Die Scharnhorst-Kaserne ist eine Garnison in Bremen, in der 1936 bis 1939 Wehrmachtseinheiten der Artillerietruppe stationiert waren. Benannt wurde die Anlage nach dem preußischen General Gerhard von Scharnhorst. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzt die Bundeswehr ab 1959 die Kasernenanlage, hauptsächlich für das Verteidigungsbezirkskommando 20 und heute für das Landeskommando Bremen.
Geschichte NS-Staat und Zweiter Weltkrieg Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht ab 1934 benötigte der NS-Staat zusätzliche Truppenunterkünfte. Nachdem in Bremen-Huckelriede bereits die Cambrai- und die Hindenburgkaserne errichtet und am 1. Oktober 1935 bezogen worden waren, erwarb der Reichsfiskus für 447.742,26 Reichsmark eine weitere, 122.024 Quadratmeter große Fläche, die noch am 5. Mai 1934 in Teilen als „Siedlungsland für Beamte“ durch die Stadt Bremen angeboten worden war. Im Januar 1936 begannen die Bauarbeiten für die später Scharnhorst-Kaserne genannte Anlage. Es entstanden entlang des heutigen Niedersachsendamms jeweils ein Gebäude für einen Regiments- und den Abteilungsstab sowie ein Wirtschaftsgebäude. Hinzu kamen drei Unterkunftsgebäude für jeweils eine Batterie einer Artillerieabteilung, ein Exerzierhaus, ein Exerzierplatz, drei Geschützhallen, ein Gasraum, eine Kraftfahrzeugwerkstatt und acht Kraftfahrzeughallen. Die Kasernengebäude erhielten hellgrünen Putz sowie Zierklinker und Kunststeine. Zudem versahen sie die Nationalsozialisten mit künstlerisch gestalteten Arbeiten entsprechend ihrer Ideologie. So wurde das Wirtschaftsgebäude der Kaserne mit zwei Reliefs „Alte und moderne Artillerie“ versehen. Am 26. Mai 1936 wurde Richtfest gefeiert und die Garnison zum 6. Oktober 1936 von der II./schweres Artillerieregiment 58 mit der 4. bis 6. Batterie bezogen. Die Abteilung war ab September 1939 beim Überfall auf Polen im Rahmen des X. Armeekorps beteiligt.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Fünfter Band, Die Landstreitkräfte 31–70, hrsg. vom Bundesarchiv-Militärarchiv mit Unterstützung des Arbeitskreises für Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 222
Bundeswehr Ab 1959 belegte die Bundeswehr den Standort. Folgende Stäbe, Verbände, Einheiten und Dienststellen der Bundeswehr waren bzw. sind in der Scharnhorst-Kaserne stationiert:
Einheit Stationierung ab Herkunft Stationierung bis VerbleibStandortkommando Bremen1. April 1959neu aufgestellt1963umbenannt in Verteidigungsbezirkskommando 20Bundeswehrfachschule Bremen mit Bundeswehrfachschulkompanie Bremen1961neu aufgestellt31. Januar 2002aufgelöstAusbildungskompanie 5/111. Oktober 1961neu aufgestellt18. Dezember 1961verlegt nach Wesendorf, Hammerstein-Kaserne, und dort zum 1. April 1973 in Nachschubausbildungskompanie 5/11 umgegliedertFestes Fernmeldezentrum der Bundeswehr 212/1011. Oktober 1962neu aufgestellt31. Dezember 1994aufgelöstVerteidigungsbezirkskommando 20 mit Mobilmachungsvorbereitungsgruppe und Pionierdienstgruppe1963aus Standortkommando Bremen25. Januar 2007umbenannt in Landeskommando BremenUmschlagstaffel/Nachschubkompanie 320März 1973neu aufgestelltMitte 1980er Jahreverlegt in die Weser-Geest-Kaserne nach SchwanewedeInstandsetzungslenkgruppe 7231. April 1973neu aufgestellt30. September 1994aufgelöstFernmelderevisionsdiensttrupp 212/1011. April 1974neu aufgestellt30. November 1994aufgelöstFernmelderevisionsdiensttrupp 212/1021. April 1974neu aufgestellt30. November 1994aufgelöstFernmelderevisionsdiensttrupp 212/1031. April 1974neu aufgestellt30. November 1994aufgelöstFlugsicherungsbereichszentrale 31976verlegt nach Aufstellung 