Die Fruchtwickler (Carposinidae) sind eine Familie der Insekten in der Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera). Die relativ artenarme Familie ist fast weltweit verbreitet, erreicht Mitteleuropa aber nur mit zwei (sehr seltenen) Arten. Einige Arten, vor allem Carposina sasakii, sind als Schädling ökonomisch von Bedeutung.

Merkmale mini|Carposina inscripta von der Insel Hawaii Fruchtwickler sind kleine Schmetterlinge mit einer Flügelspannweite von 12 bis 30 Millimeter. Der anliegend beschuppte Kopf trägt stark reduzierte Ocellen, oder diese fehlen ganz, ein Chaetosema ist nicht ausgebildet. Der Saugrüssel ist unbeschuppt. Die Antennen sind bei den Männchen lang, bei den Weibchen kürzer abstehend behaart. Die kurzen und unscheinbaren Maxillarpalpen sind ein- bis dreigliedrig; die Labialpalpen sind vor allem bei den Weibchen vorgestreckt und groß und auffallend, bei den Männchen nach oben gerichtet, mit dem dritten Glied vorgestreckt. Ihr zweites Segment ist in der Regel auffallend lang beschuppt. Die Vorderflügel sind recht langgestreckt, nicht abgerundet wie bei den verwandten Copromorphidae. Bei den Männchen tragen sie abstehende modifizierte Schuppenbüschel, vermutlich Duftschuppen. Im Flügelgeäder der Hinterflügel fehlt der zweite Ast (oft auch der erste) der Medianader oder Media.

Für die Bestimmung der Gattungen und Arten wesentlich ist die charakteristische Form der männlichen Begattungsorgane.

Systematik mini|Bondia nigrella Im Jahr 2011 wurden für die Familie 283 Arten in 19 Gattungen angegeben.

Zu der Familie der Fruchtwickler gehören folgende Gattungen: Actenoptila Diakonoff, 1954 Alexotypa Diakonoff, 1989 Anomoeosis Diakonoff, 1954 Archostola Diakonoff, 1949 Atoposea Davis, 1969 Blipta Diakonoff, 1954 Bondia Newman, 1856 Camacostoma Diakonoff, 1954 Campbellana Salmon & Bradley, 1956 Campylarchis Diakonoff, 1968 Carposina Herrich-Schäffer, 1853 Carposina berberidella Herrich-Schäffer, 1853 . Berberitzen-Fruchtwickler Carposina scrirrhosella Herrich-Schäffer, 1853 . Rosenfruchtwickler Commatarcha Meyrick, 1935 Coscinoptycha Meyrick, 1881 Ctenarchis Dugdale, 1995 nomen nudum of Meyrick Desiarchis Diakonoff, 1951 Epicopistis Turner, 1933 Glaphyrarcha Meyrick, 1938 Heterogymna Meyrick, 1913 Hystrichomorpha Diakonoff, 1954 Meridarchis Zeller, 1867 Mesodica Diakonoff, 1949 Metacosmesis Diakonoff, 1949 Metrogenes Meyrick, 1926 Nosphidia Diakonoff, 1982 Paramorpha Meyrick, 1881 Peragrarchis Diakonoff, 1959 Peritrichocera Diakonoff, 1961 Picrorrhyncha Meyrick, 1922 Scopalostoma Diakonoff, 1957 Sosineura Meyrick, 1910 Spartoneura Diakonoff, 1954 Tesuquea Klots, 1936 Xyloides Diakonoff, 1954

Verbreitung Die Familie ist fast weltweit verbreitet, ist aber in vielen Regionen nur mit wenigen Arten vertreten. Etwa drei Viertel der bekannten Arten sind Endemiten der Indomalayischen Region und der Australis. Artenreich sind etwa Australien (31 Arten), Neuguinea (44 Arten) und Hawaii (37 Arten). Die westpaläarktische und die amerikanische Fauna sind eher artenarm, möglicherweise kommen in der Afrotropis noch unentdeckte Arten vor.

