mini|hochkant|Ölgemälde eines unbekannten Meisters (vor 1765) Nikolaus Willibald von Gersdorff (* 28. März 1713 in Wetzlar; † 8. März 1765 in Dresden) stammt aus dem deutschen Uradelsgeschlecht Gersdorff. Er war Grundherr, sächsisch-polnischer Gesandter, Wirklicher Geheimer Rat und Konferenzminister. Im Jahr 1745 wurde er zusammen mit seinem Vater als Reichsvikar in den Reichsgrafenstand erhoben.
mini|Schloss Baruth im 19. Jahrhundert (1949/50 abgebrochen)
Leben Nikolaus Willibalds Vater war der Hof- und Justizrat, Wirkliche Geheime Rat und Konferenzminister Gottlob Friedrich von Gersdorff (1680–1751), der als Assessor am Reichskammergericht in Wetzlar diente.Freiherr und 1745 in den Grafenstand erhoben; zuletzt Besitzer der Herrschaften zu Baruth, Rackel, Buchwalde, Kreckwitz, Kemnitz, Ober-Berthelsdorf, Kreba, Mücka, Neudorf bei Kreba, Klein-Radisch, Dauban, Bretnig und Hauswalde Seine Mutter war Johanna Sophia (Sophie) geborene von Houwald zu Straupitz (1670–1725), verwitwete von WiedebachIhr erster Ehemann war der Obersteuereinnehmer des Markgrafentums Niederlausitz Otto Georg von Wiedebach (1659–1703). Seine Großmutter väterlicherseits war Henriette Catharina von Gersdorff. Aufgrund einer gemeinsamen Großmutter war Nikolaus Willibald auch ein Großcousin des Gründers der Herrnhuter Brüdergemeine Nikolaus Ludwig von Zinzendorf.Genealogische Nachrichten. In: Lausitzisches Magazin, 1768, Band 1; S. 170–172
Gersdorff wuchs vermutlich auf dem väterlichen Gut Baruth bei Bautzen auf. 1729 trug er sich zum Studium an der Universität Leipzig ein und ging anschließend auf Kavalierstour. Danach wurde er königlich polnischer und kurfürstlich sächsischer Hof- und Justizrat. Unter dem sächsischen Herzog Friedrich August II.gleichzeitig der polnische König August III. erfolgte 1733 seine Ernennung zum Kammerherrn. Seine Karriere als Diplomat begann, als er 1740 Kursächsischer Gesandter am Kurtrierer Hof des Kurfürsten Franz Georg von Schönborn wurde. Von 1742 bis 1745 war Gersdorff Außerordentlicher Gesandter am russischen Hof in Sankt Petersburg und erlebte in Moskau die Selbstkrönung von Jelisaweta Petrowna Romanowa zur Kaiserin von Russland. Er erhielt den russischen Alexander-Newski-Orden und überbrachte 1743 dem Großfürsten Peter Fjodorowitschgeboren als Karl Peter Ulrich von Schleswig-Holstein-Gottorf, später Zar Peter III. den polnischen Orden des Weißen Adlers. 1745 wurde Gersdorff Geheimer Rat und kurzzeitig Sondergesandter am Hof des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg in Hannover bei Georg II., anschließend bis 1748 als Nachfolger von Christian von Loß Bevollmächtigter Minister in Kurbayern bei Maximilian III. Joseph. In München vermittelte er die Eheschließung der Tochter Maria Antonia des bayerischen Kurfürsten und Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Karl VII. mit dem sächsischen Kurprinzen Friedrich Christian. Nach der Rückkehr nach Dresden wurde Gersdorff zum Wirklichen Geheimen Rat befördert.