1960 auf dem Fliegerhorst Oldenburg in Oldenburg i. O.1. Oktober 1978mit Flugsicherungsbereichszentrale 4 zum Flugsicherungssektor B Fernmelderegiment 81 umgegliedertFlugsicherungsbereichszentrale 4 (Eider-Control)1. Juni 1976verlegt nach Aufstellung am 27. Januar 1960 in der Julius-Leber-Kaserne in Husummit Flugsicherungsbereichszentrale 3 zum Flugsicherungssektor B Fernmelderegiment 81 umgegliedertFlugsicherungssektor B Fernmelderegiment 81 mit Luftwaffensanitätstrupp1. Oktober 1978aus Flugsicherungsbereichszentrale 3 und 430. September 1994in Flugsicherungssektor B umbenanntAusbildungsschwarm Lufttransportgeschwader 621. Oktober 1978neu aufgestellt31. Oktober 1994aufgelöstFeldjägerbataillon 722 (Geräteeinheit)1. Januar 1980neu aufgestellt30. Juni 2006aufgelöstWehrleit- und Ersatzbataillon 801 (Geräteeinheit)1. Juli 1980neu aufgestellt31. Juli 1995aufgelöstHeimatschutzregiment 72 „Hanseatisches Heimatschutzregiment“ (Geräteeinheit) mit Mobilmachungsvorbereitungsgruppe1981neu aufgestellt1993aufgelöstJägerbataillon 722 (Geräteeinheit)1. April 1981verlegt aus Bremerhaven und unter gleichzeitiger Umbenennung aus Jägerbataillon 724 (Geräteeinheit)26. März 1993in Heimatschutzbataillon 722 umgegliedertFeldwebel für Reservisten 2001. April 1981neu aufgestellt30. September 1994aufgelöstInfrastruktur- und Bauinstandsetzungsgruppe 7020 (Geräteeinheit)1. Januar 1982neu aufgestellt30. September 1994aufgelöstLuftwaffensicherungszug 6181 (Geräteeinheit)1. Oktober 1982neu aufgestellt30. September 1994aufgelöstLuftwaffensicherungszug 6281 (Geräteeinheit)1. Oktober 1982neu aufgestellt30. September 1994aufgelöstVersorgungskompanie 720 (Geräteeinheit)neu aufgestelltaufgelöstSicherungszug I IVG-Tanklager Farge (Geräteeinheit)neu aufgestelltaufgelöstSicherungszug II IVG-Tanklager Farge (Geräteeinheit)neu aufgestelltaufgelöstSicherungszug III IVG-Tanklager Farge (Geräteeinheit)neu aufgestelltaufgelöstVerteilervermittlung der Bundeswehr Bremenneu aufgestelltaufgelöstFernmelderevisionsinstandhaltungstrupp 212/101neu aufgestelltaufgelöstFernmelderevisionsinstandhaltungstrupp 212/102neu aufgestelltaufgelöstMörserkompanie 720 (Geräteeinheit)neu aufgestelltaufgelöstWallmeistertrupp 200/1neu aufgestelltaufgelöst2./Feldjägerbataillon 7201994verlegt aus der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bremen nach Aufstellung 197231. März 2003in 5./Feldjägerbataillon 152 umbenannt4./Lufttransportgeschwader 621. Oktober 1994neu aufgestellt31. März 2014in 4. Fliegende Staffel/Lufttransportgeschwader 62 umgegliedertFlugsicherungssektor B mit Luftwaffensanitätstrupp1. Oktober 1994aus Flugsicherungssektor B Fernmelderegiment 8130. Juni 2007in Flugsicherungssektor Bremen umbenanntFernmeldesektor 2011. Oktober 2000neu aufgestellt31. Dezember 2009aufgelöstHeimatschutzbataillon 722 (Geräteeinheit) „Hanseatisches Heimatschutzbataillon Bremen“26. März 1993aus Jägerbataillon 722 (Geräteeinheit)8. Juli 2007aufgelöst5./Feldjägerbataillon 1521. April 2003aus 2./Feldjägerbataillon 72030. April 2014aufgelöstWehrbereichskommando I – Jugendoffizier Bremen1. Januar 2007neu eingerichtet31. Januar 2013umbenannt in Jugendoffizier Hansestadt BremenLandeskommando Bremen25. Januar 2007aus Verteidigungsbezirkskommando 20heuteFlugsicherungssektor Bremen1. Juli 2007aus Flugsicherungssektor B30. September 2017aufgelöstBWI Informationstechnik GmbH Bremen Scharnhorst-Kaserne1. Dezember 2008neu aufgestelltheuteVerband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr Bremen1. Dezember 2008neu aufgestelltheuteVerband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr Bremen