyxenas Tod eine Belohnung zukommen zu lassen. (V. 203–249) Agamemnon aber mahnt zu Mäßigung, da Großes jederzeit wieder zu Fall kommen könne. Das gelte auch für die Sieger über Troja. Gefährlich sei der Zorn, der Troja zerstörte und den er leider nicht zügeln konnte. Daher werde er einen Mord an Polyxena nicht dulden. (V. 250–291) Pyrrhos beschwert sich darüber, dass Achilleus so nicht geehrt werde. (V. 292) Agamemnon widerspricht, dass Tieropfer sehr wohl angemessen, aber Menschenopfer barbarisch seien. Es folgt ein erbitterter Streit über die Deutung der vergangenen Kämpfe. (V. 293–300) Pyrrhos attackiert aggressiv und beharrlich Agamemnon, der sich vor den Kämpfen gedrückt habe. Agamemnon wirft Pyrrhos unbedachtes Handeln vor, besonders den Mord an König Priamos. (V. 301–348) Agamemnon lässt Kalchas rufen, der in dieser Angelegenheit entscheiden soll. (V. 349–359) Kalchas, sich auf die Fata berufend, befindet die Verheiratung und das Opfer Polyxenas für angemessen, da sonst die griechische Flotte nicht auslaufen könne. Zudem fordert er ein weiteres Opfer der Unterlegenen. Hektors Sohn, Priamos’ Enkel, Astyanax, solle vom höchsten Turm der Stadt gestürzt werden. (V. 360–370)
Chor der Troerinnen Der Chor beginnt sein 2. Lied mit der Frage, was der Tod für die Menschen bedeute: Ein Leben nach dem Tod oder nicht? Nichts sei der Tod, nach dem Tod folge das Nichts für Körper und Seele. Die Unterwelt mit Cerberus sei nichts als leeres Gerede. Wo das ungeborene Leben ruhe, sei auch die letzte Ruhestätte für die Toten. (V. 371–408)
Akt III mini|Pierre Paul Prud’hon: Andromache und Astyanax Andromache, Alter Mann, Astyanax Andromache wendet sich an den Chor. Trauer, die durch Tränen zu lindern sei, weise auf kein schweres Schicksal hin. Sie aber habe schon länger ihren Mann, Hektor, durch den wilden Achilleus verloren. Seitdem sei sie empfindungslos, könne ihm auch nicht folgen, weil er es ihr verbiete. Keinen Raum mehr gäbe es für Glück. (V. 409–425) Der Alte fragt nach dem Grund ihrer Sorgen. (V. 426) Sie beschreibt ihren Traum, in dem ein trauriger Hektor ihr erschienen war und die Lebensgefahr für ihren Sohn verkündete. Sie solle schnellstens ihren Sohn in Sicherheit bringen. Dann entschwand Hektors Schatten und sie sei entsetzt aufgewacht. Die Hoffnung auf das Wiedererstehen Trojas sei Astyanax. Jetzt müsse sie ihn verstecken und sucht den gewaltigen Grabhügel ihres Gatten aus. Dieser Ort des Todes lässt sie mit all seiner Vorbedeutung zittern. (V. 426–488) Der Alte versucht sie zu beruhigen und rät ihr zu, Astyanax in Hektors Grab zu verstecken. Astyanax weicht zurück, doch der Alte ist von dem verschlossenen Versteck überzeugt. Andromache solle sich zur Ablenkung der Griechen an einen anderen Ort begeben. Der Alte sieht dann Odysseus sich nähern, worauf Andromache entsetzt ihren Sohn dem Grabhügel anvertraut. (V. 489–523)
Odysseus, Andromache Odysseus behauptet für alle Griechen zu sprechen, wenn er Astyanax’ Auslieferung fordert. Die Fata würden das angeblich verlangen, damit die Flotte in See stechen könne und man keine Angst mehr vor der Rache des Sohnes Hektors haben müsse. (V. 524–532) Andromache fragt, ob Kalchas dies geweissagt habe. (V. 533) Odysseus antwortet, auch wenn Kalchas dies nicht getan hätte, er sich jedoch an den Ausspruch Hektors erinnere, dass edelgeborener Same sich schließlich wieder erhöbe. Viele Beispiel belegten dies. Andromache solle dies verstehen und die Griechen von ihrer Furcht befreien. Sie solle ihn nicht für grausam halten, da er dafür ausgelost wurde. (V. 524–555) Odysseus