Nach dem Tod seines Vaters Ende 1751 gelangte Gersdorff in den Besitz vieler Güter in der Oberlausitz: Baruth, Milkel und Kreba, sowie Bretnig, Hauswalde, Kemnitz, Buchwalde, Kreckwitz, Rackel, Dauban, Mücka, Teichnitz, Teicha, Droben, Wessel, Lomske und Crosta. Ein politisches Wirken seinerseits ist erst wieder nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges nachweisbar. 1763 wurde Gersdorff kursächsischer Konferenzminister und war neben den Mitgliedern der Restaurationskommission einer der geistigen Führer des Wiederaufbaus nach dem Krieg. Allerdings verstarb er schon zwei Jahre später, wenige Wochen vor seinem 52. Geburtstag,Da er im Alter von 51 Jahren verstarb, kam es wohl in manchen Quellen zu der Angabe, er sei 1714 geboren worden. an den Folgen eines Schlaganfalls.M. de Necker: Gersdorffsche Familien-Nachrichten. Quedlinburg 1818, S. 81;
Ehen und Nachfahren 1. Ehe mit Johanna Margarethe (auch Magdalene) geborene Gräfin von Beichlingen (1718–1742)Tochter des Großkanzlers und Oberhofmarschalls des Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen Wolf Dietrich von Beichlingen mini|hochkant|Grabstein auf dem Gottesacker Kleinwelka: Friederike Henriette von Hohenthal geb. d. 8. September 1740 zu Dresden, entschlafen d. 18. April 1797 mini|hochkant|Grabstein von Henriette Sophie von Hohenthal (1772–1808) auf dem Gottesacker Kleinwelka Hochzeit am 28. Juni 1736 Friedrich Alexander (1738–1790) * 20. Februar 1738; † 22. Juli 1790 in Paris gedbas.genealogy.net (Gotha Adel A 1923, 243) Friederike Henriette (1740–1797); Hochzeit am 13. Mai 1768 in Gersdorf mit Peter von Hohenthal (1726–1794),Für ihn war es die zweite Ehe. dem Direktor des Adelspädagogiums der Herrnhuter Brüdergemeine in Uhyst; nach dem Tod von Adolf Nikolaus war sie bis zu ihrem Tod Eigentümerin der Herrschaft Baruth;Margarete Hamer–Prinzessin zu Lippe-Weißenfeld: 275 Jahre Lippe-Weißenfeld. Wanderung vom Land Lippe in die Lausitz. Band I. Sollermann, Leer 2009. ISBN 978-3-938897-30-0. S. 31 ihre Tochter Henriette Sophie stiftete 1804 eine Apotheke in der Kolonie Kleinwelka der Herrnhuter Brüdergemeine. Friederike Henriette zog nach dem Tod des Ehemanns mit der Tochter Henriette Sophie nach Kleinwelka, wo beide auch verstarben. Ihre Grabsteine finden sich noch heute auf dem dortigen Gottesacker.Konrad Balcke und Waldemar Fried: Führer durch Kleinwelka und Ortsteile. Sonderbeitrag zum „Welke“ Gruß aus dem Knabenschulheim. Gustav Winter, Herrnhut 1942. S. 115–116. Friederike Henriettes Todesursache war nach einer Todesanzeige in den Budissinischen wöchentlichen Nachrichten Blutsturz und Steckfluss (eine frühere Bezeichnung eines schweren Asthma bronchiale oder eines Lungenödems).II. Aus dem Vaterlande. Todesfälle. in Budissinische wöchentliche Nachrichten 1797 S. 63 (Titelseite der No. XVI vom 22. April). Der zum Tod führende hohe Blutverlustlaut Angaben im Kleinwelkaer Kirchenbuch könnte durch eine Blutung aus einer tuberkulösen Kaverne oder aus einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür erklärt werden.Frank Nager: Der heilkundige Dichter. Goethe und die Medizin. 3. Auflage. Artemis, Zürich 1992, ISBN 978-3-7608-1043-0, S. 24–28 (Zum zweitenmal in Grabesnähe: Lungen- oder Magenblutung?), 37, 47 f. und 76. Zu dem im ersten Band des Buches 275 Jahre Lippe-Weißenfeld vermuteten Suizid gibt es keinerlei Hinweise oder Belege.