Heimatschutzbataillon1. Dezember 2008neu aufgestelltheuteRegionale Sicherungs- und Unterstützungskompanie Bremen (Ergänzungstruppenteil 2)1. September 2012neu aufgestellt31. Juli 2021umbenannt in Heimatschutzkompanie Bremen (Ergänzungstruppenteil 2)Jugendoffizier Hansestadt Bremen1. Februar 2013aus Wehrbereichskommando I – Jugendoffizier BremenheuteUnterstützungspersonal Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte Bremen1. Februar 2013neu aufgestelltheuteKreisverbindungskommando Kreisfreie Stadt Bremerhaven1. Februar 2013neu aufgestelltheuteVerbindungskommando Sanitätsdienst Landeskommando/Landesregierung Bremen1. Juli 2014neu aufgestelltheuteCIMIC-Center Teile Bremen1. Oktober 2014neu aufgestellt30. September 2017aufgelöstHeimatschutzkompanie Bremen (Ergänzungstruppenteil 2)1. August 2021aus Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanie Bremen (Ergänzungstruppenteil 2)heute4. Fliegende Staffel/Lufttransportgeschwader 621. April 2023neu aufgestelltheute
Mit der Stationierungsentscheidung 2011 blieb die Scharnhorst-Kaserne zwar erhalten. Es sollten jedoch die 260 bestehenden Dienstposten auf 70 reduziert werden. Dazu wurde die Feldjägerkompanie aufgelöst.
Teilkonversion 2008 gab die Bundeswehr die militärische Nutzung einer Teilfläche der Scharnhorst-Kaserne unmittelbar angrenzend an den Werdersee auf. Am 11. November 2008 wurden große Teile von Huckelriede durch die Bremische Bürgerschaft als Sanierungsgebiet ausgewiesen. 2009 wurde ein städtebaulicher Rahmenplan als Grundlage für das Sanierungsgebiet erstellt. Am 20. Januar 2011 wurde der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan 2417 für ein etwa 3 Hektar großes Gebiet zwischen Niedersachsendamm, Weserdeich, Friedhof Huckelriede und nördlich Hubertushöhe gefasst. Für das Kasernengebiet wurden bereits erste Bebauungskonzepte entwickelt, die im August 2011 vorgestellt wurden. Im Kontext der Flüchtlingskrise in Deutschland 2015/2016 wurden ab 16. Juni 2015 Wohncontainer für den Bau eines Übergangswohnheims für insgesamt 200 Flüchtlinge auf einer von der Kaserne abgetrennten Teilfläche aufgestellt. 2019 erwarb die Bremische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba ein 25.000 Quadratmeter großes Grundstück vom Bund. Die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans erfolgte mit Beschluss vom 28. Mai 2020. Im Dezember 2020 lagen die Ergebnisse eines durch die Wohnungsbaugesellschaft im Juni 2020 ausgelobten Architekturwettbewerbs zur Bebauung des Gebiets vor. Der Bebauungsplan wurde vom Senat der Hansestadt Bremen am 18. Mai 2021 und von der Stadtbürgerschaft am 1. Juni 2021 verabschiedet. Der Bebauungsplan legt zwei Allgemeine Wohngebiete mit Tiefgaragen und verschiedenen Gebäudehöhen von 19 bis 25 Metern, zwei private Grünflächen, eine öffentliche Verkehrsfläche für eine Erschließungsstraße mit Wendehammer sowie einen privaten Fußweg und einen öffentlichen Parkplatz fest. Entstehen sollen 214 Wohnungen, davon mindestens 85 mit Sozialbindung. Im Dezember 2022 war Baubeginn. Der erste Bauabschnitt mit 125 Wohnungen soll im Sommer 2025, der zweite mit weiteren 93 preiswerten Wohneinheiten im Frühjahr 2027 abgeschlossen sein. Das Gebiet wird als „Seehöfe“ bezeichnet.
Weitere zivile Nutzungen der Kaserne Seit 2013 nutzt die Feuerwehr Bremen Teile der Scharnhorst-Kaserne für ihre Feuerwehrschule. 2015 zog außerdem die Verkehrspolizei Bremen ein.
Weblinks Webseite der Gewoba zum Projekt Seehöfe
Einzelnachweise
Kategorie:Kaserne der Bundeswehr Kategorie:Bauwerk in Bremen Kategorie:Erbaut in den 1930er Jahren Kategorie:Gerhard von Scharnhorst als Namensgeber