durchschaut Andromaches List, als sie, scheinbar verzweifelt, klagend nach dem Schicksal ihres Sohnes fragt. Odysseus insistiert, droht mit Folter und Tod. (V. 556–581) Andromache bittet ihn geradezu um ihren Tod, den sie selbst erstrebe. Odysseus setzt sie damit unter Druck, dass sie unter Folter alles verraten werde. Andromaches Liebe zu ihrem Sohn gebe Odysseus Recht, denn auch die Griechen würden alles für ihre Kinder tun, um eine Revanche zu verhindern. Andromache versucht Odysseus’ Argument zu kontern mit der Mitteilung, Astyanax sei tot. (V. 582–597) Odysseus verlangt Sicherheiten für diese Aussage. (V. 598) Andromache schwört es. (V. 599–604) Odysseus bleibt misstrauisch, da er aus ihrem nervösen Verhalten eher auf Furcht als auf Trauer schließt. Schließlich schickt er Soldaten los, Astyanax zu suchen. Außerdem droht er zur Entsühnung der Flotte, die Asche Hektors im Meer verstreuen zu lassen und das Grab dem Erdboden gleichzumachen. (V. 605–641) Andromache ringt mit sich. Soll sie zulassen, dass die Asche Hektors überall zerstreut, ihr Sohn vom höchsten Turm der Stadt gestürzt werde? Astyanax müsse sie retten, den die Griechen fürchten. (V. 642–662) Odysseus verstärkt den Druck, indem er mit der vollständigen Zerstörung des Grabmals von Hektor droht. (V. 663–667) Andromache weist auf das Ungeheuerliche hin, das es bisher nicht gab. Die Toten hatten die Griechen in Ruhe gelassen. Andromache will bis zu ihrem eigenen Tod sich widersetzen. (V. 668–677) Odysseus muss seine Leute ermahnen, nicht auf Andromache zu hören und die gegebenen Befehle zu vollziehen. (V. 678–685) Dann wechselt sie ihre Taktik, wirft sich Odysseus zu Füßen und appelliert an seinen Familiensinn und bittet um Erbarmen. (V. 686–704) Als Odysseus seine Forderung wiederholt, gibt sie auf und fordert Astyanax auf, aus dem Grabmal zu kommen. Niederwerfen soll er sich vor Odysseus und um Schutz flehen. Flehentlich bittet sie um Milde. (V. 705–735)
mini|Sébastien Bourdon: Odysseus entdeckt Astyanax in seinem Versteck Odysseus, Andromache, Astyanax Odysseus gibt sich mitleidig, allerdings nur mit den griechischen Müttern. (V. 736–738) Andromache kämpft verzweifelt um das Leben ihres Sohnes, der doch gar keine Möglichkeit habe, sich zu rächen. Es solle ihm gewährt werden, als Sklave zu dienen. (V. 739–748) Odysseus erklärt, dass dies Kalchas, nicht Odysseus verbiete. (V. 749) Andromache beschimpft Odysseus als Fädenzieher hinter dem Unheil, das Troja traf, der selber keine kämpferische Tapferkeit zeige, sondern sogar gegen Kinder kämpfe. (V. 750–756) Dagegen verwahrt sich Odysseus knapp und verweist auf die Zeitnot angesichts der Abfahrt der griechischen Flotte. Schließlich gewährt er Andromache einen kurzen Aufschub, Weinen erleichtere ihr Herz. (V. 757–759, 762–765) Sie wendet sich klagend an ihren Sohn, dem eine hoffnungsvolle Zukunft gestohlen werde und ein schrecklicher Tod bevorstehe. (V. 760–762, 766–784) Odysseus unterbricht sie schließlich. (V. 785, 786) Sie verabschiedet sich von ihrem Sohn mit den Worten, dass er als freier Mensch gehen solle. (V. 787–791) Astyanax bittet seine Mutter um Erbarmen, klammert sich an seine Mutter. (V. 791) Andromache vergleicht ihn mit einem Jungtier, das sich vor den Griechen wie vor Löwen schützen wolle und das als schwächere Beute trotzdem fortgetragen werde. Tränen und Küsse hat sie für ihren Sohn, aber eine Anklage gegen Hektor, dass er das jetzige Unheil zulasse. (V. 792–811) Odysseus beendet die Szene mit dem Befehl, Astyanax seiner Mutter zu entreißen. (V. 812, 813)
Chor der Troerinnen