2. Ehe mit Eleonore Henriette geborene von Ponickau zu Milkel (1733–1806)Tochter des sächsischen Landkammerrats Johann Adolph von Ponickau; in zweiter Ehe 1766 verheiratet mit Johann Georg Friedrich von Einsiedel Hochzeit am 21. August 1750 in Milkel Marianne (Maria) Eleonore (1752–1772);Sie verstarb im Wochenbett. verheiratet mit Friedrich Ludwig Lippe-Weißenfeld (1737–1791); ihr einziger gemeinsamer Sohn Ferdinand Graf zur Lippe-Weißenfeld (1772–1846) wurde nach dem Tod von Henriette Sophie von Hohenthal 1808 Eigentümer der Herrschaft Baruth.Walter von Boetticher: Geschichte des oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635–1815 (Band 2) Kapitel zur Lippe, Grafen und Edle Herren. Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Görlitz 1913. S. 46–47. Adolph Nikolaus (1753–1787), bis 1786 sächsischer Gesandter am Spanischen Hof;Dresden, den 11 Junii. Staats- und gelehrte Zeitung des unpartheyischen Correspondenten Nr. 95 vom 16. Juni 1786, S. 4 nach der Resignation von Friedrich Alexander 1766 war er bis zu seinem Tod Eigentümer der Herrschaft Baruth; wie eine Obduktion ergab, starb er nach einem Duell auf dem Rückweg nach Mittenwalde an einem durch innere Blutungen hervorgerufenen Schlaganfall.Brandenburgische Gränze, vom 7. Jan. In: Carlsruher Zeitung, 17. Januar 1787, Nro. 8, S. 40–41; blb-karlsruhe.de (PDF; 2,5 MB).Duell mit dem sächsischen Major Carl Ludwig Graf von Baudissin an der brandenburgischen Grenze zwischen Baruth/Mark und Mittenwalde. Baudissin bekam sechs Monate, die beiden Sekundanten je vier Monate Festungshaft auf der Festung Königstein. (Sächsisches Staatsarchiv Dresden, Archivaliensignatur 11263 Festungskommandantur Königstein, Nr. 296)
Nach dem Erbrezess von 1765 gab es umfangreiche Auflagen an den ältesten Sohn Friedrich Alexander. Er verzichtete 1766 auf die Erbschaft der Herrschaft Baruth. Da die beiden Kinder aus zweiter Ehe mit 12 und 13 Jahren noch minderjährig waren, gab es je einen Vormund. Für Marianne Eleonore war dies der Gutsbesitzer von Großwelka, August Adolph von Below (1715–1787), und für Adolph Nikolaus ein Christian von Schönberg.Sächsisches Staatsarchiv, 50120 Gutsherrschaft Baruth, Nr. 845: Testament und Erbrezess über den Nachlass des Grafen Nikolaus Willibald von Gersdorff.
Briefwechsel In der Literatur wird die Korrespondenz Nikolaus Willibalds mit dem sächsischen Premierminister Heinrich von Brühl hervorgehoben, die eine umfangreiche Berichterstattung aus dem Ausland enthält. Außerdem findet sich im Sächsischen Staatsarchiv der Nachlass des Kurfürsten Friedrich Christian, der den Briefwechsel des damaligen Kurprinzen mit Gersdorff aus der Zeit der Hochzeitsvermittlung am kurbayerischen Hof.12527: Nachlass Friedrich Christian, Kurfürst von Sachsen; Archivaliensignatur 116: Briefwechsel des Kurprinzen Friedrich Christian mit Nikolaus Willibald von Gersdorff, sächsischer Gesandter am kurbayerischen Hof. Datierung 1747
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Einzelnachweise und Anmerkungen
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