In Mitteleuropa werden nur zwei Arten angegeben, die beide zur Gattung Carposina gehören. Der Berberitzen-Fruchtwickler Carposina berberidella frisst im Inneren von Beeren der Berberitzen. Die Art wurde 2016, als bisher einzige Art der Familie, in der Schweiz neu gefunden. Der Rosenfruchtwickler Carposina scirrhosella miniert im Inneren der Hagebutten von Rosa-Arten. In Deutschland sind beide Arten extrem selten gefunden worden und auf den Süden beschränkt. Fünf weitere Arten leben auf Madeira und den Kanaren. 2023 wurde eine weitere Art aus einer anderen Gattung, Commatarcha galicicae, in Nordmazedonien und dem Süden Rumäniens neu entdeckt und beschrieben. Deren Raupen sind bisher unbekannt.

Biologie und Lebensweise mini|Die Raupe des Rosenfruchtwicklers Carposina scirrhosella im Inneren einer Hagebutte Die Falter fliegen nachts und werden von Licht angezogen. Die Weibchen legen die Eier einzeln an Blättern oder Früchten ab. Die Raupen leben minierend in Blättern, Blüten, Früchten oder Knospen, aber auch in Pflanzengallen im Pflanzengewebe. Sie verpuppen sich manchmal nahe des Fraßgangs, bei den meisten Gattungen lassen sie sich zu Boden fallen und bilden einen mit Detritus bedeckten Kokon. Die im Boden versteckten, verpuppungsbereiten Altraupen überwintern. Es kommen ein bis zwei, in den Tropen bis drei Generationen im Jahr vor.

Die Raupen treten auf an der Gymnospermen-Familie der Steineibengewächse sowie unter anderem an Arten der Korbblütler, Glockenblumengewächse, Heidekrautgewächse, Buchengewächse, Myrtengewächse, Rosengewächse, Silberbaumgewächse und Rautengewächse. Für die Arten der Insel Hawaii werden 16 verschiedene Pflanzenfamilien als Wirte angegeben.

Ökonomische Bedeutung Eine Reihe von Arten werden als schädlich an Früchten angegeben. Besonders große Schäden gehen auf die ostasiatische Carposina sasakii zurück, die an mehr als 20 Arten von Früchten, darunter Pfirsichen, Aprikosen, Äpfel, Birnen, Chinesische Jujube, frisst. Die Art war früher auch unter den Namen Carposina niponenis und Carposina ottawana angegeben, inzwischen ist aber klar, dass es sich dabei um verwandte, aber getrennte (und nicht schädliche) Arten handelt. Carposina persicana ist möglicherweise ein weiteres Synonym, andere sehen darin eine weitere getrennte Art. Obwohl die Raupe in transportierten Früchten lange überleben kann, wurde die Art bisher nicht in neue Gebiete dauerhaft eingeschleppt.

Phylogenie und Systematik Über die Stellung der Familie Carposinidae besteht noch keine Einigkeit. Eine früher vermutete Verwandtschaft zu den Wicklern (Tortricidae) wird heute ausgeschlossen. Nächstverwandt ist nach allen neueren Untersuchungen die Familie Copromorphidae, mit der sie in einer Überfamilie Carposinoidea (früher Copromorphoidea genannt) vereint wird. Die weitere Stellung war lange Zeit unklar und umstritten. Spätere Bearbeiter bestätigten dann eine, relativ basale, Stellung innerhalb der Obtectomera. Nahe verwandt sind nach genetischen Daten die Überfamilien Alucitoidea (mit der Familie der Federgeistchen, Alucitidae) und Epermenioidea (mit der einzigen Familie der Zahnflügelfalter).

Einzelnachweise Carposina sasakii (peach fruit moth). Datasheet, von S Toyoshima. CABI Commonwealth Agricultural Bureaux International, Digital Library. John S. Dugdale, Niels P. Kristensen, Gaden S. Robinson, Malcolm J. Scoble: The Smaller Microlepidoptera-Grade Superfamilies. Kapitel 13 in: Niels P. Kristensen (editor): Handbuch der Zoologie/Handbook of Zoology Band 4: Arthropoda, 2 Hälfte: Insecta, Lepidoptera, Moths and Butterflies, Teilband/Part 35, Volume 1: Evolution, Systematics, and Biogeography. Walter De Gruyter, Berlin und New York 1998. ISBN 3-11-015704-7. Family Carposinidae auf S. 236

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Weblinks Familia Carposinidae Walsingham, 1897 (Fruchtwickler), bei Lepiforum e.V.

Kategorie:Schmetterlinge